Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
Christus
Da der göttliche Herr und Meister einmal seyn
(Joh. 12, 26), so glaubten
wir diesen Ausspruch auch umkehren und sagen zu dürfen: Wo Seine Diener, Seine
Heiligen sind, da soll auch Er seyn, - ER, die Urquelle aller Gnade und
Heiligkeit, das Muster und Vorbild aller Heiligen, der Heiligste der Heiligen,
der König aller Heiligen.
Daher haben wir es für angemessen gefunden, auch
Seinen allerheiligsten Namen in das Heiligen-Lexikon
aufzunehmen. Uebrigens
wollen wir, um nicht zu weitläufig zu werden, die Geschichte Seiner Geburt,
Seines Lebens, Leidens und Sterbens, sowie Seiner Verherrlichung nicht
ausführlich behandeln, da sie ja ohnehin bekannt genug ist, sondern nur die
Hauptmomente derselben nach ihrer Reihenfolge in den Evangelien andeuten,
dagegen aber auf die Feste, die im Laufe eines Kirchenjahres sowohl in der
allgemeinen Kirche als in einzelnen Kirchen gefeiert werden, etwas näher
eingehen, namentlich auf jene, die bei den Bollandisten vorkommen. - Nach der
Lehre unseres heiligen christlichen Glaubens, welche besonders dem Arianismus
gegenüber in dem zu Nicäa im J. 325 abgehaltenen ersten allgemeinen Concilium
feierlich festgesetzt und im nicänischen Symbolum ausgesprochen wurde, ist Jesus
Christus der eingeborne Sohn Gottes, die zweite Person in der Gottheit, wahrer
Gott wie der Vater und wie der heilige Geist, von Ewigkeit her aus dem Wesen des
Vaters gezeugt und gleichen Wesens (omoousios = consubstantialis) mit Ihm, also
auch ewig, unermeßlich, allwissend, allmächtig etc. wie der Vater. Er ist das
Wort
(Logos), durch das Alles geschaffen worden ist, und ohne welches Nichts
gemacht worden ist von Allem dem, was da gemacht ist (Joh. 1, 5). Um die
Menschen, welche durch die Sünde dem ewigen Verderben anheimgefallen waren, zu
retten und ihnen wieder Licht und Leben zu bringen, ist das Wort Fleisch
geworden (Joh. 1, 14); um ihnen die verschlossene Thüre des Himmelreichs wieder
zu öffnen, sie mit der Gerechtigkeit Gottes zu versöhnen und wieder zu Gott
zurück zu führen, hat der ewige Sohn Gottes aus Gehorsam gegen Seinen
himmlischen Vater und aus Liebe zu uns Menschen in der Fülle der Zeit die
menschliche Natur, d.h. einen menschlichen Leib und eine menschliche Seele
angenommen, ist - wie das 3. allgemeine Concilium von Ephesus im J. 431 gegen
Nestorius aussprach - wahrer Mensch geworden, uns gleich in Allem, nur die Sünde
ausgenommen, um so als Gottmensch (teantropos), der nach dem gegen die
Monophysiten (Eutyches etc.) gerichteten Ausspruche des 4. allgemeinen Concils
von Chalcedon (451) in Einer Person beide Naturen, die göttliche und die
menschliche, ohne Vermischung und ohne Beeinträchtigung der einen durch die
andere, in sich vereinigte und nach dem gegen die Monotheleten gerichteten
Ausspruche des 6. allgemeinen Concils von Constantinopel (680) auch zwei Willen
bei Einer gottmenschlichen Willensrichtung hatte, das Werk der Erlösung
vollbringen zu können; denn als Gott hätte Er nicht leiden und als Mensch uns
nicht erlösen können. Aber als Gottmensch ist Er das geworden, was Seine Namen
anzeigen; denn Jesus
(hebr. Jeschua, griech. Insois) heißt so viel als
Erlöser (griech. Soter, lat. Salvator), Retter, Heiland, Seligmacher
(abgeleitet von dem hebr. Worte Jescha = Hülfe, Rettung etc.); Christus
aber
bedeutet so viel als der Gesalbte
(Messias, von dem hebr. Worte maschach =
salben etc.). - Ehe aber die von Gott bestimmte Zeit zur Menschwerdung Seines
eingebornen Sohnes kam, waren seit dem Sündenfalle nach der gewöhnlichen Annahme
vier tausend Jahre * verflossen, an welche die Kirche
alljährlich durch die vier Advent-Wochen uns erinnert. Doch während dieser
langen Zeit wurde die Ankunft des Ersehnten wiederholt den Menschen vorher
verkündet, um in ihnen die Sehnsucht und das Verlangen nach dem Weltenheilande
rege zu machen und wach zu erhalten. Das geschah schon im Paradiese, da dem
ersten Menschenpaare, welches nicht, wie die gefallenen Engel, aus eigener
Bosheit, sondern verführt von dem bösen Feinde, durch Ungehorsam gesündigt
hatte, von dem barmherzigen Gotte als Trost in die Verbannung die Verheißung
mitgegeben wurde, daß Einer aus den Nachkommen des Weibes der Schlange den Kopf
zertreten werde (1. Mos. 3,15). Dieselbe Verheißung eines kommenden Retters
wurde dem Patriarchen Abraham mehrmal gegeben, da ihm
versprochen wurde, daß in ihm d.i. in seinem Saamen alle Völker der Erde sollen
gesegnet werden (1. Mos. 12,3; 17,19; 18,18; 22,18), welche Verheißung auch
seinem Sohne Isaak und seinem Enkel Jakob
(Israel) wiederholt wurde. Der sterbende Jakob prophezeite seinem Sohne Judas,
der Scepter werde nicht von ihm genommen werden, bis der komme, der gesandt
werden soll (Schiloh), auf den die Völker harren
(1. Mos. 49,10), und Moyses
versicherte kurz vor seinem Tode dem Volke Israel, daß Gott aus der Mitte der
Brüder einen ihm ähnlichen Propheten erwecken werde, den sie hören sollten (5.
Mos. 18,15). Wiederholte Versprechungen in Betreff des kommenden Messias erhielt
besonders König David, der Sein Stammvater nach dem
Fleische werden sollte; und die Propheten, namentlich Isaias,
Jeremias und Daniel,
verkündeten immer wieder aufs Neue die Ankunft des Erlösers. Und diese
Ankündigung war nicht blos eine allgemeine, sondern sie befaßte sich mit den
Einzelnheiten Seiner Lebensumstände. So bestimmte Daniel (9,22-26) die Zeit der
Erscheinung des Messias; Isaias (9,2. 6. 7; 11,1-5. 10) und Jeremias verkündeten,
daß Er aus dem Geschlechte Davids abstammen werde. Seinen Geburtsort nannte
Michäas (5,2); die Jungfrauschaft Seiner Mutter erwähnt
Isaias (7,14. 15). Seinen feierlichen Einzug in Jerusalem verkündete Zacharias
(9, 9) vorher; Seines Leidens und Sterbens thut Isaias (Cap. 53) Erwähnung u. s.
w. Sowohl durch diese Prophezeiungen als auch durch die widrigen Geschicke, die
nach Gottes Rathschlusse über das israelitische Volk kamen, wurde in diesem die
Hoffnung auf einen kommenden Erlöser immer fester begründet, und die Sehnsucht
nach demselben lebendiger erweckt, während auch die Heidenvölker, die zwar auf
andere Wege sich verirrt, aber doch die den gemeinschaftlichen Stammeltern
gegebene Verheißung mehr oder weniger treu bewahrt hatten, eines Erlösers
harrten, der aus dem Oriente kommen sollte. - Mit dieser aus der Erkenntniß der
Hilfsbedürftigkeit erwachsenen allgemeinen Sehnsucht nach einem Erlöser war nun
auch die Fülle der Zeit eingetreten, da der eingeborne Sohn Gottes in diese Welt
kommen wollte. Zu Seiner Mutter ward die heiligste Jungfrau Maria
erwählt, die, obwohl aus dem königlichen Geschlechte Davids abstammend, arm war
und in dem nicht berühmten galiläischen Städtchen Nazareth weilte. Durch die
Botschaft des Erzengels Gabriel über das, was mit ihr
geschehen sollte, verständigt, willigte sie in den göttlichen Plan der Erlösung
und empfing nicht durch den Mann, sondern durch die sie überschattende Kraft des
heiligen Geistes das ewige Wort in ihrem Schooße, und ward so Mutter und blieb
Jungfrau zugleich. Als die Zeit ihrer Geburt nahe war, mußte sie mit Joseph,
einem Zimmermanne, der sich mit ihr auf göttliche Anordnung vermählt hatte, nach
Bethlehem zu einer allgemeinen Volkszählung sich begeben. Hier wurde nun am 25.
