
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Hieronymus, Presb. Conf. et Eccl. Doct. (30. Sept. al. 9. Mai). Der hl.
Hieronymus, oder, wie sein Name vollständig lautet, Eusebius Hieronymus
Sophronius, der gelehrteste und geistvollste unter den Kirchenvätern des
Abendlandes, Vater der Bibelkunde und der Exegese, wurde um das J. 331 von
christlichen Eltern geboren und zwar zu Stridon * (Strido,
Stridonium), einer kleinen Stadt Pannoniens, nahe an der Gränze jenes Theiles
von Dalmatien, der heutzutage zu Steyermark gehört. Als Geburtsjahr wird von den
Neuern gewöhnlich 346 angegeben, jedoch schwanken die Angaben sehr bedeutend.
Cave und Fleury glaubten das J. 329 annehmen zu müssen; die Bollandisten, die
unsere Gewährsmänner sind, und denen unter den Neuern auch Gfrörer (K.-G. II. 2.
S. 622) beipflichtet, haben das J. 331, Baronius, Tillemont und Stolberg 342.
Sein Vater hieß Eusebius; der Name seiner Mutter ist unbekannt. Er hatte noch
einen Bruder, Namens Paulinianus, und eine Schwester, deren Name nicht auf uns
gekommen ist. Ohne Zweifel war die Familie sehr vermöglich; denn nur so war es
möglich, daß Hieronymus sich eine umfassende wissenschaftliche Bildung aneignen,
Bibliotheken erwerben und Reisen, von denen wir sogleich erzählen werden, machen
konnte. Nachdem er nämlich zu Hause unter einem sehr strengen Hofmeister die
Anfangsgründe der Grammatik erlernt hatte, ging er nach Rom, um daselbst seine
Studien fortzusetzen. Er brachte einen guten Fond christlicher Grundsätze mit
sich; denn von der Wiege weg
, schreibt er selbst, sind wir mit katholischer
Milch genährt worden.
Nach dem Gebrauche oder Mißbrauche jener Zeit war er
allerdings noch nicht getauft; aber gleichwohl machte es ihm viele Freude, an
den Gräbern der Apostel und Martyrer in den Katakomben verweilen und beten zu
dürfen, was er alle Sonntage, wie er selbst sagt, zu thun pflegte. Allein unter
dem Einflusse der heidnischen Lehrer und Lehrbücher wich seine Frömmigkeit
allmählig der großthuerischen, sinnliche Genüsse bietenden Philosophie damaliger
Zeit, und so gerieth er auf den schlüpfrigen Pfad
, auf welchem er fiel. Unter
bittern Reuethränen schrieb er später: Ich erhebe die Jungfräulichkeit bis in
den Himmel, nicht weil ich sie besitze, sondern weil ich mich vielmehr wundere,
sie nicht zu besitzen. In Andern loben, was man selbst entbehrt, ist ein
freimüthiges und schamhaftes Geständniß. Aber soll ich den Flug der Vögel nicht
bewundern, weil ich selbst einen schweren Körper habe und auf der Erde hangen
bleibe?
Und: Ich bin jener verschwenderische Sohn, welcher sein ganzes
Erbtheil vergeudet hat. Und noch hab' ich mich nicht hingekniet zu den Füßen des
Vaters, noch hab' ich nicht angefangen, die schmeichlerischen Lockungen früherer
Lust von mir abzutreiben.
Nichtsdestoweniger legte er in Rom den Grund zu
seiner Gelehrsamkeit. Sein Lehrer war der berühmte Grammatiker Donatus,
vielleicht auch der Rhetor Victorinus. (Letzteres bezweifeln die Bollandisten.)
Auch die griechische Sprache scheint mit Gegenstand des Unterrichts gewesen zu
seyn. Mit Vorliebe las er den Plautus und den Cicero. Nicht zufrieden, durch
Kauf viele Bücher erworben zu haben, schrieb er selbst mehrere ab, oder ließ sie
sich durch Andere abschreiben. In Rom blieb er bis zum J. 363. Um aber seine
Bildung zu vervollkommnen, oder auch des Vergnügens halber, beschloß er nach dem
J. 363, eine Reise nach Gallien und an die Ufer der Mosel zu machen und die
vorzüglichsten Schulen Galliens zu besuchen. Dort verweilte er mit seinem
Freunde Bonosus, der ihn begleitete, auch längere Zeit in Trier. Sein Aufenthalt
in dieser Stadt ist vorzüglich wegen der Sinnesänderung merkwürdig, die hier in
ihm vorging. Gott ganz anzugehören, um nicht blos etwas zu scheinen, sondern
auch etwas zu seyn, war sein unabänderlicher Entschluß. Er kasteite seinen Leib,
um die zu Rom begangenen Sünden abzubüßen, und wendete sich von jetzt an mit
Vorliebe dem Studium der heil. Schriften zu. Die Werke des hl. Hilarius
über die SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
n und seine Erklärung der Psalmen schrieb er während eines
Aufenthaltes in Trier ab und ging hierauf nach Rom zurück. Bisher war er aber
erst Katechumenus gewesen; jetzt ließ er sich taufen und zwar in Rom, nicht in
Aquileja, wie Andere sagen. Es ist freilich nicht ganz entschieden, ob dieß nach
seiner Zurückkunft von Gallien, oder nicht etwa schon vor seiner Abreise dahin
geschehen sei. Baronius ist für die letztere, Tillemont für die erstere Meinung,
und die Bollandisten erklären diese gleichfalls für wahrscheinlich. Wurde jedoch
der hl. Hieronymus, wie Einige schreiben, noch unter dem Papste Liberius
getauft, so muß man die Ansicht des Baronius als die richtige annehmen. Ebenso
unsicher ist, ob der Heilige von Rom zuerst Griechenland und namentlich Athen
besucht habe (wie Bollandisten andeuten), oder ob er von Rom sogleich direct
nach Aquileja gegangen sei. Seine Ankunft in Aquileja datirt der Bollandist
Stilting in das J. 370. Hier fand sich nun eine Anzahl Gleichgesinnter zusammen,
die sich gegenseitig im Streben nach Wissenschaft und Frömmigkeit förderten.
