
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Hubertus (Hucbertus), Ep. Tungr. (3. Nov. al. 29. Apr. 30. Mai, 30. Sept.)
Vom Altd. = glänzend durch Einsicht, Klugheit etc. - Die Jugendgeschichte dieses
berühmten hl. Bischofs Hubertus von Tongern * und Patrons von
Lüttich ist mit vielen Sagen vermischt, die wir jedoch nicht ganz umgehen wollen,
besonders da sie auch in mehreren Legenden vorkommen. Nach denselben war er ein
Sohn des Herzogs Bertrand von Aquitanien (Guienne). Seine Geburt setzt man in
das J. 656 oder 658, in welchem der hl. Lambertus,
dessen Nachfolger er werden sollte, Bischof von Tongern wurde. Von seiner Mutter
Hugberne und seiner Tante Oda fromm erzogen, habe er schon frühzeitig
kriegerischen Geist gezeigt, sei dann an den Hof des Frankenkönigs Theodorich
III. in Neustrien gekommen und von diesem wegen seiner vortrefflichen
Eigenschaften zum Pfalzgrafen ernannt worden. Da es ihm dort nicht gefiel, begab
er sich nach Metz, der Hauptstadt von Austrasien, wo er bei Herzog Pipin von
Heristal eine ansehnliche Stelle bekleidete. In einem Alter von etwa 26 Jahren
ehelichte er die tugendhafte Tochter des Grafen Dagobert von Löwen, Namens
Floribane, welche ihm einen Sohn gebar, mit Namen Floribertus,
der später seinem Vater auf dem bischöflichen Stuhle von Lüttich nachfolgte. (S.
S. Florebertus.) Hubertus war ein
leidenschaftlicher Jäger. Da geschah es nun einmal, nicht lange nach seiner
Verehelichung, daß er (nach Einigen am Charfreitage) auf der Jagd im Ardenner
Walde von seinen Gefährten sich verirrte und plötzlich einen Hirschen sah,
zwischen dessen Geweihen ein glanzumstrahltes Crucifix war. Zugleich vernahm er
die Mahnung, den Hof zu verlassen und sich nach Mastricht zum hl. Bischofe
Lambert zu begeben, um dort weitere Belehrungen zu empfangen. Dieser nahm ihn
freundlich auf und fand ihn sehr geneigt für das klösterliche Leben, rieth ihm
aber, sein Vorhaben noch einige Zeit zu verschieben. Schon nach zwei Jahren
starb seine Frau, und da ihn nun nichts mehr hinderte, so folgte er dem Zuge
seines Herzens und begab sich mit dem Segen des hl. Bischofs Lambert in den
Ardenner-Wald, wo er früher jene Erscheinung gehabt hatte, und wo er nun in der
Einsamkeit durch Abtödtung und Studium der heil. Schrift sich zu einem
vollkommenen Geistesmann bildete. Nach mehreren Jahren fühlte er sich, wie
Einige berichten, ermahnt, eine Wallfahrt nach Rom zu machen, und war eben
zurückgekommen, als der hl. Lambertus die Marterkrone erlangt hatte. Nach
Godescard's Zeitrechnung (But. XVI. 105), welche auch von den Bollandisten (Oct.
I. 514) angenommen wird, geschah dieses im J. 708 oder 709, während Andere, z. B.
W. W. (V. 356), behaupten, es habe damals noch Papst Sergius I
(687-701) regiert. Nach Werfer (S. 1011) hätte der hl. Hubertus den Tod des hl.
