
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
SS. Januarius, Ep. Benev. et 6 Soc. MM. (19. Sept. al. 1. 2. Mai,
19. Oct. 16. Dec.). Um das Leben dieses berühmten hl. Januarius und seiner Gefährten,
nämlich der hhl. Diakone Sosius, Festus5
und Proculus, dann des hl. Lectors Desiderius6,
sowie der hhl. Bürger Eutyches5 (Eutycheles) und
Acutius2 noch genauer beschreiben zu können, ist der Bollandist
Johannes Stilting im J. 1753 mit einem Collegen eigens nach Neapel gereist und hat
dann das, was er in dieser Beziehung schon hatte, und was man in Neapel für ihn
gesammelt, zum 19. Sept. (VI. 761-894) ausführlich dargelegt. Wir wollen das
Wesentlichste davon hier geben. Ueber die Zeit und den Ort der Geburt des hl.
Januarius läßt sich Bestimmtes nicht angeben. Wahrscheinlich wurde er um die
Mitte des dritten Jahrhunderts in Neapel geboren, obwohl auch die Stadt Benevento
nicht unwichtige Gründe hat, um ihn als ihren Mitbürger zu bezeichnen. Jedenfalls
war er dort Bischof, und dieß ist auch das einzige Gewisse aus seinem früheren Leben;
denn was Andere aus einer erdichteten griechischen Lebensbeschreibung über seine
verschiedenen Namen, über seine Eltern etc. genommen haben, verdient nach den
Bollandisten (S. 780) mehr der Vergessenheit übergeben als widerlegt zu werden. Nur
das führen sie noch an, daß er wahrscheinlich aus der edlen Familie der Januarier
(ex nobili gente Januaria), die sowohl in Neapel, als auch in Benevento existirte
(S. 774), entsprossen sei. Auch heißt es noch in der ersten, bei den Bollandisten
(S. 866-868) enthaltenen, von einem Unbekannten verfaßten Lebensbeschreibung, daß
seine Mutter drei Tage vor ihm gestorben sei, woraus sie schließen, daß er bei
seinem im J. 305 erfolgten Martyrtode noch kein Greis, sondern etwa 30, 40 oder 50
Jahre alt gewesen sei. Ueber seine Wirksamkeit als Bischof von Benevent, die
wahrscheinlich nicht lange gedauert hatte, sagt die bei den Bollandisten (S. 874-882)
enthaltene, von dem Diakon Johannes in Neapel verfaßte zweite Lebensbeschreibung
nichts Weiteres, als daß er mit dem hl. Sosius (Sossius), dem glaubenseifrigen Diakon
der Kirche von Miseno (Misenum) unweit von Neapel, in Freundschaft gestanden sei
und denselben öfter besucht habe, wobei sie heilige Gespräche mit einander führten
und auch die Gläubigen damit erbauten. Bei einem solchen Besuche sah der hl. Bischof
Januarius einmal auf dem Haupte des hl. Sosius, während dieser in der Kirche mit
freudigem Eifer das Evangelium verkündete, eine leuchtende Flamme, was dann der
heil. Bischof den Anwesenden mit der Erklärung kund gab, daß der heil. Diakon wohl
bald mit dem Diadem des Martyrthums werde gekrönt werden. Und dieß geschah auch
wirklich. Es wüthete nämlich die im J. 303 begonnene Christenverfolgung des
Kaisers Diokletian, und sein Statthalter Dracontius in Campanien, bei welchem
der hl. Sosius in einem Alter von etwa 30 Jahren als eifriger Glaubensprediger
angeklagt worden war, ließ diesen bald nachher vorrufen und verlangte von ihm,
daß er den Göttern opfere. Als er dieses standhaft verweigerte, wurde er zuerst
unmenschlich geschlagen und dann nach dem benachbarten Pozzuoli *
in einen schrecklichen Kerker abgeführt. Hier wurde er von dem hl. Diakon Proculus
und zwei biedern Bürgern der Stadt, den hhl. Eutyches5 (auch Eutices und Eutychetes
genannt) und Acutius, besucht, und da diese über die an dem unschuldigen Manne
verübte Grausamkeit sich unwillig äußerten, ließ Dracontius sie gleichfalls
unmenschlich schlagen und dann in den gleichen Kerker werfen. Kaum hatte der hl.
