
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Justinus, (13. April, al. 1. Juni), der Philosoph und Martyrer,
der erste Kirchenvater nach den apostolischen Vätern
, der älteste, von
dem wir größere Schriften besitzen, einer der ersten und vorzüglichsten Vertheidiger
(Apologeten) des Christenthums, hat uns in seinen Schriften über seine
Lebensverhältnisse viel mehr Nachrichten hinterlassen als irgend einer der
älteren Kirchenväter. Bei den Bolland. findet sich eine Zusammenstellung
derselben von dem Jesuiten Peter Halloix, die wir in folgender Darstellung
benützten unter stetem Hinblicke auf W.W. (V. 935 ff.) und Möhler's Patrologie
(I. 188-253 ff.) Hienach war der hl. Justinus im Anfange des 2. Jahrh. (um
das J. 100 n. Chr., also um die Zeit, da der hl. Apostel und Evangelist
Johannes starb) geboren zu Flavia Neapolis
(jetzt Nablus oder Naplus), dem alten Sichem, der Hauptstadt von Samaria,
welche später bei den Eingebornen Mabartha (Mamartha) hieß, im jüdischen Kriege
verwüstet, aber von Kaiser Flavius Vespasianus wieder neu hergestellt und darum
die Flavische Neustadt
genannt wurde, die dann mit römischen und
griechischen Colonisten bevölkert ward. Einer solchen griechisch-heidnischen
Colonistenfamilie entstammte wahrscheinlich auch der hl. Justinus, der seinen
Großvater Bacchius und seinen Vater Priscus nennt, selbst aber manchmal ein
Samariter, weil aus Samaria stammend, genannt wird, aber auch ein Heide war
wie seine Eltern. Diese waren so wohlbegütert, daß sie ihrem Sohne eine gute
Erziehung und allseitigen Unterricht geben lassen konnten, bei welchem er
auch, da er sehr gute Talente besaß, vortreffliche Fortschritte machte.
Nachdem Justinus sich in der Dicht- und Redekunst, so wie in der Geschichtskunde
ausgezeichnete Kenntnisse erworben hatte, verlegte er sich mit ganzer Seele auf
das Studium der Philosophie und zwar vorzüglich deßhalb, weil er glaubte, nur
von den Philosophen die Kenntniß des wahren Gottes sich verschaffen zu können.
Zuerst begab er sich zu einem Stoiker; da er aber von diesem zwar Vieles über
Allerlei, aber fast Nichts über Gott sprechen hörte, verließ er dessen Schule
und eilte in die eines Peripatetikers. Dieser nahm ihn liebevoll auf, fragte
ihn aber schon nach einigen Tagen, wie viel er ihm Belohnung für den Unterricht
geben wolle. Hierüber ärgerlich, verließ ihn Justinus, da ihm der Geiz und
die Habsucht dieses Menschen zu unphilosophisch vorkam. Immer mehr entstand
in ihm eine Sehnsucht nach der Erkenntniß Gottes, was ihn antrieb, den
Umgang eines Pythagoräers aufzusuchen. Dieser, ein Mann von großem Namen,
aber voll Stolz auf seine eingebildete Weisheit, wollte ihn nicht als
Candidaten der Philosophie aufnehmen, da er noch nicht durch die von ihm
als ganz nothwendig erklärte Kenntniß der Musik, Astronomie und Geometrie
hinreichend dazu vorbereitet sei. Traurig verließ Justinus diesen Lehrer;
denn diese Wissenschaften sich zu erwerben, würde ihm zu viel Zeit in Anspruch
genommen haben, was ihm seine brennende Sehnsucht nach der Erkenntniß der
Gottheit nicht gestattete. Ganz rathlos entschloß er sich, zu den Platonikern
zu gehen, und wirklich erwarb er sich in kurzer Zeit die Freundschaft und
das Vertrauen eines ausgezeichneten Lehrers dieser Philosophie, der eben
in die Stadt gekommen war, und unter dessen Leitung er so große Fortschritte
machte, daß er in der That setzt selber weise zu werden glaubte und bald
zum Schauen Gottes sich erschwingen zu können hoffte. In solchen Gedanken
begab er sich einmal vor die Stadt in die Einsamkeit am Meere, um ungestörter
philosophiren zu können. Da geschah es nun, daß auf einmal ein alter, ihm
unbekannter, aber ehrwürdiger Mann vor ihm stand, der ihn nach kurzer
Begrüßung in einem längeren Gespräche belehrte, daß er durch alle
philosophischen Wissenschaften Gott nimmermehr erkennen würde, sondern
daß er Ihn in den Schriften der von Gott erleuchteten Propheten suchen,
besonders aber selbst um höhere Erleuchtung beten müsse. Auf diese Worte
des hierauf sich entfernenden Greises * entflammte in
der Brust des Justinus ein heil. Feuer und eine sehnsuchtsvolle Liebe
zu den Propheten und zu den Freunden Christi.