Hatte der Heilige schon in Rom manche edle Jugendfreunde, wie den Bonosus und
Pammachius, so kamen in Aquileja außer Rufinus
noch dazu der hl. Chromatius3 mit
seinem Bruder, dem hl. Eusebius8, dann Jovinus,
der Subdiakon Niceas, der Mönch
Chrysogonus, ein gewisser Innocentius und Andere, welche uns der hl. Hieronymus
als einen Chor der Engel
darstellt. Der Kreis der Freundschaft befaßte aber
noch so Manche hier wie an andern Orten, worunter namentlich der hl. Heliodorus2,
nachmals Bischof von Altinum, zu erwähnen ist. Der hl. Hieronymus mußte aber
bald von dieser trauten Schaar sich trennen. Er that es mit schwerem Herzen. Die
eigentliche Ursache seines Weggehens ist unbekannt. Er selbst gibt einen
plötzlichen, gegen ihn entstandenen Sturm als Veranlassung an. Man glaubt, eine
etwas heftige in einer Schrift an Innocentius an den Tag gelegte Auslassung
gegen einen Beamten von Vercelli, dessen Grausamkeit er wegen eines ungerechten
Todesurtheils mit lebhaften Farben geschildert, habe ihn der Gefahr großer
Verfolgungen ausgesetzt, so daß er lieber das Weite suchte und höchst
wahrscheinlich sogleich unmittelbar sich auf die See begab. (Stolberg gibt
häusliche Verhältnisse, einen Fehltritt seiner Schwester, als Ursache an.)
Anfänglich wußte er nicht, wohin er sich wenden solle; er besuchte Thracien,
Pontus, Bithynien, Galatien, Kappadocien und selbst Cilicien, wo er den hl.
Einsiedler Theodosius und dessen Gefährten in
Scopulo, nicht weit von dem Städtchen Rosus (Rhosus), besuchte. Hier erwachte in
ihm die Liebe zum Einsiedler- und Büßerleben aufs Neue. Ich komme mir vor,
schrieb er bald darauf dem Abte, wie ein krankes Schaf, das von der Heerde sich
verirrt hat. Wenn der gute Hirt mich nicht auf seine Schultern nimmt und zu
seiner Hürde heimträgt, werden meine Füße wanken; so oft ich aufstehen will,
werde ich immer sogleich wieder zusammensinken.
Er empfiehlt sich dann ins
Gebet der Mönche, damit der Hauch des heiligen Geistes ihn zum Hafen des
ersehnten Gestades geleite.
Seine beständigen Begleiter waren Evagrius und
Innocentius, welche er seine zwei Augen
nennt. Um das J. 373 hielt sich der
Heilige in Antiochia auf, wo er erkrankte. Sein Vorsatz war gewesen, Jerusalem
zu besuchen; aber er konnte ihn jetzt noch nicht ausführen; denn,
schreibt er
selbst, hier (in Antiochia) mußte ich alle möglichen Krankheiten durchmachen
und verlor eines meiner zwei Augen - den Innocentius, welchen ein hitziges
Fieber schnell hinwegraffte.
Kaum war diese Wunde vernarbt, als der Tod seines
Freundes Hylas ihm eine neue Wunde schlug. Da kam Heliodorus aus dem Orient zu
ihm und brachte seinem Herzen Trost, indem er ihn benachrichtigte, daß Rufinus
in Aegypten weile. In Antiochia, wo er an zwei Jahre, nämlich bis ins J. 374
verweilte, genoß der hl. Hieronymus längere Zeit den Unterricht des berühmten
Exegeten Apollinaris von Laodicea, welcher später durch die Häresie, der Heiland
habe seiner menschlichen Natur nach keinen menschlichen, sondern nur göttlichen
Verstand gehabt, bekannt geworden ist. Von da besuchte er den nahe gelegenen
Flecken Maronia, ein Eigenthum seines Freundes Evagrius, um den daselbst
lebenden Einsiedler Malchus kennen zu lernen.
Hieronymus weilte noch in Antiochia (wie die Bollandisten vermuthen), als er
jenen merkwürdigen Traum hatte, welcher seiner zu großen Vorliebe für heidnische
Schriftsteller auf lange Zeit einen Zaum anlegte. Er sah nämlich im Geiste sich
vor den Richterstuhl Gottes versetzt. Auf die Frage, wer er sei, gab er an: Ein
Christ.
Die Antwort lautete: Du lügst, ein Ciceronianer bist du; denn wo dein
Schatz ist, da ist auch dein Herz.