Bischof Januarius davon gehört, als er sich aufmachte, um die Gefangenen,
namentlich seinen Freund Sosius, zu besuchen und zu trösten, was er denn
auch öfter that, obwohl Benevento von Pozzuoli wohl 20 Stunden entfernt ist.
Inzwischen war ein gewisser Timotheus der Nachfolger des Dracontius geworden
und auf seiner Visitationsreise nach Nola, einer Stadt zwischen Neapel und
Benevento, gekommen. Dort vernahm er von den seit längerer Zeit in Pozzuoli
gefangenen Christen, und wie der Bischof Januarius von Benevento sie immer
besuche etc. Er ließ daher diesen verhaften und nach Nola führen. Da der heil.
Bischof sich standhaft weigerte, den Göttern zu opfern, ließ ihn Timotheus in
einen drei Tage lang geheizten Feuerofen werfen, aus welchem er jedoch ganz unverletzt
hervorging, während mehrere von den umherstehenden Heiden durch die herausschlagenden
Flammen schwer verletzt wurden. Hierüber erzürnt, ließ der Statthalter ihn grausam
peinigen und dann ins Gefängniß werfen. Inzwischen hatten zwei von seinen Geistlichen,
nämlich der hl. Diakon Festus und der hl. Lector Desiderius, von der Gefangennehmung
ihres heil. Bischofs gehört und eilten daher zum Besuche nach Nola, wo sie sich
über diese Ungerechtigkeit und Grausamkeit beklagten. Als Timotheus dieses hörte,
ließ er sie ebenfalls gefangen nehmen, dann aber, da sie auch standhaft ihren
Glauben bekannten, mit dem hl. Januarius in Ketten vor seinem Wagen nach Pozzuoli
führen und dort zu den vier übrigen Gefangenen einkerkern. Groß war die Freude,
als die heil. Bekenner einander sahen. Sie lobten Gott und ermunterten einander
zum bevorstehenden Kampfe. Am folgenden Tage wurden sie in Gegenwart des Statthalters
und einer großen Volksmenge im Amphitheater den wilden Thieren vorgeführt. Wie
Felsen standen sie da, bezeichneten sich mit dem Zeichen des heil. Kreuzes und
erwarteten die wilden Bestien, die mit großer Wuth auf sie losstürzten, aber dann,
als sie in ihre Nähe kamen, ihre Wildheit vergaßen und sich schmeichelnd zu den
Füßen der heil. Bekenner legten. Alles Volk staunte und murrte, so daß Timotheus
sich fürchtete und beschämt den Befehl gab, die heil. Martyrer zu enthaupten. Als
sie abgeführt wurden, ward der Statthalter mit Blindheit geschlagen; er ließ
daher den hl. Januarius zurückrufen, bat ihn um seine Fürbitte und erhielt auch
wirklich auf des Heiligen Gebet sein Augenlicht wieder. Allein anstatt hiefür
dankbar zu seyn, ließ er, aus Furcht vor den Kaisern, besonders da eine Anzahl
von fast 5000 Anwesenden zum Christenthume sich bekehrt hatte, den hl. Januarius
doch auch zur Enthauptung abführen, welche im J. 305 (der Tag ist unbekannt)
etwa eine Meile östlich von Pozzuoli stattfand, nämlich nach den Acten (S. 879)
ad Sulphuratoriam
, d.h. bei der Schwefelquelle **. Die
Leichname der heil. Blutzeugen wurden daselbst ehrenvoll begraben und zwar, wie
die Bollandisten (S. 783. nr. 99) meinen, auf einem nahen Hügel, wo man dann eine
dem hl. Januarius geweihte Kirche und später ein Capucinerkloster erbaute. Später
erhob man ihre Reliquien. Die Leiber der hhl. Proculus, Eutyches und Acutius wurden
(nach den Boll. wahrscheinlich am 18. October) nach Pozzuoli gebracht; die der
hhl. Festus und Desiderius nach Benevento; der des hl. Sosius am 23. September
nach Miseno, wo man ihn später in einer prachtvollen Kirche beisetzte. Die Zeit
ihrer Uebertragung ist aber nach den Bollandisten ganz ungewiß. - Was nun den hl.