December, da die Tage zu wachsen anfangen, in der heimlichen Stille der
Mitternacht der Heiland geboren, zwar in einer schmucklosen Höhle, die armen
Hirten mit ihren Heerden zum Aufenthalte diente, aber unter dem Jubel der
himmlischen Heerschaaren, welche der Welt die Ankunft des Friedensfürsten
verkündigten. Am achten Tage wurde der Knabe nach dem Gesetze Moysis beschnitten
(Luk. 2,21) und erhielt dabei den Namen Jesus
, wie es Gott durch den Engel bei
der Verkündigung angeordnet hatte (Luk. 1,31). Bald kamen, geleitet von einem
wunderbaren Gestirne, Weise aus dem Morgenlande, huldigten dem neugeborenen,
Könige der Juden
und brachten Ihm ihre Geschenke dar (Matth, 2,1 ff.). Der
mißtrauische König Herodes, schon aufgeschreckt durch die Nachricht von der
Geburt eines Königs der Juden
, wurde es noch mehr, als der Knabe 40 Tage nach
Seiner Geburt von Seinen Eltern nach Vorschrift des Gesetzes im Tempel zu
Jerusalem dargestellt (Luk. 2,22 ff.), von dem alten Simeon
mit der frommen Anna als Heil der Welt
laut
gepriesen und auf diese Weise wohl auch dem Könige selbst, der vergebens auf die
Rückkehr der Magier gewartet hatte, noch weit näher bekannt wurde. Und Herodes,
der nicht von Israel, sondern als Idumäer von Esau
abstammte, mit dessen Regierungsantritte also der Scepter von Juda genommen war,
der die Herrschaft durch Hinterlist und Gewalt überkommen hatte und durch
Grausamkeit zu erhalten suchte, der, im Bewußtseyn des unrechtmäßigen Besitzes
derselben, überall Feindschaft und Nachstellung argwöhnend, zuerst nach und nach
alle Glieder der alten hasmonäischen Herrscherfamilie, darunter die eigene
(unter seinen 11 Frauen geliebteste) Gemahlin Mariamne und 2 ihrer Söhne
(Alexander und Aristobulus), ermorden und zuletzt (5 Tage vor seinem Tode) sogar
seinen Erstgebornen (Antipater) hinrichten ließ, - Herodes wollte auch diesen
neuen vermeintlichen Nebenbuhler wegräumen, und um Ihn desto sicherer zu treffen,
gab er den Befehl, daß in Bethlehem und der ganzen Umgegend alle Knäblein unter
zwei Jahren ** getödtet werden sollten (Matth. 2,16). So sind
denn mit dem Könige der Martyrer bald nach Seinem Eintritte in die Welt mehrere
unschuldige Kinder
als Erstlingsopfer gefallen, und mit ihnen fiel wohl auch
die Hoffnung der Hirten und Anderer, die auf das wunderbare Kind Vertrauen
gesetzt hatten und die dasselbe nun auch unter den Ermordeten glauben mußten.
Doch Gott rettete Seinen Sohn, indem Er dem Nährvater Joseph den Auftrag gab,
mit dem Kinde und Seiner Mutter nach Aegypten zu flüchten, was wahrscheinlich
von Nazareth aus geschah, wohin die heil. Familie nach der Darstellung Jesu im
Tempel sich begeben hatte (Luk. 2,39). Von dieser Flucht, sowie von dem
Aufenthalte in Aegypten erzählt die Legende mancherlei Wunderbares, dessen
Aufzählung uns aber zu weit führen würde. Nachdem Herodes im März (al. 4. Apr.)
des J. 750 U. C. (d.i. nach Erbauung der Stadt Rom) gestorben war, kehrte die
heil. Familie nach Nazareth zurück und wohnte dort wieder, weßhalb der göttliche
Heiland auch Jesus von Nazareth
heißt. Hier verlebte Er nun Seine Jugend, zog
als 12jähriger Knabe mit Seinen Eltern zum Osterfeste nach Jerusalem (Luk. 2,41
ff.), ließ dort im Tempel unter den Lehrern einige Strahlen Seiner göttlichen
Weisheit leuchten und begab sich dann wieder in die Verborgenheit von Nazareth,
wo Er, der als Gott Himmel und Erde gemacht, nun als Mensch wahrscheinlich
Seinem Pflegevater in seinem Handwerke half, wie denn auch wirklich die
Nazarethaner Ihn einen Zimmermann
nennen (Marc. 6,3). Erst als Er ungefähr
ein Dreißiger
(quasi triginta annorum) war, trat Er nach Luk. 3, 23 öffentlich
auf und ließ sich zuerst von Seinem Vorläufer Johannes,
dem letzten und größten der Propheten, der etwa 6 Monate vorher als Bußprediger
aufgetreten war und zur würdigen Aufnahme des Messias aufgefordert hatte, zu
Bethania unweit Jericho (etwa 29 Stunden von Nazareth) am Flusse Jordan taufen,
wobei der heil. Geist in Gestalt einer Taube über Ihm erschien, und der
himmlische Vater Ihn feierlich als Seinen geliebten Sohn erklärte, an welchem Er
Wohlgefallen habe (Luk. 3,21 f.). Gleich nach der Taufe ging Jesus in die 4 ½
Stunden westlich vom Jordan entfernte Wüste bei Jericho, wo Er 40 Tage lang
fastete und am Ende dreimal den Versucher überwand, der sich auch an den zweiten
Adam wagte, wie er sich an den ersten gewagt hatte
(Matth. 4,1-11). Während dieser Zeit hatten die PharisäerDie Pharisäer (hebr. für "die Abgesonderten") waren eine theologische Ausrichtung im Judentum zur Zeit des zweiten jüdischen Tempels (ca. 530 v. Chr. bis 70 n. Chr.) und wurden danach als rabbinisches Judentum die einzige bedeutende überlebende jüdische Strömung.
Im Neuen Testament werden die Vertreter der Pharisäer in polemischer Weise als Heuchler kritisiert und herabgewürdigt.
Die Pharisäer hielten nicht nur die niedergeschriebenen Gesetze Mose' für verbindlich, sondern befolgten auch die mündlich überlieferten Vorschriften der Vorfahren.
Sie glaubten an eine Auferstehung der Toten und einen freien Willen des Menschen. Gesandte an den hl.
Johannes geschickt, denen er ausdrücklich erklärte, er sei nicht der Messias,
aber dieser sei bereits erschienen (Joh. 1,19 ff.). Am andern Tage kam Jesus aus
der Wüste zu dem Orte, wo Johannes taufte, und als dieser Ihn von ferne sah,
rief er laut ***: Seht da das Lamm Gottes
, (Joh. 1,29).
Dieses Wort hörten zwei Jünger, welche eben bei ihrem Lehrer Johannes waren,
gingen dann hinter Jesus her und blieben auf Seine Einladung denselben Tag bei
Ihm. Die Jünger waren der hl. Evangelist Johannes
selbst, der sich aber nicht nennt, und Andreas,
welcher dann auch seinen Bruder Simon zu Jesus führte, der diesem sofort den
Namen Kephas (Petrus) gab. Am folgenden Tage traf
Jesus auf Seiner Reise nach Galiläa den Philippus,
den Er zur Nachfolge einlud, und der dann den Nathanael
zu Ihm brachte (Joh. 1,35-51). Am dritten Tage kam Er mit diesen Seinen Jüngern
nach dem 3 Stunden nördlich von Nazareth gelegenen Kana in Galiläa, wo Er Sein
erstes Wunder wirkte, indem Er auf die Fürbitte Seiner anwesenden Mutter Wasser
in Wein verwandelte (Joh. 2,1-11). Von Kana begab Er sich nach Luk. 4,16 ff. in
Seine nahe Vaterstadt Nazareth, um dort die frohe Botschaft vom Reiche Gottes zu
verkünden, hatte aber dort leider so wenig Erfolg, daß Ihn Seine Mitbürger
vielmehr von einem hohen Felsen herabstürzen wollten, wobei Er ihnen jedoch auf
wunderbare Weise entging. Hierauf nahm Er zu Kapharnaum im Hause des Petrus, der
von Bethsaida dahin gezogen war, Seine Wohnstätte, blieb aber dort vorerst nur
einige Tage, weil Er zum Osterfeste nach Jerusalem reiste, wo Er zuerst Seine
Macht manifestirte, indem Er als Eiferer für das Haus Seines Vaters die Käufer
und Verkäufer aus dem Tempel trieb (Joh. 2,12 ff.) und dann bei Seiner
nächtlichen Unterredung mit Nikodemus als
göttlichen Lehrer Sich zeigte (Joh. 3,1-21). Von Jerusalem ging Jesus mit Seinen
Jüngern auf das Land hinaus, wo Er wahrscheinlich den ganzen Sommer blieb, viele
Anhänger um Sich versammelte und auch durch Seine Jünger taufte. Da die Jünger
des Johannes, welcher um diese Zeit zu Aenon bei Salim taufte, dieses übel
nahmen, belehrte er sie, er sei nur der Brautführer, Jesus aber an den Alle
glauben müßten (Joh. 3,22 bis 36). Als die Pharisäer wegen Seines großen Anhangs
zu murren begannen, und wahrscheinlich bald hernach der hl. Johannes von Herodes
Antipas verhaftet wurde (Matth. 4,12; Mark. 1,14), verließ er Judäa und ging
durch Samaria, wo Er die bekannte Unterredung mit der Samariterin am
Jakobsbrunnen hielt und Sich ihr als den erwarteten Messias zu erkennen gab
(Joh. 4,1-42), wieder nach Galiläa, wo Er zuerst zu Kana den todtkranken Sohn
eines königlichen Beamten heilte (Joh. 4,46 ff.), dann mehrere andere
Krankenheilungen in der Gegend vornahm und das Evangelium vom Reiche Gottes
verkündete. Nach Matth. 4,13 ff. hätte Er erst jetzt Nazareth verlassen und
Kapharnaum am galiläischen Meere (See Genezareth) zu Seiner Wohnstätte gewählt,
weßwegen diese Stadt vorzugsweise Seine Stadt genannt wurde (Matth. 9,1). Um
diese Zeit war es auch, daß Jesus die Apostel Petrus, Andreas, Jakobus
und Johannes, die hie und da noch ihr
Fischerhandwerk betrieben hatten, für immer zu Sich rief, um sie zu
Menschenfischern
zu machen (Matth. 4,18-22). Inzwischen war nach Joh. 5,1 das
(zweite) Osterfest **** herangekommen, und Jesus nach
Jerusalem gereist, wo Er zuerst am Teiche Bethsaida (Bethesda) den Mann, welcher
38 Jahre lang krank war, mit Seinem bloßen Worte an einem Sabbathe heilte und
dann vor den darüber sich ärgernden Juden über Seine göttliche Wirksamkeit etc.