Darauf bekam er heftige Schläge, unter
welchen er bitterlich weinte und ohne Aufhören um Erbarmen rief. Als er erwachte,
waren seine Augen thränenfeucht, und der ganze Leib voll Schwielen. Von da an
las er nie mehr einen Classiker nur zum Vergnügen. Er sagt selbst, er habe 15
Jahre hindurch kein heidnisches Buch mehr zur Hand genommen. Bald verließ ihn
sein Freund Heliodorus, der ins Abendland zurückkehrte. Evagrius hatte zu
Antiochia sich zum Priester weihen lassen. Hieronymus ging nun in die Einöde von
Chalcis, wo er seit dem J. 374 sich aufhielt. Während seines vierjährigen
Aufenthaltes daselbst blieb er mit seinen Freunden Florentius, Chromatius,
Heliodorus, Nepotianus und Rufinus in einem ununterbrochenen brieflichen und
wissenschaftlichen Verkehre. Es war ihm eine große Freude, aus seiner Heimat
durch den Diakon Julianus die Kunde zu erhalten, daß seine Schwester sich
bekehrt habe; er empfahl sie ihm dringend zur Obsorge, damit sie ausharre. Er
las und schrieb fast ohne Aufhören; seine Freunde mußten ihm fortwährend Bücher
schicken. Sein Erstlingswerk, die Lebensgeschichte des hl. Paulus,
des Einsiedlers, ist in Chalcis entstanden. Am Schlusse desselben findet
sich eine Stelle, die einen tiefen Blick in die fromme Seele des Heiligen
gestattet: Gedenke, wer du immer bist, o Leser, des Sünders Hieronymus, welcher
viel lieber, wenn ihm Gott die Wahl gestattete, die Tunica des Paulus und dessen
Verdienste, als den Purpur der Könige und deren Strafen wählte.
Auch an den
Heliodorus schrieb er in diesem Sinne eine lange Epistel und ermahnte ihn zum
einsamen Leben: Was thust du in der Welt, o Bruder? Du bist größer als sie; wie
lange sollen die Häuser noch ihren Schatten auf dich werfen? wie lange noch
sollst du eingeschlossen seyn in die Kerkerluft rauchiger Städte? Glaube mir,
ich genieße ein Licht, das ich nicht zu schildern vermag. Wirf die Wucht des
Leibes von dir und flieg aus zum reinen Glanze des Aethers. Fürchtest du die
Armuth? Christus nennt die Armen selig. Scheuest du die Mühe? Kein Kämpfer
erlangt die Krone ohne Schweiß. Kümmerst du dich um Nahrung? Der Glaube fürchtet
keinen Hunger. Scheuest du dich, die durch Fasten ausgemergelten Glieder auf den
bloßen Boden zu legen? Aber der Herr theilt diese Lage mit dir. Du bist allzu
zart, mein Bruder, wenn du hier mit der Welt dich erfreuen und nachher mit
Christus herrschen willst.
Hieraus ist auf die Wohnung und die Lebensweise des
hl. Hieronymus in Chalcis zu schließen. Täglich vergoß er häufige Thränen wegen
der begangenen Sünden; der bloße Boden war seine Ruhestätte, das Angesicht und
der ganze Körper vom Fasten abgemagert. Etwas Gekochtes zu essen galt als Luxus;
was er aß, suchte er vorher durch Arbeit sich zu verdienen. Dennoch hatte er
schwere Versuchungen der Fleischeslust wie früher im Weltgetümmel und dem
genußsüchtigen Rom zu bestehen. Er schildert selbst in unnachahmlicher
Lebendigkeit die Leiden, welche ihm dieselben verursachten: Da ich nirgendwo
mehr Hilfe zu finden wußte, warf ich mich zu den Füßen Jesu hin, die ich mit
Thränen befeuchtete, mit dem Haare abtrocknete, und unterjochte das
widerstrebende Fleisch durch wochenlanges Fasten. Ich erinnere mich, daß ich oft
Tag und Nacht unaufhörlich schrie und mit Schlägen auf die Brust nicht nachließ,
bis die Ruhe, auf das Gebot des Herrn, wieder zurückkehrte. Sogar meine Zelle,
die Zeugin meiner Gedanken, mied ich; erzürnt über mich selbst, drang ich allein
tiefer in die Wüste hinein. Wenn ich irgendwo eine Thalschlucht, einen
hervorstehenden Felsen sah, da fing ich an zu beten und mein elendes Fleisch zu
züchtigen. Der Herr selbst ist mein Zeuge, daß ich oft, nachdem ich viele
Thränen vergossen und lange Zeit die Augen zum Himmel erhoben hatte, mich mitten
unter die Chöre der Engel versetzt glaubte und voll von Lust zu singen anfing.
Mit diesen Uebungen der Gottseligkeit verband der hl. Hieronymus die eifrige
Erlernung der hebräischen Sprache. Er schloß sich zu diesem Ende einem in der
Wüste lebenden Einsiedler an, der früher Jude gewesen war. Er hatte nämlich die
Absicht, eine neue Ausgabe der heil. Schriften zu veranstalten, damit die Juden
den christlichen Kirchen wegen der fehlerhaften Ausgaben, deren sie sich
bedienten, nicht länger mehr Vorwürfe machen könnten.
Dieses Studium machte ihm
viele Mühe; zum Lesen und Verstehen hatte er's bald gebracht, aber die
Aussprache wollte lange nicht gehen. Erst durch den jüdischen Lehrmeister
Baranina in Bethlehem bekam er auch hierin größere Sicherheit. Wie die
Bollandisten vermuthen, hätte er zu seiner Uebung um diese Zeit das Evangelium
nach Matthäus in hebräischem Texte abgeschrieben.