Januarius betrifft, so wurden mehrere Translationen seines heil. Leibes vorgenommen,
und zwar die erste nach den Bollandisten (S. 784) wahrscheinlich unter dem hl.
Bischofe Severus, welcher um das J. 412
starb. Dieser hatte nämlich in einer Vorstadt von Neapel eine Kirche dem hl.
Januarius zu Ehren erbaut und dann dessen heil. Reliquien dahin gebracht. Das
Jahr ist zwar nicht bekannt, aber als der Tag wird der 19. September angenommen,
weßwegen auch das Fest des Heiligen und seiner Gefährten an diesem Tage in der
ganzen Kirche gefeiert wird. Hier ruhte nun der hl. Januarius mehr als vier
Jahrhunderte und es wurden auf seine Fürbitte viele Wunder gewirkt, unter denen
besonders die Auferweckung eines todten Knaben vorkommt. Auch ein schrecklicher
Ausbruch des feuerspeienden Berges Vesuv, der im J. 472 oder nach Andern im J.
685 stattfand und der Stadt Neapel große Gefahr drohte, wurde durch ihn ausgelöscht,
nachdem das ganze Volk in dieser schrecklichen Noth Tag und Nacht ihn um seine
Fürbitte angerufen hatte etc. Im 8. Jahrhunderte wollte Fürst Arichis von Benevento,
welcher den hl. Januarius sehr verehrte, seinen heil. Leib von den Neapolitanern
erwerben. Da aber diese ihn um keinen Preis herausgaben, machte Arichis der
Kirche derselben ansehnliche Geschenke. Aber im J. 817 oder 825 führte Fürst
Sico von Benevento den heil. Leib, jedoch ohne das Haupt und ohne das heil.
Blut desselben, am 23. October als Siegesbeute in großem Triumphe nach Benevento,
und um diese Zeit wurden auch die Reliquien der hhl. Festus und Desiderius,
welche bisher in einer Vorstadt von Benevent aufbewahrt wurden, in die Stadt
selbst gebracht und mit dem hl. Januarius in der nämlichen Kirche beigesetzt.
Als Kaiser Ludwig II. gegen die Saracenen Krieg führte, wurden im J. 871 einige
Reliquien desselben nach Reichenau (Augia dives), dann ein Theil von dort nach
Rheinau (Rhinovium) in der Schweiz, später auch nach Prag gebracht. Aber nach
den Bollandisten (S. 788) waren dieses vielmehr Reliquien von den hhl. Proculus,
Eutyches und Acutius. Auch die Neapolitaner erhielten um das J. 770, da Pozzuoli
verwüstet wurde, große Reliquien von den hhl. Eutyches und Acutius, später auch
vom hl. Sosius. Obwohl in Neapel nur mehr das Haupt und das Blut des hl. Januarius
war, verehrten ihn die Neapolitaner doch noch immer als Patron, der ihnen in
vielen Nöthen durch seine mächtige Fürbitte half. Im J. 1129 wurden die Reliquien
der hhl. Januarius, Festus und Desiderius zu Benevento in eine neue Kirche, in
späterer Zeit aber, wahrscheinlich während eines Krieges, heimlich in das Kloster
Monte-Vergine (Mons Virginis oder Virgilianus) gebracht, wo sie lange Zeit unter
dem Hochaltare verborgen blieben, bis man im J. 1480 bei Gelegenheit der
Kirchen-Restauration den Leib des hl. Januarius mit der betreffenden Aufschritt
wieder fand. Derselbe wurde nun auf den Wunsch des Königs Ferdinand mit Erlaubniß
des Papstes Alexander VI. vom Erzbischofe
Alexander Carafa am 13. Jan. 1497 nach Neapel zurückgebracht und in der
erzbischöflichen Kirche beigesetzt. Weil damals eben die Pest in Neapel
und der Umgegend grassirte, war Niemand den heil. Reliquien entgegen gegangen;
aber als man am andern Tage die Ankunft derselben erfuhr, eilte Alles zu ihrer
Verehrung herbei, und von diesem Tage an machte auch die Pest keine weiteren
Fortschritte, sondern hörte vielmehr ganz auf, wie denn auch sonst noch viele
Wohlthaten, welche den Neapolitanern auf die Fürbitte des Heiligen zu Theil
wurden, von den Bollandisten (S. 795 ff.) aufgezählt werden, namentlich
augenscheinliche Hilfe bei großen Erdbeben und gefährlichen Ausbrüchen des