mit großer Bestimmtheit Sich aussprach (Joh. 5,1-47). Nach dem Feste kehrte Er
wieder nach Galiläa zurück und blieb dort lange Zeit, in welche dann die
zahlreichen von den drei (mit dem Namen Synoptiker
bezeichneten) Evangelisten
erzählten Ereignisse fallen, namentlich aber die Bergpredigt (Matth. Cap. 5-7),
sowie andere Reden und Gleichnisse, die Erwählung uns Aussendung der 12 Apostel
(Marc. 3,13-19; Luk. 6,12 ff.), viele wunderbare Heilungen der
verschiedenartigsten Krankheiten, die Erweckung des Jünglings von Naim
(Luk. 7,11 ff.) und der Tochter des Jairus (8,41 ff.), sowie viele andere Wunder,
z.B. die Stillung eines heftigen Meeressturmes, während dessen Er anfangs ruhig
schlief (Marc. 4,37 ff.), die Speisung von 4000 Menschen mit 7 Broden und
wenigen Fischen (Matth. 15,32 ff.), wie früher bei Bethsaida Julias am See
Genesareth auch eine Speisung von 5000 Mann mit 5 Broden und 2 Fischlein (Marc.
6,34 ff.) u. s. w. Diese letztere Brodvermehrung erwähnt auch der hl. Evangelist
Johannes (6,4 ff.), welcher beifügt, daß sie um das (dritte) Osterfest
stattgefunden, und daran die schöne Rede knüpft, in welcher Jesus Sich das wahre
Lebensbrod nennt und dabei die EucharistieEucharistie - von griechisch ευχαριστειν, "Dank sagen" - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi.
Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen die Mahlfeier im Anschluss an 1. Kor 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von "Abendmahl" im Anschluss an Mark 14, 17 und 1. Kor 11, 23. vorher verkündet, die Er dann ein
Jahr später beim letzten Abendmahle zum lebendigen Andenken an Ihn und Seinen
Opfertod einsetzte. Immer mehr nähert sich nämlich das Ende Seiner Wirksamkeit
auf Erden; immer deutlicher spricht Er von Seinem nahe bevorstehenden Tode.
Schon hat Er den Petrus als Seinen Stellvertreter, als das sichtbare Haupt
Seiner Kirche aufgestellt (Matth. 16,18 ff.); jetzt will Er Seinen drei
vertrautesten Jüngern, um sie für die kommenden trüben Zeiten zu stärken, auch
noch einen Abglanz Seiner Herrlichkeit zeigen und führt sie daher auf den Berg
Thabor, wo Er vor ihnen verklärt wird (Matth. 17,1-9), und wo Gott der Vater
Sein bisher an das durch Moyses gegebene Gesetz gebundenes Volk in Gegenwart des
Moyses und Elias von diesem Gesetze gleichsam entbindet und in Gegenwart der
Repräsentanten der neuen Kirche an Seinen in Verklärung strahlenden
vielgeliebten Sohn hinweist, den Sein Volk von nun an hören solle, wie es Moyses
1500 Jahre früher gesagt (5. Mos. 18,15) und Gott selbst bestätigt hat (V. 18).
Zwar wird den Aposteln jetzt noch Stillschweigen hierüber aufgelegt; aber
welchen Werth sie darauf legten, zeigt sich deutlich im II. Briefe des hl.
Petrus (1,16-18). Nicht lange nachher verläßt Jesus Galiläa, um nicht mehr dahin
zurückzukehren. Zuerst geht Er im September oder October zum Laubhüttenfeste
nach Jerusalem, wo Er im Tempel Seine göttliche Sendung wiederholt betheuert und
von Seiner Würde als Gottmensch, sowie von Seinem Leiden und Sterben, dann von
der Nothwendigkeit des Glaubens an Ihn mit solcher Ueberzeugungskraft spricht,
daß die zu Seiner Gefangennehmung abgesandten Diener Ihm nichts anhaben können,
sondern vielmehr auf die Frage der Pharisäer, warum sie Ihn denn nicht
hergebracht haben, die Antwort geben: Niemals hat ein Mensch so geredet wie
dieser Mensch
(Joh. 7,2-46). Nachdem Jesus die darauf folgende Nacht auf dem
Oelberge im Gebete zugebracht, kommt Er am andern Morgen wieder in den Tempel,
befreit eine Ehebrecherin, nennt sich das Licht der Welt und den ewigen Sohn
Gottes, der schon vor Abraham war etc., und da sie Ihn hierauf steinigen wollen,
verbirgt Er Sich und geht aus dem Tempel (Joh. 8,1-59). Vor demselben sieht Er
einen Blindgeborenen, den Er sehend macht, und der dann auch an Ihn glaubt (Joh.
9,1-41), während die PharisäerDie Pharisäer (hebr. für "die Abgesonderten") waren eine theologische Ausrichtung im Judentum zur Zeit des zweiten jüdischen Tempels (ca. 530 v. Chr. bis 70 n. Chr.) und wurden danach als rabbinisches Judentum die einzige bedeutende überlebende jüdische Strömung.
Im Neuen Testament werden die Vertreter der Pharisäer in polemischer Weise als Heuchler kritisiert und herabgewürdigt.
Die Pharisäer hielten nicht nur die niedergeschriebenen Gesetze Mose' für verbindlich, sondern befolgten auch die mündlich überlieferten Vorschriften der Vorfahren.
Sie glaubten an eine Auferstehung der Toten und einen freien Willen des Menschen. in ihrer eingebildeten Weisheit und schnöden
Selbstvergötterung nur noch blinder werden und, anstatt gute Hirten zu seyn und
Ihm als dem Hirten der Hirten zu folgen, nicht blos selbst von Ihm ferne bleiben,
sondern auch Andere von Ihm abhalten (Joh. 10,1-21). An dem auf den December
fallenden Feste der Tempelweihe (Encaenia) ist Jesus wieder im Tempel, und da
die Pharisäer Ihn auffordern, über Seine Person Sich bestimmt zu erklären, nennt
Er Sich ausdrücklich den Sohn Gottes, worauf die Pharisäer Ihn wieder steinigen
wollen, weil Er, da Er doch nur ein Mensch sei, Sich Selbst zu Gott mache *****,
und da Sich Jesus auf Seine göttlichen Werke etc. beruft, die sonst Niemand thun
kann, wollen Seine Feinde, da sie nichts mehr erwidern können, Ihn ergreifen.