Später übersetzte er dasselbe ins Griechische und ins Lateinische. Vielleicht
ist auch der Anfang seiner Erklärung des Propheten Abdias
in diese Zeit zu setzen. Baronius hält dafür, er habe diese Arbeit im J. 372
oder 373 begonnen; Tillemont meint, dieses sei noch in Antiochia geschehen; die
Bollandisten aber machen es wahrscheinlich, daß es nicht vor dem J. 375
geschehen sei, also zur Zeit, welche der Heilige in der Wüste zu Chalcis gelebt
habe. Dreißig Jahre später gab er einen andern verbesserten Commentar über
denselben Propheten heraus. Nun brach aber in der Kirche zu Antiochia eine große
Spaltung aus, da außer dem Arianer Euzojus drei Bischöfe: Meletius, Paulinus und
Vitalis auf die Patriarchenwürde Ansprüche erhoben. Der hl. Hieronymus hatte
damals schon so große Berühmtheit erlangt, daß man ihn zur Entscheidung in
diesem Streite drängte. Er hatte sich bisher nicht eingemischt, sondern völlig
neutral sich an unzweifelhaft katholische Bischöfe Syriens gehalten. Die Mönche,
Anhänger des Meletius, wollten dieß nicht zugeben und schrieen den Hieronymus
außerdem für einen Häretiker aus, weil er über die drei göttlichen Personen
nicht eben dieselben Ausdrücke gebrauchen wollte, die sie gebrauchten, weil
dieselben der Einen göttlichen Wesenheit und Natur entgegen zu seyn schienen. Er
bat also den Papst Damasus um die entscheidende
Antwort. Aus seinem bei diesem Anlasse verfaßten Schreiben ersehen wir die
unbedingte Ergebenheit des Heiligen an den Stuhl des hl. Petrus
zu Rom: Ich folge keinem Anführer außer Christus und stehe in Gemeinschaft mit
deiner Heiligkeit, d. i. mit dem Stuhle Petri (Beatutidini tuae, id est
Cathedrae Petri, communione consocior). Ich weiß, daß die Kirche auf diesen
Felsen gebaut ist. Wer immer außerhalb dieses Hauses das Lamm ißt, ist ein
Unheiliger (profanus). Wer nicht in der Arche Noa's ist,
wird in der Sündfluth umkommen ... Ich kenne den Vitalis nicht, den Meletius
verwerfe ich, von Paulinus weiß ich nichts. Wer nicht mit dir sammelt, zerstreut,
d. i. wer es nicht mit Christus hält, ist ein Anhänger des Antichrists.
Noch
einen andern ähnlichen Brief schrieb Hieronymus an Damasus, dessen Antwort
leider nicht auf uns gekommen ist. Sie war unzweifelhaft dem Paulinus günstig,
da Hieronymus sich von diesem in Antiochia (um das J. 379) zum Priester weihen
ließ. Noch in demselben Jahre (379 oder 380) verfügte sich der hl. Hieronymus
nach Constantinopel, um die Vorträge des hl. Gregorius
von Nazianz zu hören und sich in der griechischen Sprache und Literatur noch
weiter auszubilden. Hier übersetzte er wahrscheinlich das Chronikon des Eusebius
und schrieb einige Zusätze zu demselben; außerdem übersetzte er 28 Homilien des
Origenes über Ezechiel und Jeremias ins Lateinische. Dazu kam eine kurze
Abhandlung über die Seraphim
. Er hatte damals schon die Absicht, eine
Uebersetzung der Septuaginta
zu veranstalten, und wollte hiedurch sich auf
diese Arbeit vorbereiten. Da aber die Wirren in der orientalischen Kirche noch
immer fortdauerten, so berief Papst Damasus zu ihrer Beendigung im Jahr 381 ein
Concilium nach Rom, bei welchem auf Einladung des Papstes mit Paulinus und
Epiphanius3 auch der hl. Hieronymus
erschien. Die genannten zwei Bischöfe brachten den Winter in Rom zu und kehrten
dann wieder auf ihre Sitze zurück. Der hl. Hieronymus blieb aber in Rom als der
vertraute Freund und Rathgeber des Papstes, der sich seiner wie eines
Geheimschreibers bediente (deßwegen sieht man den Heiligen öfter als Cardinal
abgebildet), und wohnte in einem Kloster von Roms Vorstädten. Wahrscheinlich
hielt er auch öffentliche Vorträge, in welchen er vor ausgewählten Zuhörern die
heil. Schriften erklärte und Anweisungen zum frommen Leben ertheilte. Unter den
Personen, die sich seiner Leitung unterzogen, sind auch mehrere Frauen, welche
durch die Heiligkeit ihres Lebens zu großer Berühmtheit gelangten. Die erste,
die sich an ihn anschloß, war Marcella, eine Wittwe
von vollblütigem römischem Adel, Enkelin von Consularen und Präfecten und sehr
reich. (Sie findet sich am 31. Jan. im Mart. Rom., wie denn auch die meisten der
Nachfolgenden als Heilige in der Kirche verehrt werden.) Ihr folgten Marcella's
Schwester Paula, mit ihren Töchtern Bläsilla
und Eustochium1, letztere unsers Heiligen
Lieblingsschülerin; ferner Asella, Lea,
Principia, Melania, Felicitas25,
Marcellina, Feliciana
und Fabiola (S. 156), lauter vornehme und
reiche Wittwen oder Jungfrauen. Da er beim Papste in großer Gunst stand, hatte
er natürlich auch viele Neider und Verleumder, besonders da er sich über das
ungeistliche Leben vieler Geistlichen in Rom freimüthig äußerte. Es fehlt nicht
an Manchen,
schreibt er, die mir eben die Hand küßten und noch warm vom Kusse
über mich lästerten.