Vesuvs in den Jahren 1631 und 1698. Im J. 1707 trug man in feierlicher
Procession die Reliquien des hl. Januarius in eine Kapelle am Fuße jenes
Berges, und sogleich hörte die Lavaströmung auf, die durch den Rauch und
Aschenregen hervorgebrachte Dunkelheit verschwand, und Abends sah man wieder
die Sterne am Himmel glänzen. Es ist daher kein Wunder, daß die Neapolitaner
ihn als ihren Hauptpatron erwählten und ihm zu Ehren mehrere Kirchen, Kapellen
und Altäre bauten, die bei den Bollandisten (S. 797-806) aufgezählt werden, wo
auch die Abbildung einer alten Statue und alter Bilder desselben, sowie von
einigen auf ihn geschlagenen Münzen sich findet. - Die heutige Metropolitankirche
in Neapel ist übrigens nicht dem hl. Januarius, sondern der seligsten Jungfrau
Maria geweiht; dagegen sind in derselben zwei Kapellen, von denen die eine
im J. 1506 vollendet wurde und den Leib des hl. Januarius enthält, der unter
dem dortigen Altare ruht, auf welchem der Schreiber dieses am 22. Juni 1845
die heil. Messe lesen zu können die Freude hatte. Diese von dem Cardinale
Oliverius Carafa erbaute Kapelle heißt Confessio S. Januarii (Ipogeo di San
Gennaro), bei den Neapolitanern manchmal auch Subcorpus, vulgo Succorpo.
Die andere Kapelle heißt der Schatz
(Capella di tesoro), weil dort das
Haupt und das Blut des hl. Januarius mit vielen anderen Reliquien aufbewahrt
wird. Diese wurde anstatt der alten Schatzkapelle von der Stadt Neapel ex
voto wegen einer durch die Fürbitte des Heiligen im J. 1526 erlangten
Befreiung von der Pest im J. 1608 zu bauen angefangen und im J. 1647
vollendet. Auch dort steht an der Wand ein Altar, in welchem oben in
der Absis eine Art von Tabernakel mit zwei aus Werkstücken von Marmor in
die Mauer gebauten Schreinen (armarium) sich befindet, von denen jeder
durch zwei in- und auswendig mit Silberblech beschlagene Thüren verschlossen
ist. Jede Thüre hat zwei Schlösser und zwei verschiedene Schlüssel, von
welchen zwei der Erzbischof und zwei der Magistrat von Neapel oder vielmehr
abwechselnd Einer von der aus zwölf angesehenen Männern bestehenden
Deputation des Schatzes
bewahrt. Der eine dieser Schreine enthält
das in einer kostbaren Büste eingeschlossene Haupt, und der andere das
in einer Art von Monstranz oben eingefügte gläserne Gehäuse, in dem die
zwei oben versiegelten gläsernen Fläschchen *** mit
dem eingetrockneten, verdichteten (concretus) Blute des hl. Januarius
sich befinden, welches, von einer frommen Frau bei seiner Enthauptung
frisch aufgefaßt, stets mit seinen Reliquien verehrt wurde, und das bekanntlich,
wenn man es in die Nähe seines heil. Hauptes oder auch anderer seiner Reliquien
bringt und denselben gegenüberstellt, wunderbarer Weise aufwallt und flüssig
wird. Dieses geschieht auf folgende Weise: An gewissen, auf den hl. Januarius
und seine Translationen bezüglichen, Festtagen des Jahres - namentlich am
Samstage vor dem ersten Sonntage im Monate Mai und die folgenden 8 Tage,
sowie am 19. September und die folgenden 7 Tage, dann am 16. December, an
welchem in der Domkirche sein Schutzfest (Patrocinium) wegen der im J. 1631
bei dem oben bezeichneten Ausbruche des Vesuv erlangten Hilfe gefeiert wird,
sowie ausnahmsweise auch noch an anderen Tagen - wird sein heil. Haupt,
welches man übrigens allein öfter im Jahre aussetzt, in Gegenwart von
vielen Zeugen aus dem Schreine herausgenommen und in Procession durch
einige der nächsten Straßen entweder in eine andere Kirche oder auf den
Hochaltar der Domkirche getragen oder auf dem Altare der Schatzkapelle
selbst auf die Evangelienseite gestellt. Später wird auch die Monstranz
mit dem heil. Blute dahin gebracht und auf die Epistelseite hingesetzt.