Allein da Seine Stunde noch nicht gekommen ist, entgeht Er ihren Händen und
begibt Sich nach Bethania, jenseits des Jordans, wo Johannes früher getauft
hatte (Joh. 10,1-40). Dort bleibt Jesus bis zum Tode des Lazarus
und kehrt dann zu dem unweit Jerusalem gelegenen Bethania zurück, wo Er den
schon 4 Tage im Grabe liegenden Lazarus in göttlicher Machtvollkommenheit wieder
zum Leben erweckt (Joh. 11,1-44). Dieses wundervolle Ereigniß bestärkt Viele im
Glauben an Jesus, viele Andere aber, die eben die Sonne am hellen Mittage
durchaus nicht sehen, d.h. an Jesus durchaus nicht glauben wollen, in ihrer
Bosheit. Diese eilen zu den Pharisäern, um ihnen das Ereigniß mitzutheilen, und
nun wird der Tod Jesu fest beschlossen. Dabei muß der Hohepriester Kaiphas wider
seinen Willen das große Geheimniß aussprechen, daß durch den Tod Jesu alle
Menschen gerettet werden sollen (Joh. 11,45-53). Um ihre innere Bosheit zu
verschleiern, schützen sie den politischen Grund vor, daß, wenn man Jesum als
Messias zum Könige machen würde, die Römer kommen und Land und Volk wegnehmen
würden. Daran denken sie in ihrer eigennützigen Verblendung nicht, daß Er mit
der bisher bewiesenen göttlichen Macht Sein Volk, wenn es in rechter Weise treu
zu Ihm hielte, auch zu schützen im Stande wäre. - Doch der von Gott beschlossene
Erlösungsplan sollte nun bald zur Vollendung kommen. Nachdem Jesus einige Zeit
mit Seinen Jüngern in die einsame Gegend Ephraim im Walde
im Lande Gilead
jenseits des Jordans sich zurückgezogen, dann beim Oberzöllner Zachäus
Einkehr genommen und zwei Blinde geheilt hatte (Luk. 18,35; 19,1 ff.), kommt Er
sechs Tage vor dem (vierten) Osterfeste nach Bethania zu Lazarus, wo Er bei dem
Mahle von Maria gesalbt wird, und hält
dann am folgenden Tage (Palmsonntag) auf einem jungen Esel als Friedensfürst
Seinen feierlichen Einzug in Jerusalem (Joh. 12,1 ff.), kehrt aber Abends wieder
nach Bethania zurück. Am Mondtage treibt Er wiederholt die Käufer und Verkäufer
aus dem Tempel und verläßt Abends wieder die Stadt (Matth. 21,12-17). Am
Dienstage spricht Er im Tempel gegen die PharisäerDie Pharisäer (hebr. für "die Abgesonderten") waren eine theologische Ausrichtung im Judentum zur Zeit des zweiten jüdischen Tempels (ca. 530 v. Chr. bis 70 n. Chr.) und wurden danach als rabbinisches Judentum die einzige bedeutende überlebende jüdische Strömung.
Im Neuen Testament werden die Vertreter der Pharisäer in polemischer Weise als Heuchler kritisiert und herabgewürdigt.
Die Pharisäer hielten nicht nur die niedergeschriebenen Gesetze Mose' für verbindlich, sondern befolgten auch die mündlich überlieferten Vorschriften der Vorfahren.
Sie glaubten an eine Auferstehung der Toten und einen freien Willen des Menschen. und weissagt auf dem Rückwege
über den Oelberg die Zerstörung des Tempels (Matth. 21,23 bis 24,44). Am
Donnerstage feiert Er mit Seinen Jüngern das letzte Abendmahl, bei welchem Er
als fortwährendes Denkmal Seiner Liebe das allerheiligste Altars-Sacrament
einsetzt und Seinen Jüngern zum ersten Male Sein Fleisch und Blut unter den
Gestalten des Brodes und Weines als Speise und Trank darreicht, mit dem Auftrage,
dieses auch ferner zu Seinem Andenken zu thun. Nachdem Er dann noch Sein
erhabenes hohepriesterliches Gebet gesprochen (Joh. 17,1-26), geht Er mit Seinen
Jüngern über den Bach Cedron in den Garten Gethsemani und gibt Sich freiwillig
in den Tod, da Er, verrathen von Judas und verläugnet von Petrus, Sich den
Händen der Juden überliefert, von dem römischen Landpfleger Pontius Pilatus auf
Anstiften der Juden ungerecht verurtheilt wird, am Rüsttage vor dem
Ostersabbathe auf dem Berge Golgatha Sich kreuzigen läßt und so durch Seinen Tod
die Erlösung der Menschen vollbringt. Am dritten Tage ersteht Jesus aus eigener
göttlicher Machtvollkommenheit neulebendig aus dem Grabe, erscheint zu
wiederholten Malen Seinen Aposteln und Jüngern, vollendet die Stiftung Seiner
Kirche, in welcher Er alle Seine Gnadenmittel hinterlegt, und scheidet endlich
nach 40 Tagen von dieser Erde, indem Er vom Oelberge aus vor den Augen Seiner
Jünger in den Himmel auffährt und Besitz nimmt von dem Reiche Seiner
Herrlichkeit, die Er als Sohn beim Vater von Ewigkeit besessen hat und nun als
Haupt der erlösten Menschheit zur Rechten des Vaters ewig besitzen wird. Von
dort sendet Er am 10ten Tage den versprochenen heil. Geist, und nun beginnt Sein
Triumph in der Ausbreitung Seiner Kirche, die ungeachtet aller Kämpfe bestehen
wird bis zu Seiner Wiederkunft am Tage des Gerichtes, und die Er, wenn Er auch
manchmal zu schlafen scheint wie dort in dem Schifflein, doch zur rechten Zeit
immer wieder rettet aus den Trübsalen und Stürmen dieser Welt. - Was die
Zeitrechnung betrifft, so wird dieselbe, wie wir schon oben zum Theil gesehen
haben, von Verschiedenen verschieden bestimmt. Unsere jetzt gewöhnliche
christliche Zeitrechnung (Aera vulgaris) hat ihren Ursprung von dem römischen
Abte Dionysius, mit dem Beinamen der Kleine
,
welcher nach Dr. Sepp's ****** Leben Jesu
(S. 358 f.) im J.
525 bei Gelegenheit des Osterstreites einen weiteren Ostercyclus bearbeitete und
sofort die Jahrzahl ab Incarnatione Domini zu rechnen anfing, indem er das Jahr
754 nach Erbauung der Stadt Rom (Urbis Conditae) als das erste Jahr nach
christlicher Zeit annahm und die Geburt (Nativitas) des Weltheilandes an den
Schluß (25. Dec.) des Jahres 754 U. C. anberaumte (S. 369). Nach Sepp (S. 359 f.)
wurde diese Dionysische Zeitrechnung erst im achten Jahrhunderte durch den hl.
Beda mehr bekannt und in einer Urkunde
zuerst von Kaiser Karl dem Großen im J. 783
gebraucht, während sie in die päpstlichen Erlasse erst um die Mitte des 11.
Jahrhunderts Eingang fand. Jetzt ist sie in der ganzen Christenheit gebräuchlich
und könnte auch ohne große Verwirrung nicht mehr geändert werden, obwohl sie
offenbar nicht ganz genau ist, da z.B. Herodes schon im J. 750 U. C. starb, die
Geburt Christi aber zeug der evangelischen Geschichte ohne Zweifel vor dessen
Tod fallen muß, also nicht im J. 754 U. C. stattgefunden haben kann. Es haben
daher Viele sich daran gemacht und große Mühe darauf verwendet, um das wahre
Geburts- und Todesjahr Jesu zu finden, und man möchte fast glauben, als wenn der
wohl zunächst auf Seine wunderbare Geburt aus Gott und einer unversehrten
Jungfrau sich beziehende Spruch des Propheten Isaias (53,8) Generationem Ejus
quis enarrabit
, sowie das Wort des Herrn, daß Niemand Seinen Tag oder Seine
Stunde wisse
(Matth. 25,13), auch von Seiner irdischen Geburt dem Fleische nach
gelten sollte. Diese Forscher, welche bei Sepp (S. 373 ff.) aufgezählt sind,
differiren bezüglich des Geburtsjahrs des Herrn um sieben Jahre; denn während
Mehrere (und unter diesen selbst der gelehrte Lightfoot) mit Dionysius dem
Kleinen
das J. 754 U. C. festhalten, haben Sixtus Senensis und Andere das J.
753 U. C., Andere dagegen, unter welchen neben Isidor
von Sevilla, Cornelius a Lapide und
Scaliger auch das Mart. Rom. sich befindet, das J. 752 U. C., indem sie von dem
bei Luk. 3,1 vorkommenden fünfzehnten Jahre des Kaisers Tiberius (782 U. C.), in
welchem Johannes der Täufer auftrat, und Jesus bald ein Dreißiger
war, diese
30 Jahre zurückrechneten und auf diese Weise ganz einfach das J. 752 U. C. als
Geburtsjahr des Herrn bekamen, welches auch sonst ganz plausibel wäre, wenn nur
nicht die Schwierigkeit bliebe, daß auch bei dieser Berechnungsweise Jesus erst
nach dem im J. 750 U. C. gestorbenen Herodes geboren wäre. Dieß gilt auch bei
denen, welche das Geburtsjahr Jesu mit Baronius, Calvisius, Möhler in das J.
751 U. C. setzen, und zum Theil auch bei denen, die mit Bernard Lamy das J. 750
U.C. annehmen, weil ja Herodes im März 750 starb, Jesus aber nach der
allgemeinen Annahme am 25 Dec. geboren wurde. Es sind daher Andere, wie schon
die hhl. Kirchenväter Ambrosius und
Chrysostomus, dann die hhl. Päpste
Liberius und Damasus,
so auch später der große Petavius, Tillemont etc. auf das J. 749 U. C.
zurückgegangen. Zu diesen gehört in der neuesten Zeit nebst Butler (VIII. 514)
auch Weigl, welcher in seinem oben schon citirten, sehr mühsam ausgearbeiteten
Werke nachzuweisen sucht, Jesus sei im J. 5 v. Chr., d.i. im J. 749 U. C.,
geboren, dann am 6. Januar 782 im 33. Lebensjahre getauft und am 3. April 786 im
37. Lebensjahre, oder genau in einem Alter von 36 Jahren, 3 Monaten, 9 Tagen und
15 Stunden, gekreuzigt worden *******. Doch wird von Sepp
(S. 375) nachgewiesen, daß und warum diese Berechnung keine Geltung haben könne,
und wie daher schon Kepler, dann aber auch nebst vielen Andern die Bollandisten
Henschenius und Papebroch das J. 748 U. C. angenommen haben. Verschiedene andere
Momente aber, deren Aufzählung uns hier zu weit führen würde, bestimmen Hrn. Dr.