In Rom war es auch, wo er außer manchen Schriften von
geringerer Bedeutung auf die Veranlassung des Papstes Damasus eine kritische
Ausgabe der Evangelien und der Apostelgeschichte nach der Vulgata, die er
sorgfältig mit dem Urtexte verglich, veranstaltete und die Psalmen mit der
griechischen Uebersetzung (der sog. Septuaginta) in Einklang brachte. **
Ums I. 384 (wie die Bollandisten vermuthen) verfaßte er seine Streitschrift
gegen Helvidius über die beständige Jungfaruschaft Mariä
. Er kannte seinen
Gegner nicht, wußte nicht, ob er schwarz oder weiß aussehe
, und glaubte
ebendeßhalb um so weniger schonungsvoll mit ihm verfahren zu dürfen, weil
persönlicher Haß nicht die Ursache seiner Angriffe seyn konnte. Denen,
sagt er,
die mir vorwerfen, ich hätte von Neid entbrannt so geschrieben, will ich
kurzweg antworten, daß ich Ketzer nie geschont, vielmehr alles darauf angelegt
habe, daß die Feinde der Kirche auch meine Feinde würden.
Kurz darauf
veröffentlichte er seinen unvergleichlich schönen Brief an die hl. Eustochium
über die Bewahrung der Jungfräulichkeit
. Im August des J. 385, bald nach dem
Tode des Papstes Damasus, ging er wieder nach dem Orient. Viele hatten bei der
Papstwahl bereits ihr Auge auf den hl. Hieronymus gerichtet. In seiner
Begleitung befanden sich, nebst dem Priester Vincentius von Constantinopel, sein
jüngerer Bruder Paulinianus und einige Mönche. Die Reise ging über Reggie
(Rhegium), bei dem Vorgebirge Malea und den Cycladischen Inseln vorbei, nach
Cypern, wo er vom hl. Epiphanius mit vieler Freude empfangen wurde. Von da weg
kam er nach Antiochia, wo er den hl. Patriarchen Paulinus besuchte. In seiner
Begleitung kamer mitten im Winter und in der heftigsten Kälte in Jerusalem an.
Hier sah er die vielen Wunder, die er früher nur vom Hörensagen kannte, und
prüfte sie durch den Augenschein. Wohl mit Recht schließen hieraus die
Bollandisten, daß er früher nie dort gewesen war. Bald nach ihm (oder vielleicht
schon mit ihm) kam auch die hl. Paula nach Jerusalem. Sie hatte denselben Weg,
wie ihr Lehrmeister Hieronymus, eingeschlagen und gleichfalls einige Zeit bei
Paulinus zugebracht; die Strecke von Antiochia aus mochte sie in Gesellschaft
des hl. Hieronymus hieher gemacht haben. Alle heiligen Orte besuchte der Heilige,
um sich durch eigene Anschauung zu einem möglichst gründlichen Schrifterklärer
zu bilden, und ließ sich zu diesem Ende von gelehrten Juden begleiten, um die
alten Denkmäler der heil. Geschichte an Ort und Stelle zu erforschen. Das
nächste Frühjahr (386) brachte ihn nach Alexandria und in die Klöster Nitriens,
wo er die Büßerschaaren der Heiligen sah. Dann kehrte er nach Palästina zurück,
um an der Krippe des Erlösers sich niederzulassen. In Alexandria hatte er auf
Verlangen der hl. Paula den blinden Exegeten Didymus besucht und oft seinen
Vorträgen beigewohnt und ihn veranlaßt, einen Commentar über die Propheten Osee
und Zacharias herauszugeben. Anfänglich bewohnte er
eine kleine einsame Zelle, später jedoch (388 oder 389) ein förmliches Kloster.
Was er aber hier für die biblischen Wissenschaften, für die Angelegenheiten der
Kirche, für die Seelsorge im Großen und im Einzelnen, für das Institut des
einsiedlerischen Lebens, für die Errichtung und zweckmäßige Einrichtung von
Frauenklöstern, für die Anfnahme und Verpflegung der christlichen Pilger und für
andere Liebeswerke gethan hat, kann hier nicht beschrieben werden. Hatte er
schon früher hebräisch gelernt, so bestellte er sich jetzt, um es noch besser zu
lernen, den gelehrten Juden Bar-Anina als Lehrer, der jedoch nur bei der Nacht
zu ihm sich stehlen mußte. Er las dann mit der hl. Paula und ihrer Tochter
Eustochium die ganze heil. Schrift in hebräischer Sprache und erklärte sie. Im J.