Dann nimmt ein Priester das mit den goldenen Verzierungen etwas mehr als
12 Zoll hohe, die beiden Fläschchen einschließende gläserne Gehäuse aus
der Monstranz, hält es beim Stiele und zeigt es den Umstehenden, wobei
ein anderer Priester ihm mit einem kleinen Kerzenlichte leuchtet, so daß
Jedermann von dem festen, dichten Zustande des in den Glasfläschchen
befindlichen Blutes sich überzeugen kann. Nach längerer oder kürzerer Zeit
(manchmal auf der Stelle, manchmal nach 2, manchmal erst nach 40 Minuten)
entstehen nun kleine Bläschen, und das bisher ganz feste Blut gerinnt und
wallt auf und wird flüssig wie gewöhnliches frisches Blut und erfüllt
meistens auch noch den bisher leeren Raum des Fläschchens, oder vielmehr,
wie die Bollandisten (S. 845. nr. 377) ausdrücklich bemerken, der beiden
Fläschchen, bei welchen gleichzeitig die nämlichen, übrigens zu verschiedenen
Zeiten sehr verschiedenen, Erscheinungen vorkommen. Und wie vorher von der
Versammlung das Miserere und andere Gebete gesprochen werden, an welchen
besonders einige arme Frauen sich betheiligen, die von dor Familie des hl.
Januarius oder von seiner Amme abstammen sollen, so schallt dann, wenn der
Priester das geschehene Wunder des Flüssigwerdens angekündigt, das Te Deum
laudamus freudig durch die Hallen der Kirche; der Priester aber fährt fort,
die in dem besagten gläsernen Gehäuse hermetisch verschlossenen Fläschchen
mit dem flüssig gewordenen Blute Jedem zu zeigen, der sie sehen will, drückt
sie Jedem auf Stirne und Brust und reicht sie zum Kusse dar, oder stellt sie
auf den Altar. Das Blut bleibt längere oder kürzere Zeit flüssig und kehrt
dann, besonders wenn es bedeckt oder sonst nicht mehr im Angesichte des heil.
Hauptes ist, wieder in seinen vorigen festen Zustand zurück. Manchmal wird es
auch schon flüssig aus dem Schreine herausgenommen; nur sehr selten geschah
es, daß es gar nicht flüssig wurde, was die Neapolitaner für eine schlimme
Vorbedeutung halten etc. - Wann diese wunderbare Erscheinung zuerst stattgefunden
habe, läßt sich nicht angeben; doch sagt der Bollandist Stilting (S. 830 ff.),
ein gewisser Lupus de Specchiis habe in seinem in der Mitte des 15. Jahrhunderts
geschriebenen Leben des hl. Peregrinus ausdrücklich bemerkt, daß dieser, als
er im Anfange des 12. Jahrhunderts auf seinen Reisen nach Neapel kam,
dieses Wunder mit den beiden gläsernen Fläschchen schon als ein altes
und bekanntes vorgefunden habe. Dieses Wunder bezeugen auch viele andere
der ehrwürdigsten und bewährtesten Schriftsteller, wie z.B. Papst Pius II.