Sepp, mit Sanclemente, Ideler etc. noch um ein Jahr zurückzugehen und anzunehmen,
daß Jesus am Mittwoche den 25. December des Jahres 747 U. C., also 7 Jahre ********
ante Aeram Vulgarem geboren, am 6. Januar 748 von den Magiern angebetet, am 2.
Febr. im Tempel dargestellt, dann im darauf folgenden März nach Aegypten
geflüchtet, von da nach zweijährigem Aufenthalte im J. 750 U. C. wieder nach
Nazareth zurückgeführt und am 7. Oct. 778 in einem Alter von 30-31 Jahren
getauft worden sei. Im J. 779 U. C. habe Jesus Sein erstes Osterfest in
Jerusalem gefeiert, wo Er am 15. April das Haus Seines Vaters durch Austreibung
der Verkäufer etc. gereinigt habe und am Freitage den 15. April des J. 782 U. C.
gestorben sei in einem Alter von 34 Jahren und etwas mehr als 3 Monaten, während
übrigens von vielen Andern der 25. März als Todestag angenommen wird, an welchem
Tage denn auch die Bollandisten (III. 540-543) nach der Sacra Memoria
Annuntiationis B. M. V. et Incarnationis Filii Dei die Sacra Memoria Jesu
Christi Crucifixi zugleich mit dem Andenken an den frommen Schächer am Kreuze,
der auch im Mart. Rom. an diesem Tage erwähnt wird (s. Dismas),
anführen, sich aber dabei einer Aeußerung über die Zeit des Todes Jesu enthalten
und zugleich eine Bemerkung des Baronius erwähnen, nach welcher die gelehrtesten
Männer fast daran verzweifelt hätten, etwas Bestimmtes hierüber angeben zu
können. - Die vorzüglichsten Festtage unserer heil. Religion sind die Feste des
Herrn, über die wir hier Einiges anfügen wollen, wobei wir besonders Binterims
Werk: Die vorzüglichsten Denkwürdigkeiten der christkatholischen Kirche
etc.
(V. Band) benützen, und zwar so, daß wir zuerst die feierlichen und dann die
minder feierlichen Feste kurz anführen:
I. Die feierlichen Feste des Herrn sind:
1) Das Geburtsfest (Nativitas) unsers Herrn Jesu Christi, auch Weihnachten
,
Christfest
, Theophania genannt, wird gefeiert am 25. December. In der
römischen Kirche wurde seit den ältesten Zeiten der Geburtstag Christi unter die
Hauptfeste gezählt. Beweis hiefür sind die Gebete und Präfationen des sehr alten
Leoninischen Sacramentars. Die Orientalen feierten zugleich mit Epiphania am 6.
Januar die Geburt des Herrn. Erst gegen Ende des 4. Jahrhunderts begannen auch
sie mit der abendländischen Kirche am 25. Dec. Weihnachten zu halten. Dieser Tag
hat unter Andern folgende zwei Vorzüge: Der erste besteht darin, daß an
demselben jeder Priester 3 heil. Messen lesen darf, zur Erinnerung an die
dreifache Geburt des Herrn: a) von Ewigkeit aus dem Wesen des Vaters; b) in der
Zeit aus Maria der Jungfrau und c) in dem Herzen des Christen. Wie alt dieser
Gebrauch ist, läßt sich nicht genau bestimmen; doch erwähnt schon Papst
Gregorius der Große desselben. Der zweite
Vorzug ist der, daß, wenn Weihnachten auf einen Freitag fällt, in diesem Falle
das Abstinenzgebot für diesen Tag aufgehoben ist.
2) Die Beschneidung des Herrn (Circumcisio) am 1. Januar. Die Feier dieses
Tages war schon im 4. Jahrhunderte üblich, wie aus einer Rede des Bischofs Zeno
von Verona hervorgeht. In der orientalischen Kirche fand sie erst später Eingang.
Die alten liturgischen Bücher führen für diesen Tag 2 oder auch 3 Messen an: die
erste von der Octav des Geburtstages, die zweite von der Beschneidung, die
dritte von der Mutter Gottes. Um den heidnischen Bacchanalien entgegenzutreten,
wurde dieser Tag an manchen Orten als Fasttag gehalten. Die Bollandisten
sprechen am 1. Januar (I. 3-8) auch de sacro praeputio, welches in Antwerpen und
anderswo verehrt wurde. Nach der goldenen Legende
des Jakob
de Voragine soll es sich in einer Kirche zu Rom befinden etc.
3) Am 6. Januar feiert die Kirche als ein Hauptfest seit den ältesten Zeiten
Epiphanie oder die Erscheinung des Herrn
(Manifestatio, Apparitio, Epiphania,
Theophania). Auch heißt es Dreikönigsfest und hat noch viele andere Namen, die
bei W.W. (III. 283 ff.) sich finden. Die Bollandisten haben am 6. Jan. (I. 323)
nur wenig über dieses Fest. In Deutschland nannte man es im Mittelalter der
Zwelfte
oder Dreizehnde
, der Berchtag
oder Brechttag
(dies illustris),
der obriste (höchste) Tag
. Die Geheimnisse, welche die Grundlage dieses Festes
bilden, sind: a) die Offenbarung Jesu als des Messias vor den Heiden, welche
durch die 3 Magier repräsentirt werden; b) die Offenbarung Jesu als des
eingeborenen Sohnes Gottes bei der Taufe, und c) die Offenbarung der göttlichen
Macht Jesu in Seiner ersten Wunderthat zu Kana in Galiläa. In vielen Kirchen war
lange Zeit hindurch das Epiphaniefest eine feierliche Taufzeit. (Weihe des heil.
Dreikönigswassers). Auch wurde an diesem Tage ehemals nach abgesungenem
Evangelium von einem Diakon der Monatstag des folgenden Paschafestes feierlich
angekündet.
4) Das Fest vom heiligsten Namen Jesu begeht die kath. Kirche am zweiten
Sonntage nach Epiphanie. Nach W.W. (VII. 466) wurde dieses Fest besonders
angebahnt durch den hl. Bernardinus von Siena,
der den Namen, in welchem nach Petrus (Apstg. 4,12) allein Heil ist
, und der
nach dem hl. Paulus (Phil. 2,9. 10) über alle Namen
ist, so daß sich alle Kniee vor Ihm beugen etc.
, ganz besonders verehren wollte.
Doch erst im J. 1721 führte Papst Innocenz XIII. dieses Fest auf Bitten des
Kaisers Karl VI. in der ganzen Kirche ein, nachdem es schon früher Papst
Clemens VII. den Franciscanern zu halten erlaubt hatte.
5) Wenn auch das auf den 2. Febr. fallende Fest, das wir gewöhnlich Lichtmeß
nennen, vielfach zu den Festen der allerseligsten Jungfrau Maria gerechnet wird,
so muß es doch auch unter den Festen des Herrn seine Stelle finden, indem die
Darstellung Jesu im Tempel zu Jerusalem die historische Grundlage desselben
bildet. Mit Rücksicht auf das Zusammentreffen der Eltern Jesu mit dem Greise
Simeon und der Prophetin Anna führt es auch den Namen papantn, d.i. Begegnung
(occursus).
Die Einführung des Festes in der röm. Kirche wird dem Papste
Gelasius (494) zugeschrieben. In der griechischen
Kirche wurde dessen Feier von Kaiser Justinian angeordnet. Wenn auch schon von
Anfang an eine Procession mit brennenden Lichtern an diesem Tage üblich war, so
scheint doch die Benediction der Kerzen erst im 13. Jahrhunderte in allgemeine
Uebung gekommen zu seyn, während übrigens ihr Ursprung nach W.W. (VI. 70) vor
das 8. Jahrh. fällt. (Vgl. oben S. Icelia). Die
Bollandisten sprechen davon am 2. Febr. (I. 268) und haben S. 274-279 eine Rede,
welche der hl. Erzbischof Sophronius von
Jerusalem an diesem Tage gehalten hat.
6) Aehnlich wie mit dem vorgenannten Feste verhält es sich auch mit jenem,
das die Kirche am 20. März feiert, und das man gewöhnlich Mariä Verkündigung
(Annuntiatio B. M. V.) nennt. Auch dieser Tag zählt eigentlich zu den Festen
Jesu Christi, da es die Incarnation des Sohnes Gottes zum Gegenstande seiner
Feier hat. Die Bollandisten haben auch, wie schon oben bemerkt wurde, am 25.
März (III. 534) das Fest der Incarnation mit dem der Annuntiation verbunden. Sie
leiten den Ursprung desselben von den Zeiten der Apostel her; die sicherere
Meinung geht aber dahin, daß dieses Fest in der griechischen Kirche gegen das
Ende des vierten Jahrhunderts aufgekommen sei, während bald darauf auch die
lateinische Kirche dasselbe zu feiern begann. Die mailändische Kirche hielt es
am vierten Adventsonntage, die spanische am 18. December.
