
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
V. Hugo de S. Victore, (5. Juli, al. 11. Febr.), auch Hugo von Paris
genannt, wird von Ferrarius und Migne zu den Seligen
, von Andern aber und
namentlich von allen französischen Kalendarien zu den Ehrwürdigen
gezählt.
Auch wir geben ihm diesen Titel, da er ihn bei den Bollandisten, wo er auch am
11. Febr. (II. 507) erwähnt wird, ebenfalls hat. Am 5. Juli (II. 215) führen sie
dann sein Lob aus Saussayus an und bemerken, sie hätten nicht gefunden, daß er
irgendwo als heilig
oder selig
verehrt werde, weßwegen sie ihn unter die
Uebergangenen
setzen. Nach W. W. (K.-L. V. 390) war er um das J. 1097 geboren.
Ob er, wie man gewöhnlich annimmt, aus der gräflichen Familie von Blankenburg
abstamme, ist ebenso ungewiß wie sein Vaterland, indem er bald als Sachse, bald
als Flammländer, Lothringer und Gallier aufgeführt wird. Nach Mabillon wäre er
in Gegend von Ypern (in der belgischen Provinz Westflandern) geboren. Da er
übrigens in einem Briefe selbst andeutet, daß er einst im Augustiner-Kloster
Hamersleben bei Halberstadt gelebt habe, so dürfte in der dortigen Gegend auch
sein Geburtsort am Sichersten gesucht werden; jedenfalls ist es wahrscheinlich,
daß er im Stifte Hamersleben seine erste Bildung erhalten habe. Um das J. 1115
kam er dann in das von Wilhelm von Champeaux im J. 1109 gestiftete
Augustiner-Kloster St. Victor bei Paris, von dem er seinen Beinamen hat, weil er
dort als regulirter Chorherr
(Canonicus regularis) eintrat und auch immer
blieb. Er lebte bis zu seinem Tode, der im J. 1141 oder 1142 erfolgte, nur der
Wissenschaft und Contemplation, und es scheint auch, daß er im Kloster kein
anderes Amt gehabt habe, als das eines Lehrers der dortigen Schule. Er war einer
der ehrwürdigsten Gottesgelehrten und christlichen Philosophen aller Zeiten, ein
Mann, der ebenso demüthig als gelehrt war, der Glauben und Wissen aufs Schönste
zu vereinigen wußte. In der speculativen Richtung schloß er sich vorzüglich dem
hl. Augustinus an und wird deßwegen auch der
zweite Augustinus
, die Zunge Augustins
genannt. In der Mystik trat er in die
Bahn des hl. Bernardus, seines
Freundes und Zeitgenossen, mit welchem er vielfach verkehrte. Seine Schriften,
von denen die De Sacramentis
, Summa Sententiarum
, Didascalion
die
vorzüglichsten sind, sowie andere Notizen über seine Vorzüge etc. mögen
eingesehen werden bei W. W. (K.-L. V. 390-393).