(Aeneas Silvius) im J. 1456, der bekannte Philosoph und Mediciner Angelus
Cato im J. 1474, die gelehrten Jesuiten Henschenius und Papebroch, die
es am 10. März 1661, dann der Bollandist Stilting und sein College,
die es am 21. Aug. 1754 sahen etc. Ein sehr gewichtiger Zeuge der
neuesten Zeit ist der gelehrte Dr. Friedrich Hurter ****,
welcher noch als Protestant am 4. Mai 1844 die St. Clara-Kirche zu Neapel,
wohin damals das heil. Haupt mit dem heil. Blute gebracht wurde, mit
den gewöhnlichen Vorurtheilen betrat, dann aber den Vorgang in der
nächsten Nähe und am folgenden Tage bei San-Gennaro selbst nochmal
ganz genau sah und am Ende (S. 348) offen erklärte: etwas Wunderbares,
wenigstens Unerklärliches, könne hier selbst von dem Ungläubigsten, so
er nur redlich und aufrichtig seyn wolle, nicht geläugnet werden. Entweder
müsse er ein solches (Wunder) im eigentlichen Sinne, so wie es von dem
Oberhaupte der Kirche, von der gesammten Geistlichkeit und von dem ganzen
neapolitanischen Volke dafür gehalten werde, annehmen, oder alsdann
ein noch weit größeres Wunder darin anerkennen, daß ein Betrug (zwischen
welchem und der außerordentlichen Erscheinung es keine Wahl geben kann),
der niemals durch einen Einzigen, sondern nur unter dem Zusammenwirken
Mehrerer jeweils möglich seyn kann, durch den Lauf vieler Jahrhunderte
in immer gleich ungeschwächter Wirksamkeit habe fortdauern können.
Zugleich wird von ihm nachgewiesen, daß alle versuchten natürlichen
Erklärungsweisen gänzlich unstichhaltig seien, indem z.B. die Hand des
Priesters mit den Fläschchen gar nicht in Berührung komme, also die Wärme
derselben eben so wenig als die Temperatur der Kirche irgend einen Einfluß
auf dieselben ausüben könne etc. Hiebei wird auch (S. 355 ff.) der am 21.
Juni 1824 als Mitglied der k. Akademie der Wissenschaften gestorbene
Mathematiker Nikolaus Fergola citirt, welcher alle gegen das Wunder
gemachten Einwürfe, eben so wie früher die Bollandisten (S. 852-866),
ausführlich widerlegt und nach den genauesten Beobachtungen namentlich
nachweist, wie der Wärmegrad der Kirche gar keinen Einfluß auf das
Flüssigwerden des Blutes ausüben könne, da derselbe nur wenig differire,
und das Blut manchmal bei geringerer Temperatur viel eher flüssig werde,
als bei einer höheren etc. Schließlich erwähnt Dr. Hurter S. 377 f. auch
noch das Zeugniß des englischen Naturforschers C. Waterton, welcher
ebenfalls mit eigenen Augen sah, wie das Blut einen Klumpen bildete
und durchaus unbeweglich war
, dann aber flüssig wurde, und welcher
dann seinen Bericht mit den Worten schließt: Alle meine früheren
Erlebnisse traten vor diesem Ereignisse in den Hintergrund, und ich
spreche hiemit als meine vollste Ueberzeugung aus, daß das Flüssigwerden
des Blutes des hl. Januarius ganz unzweifelhaft durch ein Wunder bewirkt
werde.
Auch unsere innigste Ueberzeugung ist es, daß der gütige Gott
zur Stärkung und Kräftigung des Glaubens in Seiner Kirche zu den vielen
täglichen und daher nicht mehr beachteten Wundern, wie z.B. des
Blutumlaufes im menschlichen Körper, von welchem man wohl die
Thatsache weiß, aber das eigentliche Wie nicht erklären kann, - dann
der alljährlichen Verwandlung des Wassers in Wein durch die
Weinreben etc., hier in der alljährlich öfter wiederholten
Flüssigwerdung des Blutes des hl. Januarius ein Wunder hingestellt hat,
und zwar ein Wunder, welches mit einigem Zeit- und Geldaufwand Jedermann,
der es etwa zur Stärkung seines Glaubens nothwendig hat, mit eigenen
Augen sehen kann, und welches daher auch für die Glaubwürdigkeit vieler
anderer von Gott durch Seine Heiligen gewirkter Wunder sehr laut spricht,
was denn auch der Hauptgrund ist, daß wir es hier ausführlicher dargestellt
haben, wenn auch freilich dieser Darstellung noch gar Vieles beizufügen
wäre. - Am 19. Sept. findet sich der hl. Januarius mit seinen Gefährten
im Mart. Rom. und auch sub ritu dupl. im römischen Breviere. Manche
halten diesen Tag für seinen Todestag; aber wir haben schon oben bemerkt,
daß es vielmehr der Tag der ersten Translation ist, der in Neapel einige
Zeit lang auf den 2. oder 8. Mai verlegt war. - Die heil. Kunst stellt
ihn dar als Bischof, von wilden Thieren umgeben, weil diese ihn unversehrt
gelassen; bisweilen trägt er ein Schwert. Zu Neapel sieht man ihn in
bischöflicher Kleidung mit Stab und Insul, in der Rechten ein offenes
Buch vor sich haltend mit der Inschrift: Beatus vir, qui inventus est
sine macula.