7) Zu den Festtagen des Herrn muß man auch die Charwoche *********,
namentlich aber den Palmsonntag, Grünen Donnerstag, Charfreitag und Charsamstag
rechnen, da die Vollendung des Erlösungswerkes im bittern Leiden und Sterben
unsers Herrn Jesus Christus den Gegenstand derselben bildete. Der Palmsonntag
(Dominica Palmarum) ist schon in den ältesten Zeiten der Kirche bekannt und wird
von Ephräm dem Syrer ein besonders
feierlicher Tag genannt. Die Segnung der Palmen soll zuerst von Bischof Petrus
von Edessa eingeführt worden seyn. Auch die Procession mit den gesegneten Palmen
reicht in die ersten christlichen Jahrhunderte zurück. Der Grüne Donnerstag **********
ist dem Andenken der Einsetzung des hochheiligen Altarsacramentes geweiht und
heißt deßwegen Feria V. in Coena Domini, auch manchmal Natale calicis. Seine
Feier reicht bis in die ersten Zeiten des Christenthums zurück und ist nicht
erst, wie Einige behaupten, von Leo II. (683)
angeordnet worden. In früheren Jahrhunderten hielt der Bischof an diesem Tage
drei heil. Messen: die erste bei der feierlichen Aufnahme der Büßer, die zweite
bei der Weihe des heil. Oels und Chrisams, die dritte als eigentliche
Abendmahlsfeier etwa Nachmittags 3 Uhr. Die letzte ward durch große
Feierlichkeit und die allgemeine Communion ausgezeichnet. Schon Alkuin
bemerkt, daß die ganze Klerisei heute nur unter Einer Gestalt communicire. -
Ebenso wurde auch der Charfreitag (Feria VI. in Parasceve) schon seit den
ältesten Zeiten als großer Bußtag in der Kirche begangen. Der Tag der Feier
richtete sich eben nach dem Osterfeste und wurde, wie schon bemerkt, meistens
am 25. März, aber auch am 23. 26. 30. März, 3. April etc. gehalten, obwohl er
nie ein eigentlicher Feiertag
, sondern stets nur ein Werktag
war, weil
Christus auch an diesem Tage Seinen großen Werktag gehalten hat, welches Werk
uns aber nichts genützt hätte, wenn es nicht durch die Auferstehung seine
Vollendung gefunden haben würde (1. Kor. 15,17). Der Ritus der alten Zeit hat
sich sonst ohne alle Aenderungen bis jetzt erhalten. Nur bemerken wir, daß
ehedem die adoratio crucis erst dann stattfand, wenn bereits der celebrirende
Priester das heil. Sacrament auf dem Altare niedergelegt hatte. Auch war die
allgemeine Communion im 6. und 7. Jahrhunderte an diesem Tage in der römischen
Kirche gebräuchlich, welcher Gebrauch in Deutschland sich noch lange Zeit
hindurch erhielt. Die erste Spur von Errichtung eines sogenannten heil. Grabes
treffen wir in dem Leben des hl. Bischofs Ulrich
von Augsburg. - Auch der Charsamstag (Sabbatum sanctum) wurde wie der
Todestag des Herrn seit den ältesten Zeiten in der Kirche gefeiert, und der
ehedem gebräuchliche Ritus hat sich bis auf unsere Zeit fast unverändert
erhalten; nur wurde die feierliche Messe erst am späten Abende gehalten, und
dabei auch den Neugetauften die heil. Communion gereicht.
8) Das Osterfest (Pascha) galt stets als das Hauptfest (Festorum maximum) der
Christenheit, und wird die Feier desselben einer apostolischen Tradition
zugeschrieben. Uebrigens unterscheiden die Alten das Fest der Auferstehung des
Herrn (Resurrectio Domini), die nach den Bollandisten (Mart. III. 687) in alten
Kalendarien auf den 27. März festgesetzt ist, von dem eigentlichen Osterfeste,
welches nach dem Mondlaufe sich richtete. Man war nämlich, wie bekannt, anfangs
über den Tag des Osterfestes nicht einig, bis endlich das allgemeine Concilium
von Nicäa (325) als Tag des Osterfestes den ersten Sonntag nach der Frühlingstag-
und Nachtgleiche bestimmte. Dieser Tag wurde jährlich am Epiphaniefeste dem
Volke bekannt gemacht. Die Osterfeier erstreckte sich in den ersten christlichen
Jahrhunderten über die ganze Woche; doch war in Deutschland schon im 8.
Jahrhunderte die eigentliche Feier auf die ersten 3 Tage beschränkt; seit der
Reduction der Feiertage werden nur die ersten 2 Tage gefeiert. Die Segnung der
Speisen an diesem Tage ist uralt; unter diesen waren vorzüglich Eier, welche die
Alten als ein Symbol der Schöpfung und Auferstehung wählten. Gleich beim
Eintritte in die Kirche grüßten sich die Gläubigen mit den Worten: Der Herr ist
aus dem Grabe erstanden
, und der Andere erwiderte: Er ist wahrhaft
auferstanden
- eine Sitte, welche bei den Griechen noch stattfindet.
9) Nach der Lehre der ältesten Kirchenväter soll auch das Fest der Himmelfahrt Christi von den Aposteln angeordnet worden seyn. In manchen Kirchen wurde es ebenso prachtvoll wie Ostern, namentlich auch mit einer großen Procession gefeiert. In den alten Kalendarien ist der 5. Mai als Auffahrtstag des Herrn angemerkt.
10) Das Pfingstfest heißt in der Kirchensprache Pentecoste, vom Griech pentn kostn, d.i. der fünfzigste, weil es am 50. Tage nach dem Osterfeste gefeiert wird. Dieses Fest wird von den Kirchenvätern in einer dreifachen Beziehung vorgestellt: a) als ein aus dem alten Gesetze in das neue übertragenes Fest; b) als die feierliche Ankunft des heil. Geistes über die Jünger des Herrn; c) als die erste Verkündigung des Evangeliums und der Anfang des neuen Bundes. Auch dieses Fest verdankt seine Feier einer apostolischen Anordnung. Es war, wie das Osterfest, anfänglich auf die ganze Woche ausgedehnt, wurde aber später auch auf 3 Tage beschränkt und wird jetzt in foro nur 2 Tage lang eigentlich gefeiert.
11) Das jüngste unter den Hochfesten des Herrn ist das Frohnleichnamsfest,
das auf Veranlassung der sel. Juliana
von Corneli-Berg bei Lüttich durch den dortigen Bischof Robert im J. 1246
für sein Bisthum eingeführt und dann vom Papste Urban IV. im J. 1264 für die
ganze kath. Kirche angeordnet wurde. In der Kirchensprache heißt es Festum
Corporis Christi, was mit dem Deutschen so ziemlich übereinstimmt; denn
Frohn-Leichnam
heißt eigentlich des Herrn Leib
, wie Frohndienst
ein Dienst,
der dem Herrn zu leisten ist. Die Grundlage dieses Festes bildet die Einsetzung
der hochheiligen EucharistieEucharistie - von griechisch ευχαριστειν, "Dank sagen" - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi.
Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen die Mahlfeier im Anschluss an 1. Kor 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von "Abendmahl" im Anschluss an Mark 14, 17 und 1. Kor 11, 23.. Durch die angeordnete feierliche Procession wird
es auch zugleich ein Triumphfest der kath. Religion. (Vgl. Conc. Trid. Sess. 13.
cap. 5. de Euchar.) Die Procession findet sich in der ganzen kath. Kirche,
während der Gebrauch, die 4 Evangelien dabei zu singen, nur in der deutschen
Kirche vorhanden ist.
II. Bei den Bollandisten finden sich noch nachstehende minder feierliche Feste des Herrn, oder solcher Gegenstände und Ereignisse, die auf Ihn sich beziehen, aufgeführt, welche zum Theil nur in einzelnen Kirchen gefeiert, zum Theil aber auch auf die ganze Kirche ausgedehnt wurden:
1) Am 12. März (II. 103) findet sich Festum Sanguinis D. N. J. Ch. Die Feier dieses Festes erstreckte sich nur auf Mantua und Venedig, wo einige Tropfen vom heiligsten Blute verehrt werden. Aber auch an andern Orten wurde das Fest vom kostbaren Blute des Herrn und zwar an verschiedenen Tagen gefeiert, bis es endlich durch ein Decret der S. R. C. vom 10. Aug. 1849 für die ganze Kirche auf den ersten Sonntag im Juli sub ritu dupl. 2. Class. angeordnet wurde.
2) Am 27. März (III. 685) findet sich das Festum Lanceae Christi, welches auf Ansuchen des Kaisers Karl IV. von Papst Innocenz VI. im J. 1353 angeordnet wurde. Das Nähere über die Lanze, mit welcher Jesus am Kreuze durchstochen wurde, mag bei W.W. (VI. 350) nachgesehen werden; gewiß ist, daß das Fest der Lanze und der Nägel des Herrn in Deutschland sub ritu dupl. 2. Class. an einem Freitage nach der Oster-Octav, an anderen Orten aber in der Fastenzeit mit einigen andern, an das Leiden des Herrn erinnernden Gegenständen, z.B. Seiner Dornenkrone der Leinwand (Sindon), in welche Joseph von Arimathäa den Leichnam des Herrn nach der Herabnahme vom Kreuze einwickelte, der heil. fünf Wunden des Herrn etc. gefeiert wird.