Er verschaffte sich
die Schriften derselben, so wie die der heil. Apostel, welche er fleißig
las und genau mit den alten Sibyllinischen Weissagungen verglich, wodurch
er unter Einwirkung des hl. Geistes allmählig zur vollkommeneren Kenntniß
Gottes und Seines Sohnes Jesus Christi
gelangte. Er sah ein, wie verläumderisch die Christen von Juden und Heiden
über allerlei Schandthaten und Laster, ja selbst als Gottesläugner angeklagt
wurden, während doch wirkliche Verbrecher nicht mit so freudigem Muthe zum
Martertode gehen könnten, wie er das von den Christen öfter gesehen. Nun
begehrte und empfing er die hl. Taufe, wahrscheinlich in einem Alter von
30 Jahren. Dann erhielt er von noch lebenden Schülern der Apostel noch
weitern Unterricht und bestimmte sich vorzüglich zur Bekehrung heidnischer
Gelehrter, sowie zur Vertheidigung des Christenthums, weßwegen er, noch
immer seinen Philosophen-Mantel tragend, verschiedene Länder bereiste.
Daß er auch Priester geworden, ist zwar nicht gewiß, aber doch sehr
wahrscheinlich. Er war zweimal in Rom, wo er im Hause eines gewissen
Martinus bei dem Bade des Timotheus
** wohnte und eine Schule anlegte, in welcher
mehrere Christen Unterricht erhielten und unter diesen wahrscheinlich
auch sein Schüler Tatianus. Hier war es auch, wo er um das J. 138 seine
erste Apologie, gerichtet an den Kaiser Antoninus Pius, seinen Sohn
Verissimus (Marcus Aurelius), seinen Adoptivsohn Lucius Verus, an den
römischen Senat und das ganze römische Volk, verfaßte und zur Vertheidigung
der vielfach und oft nur um ihres Namens willen gemarterten Christen
übergab. Diese Schutzschrift, in welcher sich der hl. Justinus gleich
anfangs selbst als Christen bekennt, umfaßt 68 Capitel und zerfällt
in drei Theile: Im ersten (Cap. 1-22) sagt er ausdrücklich, daß er
nicht schmeicheln wolle, sondern von den Kaisern nur ein gerechtes Gericht
verlange, und daß man nicht blos einen Namen, sondern nur ein etwaiges
Verbrechen strafe; denn die Christen seien keine Atheisten, sondern
glaubten an den wahren Gott, den Vater, den Sohn und den heil. Geist;
sie seien nicht staatsgefährlich, sondern wollten nur Ruhe und Frieden;
sie seien nicht ausschweifend, wie die heidnischen Götter und ihre Anhänger,
sondern keusch etc. Im zweiten Theile (Cap. 23-60) sagt er zuerst (23-29),
daß die Christen von den Dämonen verfolgt werden, weil sie die von ihnen
herrührende unvernünftige Götterlehre verlassen haben; diese Dämonen hätten
auch Irrlehrer gesendet, welche, wie die Heiden, allerlei Uebles lehren und
thun, aber doch nicht gestraft werden, während die Christen, die doch aller
Tugenden sich befleißen, die ärgsten Strafen erdulden müßten etc. Dann (30-60)
beweist er, daß Christus kein Mensch, sondern der im A. T. verheißene
göttliche Erlöser sei, während die Dämonen die Fabeln von den Göttersöhnen
gebildet hätten, um die Weissagungen des A. T. auf Christus unwirksam zu
machen, welche älter seien als die heidnischen Schriftsteller etc. Im
dritten Theile (61-67) beschreibt er, damit man die Unschuld der Christen
recht erkenne, ihre Gottesverehrung (Taufe und Abendmahl etc.), droht
zum Schluße (Cap. 68) mit dem göttlichen Gerichte und fügt am Ende das
bekannte Edict des Kaifers Hadrian an Minucius Fundanus bei, worin das
tumultuarische Verfahren gegen die Christen verboten wurde. ***
Durch diese mit Kraft und edler Freimüthigkeit abgefaßte Schutzschrift
bewirkte der hl. Justinus wirklich, daß ein sehr günstiges Edict ****
für die Christen erlassen wurde, wovon ihm der Kaiser selbst ein Exemplar
zugestellt haben soll, das er von Rom mit nach Ephesus nahm und von dort
aus über Asien hin verbreiten ließ. - Während er in Ephesus verweilte
und einmal früh Morgens in einer Säulenhalle umherging, begegnete ihm
ein berühmter Jude, Namens Tryphon, welcher, wie er selbst sagt, sich
während des zwischen den Juden und Römern ausgebrochenen Krieges nach
Korinth geflüchtet, dort das Studium der Philosophie betrieben und zu
gleichem Zwecke jetzt nach Ephesus sich begeben hatte. Als dieser
unsern hl. Justinus in seinem Philosophenmantel sah, schloß er mit
seinen Begleitern sich an ihn, um seine Ansichten über Gott und göttliche
Dinge zu vernehmen, wobei ihn Justinus an Christus als den vollkommensten
Lehrer der Weisheit verwies; und nun entstand zwischen Beiden ein