389 schrieb er seine Commentare über die Briefe Pauli an Philemon,
an die Galater, an die Epheser und an Titus, welchen
bald eine Erklärung des Predigers folgte. Die drei Schriften: über hebräische
Fragen zu der Genesis, über die Lage und Benennung der hebräischen Ortschaften
und über die hebräischen Eigennamen sind im folgenden Jahre entstanden. Dann
übersetzte er eine Abhandlung des Didymus über den heiligen Geist und weitere 39
Homilien des Origenes zu Lucas. Des Didymus
Uebersetzung hatte er bereits in Rom angefangen, und sie ist für uns desto
werthvoller, weil der Text des Didymus verloren gegangen ist. Hierauf folgte die
Erklärung eines Theils der Psalmen und die Lebensgeschichte der hhl. Mönche
Malchus und Hilarion (s. d.).
Das größte und bleibendste Verdienst um die ganze Kirche Gottes erwarb er sich
aber durch seine Uebersetzung der Bücher des A. Testaments aus dem hebräischen
Urtexte. Es geschah nämlich oft, daß seine Freunde bei ihren Streitigkeiten
gegen Juden mit der lateinischen Uebersetzung aus der Septuaginta nicht
ausreichen konnten, weil die Juden sich immer auf das Original beriefen. Daher
entschloß er sich, aufgefordert von seinen Freunden, endlich zu der allerdings
sehr schwierigen Arbeit, die Bücher des A. T. aus dem hebräischen Original
selbst zu übersetzen, zu welchem Zwecke er schon seit längerer Zeit
Vorbereitungen getroffen und namentlich gute Handschriften sich verschafft hatte.
Doch zog er bei dieser Uebersetzung, die er nach und nach machte, auch die
Septuaginta und andere griechische Uebersetzungen zu Rathe, und nach dieser
Uebersetzung des hl. Hieronymus, welche nach und nach immer mehr zur Geltung kam,
wenn sie ihm auch Anfangs von vielen Seiten, ja selbst vom hl. Augustinus,
der ihn doch sonst sehr schätzte, manchen Tadel zuzog, sind denn die meisten
Bücher *** des A. T. in unserer, von der Kirche als
authentisch erklärten Vulgata. Nebenher schrieb er Erklärungen über die
Propheten Nahum, Michäas,
Sophonias, Aggäus
und Habakuk, und seine für die
Kirchengeschichte wichtige Abhandlung von den kirchlichen Schriftstellern, aus
welcher mehrere Lectionen im Breviere genommen sind. Dazu kam ein ausgedehnter,
weitläufiger Briefwechsel und zahlreiche Streitschriften, vorzüglich gegen
Rufinus. Im Jahr 393 entstand seine Schrift gegen Jovinianus zur Vertheidigung
der Vorzüge des jungfräulichen Lebens. Freilich warfen ihm jetzt seine Feinde
vor, er erniedrige die Heiligkeit der Ehe, weßhalb er um das J. 394 oder 395
eine Schutzschrift herausgab, in welcher er sagt: der Streit ist, daß jener
(Jovinianus) die Ehe dem jungfräulichen Leben gleichstellt, wir aber sie ihm
unterordnen.
Er sei weit entfernt, den Irrlehren eines Marcion oder eines
Manichäus, welche die Ehe verwarfen, zu folgen; es könne in einem großen Hause
nicht lauter goldene und silberne Gefäße geben; er kenne wohl die göttliche
Einsetzung der Ehe, aber wir geben der Ehe eine solche Stellung, daß wir die
Jungfrauschaft, die aus der Ehe entsteht, vorziehen. Ist etwa das Silber nicht
Silber, weil das Gold kostbarer ist?
Diese Schutzschrift aber erfuhr keine
Angriffe, selbst nicht von Seite des boshaften Rufinus. Wenn er auf diese Weise
die Reinheit der Lehre und des Glaubens gegen die unberechtigten Einmischungen
der Vernunft zu vertheidigen hatte, wie dieß besonders auch nachher in den
Origenistischen Streitigkeiten der Fall war, so entbrannte sein Feuereifer
selbst gegen langjährige Freunde wie Rufinus in einem Grade, den man für
unglaublich halten möchte, wenn nicht seine Schriften als unwiderlegliche Zeugen
es bestätigten. Der Irrlehrer Vigilantius forderte den vollen Zorn des Heiligen
heraus, welcher ihn in einem eigenen Buche bekämpfte. Auch die Pelagianische
Secte erfuhr noch gegen Ende seines Lebens die unerschütterliche Kraft seines
Wortes. Nebenher war es aber stets das Studium der heil. Schrift, das ihn
unaufhörlich beschäftigte und seine ganze Thätigkeit allein in Anspruch zu
nehmen schien. Die über dieselbe herausgegebenen kleinern Schriften und
Abhandlungen sind so zahlreich, daß wir sie nicht alle namhaft machen können. Da
er schon oft herben Tadel bezüglich seiner Art zu übersetzen hatte erfahren
müssen, so schrieb er an Pammachius einen Brief, den er anderswo ein Buch nennt,
über die beste Weise zu übersetzen, worin er durch einige aufgestellte
Grundsätze seine Methode rechtfertigt. Zur Abfassung solcher Werke war er aber
auch nicht nur durch seine ausgebreitete Gelehrsamkeit, sondern durch seine
Frömmigkeit und heilige Gesinnung ganz vorzüglich befähigt. Auch haben wir unter
seinem Namen ein altes Martyrologium, welches aber wohl nicht von ihm herstammt,
wenn er auch durch die von ihm verfaßten Lebensbeschreibungen von Heiligen zu
demselben die Veranlassung gegeben haben mochte. - Bei allen diesen vielen
Arbeiten vergaß er sich selbst nicht; denn er hatte, nach seinen eigenen Worten,
diesen Zufluchtsort gewählt, um in stiller Zurückgezogenheit und strengen
Bußwerken den Gerichtstag zu erwarten, den er täglich und stündlich vor Augen
hatte. Durch seine erstaunliche Thätigkeit hat er sich den Dank und die Liebe
aller Rechtgläubigen aller Zeiten erworben. Der hl. Augustinus, selbst ein
großes Kirchenlicht, zählte ihn zu seinen Freunden. Allerdings hat er durch
seine offene, derbe Sprache sich auch vielen, zum Theil nicht ganz ungerechten
Angriffen ausgesetzt; aber der Freund der Wahrheit schätzt bei allem dem die
Reinheit der Absicht und seine unbesiegbare Tüchtigkeit. Nur die wichtigsten
seiner Arbeiten wollen wir noch wie im Fluge berühren. Die Erklärung der kleinen
Propheten beendigte er in den Jahren 404-406. Im folgenden Jahre übersendete er
der Marcella und dem Pammachius seine Auslegung der schwierigern Stellen Daniels.