3) Am 1. April (I. 2) wird von einigen Hagiologen erwähnt das Andenken an den Beginn des Predigtamtes Jesu.
4) Am 8. April (I. 740) findet sich das Andenken an die Blutstropfen des Herrn, welche an einem Charfreitage in dem Benedictiner-Kloster Fontevrault (Fons Ebraldi) in Frankreich von einem Kreuzpartikel herabgeflossen seyn sollen.
5) Am 3. Mai (I. 359) wird zu Brügge in Flandern das Andenken an das heil. Blut Christi gefeiert.
6) Am nämlichen 3. Mai (I. 361-366) feiert die ganze Kirche sub ritu dupl. 2. Class. das Fest der Erfindung des heil. Kreuzes, welche im J. 326 n. Chr. durch die hl. Kaiserin Helena (s.d.) bewerkstelligt wurde. Von diesem heil. Kreuze sind dann Partikeln in die ganze Welt ausgegangen; der Haupttheil befindet sich aber zu Rom in einer zu Ehrendes heil. Kreuzes erbauten Kirche.
7) Am 4. Mai (I. 436) wird das Andenken an die Dornenkrone des Herrn in verschiedenen Kirchen gefeiert.
8) Am nämlichen 4. Mai (I. 436) wird nach einem Schriftsteller das Andenken daran gefeiert, daß Maria und Joseph den Knaben Jesus im Tempel fanden.
9) Am 15. Mai (III. 439) ist die Erscheinung eines wunderbaren Bildes (Imaginis non manufactae) aufgezeichnet, welches im J. 574 von Camulianum, einer Stadt in Kappadocien, nach Constantinopel übertragen wurde.
10) Im Monate Mai oder Juni, nämlich am Freitage nach der Frohnleichnams-Octav, wird das Fest des heiligsten Herzens Jesu als duplex majus gefeiert, welches aber erst im 17. Jahrhunderte besonders durch die im J. 1690 gestorbene ehrw. Salesianerin Margareta Maria Alacoque in Aufnahme kam. Am 6. Febr. 1765 wurde die Feier desselben von Papst Clemens XIII. mehreren Kirchen gestattet und am 23. Aug. 1856 von Papst Pius IX. auf die ganze Kirche ausgedehnt. Das Fest soll nämlich, wie es in der Oration heißt, eine dankbare Erinnerung an die vorzüglichen Wohlthaten Seiner unendlichen Liebe seyn, als deren Quelle Sein Herz betrachtet wird, welches man daher im Hinblicke auf die Lehre von der Anbetung der mit der Gottheit hypostatisch vereinigten Menschheit Christi verehrt etc.
11) Am 13. Juni (II. 666) wird bei den Kopten und Habessiniern das Fest der Geburt Jesu gefeiert, welches sie übrigens auch am 29. eines jeden ihrer Monate begehen.
12) Am 16. Juli (IV. 122) wird in Spanien das Triumphfest des heil. Kreuzes gefeiert, welches ein Canonicus von Toledo unter König Alphons IX. im J. 1212 in die Schaaren der feindlichen Mauren getragen, und womit er den Sieg bewerkstelligt haben soll.
13) Am 6. August (II. 122) wird in der ganzen Kirche das Fest der Verklärung Christi (Transfiguratio Domini) gefeiert. Bei den Griechen ist es nach W.W. (XI. 129) eines der 12 großen Feste im Jahre; im Abendlande wird es erst seit dem Jahre 1457 auf Anordnung des Papstes Calixtus III. begangen aus Anlaß eines von den Christen gegen die Türken im J. 1456 bei Belgrad erfochtenen Sieges. Bei Usuard wird dieses Fest am 26. Juli (VI. 232) erwähnt.
14) Am 8. Aug. (II. 326) wird von Grevenus eine Ankunft des heil. Blutes in Ungarn berichtet; aber Näheres hierüber ist nicht angegeben.
15) Am 11. Aug. (II. 608) wird eine Uebertragung der Dornenkrone Christi und die Auffindung seines Schweißtuches (Sudarium) angeführt.
16) Am nämlichen 11. Aug. (II. 608) ist eine Erzählung von einem wunderbaren Bilde (Imaginis non manu factae) des Herrn zu den Zeiten des Kaisers Tiberius gemeldet.
17) Am 14. Aug. (III. 145) wird in den Menäen eine Zurückstellung des heil. Kreuzes (Relatio S. Crucis) erwähnt. Wahrscheinlich bezieht sich dieses auf die Zeit, da Kaiser Heraclius das heil. Kreuz aus Persien zurückerhielt und es in Constantinopel aufstellte, ehe er es nach Jerusalem brachte.
18) Am 16. Aug. (III. 262) ist die Uebertragung eines wunderbaren Bildes Christi aus Edessa angeführt, sowie auch das Andenken an Sein Leintuch (S. Mantilis vel Sindonis *********** memoria).
19) Am 19. Aug. (III. 698) wurde in der Kirche von Jerusalem die Erscheinung und Zurückkehr des heil. Kreuzes gefeiert, in mehreren Handschriften aber am 20. August (IV. 3), und zu Walstenake am 23. August (IV. 553) eine Auffindung des heil. Kreuzes.
20) Am 14. Sept. (IV. 141) trifft das Fest der Erhöhung des heil. Kreuzes (Exaltatio S. Crucis), eines der ältesten und vorzüglichsten Feste in der orientalischen Kirche. Einige leiten es von der Erscheinung des Kreuzes her, das Kaiser Constanin der Große auf seinem Zuge gegen Maxentius am Himmel erblickte, Andere aber von dem bekannten Ereignisse, nach welchem das heil. Kreuz, das im J. 614 von dem Perserkönige Chosroas nach Eroberung der Stadt Jerusalem nach Persien geführt worden war, vom Kaiser Heraklius im J. 627 wieder zurück erobert und zuerst nach Constantinopel, dann aber im J. 629 nach Jerusalem gebracht, in feierlichem Zuge auf den Calvarien-Berg getragen und dort wieder aufgerichtet wurde etc. Jedenfalls ist es dieses Ereigniß, welches diesem Feste im Abendlande zu Grunde liegt, wie besonders aus den Lectionen des römischen Breviers an diesem Tage hervorgeht.
Außer diesem Feste der Kreuzerhöhung (stayropaneia) ist bei den Bollandisten
in den Bänden des Septembers und Octobers kein Fest des Herrn mehr angegeben,
und es sind wohl auch die vorzüglichsten hier angeführt. Uebrigens versprechen
sie an verschiedenen Stellen der genannten Feste (z.B. Aug. II. 122. 326. 608.
III. 698), in einem besonderen Werke die Feste Christi und Mariä zu bearbeiten.
Gerne möchten wir nun noch manches auf den göttlichen Erlöser Bezügliche hieher
setzen; aber da der uns zugemessene Raum es nicht gestattet, müssen wir
namentlich wegen der bildlichen Darstellungen Jesu Christi, bezüglich welcher
von Seite mancher Künstler oft Unrichtigkeiten ************
vorkommen, uns auf Hack beziehen, wo S. 58-72 Bilder der Jugend Christi, S.
73-96 Vorstellungen aus Seinem öffentlichen Leben und Wirken, S. 97-141 Einiges
über Sein Leiden, namentlich über die Form des Kreuzes Christi, über
verschiedene Sinnbilder und Vorbilder etc., S. 142-150 Einiges über Jesus als
Sieger und künftigen Weltenrichter etc., S. 154 andere Vorbilder und Sinnbilder
Christi, S. 156 ff. Einiges über das Namenszeichen und über das Angesicht
Christi, S. 158 ff. sonstige Vorstellungen des Erlösers etc. besprochen werden.
Nur über den Namen Jesus Christus soll der oben (S. 19) gegebenen Notiz aus dem
inzwischen erschienenen 10. October-Bande der Bollandisten S. 320-322 *************
noch etwas beigefügt werden. Schon in den ältesten Zeiten wurde nämlich der
griech. Name IHSOYS abgekürzt in I und IH, sowie auch in IC und IHC oder IHS,
woraus dann durch den hl. Bernardinus von Siena, der die Verehrung des heiligsten
Namens Jesus vor dem hl. Johannes
Capistranus besonders befördert hatte, später IHS wurde, welchen Namen man
dann, da man das griech. n (n) für ein lat. h (H) ansah, auch als Ihesus
aussprach und schrieb, während man in gothischer Schrift den Namen so (ihc)
geschrieben findet. Der Name Insous Xristos findet sich in I. X. und in IC XC
abgekürzt etc. Nach W.W. (VII. 232) fand man auf Grabsteinen auch blos das
griech. P, welchem öfter auch der erste und letzte Buchstabe des griech.
Alphabets (A-O) beigefügt war, um nach Apoc. 1,8 auszudrücken, Christus sei der
Anfang und das Ende aller Dinge. Ein Zeichen für den Namen Jesus und daher ein
geheimes Erkennungszeichen der Christen war auch ein Fisch, weil das griech.