Bischofs Lambert noch in Rom wunderbarer Weise erfahren und wäre von Papst
Sergius selbst (um das J. 695) zum Priester und Bischofe von Mastricht geweiht
worden. Bei dieser Gelegenheit soll ihm unter Andern auch der hl. Petrus
erschienen seyn und einen goldenen Schlüssel als Zeichen der Löse- und
Bindegewalt übergeben haben. Seit dieser Zeit habe er auch die besondere Gewalt
gehabt, Tobsüchtige etc. zu heilen. Seine Erhebung auf den bischöflichen Stuhl
sei durch eine himmlische Stimme den Bewohnern von Mastricht verkündet worden
etc. Nach Butler (XVI. 105) und Andern, bei denen von einer Reise nach Rom keine
Rede ist, wurde er sogleich nach seiner Bekehrung von dem hl. Bischof Lambert
unterrichtet, dann zum Priester geweiht und wegen seiner Tüchtigkeit sogar zum
Gehilfen in der Leitung seiner Diöcese ernannt, endlich aber nach Lamberts Tod
einstimmig zu seinem Nachfolger erwählt. Als Bischof war der hl. Hubertus
eifrigst bestrebt, das gute Beispiel seines hl. Vorgängers Lambertus in jeder
Beziehung nachzuahmen. Im J. 720 übertrug er nach Butler dessen heil. Reliquien
von Mastricht nach Lüttich, an die Ufer der Maas, einem damals noch
unansehnlichen Dorfe, das sich aber später zu einer großen Stadt erhob. Er
setzte dieselben bei in einer schönen Kirche, die er an der Stelle hatte erbauen
lassen, wo der hl. Lambertus sein Blut vergossen. An die Seite desselben brachte
er auch die Reliquien der hl. Madelberta. In der
Folge (nach Einigen im J. 721) verlegte er auch den bischöflichen Stuhl dahin,
erhob die Kirche zur Kathedrale und wurde so der Patron von Lüttich. Alles in
der Welt erworbene Vermögen theilte er am Anfang seines bischöflichen Wirkens
den Armen aus, um deren Herzen desto leichter dem Evangelium zu gewinnen. Die
Welt und sogar das Leben hätte er aus Liebe zu seinem Heiland
gern hingegeben. Selbst die höchste Tugend, pflegte er zu sagen, sei erst der
Anfang der Vollkommenheit, wenn nicht das Opfer des Leibes in dem Tod dieselbe
vollende. Daher suchte er Martyrer für den Glauben zu werden. Kein Wunder, daß
sein Lebensbeschreiber bei Surius unter Anderm sagt: Als getreuer Haushalter
hat er den Samen des göttlichen Wortes seinen Mitknechten mit ganzem Ernst
ausgespendet, und was er mit Worten predigte, hat er mit eigenem Thun, wie man
es halten soll, vorgezeigt.
Das ganze Gebiet der Ardennen, wo vielfach noch
heidnischer Sinn und Wandel herrschte, gewann er mit unsäglicher Mühe dem
Christenthume. Sein thätigster Gehilfe in diesen Gegenden war nach den
Bollandisten (Oct. I. 518) der hl. Beregisus (s.
d.), der Gründer des Klosters Andain (Andagium, Andainum). Auch die
Wunderkraft fehlte dem Manne Gottes nicht. Als einst die Maas so wenig Wasser
hatte, daß sie für Schiffe nicht fahrbar war, getröstete er sich der Allmacht
Gottes und sprach: Wisset ihr, wer durch sein Wort die Himmel geöffnet hat, die
drei Jahre und sechs Monate verschlossen gewesen?
Als ihm Einer entgegnete,
Elias habe es gethan, antwortete er: Denselben Gott,
den dieser anrief, ehren auch wir. Seine Kraft, die sich in den alten Zeiten so
gewaltig bewiesen hat, ist in unserer Zeit keineswegs altersschwach und
unmächtig geworden. Lasset uns fasten und beten, bei seiner Allmacht anklopfen,
seiner Barmherzigkeit uns empfehlen, daß Er thue nach seinem Wohlgefallen.
Dann
beugte er die Knie und sprach ein Gebet, und sieh, kaum hatte er geendet, als es
anfangs mit leichtem Geträufel, dann aber in vollen Strömen zu regnen anfing,
und die Maas, durch welche kurz vorher die Schafe hatten waten können, wieder
voll Wasser wurde. Solcher wunderbarer Gebetserhörungen des heil. Bischofs hat
die fromme Ueberlieferung viele aufbewahrt. Eine besessene Frau heilte er durch
das Kreuzzeichen etc. Beständig war er seines Endes gewärtig und sah die Nähe
desselben voraus. Es erfolgte nach der Einweihung einer neuen Kirche zu Fure
(Vueren) in Brabant. Voll Freude, dem allmächtigen Gott diese Opferstätte
heiligen zu können, nahm er nicht blos die Weihe vor, sondern hielt auch eine
kraftvolle Predigt (die letzte seines Lebens), die er von der dritten Stunde
bis zur sechsten erstreckte.