Weiterhin verfaßte er in den Jahren 408 bis 410 die Erklärung des Jesaias.
Schon rüstete er sich zur Auslegung des Ezechiel,
als entsetzliche Nachrichten aus Italien einliefen. Die Gothen hatten unter
Alarich im J. 410 Rom eingenommen und geplündert; viele seiner Freunde waren in
Folge der erlittenen Mißhandlungen gestorben. Seine Arbeit schritt daher nur
langsam vorwärts, besonders seitdem auch die Ruhe Palästina's durch Einfälle der
Barbaren gestört war. Auch die täglich größer werdende Augenschwäche hinderte
den achtzigjährigen Greis in seinen gewohnten Anstrengungen. Er scheint gegen
das J. 415 mit Ezechiel fertig geworden zu seyn. Im folgenden Jahre wurde er in
Folge seines Auftretens gegen die Pelagianer von einem diesen günstigen
Pöbelhaufen in seinem Kloster überfallen und entging größern Leiden nur durch
schleunige Flucht. Die Klostergebäude wurden in Asche gelegt. Nach diesem Sturm
kam er wieder zurück, um seine Arbeiten fortzusetzen. Er begann die Erklärung
des Jesaias, welche er bis zum 32. Capitel brachte, als er am 30. Sept. 419 in
Gott selig verschied, nach Einigen in einem Alter von 91, nach den Bollandisten
aber in einem solchen von 88 Jahren. Anfänglich ruhte sein Leib in Bethlehem
neben den Trümmern seines Klosters; in der Folge aber wurden seine Reliquien
nach Rom gebracht (wie die Bollandisten zeigen, am Schlusse des 13.
Jahrhunderts), wo sie in St. Maria der Größern in der Kapelle der Krippe des
Heilandes ruhen, bei welcher er lebend so lange gebüßt, gebetet und gewirkt
hatte. Im Mart. Rom. ist diese Uebertragung auf den 9. Mai angesetzt, während
als Tag seiner Verehrung der 30. Sept. angegeben ist. In Abbildungen wird dieser
heil. Kirchenlehrer mit den verschiedenen Symbolen seines thatenreichen Lebens
dargestellt. Am öftesten sieht man ihn als Büßer und Einsiedler, sich mit einem
Steine auf die Brust schlagend, oder in tiefe Betrachtung versunken, oder in der
heil. Schrift lesend, um sich und über sich die Zeichen der Buße, des Todes und
des Gerichtes. Er hat eine brennende Kerze neben sich, um die mit Abfassung
seiner zahlreichen Werke durchwachten Nächte anzudeuten. Oft schwebt über ihm
die Posaune, von welcher er schreibt: Ich mag wachen oder schlafen, immer tönt
in meinen Ohren die schreckliche Stimme: Auf ihr Todten, kommt zum Gerichte!
Warum er da und dort mit dem Cardinalshute erscheint, ist oben schon angegeben.
Auch einen Löwen hat er zuweilen an der Seite, entweder weil er in der syrischen
Wüste wohnte, oder weil er muthig wie ein Löwe gegen sein eigenes Fleisch und
gegen die Feinde der Wahrheit kämpfte, bis er in die Ruhe seines Herrn einging,
oder endlich weil er nach Menzel (Symb. II. 38) einmal einem Löwen einen Dorn
aus dem Fuße zog, so daß dann derselbe aus Dankbarkeit immer bei ihm blieb. Die
Bollandisten erklären zwar dieses für eine Fabel; aber die Maler benützen auch
solche Fabeln bei ihren Bildern. Auf einem Bilde von Sacchi im Louvre sind nach
Menzel (Symb. I. 488) die vier Kirchenväter mit den Attributen der vier
Evangelisten dargestellt; Hieronymus den geflügelten Menschen neben sich als der
mildeste, Augustinus den Adler als der geistig feurigste, Ambrosius
den Löwen als der kühnste, Gregorius den
Ochsen als der fleißigste, unermüdlichste. - Reliquien des Heiligen finden sich
in verschiedenen Städten Italiens, Deutschlands, Frankreichs, Belgiens und
anderer Länder. Im Brevier findet sich sein Fest am 30. Sept. ritu dupl. - Auch
als Ordensstifter wird der hl. Hieronymus verehrt; denn nach W. W. (K.-L. V. 166)
stellten sich einige im 13. und 14. Jahrhundert entstandene Eremiten-Orden unter
den Schutz, theilweise auch unter die Regel des Heiligen, und nannten sich
Hieronymiten. Die spanischen Eremiten dieses Namens, eine Abzweigung des dritten
Ordens des hl. Franciscus von Assisi,
welche unter der Leitung des sel. Thomas von Siena standen, erhielten im J. 1374
durch Papst Gregor XI. kirchliche Gutheißung. Ebenso erhielten mehrere
Einsiedler zu Valencia, welche sich gleichfalls unter dem Namen Hieronymiten
vereinigten, päpstliche Bestätigung. Zu besonders hohem Ansehen gelangte das
Kloster U. L. Frau zu Guadalupe in Estremadura. Sie breiteten sich bis nach
Amerika aus. Ihre bedeutendsten Klöster in Spanien waren außerdem das des hl.