Auf einem Altare steht er daselbst gleichfalls in bischöflichen
Gewändern, in der Rechten ein Blutfläschchen, in der Linken ein Buch haltend,
oder auch sitzend und segnend etc. (VI. 761-894.)
* Diese an einer Bucht des Meerbusens von Neapel gelegene Stadt, auch Puzzuoli und Puzzuolo genannt ist das glänzende Puteoli der Alten, wo Cicero und Andere schöne Villen besaßen. Sie hat der Puzzolan-Erde, die übrigens von Porzzellan-Erde weit verschieden ist und besonders zu Wasserbauten verwendet wird, den Namen gegeben. Hier landete der hl. Paulus auf seiner Reise nach Rom und traf dort schon Brüder, bei denen er auf ihre Bitten 7 Tage lang blieb. (Apstg. 28, 13 f.)
** Der Ort hieß früher Forum Vulcani; jetzt hat
die Gegend (ein Berg sammt einem Thale) den Namen Solfatara. Es wird dort noch
immer viel Schwefel gewonnen, wie denn die ganze Gegend vulkanisch ist. In der
Nähe befinden sich die Schwitzbäder von San-Germano, nämlich Höhlen oder Grotten,
in denen sich ein sehr heißer Dunst entwickelt, wie ich mich im J. 1845 selbst
überzeugte, wo ich auch den Lago d'Agnano und die nahe Hundsgrotte
besuchte.
*** Bei den Bollandisten sind S. 800 ff. sowohl die bezeichneten Altäre als auch die Büste oder das Brustbild (protome) des Heiligen, sowie auch die werthvolle Monstranz (ferculum; mit den zwei Fläschchen, und dann (S. 827) diese Fläschchen (ampullae) in ihrem kostbar gefaßten, unten mit einem Stiele (Griffe) versehenen Gehäuse noch eigens in natürlicher Größe, abgebildet. Es sind solche Glasfläschchen, wie sie öfter in Gräbern der Martyrer sich finden. Das größere ist 3½, Zoll bis zum Beginne des Halses (also 2¼ Zoll hoch) mit einem dichten Stoffe von bräunlicher Farbe gefüllt; das andere Fläschchen ist viel kleiner und enthält nur wenige Blutstropfen, welche die fromme Frau oder etwa auch ein anderer bei der Enthauptung anwesender Christ wahrscheinlich von der Erde aufgelesen hatte, weßwegen dieselben auch mit etwas Erde vermischt sind.
**** Vgl. sein Werk: Geburt und
Wiedergeburt. Erinnerungen aus Italien. Schaffhausen, Verlag der
Hurter'schen der Buchhandlung. 1845.
Bd. III. S. 339-378, wo von
dem Blute des hl. Januarius
gehandelt wird, und welcher ich in der
obigen Darstellung auch einige Notizen genommen habe, da ich leider
bei meiner kurzen Anwesenheit in Neapel im Juni 1845 diesen Vorgang
selbst nicht habe sehen klönnen. Namentlich widerspricht Dr. Hurter
(S. 345) ausdrücklich, daß die Anwesenden Lästerungen aussprechen,
wenn bas Blut zu lange nicht flüssig wird, wohl aber bezeugt er, daß
sie ihre Gebete noch lauter werden lassen.