Auf der Heimreise erkrankte er heftig, und am
darauf folgenden Freitag den 30. Mai (nach Andern am 29. Juni) des J. 727
entschlief er selig im Herrn. Seine Leiche wurde in der Kirche zu St. Peter in
Lüttich beigesetzt. Im J. 743 oder 744 wurde nach den Bollandisten (Oct. I. 528)
sein Grab geöffnet, und sein heil. Leib noch unversehrt gefunden. Im Jahr 825
übertrug Bischof Wolcand von Lüttich denselben von da in die früher von
Kanonikern bewohnte, im J. 817 aber nach Genehmigung des Papstes Leo
III. und des Kaisers Ludwig des Frommen
den Benedictinern übergebene Abtei Andain, welche nun den Namen St. Hubert
erhielt. Hier geschahen auf seine Fürbitte viele Wunder. Besonders wird er nach
den Bollandisten (I. 495) bei Hundswuth angerufen. ** Sein
Hauptfest, welches am 3. Nov. begangen wird, hat seinen Grund ohne Zweifel in
einer an diesem Tage geschehenen Translation. Zu Trois-Fontaines (Tres fontes)
in der Champagne wurde dieselbe am 29. April gefeiert (Apr. III. 612.) Bei
Molanus steht sie am 30. Sept. (VIII. 261.) Im Mart. Rom. und Elenchus ist der
hl. Hubertus am 3. Nov. angegeben. - Dargestellt wird er im Jägergewande, den
wunderbaren Hirschen mit dem Crucifixe an seiner Seite. Die Jäger haben ihn zum
Patrone, und nach ihm benannt ist nebst mehreren Ortschaften auch das ehemalige
sächsische Jagdschloß Hubertsburg, berühmt durch den dort am 15. Febr. 1763
geschlossenen Frieden, wodurch der siebenjährige Krieg beendiget wurde. Nach
Pierer (XIV. 373) gab es vier nach demselben benannte Orden, unter welchen
jedoch nur mehr der bayerische St. Hubertus-Orden besteht. Dieser ist der
älteste und vornehmste Orden des Königreichs, gestiftet von Herzog Gerhard V.
von Jülich und Berg, zum Andenken eines im J. 1444 am 3. Nov. als dem Festtage
des Heiligen über Herzog Arnold von Geldern (Egmont) erfochtenen Sieges. Nachdem
derselbe durch das Aussterben der Herzoge von Jülich im J. 1609 erloschen war,
wurde er am 29. Sept. 1708 durch den Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz
erneuert und dann im Jahr 1808 durch den König Maximilian I. von Bayern als
erster Orden des Reichs mit seinen Statuten und Vorrechten, von denen das
Wesentliche im Hof- und Staatshandbuch des Königreichs Bayern
(S. 6) enthalten
ist, bestätigt. (Sur.)
* Die Stiftung der Kirche von Tongern (Tungrensis) soll nach W. W. (K.-L. VI. 678) der Sage nach bis ins erste Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung hinausreichen. Gewiß ist, daß sie um die Mitte des 4. Jahrhunderts unter dem hl. Bischofe Servatius schon bestand, dann aber bei dem verheerenden Einfalle der Hunnen der bischöfliche Stuhl im Jahr 452 nach Mastricht (Trajectum ad Mosam) überging. Im J. 721 verlegte unser hl. Hubertus denselben nach Lüttich (Leodium). Doch dauerte der Name Tongern bis in das J. 1091 fort, wo Bischof Heinrich I. vom Papste Urban II. die Erlaubniß erhielt, für die Zukunft den Namen Lüttich zu führen.
** In der Abtei Andain (St. Hubert) soll auch der nach der Legende dem hl. Hubertus vom hl. Petrus übergebene goldene Schlüssel aufbewahrt gewesen und vermöge desselben den von tollen Hunden Gebissenen Heilung zu Theil geworden seyn. Aber auch eiserne Schlüssel wurden nach Pierer (XIV. 373) dort geweiht und aus Jägerglauben den Jagdhunden glühend auf die Stirne gebrannt, um diese gegen Wasserscheu zu sichern. Mit solchen Schlüsseln wurden sonst häufig auch von einem tollen Hunde gebissene Wunden ausgebrannt.