Isidor zu Sevilla, des hl. Justus, wo
Kaiser Karl V. in strengster Zurückgezogenheit seine letzten Tage verlebte, und
das des hl. Laurentius bei Escurial, erbaut von
Philipp II. Seit dem Anfange des 16. Jahrhunderts gab es in Spanien auch
Frauenklöster dieser Congregation. Die italienischen Hieronymiten, genannt von
der Observanz
, wurden im J. 1424 von Lope von Olmeda, Bisthums Sevilla,
eingeführt. Ihre Regel ist den Schriften des hl. Hieronymus entnommen und durch
Papst Martin V. bestätigt. Später nahmen sie die Regel des hl. Augustinus an.
Auch in Rom und Neapel erhielten sie eine Niederlassung. Eine andere
Congregation dieses Namens, gegründet durch Peter Gambacorti gegen das Ende des
14. Jahrhunderts, verbreitete sich durch Italien, Tyrol und Bayern. Ihr
Mittelpunkt war das Kloster auf Montebello in Umbrien. Mit ihr vereinigte
Clemens XI. die durch Papst Innocenz VII. gleichfalls der Regel des hl.
Hieronymus unterstellte Congregation von Fiesole, welche Karl von Monte Granelli
im J. 1380 gestiftet hatte. Im J. 1688 wurde aber letztere Congregation ganz
aufgehoben. (VIII. 418-688.)
* Bei Ritter findet sich eine Ortschaft mit dem
Namen Strido (Strigau) als Flecken in Ungarn, Szalader Gespannschaft,
nordöstlich bei Fridau, an der Gränze von Steyermark
. Diese Bezeichnung stimmt
ganz mit der der Bollandisten überein, welche sich (Sept. VIII. 426-427) für das
auf Homanns 49. Karte aufgeführte Stridova erklären, das dort ausdrücklich als
Vaterstadt des hl. Hieronymus bezeichnet ist. Diese Ortschaft, welche nach den
verschiedenen slavischen Dialekten Strigova, Strigna etc., nach Bruzen (X. 526)
auch Sdrin, Sdrigno etc. heißt, liegt zwischen der Drau (Dravus) und der Mur
(Mura), nicht sehr weit vom Zusammenflusse derselben. Sie wurde im J. 380 von
den Gothen zerstört, später aber wieder aufgebaut. Daß sein Geburtsort nicht im
heutigen Dalmatien zu suchen ist, geht aus dem hervor, was der hl. Hieronymus in
seinem Buche De Scriptor. eccles. am Ende von sich selbst sagt: Hieronymus,
patre Eusebio natus, oppido Stridonis, quod a Gothis eversum, Dalmatiae quondam
Pannoniaeque confinium fuit. Somit lag Stridon an der Gränze von Dalmatien und
Pannonien, auf jener zwischen der Drau und der Mur liegenden Insel, welche
heutzutage zu Ungarn gehört. Nach Andern wäre die Geburtsstadt des hl.
Hieronymus im heutigen Bosnien gelegen.
** Da in die alte lateinische Uebersetzung der
heiligen Schriften (die sogenannte Itala) durch die Länge der Zeit mehrere
Fehler eingeschlichen waren, so änderte er, der Septuaginta folgend, nach bestem
Wissen und Gewissen, was ihm einer Aenderung besonders bedürftig schien. Diese
erste Revision ist unter dem Namen Psalterium Romanum bekannt, erhielt in Rom
kirchliches Ansehen und ist in der Basilica Vaticana noch heute in Gebrauch. Aus
dieser Revision haben wir im Missale einige Stellen und in unserm Brevier den
Psalmus 94. Invitatorius (Venite, exultemus ...
); aber in Epiphania Domini ist
dieser nämliche Psalm nach seiner zweiten Revision, welche unter dem Namen
Psalterium Gallicanum bekannt ist, weil es in der Gallischen Kirche zuerst
eingeführt ward. Diese Recension machte er um das Jahr 390 nach dem
hexaplarischen Texte des Origenes, und nach dieser sind die Psalmen auch in
unserer Vulgata, während die meisten übrigen Bücher des A. T. nach seiner
Uebersetzung aus dem hebräischen Terte sind, wovon später die Rede seyn wird.
*** Nur das Buch Baruch, das Buch der Weisheit (Sapientia), Jesus Sirach (Ecclesiasticus) und die zwei Bücher der Makkabäer sind aus der alten sogenannten Itala, die Psalmen aber, wie oben bemerkt, aus seiner zweiten Recension nach der Septuaginta.

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