Wort IXTYS (d.i. Fisch
) die Anfangsbuchstaben des heiligsten Namens enthält,
nämlich Insous Xristos Teoi Yios Soter, d.i. Jesus Christus, Gottes Sohn,
Erlöser.
-
Doch nun wollen wir diesen Artikel über unsern höchsten Lehrer, Priester und
König, über den Heiligsten der Heiligen, über den ewigen Sohn Gottes, der da in
Seiner unendlichen Liebe Knechtsgestalt annehmen, ja der Mindeste unter den
Menschen
(Is. 53,3) werden wollte, damit auch der Unglücklichste, zu Ihm als
einem noch Minderen aufblickend, einen Trost in Ihm finde, schließen mit dem
uralten, wahrscheinlich aus Röm. 9,5 genommenen, ein ganzes Glaubensbekenntniß
umfassenden und von den Päpsten mit vielen Ablässen versehenen, katholischen
Gruße: Gelobt sei Jesus Christus, in Ewigkeit. Amen.
* Nach Weigl's Abhandlung über
das wahre Geburts- und Sterbjahr Jesu Christi, Sulzbach 1849
(I. 8. §. 5)
schwankt die Summe der Jahre, welche seit der Weltschöpfung bis zum Anfange
unserer gewöhnlicher Zeitrechnung verflossen seyn sollen, zwischen 6984 und 3616.
Und das dort citirte bekannte Buch L'Art der vérifier les Dates zählt 108
verschiedene Angaben der Chronologen auf, von denen 63 über 4000 Jahre und 45
weniger als 4000 Jahre von der Weltschöpfung bis zur Geburt Christi zählen.
Weigl selbst erklärt sich übrigens auch für das System derjenigen, welche das
Jahr der Welt (A. M) 4660 für die wahre Epoche der Geburt Christi ansehen,
übrigens der gemeinen christlichen Aera, von welcher weiter unten die Rede seyn
wird, 4004 vollkommen verflossene Jahre voran gehen lassen, so daß das Jahr der
Weltschöpfung 4005 mit dem ersten Jahre der gewöhnlichen christlichen
Zeitrechnung übereinkommt, daher das laufende Jahr 1862 das 5866ste (nach
Calvisius das 5812ste) der Weltschöpfung ist. Im Mart. Rom. ist am 25 Dec. nach
dem Chroniken des Eusebius angenommen, daß seit der Weltschöphung bis zur Geburt
Christi 5199 Jahre verflossen seien. Die Juden rechnen für diesen Zeitpunkt 3761
Jahre. Dr. Sepp hat in seiner Chronol. Tabelle zum Leben Christi
, 1. Auflage
(Bd. IV. S. 423) hiefür 4180 Jahre etc.
** Wenn der
wunderbare Stern den Magiern am Tage der Incarnation des Wortes
, also am 25.
März. erschienen ist (vgl. S. Caspar1), so ist bis zum 2. Febr., als dem Tage
der Darstellung Jesu im Tempel, fast ein Jahr verflossen; es des die Knaben von
zwei Jahren und darunter
tödten ließ. Was die Zahl dieser Unschuldigen Kinder
betrifft, so nehmen die Griechen deren 14,000 an. Allein diese Zahl ist offenbar
viel zu groß; denn da Bethlehem und die ganze Umgegend etwa 4600 Seelen zählen
mochte, so können es nach der Annahme unsers hochsel. Bischofs G. M. Wittmann in
Regensburg nur etwa 40-50 Knaben dieser Kategorie gewesen seyn, was jedoch
sicherlich die Grausamkeit des Herodes nicht mindert.
*** Nach der Vision
der A. K. Emmerich wäre dieses am
Versöhnungsfeste vorgefallen, wo Johannes mit seinen Jüngern den Sündenbock
,
d.i. den mit den Sünden des Volkes beladenen Ziegenbock (caper emissarius),
erwartet hatte, der vom Tempel her in die Wüste kommen sollte, während anstatt
dessen Jesus gekommen sei, auf welchen sofort Johannes hingewiesen habe als auf
Der, der als Agnus Dei das wirklich thun solle, was der Sündenbock nur
vorbildlich that, nämlich die Sünden des Volkes tragen und hinweg tragen.
**** Nach Dr. Gratz
(S. 210. S. 456) wäre es das auf den 19. März fallende Purim-Fest, nach Allioli
das Pfingst-Fest gewesen; aber nach Sepp's Leben Jesu
(Bd. VI. S, XXI) war es
sicherlich das Osterfest (n eortn), wie auch von Möhler, W.W. (V. 578) u. A.
angenommen ist.
***** Wer also nicht
an die Gottheit Jesu Christi glaubt, der mag wohl (wie z.B. in diesen Tagen Prof.
Renan in Paris) sich als Christen ansehen und ausgeben
, aber in Wirklichkeit
ist er kein Christ, da er ja durch die Läugnung Seiner Gottheit mit den
PharisäerDie Pharisäer (hebr. für "die Abgesonderten") waren eine theologische Ausrichtung im Judentum zur Zeit des zweiten jüdischen Tempels (ca. 530 v. Chr. bis 70 n. Chr.) und wurden danach als rabbinisches Judentum die einzige bedeutende überlebende jüdische Strömung.
Im Neuen Testament werden die Vertreter der Pharisäer in polemischer Weise als Heuchler kritisiert und herabgewürdigt.
Die Pharisäer hielten nicht nur die niedergeschriebenen Gesetze Mose' für verbindlich, sondern befolgten auch die mündlich überlieferten Vorschriften der Vorfahren.
Sie glaubten an eine Auferstehung der Toten und einen freien Willen des Menschen.n übereinstimmt, die Ihn eben wegen der entschieden Behauptung Seiner
Gottheit steinigen wollten und am Ende wirklich kreuzigten.
****** In seinem bei
Manz in Regensburg in den Jahren 1853-1862 in zweiter Auflage erschienenen
vortrefflichen Werke, dessen von uns hier nach den Seitenzahlen citirte erste
Abtbeilung des I. Bandes (I. a.) von S. 129-382 sehr ausführlich die
Chronologie des Lebens Jesu
behandelt. Das Nähere wolle in dieser gründlichen
Abhandlung selbst nachgesehen werden, namentlich wie zum Theil schon der hl.
Justinus der Martyrer, dann Clemens
von Alexandria, Eusebius und Andere die Jahre von der Geburt Christi an
rechneten (S. 355 f.). Später rechnete man übrigens auch wieder von der Geburt
Christi an, während Dionysius und seine näheren Nachfolger nach der Incarnation
(25. März) zählten, dabei aber die derselben vorausgehenden Tage bis zum 1.
Januar zurück auch noch zum nämlichen ersten Jahr rechneten. Eigentlich sollte
man also nach Sepp (S. 381) nicht sagen im Jahre ... vor oder nach Christi
Geburt
, sondern besser im Jahre ... vor oder nach Christus
, wie wir auch
gewöhnlich sagen.
******* Weigl beruft sich dabei (I. 102) unter Anderm auch auf eine alte jüdische Tradition, nach welcher Isaak im gleichen Alter als Schlachtopfer den sei; aber es wurde schon oben bei S. Isaac bemerkt, daß man bei diesem hiebei gewöhnlich ein Alter von 25 Jahren annimmt.
******** Nach dieser Berechnung, welcher auch bei W.W. (V. 574 ff) beigestimmt wird, sollte man also im J. 1862 eigentlich 1869 schreiben und nach Sepp's Antrag (I. 382) am 25. Dec. 1893, mit welchem Tage eigentlich das 20. Säculum der zweiten Weltschöpfung beginnt, das 19. Jubiläum der Geburt des Welterlösers feiern.
********* Das Wort leitet sich nach Wachter etc. wohl am besten ab von dem altd. Char = Gram, Trauer etc., entsprechend dem lat. Cura, querimonia etc.
********** Gründonnerstag
(dies viridium) heißt dieser Tag nach W.W. (II. 456) wahrscheinlich von der
Sitte der ersten Christen, an diesem Tage das erste Grüne des Frühjahrs, als
Kohl, Winter-Spinat und ähnliche Küchenkräuter zu genießen, wie das bei den
Juden gebräuchlich war, denen Gott durch Moyses befohlen hatte, das Osterlamm
mit wildem Lattich, einem bitteren Salate, zu essen (2. Mos. 12, 8).
*********** Daraus hat Ferrarius höchst irrig ein Festum SS. Mandelii et Diomedis MM. gemacht, da wirklich S. Diomedes am 16. Aug. trifft.
************ Vgl.
Die biblische Wahrheit im Gegensatze zu den Verirrungen der Malerei etc.
Augsburg, B. Schmid'sche Verlagsbuchhandlung 1858.
************* Der mir in Brüssel vorliegende besondere Abdruck der Lebensgeschichte des hl. Johannes Capistranus (nicht Josephus Calasanctius, wie es dort durch ein unliebes Versehen irrig heißt) hatte hier die Seite 53, welche deßwegen auch oben in der Note zu S. 19 steht.
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