Gespräch (Dialogus), welches zwei Tage dauerte, dann vom hl. Justinus
in 142 Capiteln aufgeschrieben und einem gewissen Marcus Pompeius
gewidmet wurde. Nach dem Eingange (Cap. 1) erzählt er (2-10) seine
eigene Bekehrungsgeschichte und, da Tryphon mit seinen Begleitern
hierüber lächelt und von Justinus verlangt, er solle sich vor Allem
nach Gottes Gebot beschneiden lassen und die jüdischen Gesetze
beobachten, nicht aber auf einen gekreuzigten Menschen vertrauen etc.,
erbietet sich Justinus, die Wahrheit und Göttlichkeit des Christenthums
zu beweisen, was nun in drei Theilen geschieht. Im ersten (11-48)
spricht er von der Abschaffung des alten Gesetzes, welches in Christus
seine Erfüllung erhalten habe, und widerlegt die Vorurtheile der Juden
wider das Christenthum; im zweiten (49-108) führt er den Beweis, daß
Christus Gott und der im A. T. verheißene Erlöser sey; im dritten
(109-141) handelt er von der Berufung der Heiden und von der Kirche
Christi etc. Den Schluß des Ganzen (Cap. 142) bildet der gegenseitige
Abschied und der Wunsch, Tryphon möge Christ werden. Ob dieser Wunsch
in Erfüllung ging, läßt sich nicht sagen; jedenfalls aber machte diese
Unterredung einen sehr guten Eindruck auf Tryphon, welcher gestand,
daß hiedurch seine Erwartung weit übertroffen sei, daß er mit seinen
Freunden reiche Belehrung daraus geschöpft habe und ihn nur bitte, daß
er auch nach seiner bald erfolgenden Abreise ihrer als Freunde noch
gedenken möge. Von Ephesus reiste Justinus in Begleitung seines Schülers
Tatianus noch in verschiedene Städte, um überall Freunde und Vertheidiger
des Christenthumes zu gewinnen, und kehrte nun wieder nach Rom zurück,
wo er dann seine zweite Apologie *****, die von
Einigen unrichtiger Weise als die erste bezeichnet wird, verfaßte und,
wie die Meisten annehmen, den Kaisern Antoninus Verus (Marcus Aurelius)
und Lucius Verus, die vom J. 161-180 regierten, überreichte. Die
Veranlassung zu dieser Schutzschrift, die nur 15 Capitel enthält, gibt
er selbst an, nämlich die ungerechte Christenverfolgung, welche gestern
und vorgestern
in Rom durch den Präfecten Urbicus (Urbicius) stattfand.
Es hatte nämlich ein heidnisches Ehepaar in Rom ein sehr unzüchtiges
Leben geführt. Nach einiger Zeit bekehrte sich die Frau zum Christenthume
und wollte auch ihren Mann auf bessere Wege bringen. Da aber dieses
durchaus nicht gelang, und der Mann auch in Alexandria, wohin er gereist
war, sein Lasterleben fortführte, ließ sie sich von ihm scheiden. Nun
verklagte der Mann seine Frau als Christin, und da diese von dem Kaiser
auf ihre Bitte die Erlaubniß erhielt, vor ihrer Vertheidigung ihr
Hauswesen in Ordnung zu bringen, wandte er seinen Angriff gegen einen
gewissen Ptolomäus, welcher die Frau im Christenthume unterrichtet
hatte. Dieser wurde nun um das J. 165 von dem Präfecten Urbicus auf
das einfache Bekenntniß, daß er ein Christ sey, zum Tode verurtheilt.
Da er auf den Marterplatz geführt wurde, machte Lucius, der ebenfalls
ein Christ war und dieses ungerechte Urtheil sah, dem Urbicus Vorwürfe,
daß er einen Menschen, der durchaus kein Verbrechen begangen, sondern
nur als Christ sich bekannt habe, auf solche Weise bestrafe, wie es
doch dem Kaiser und dem Senate nicht gezieme. Hierauf sagte Urbicus nur:
Du scheinst mir auch aus dieser Menschenklasse zu seyn,
und als
Lucius dieses bejahte, ließ er ihn ebenfalls fortschleppen, und ebenso
einen Dritten, aber Ungenannten, welcher herbei kam und auch mit den
zwei Andern ohne weiteren Grund hingerichtet wurde. Nach dieser Erzählung
fügt der hl. Justinus bei, daß auch er selbst nichts anderes erwarte,
als einmal von einem Feinde auf solche Weise zum Martertode gebracht
zu werden, namentlich aber von Crescens, einem cynischen Philosophen ******,
welchen er einen Wicht und Auswurf der Menschheit nennt, der über die
Christen um so mehr schmähe, je weniger er vom Christenthume verstehe,
und den er schon in öffentlichen Disputationen seiner Unwissenheit
überführt habe. Nun widerlegt er noch einige Einwürfe der Feinde und
bittet zuletzt (Cap. 14), diese seine Schrift bekannt zu machen, damit
die Menschen zur Kenntniß dieser Dinge gelangen und von ihrem Irrthume
befreit werden, wobei er sich auch noch (Cap. 15) erbietet, die christliche
Religion in einer öffentlichen Disputation wiederholt gegen alle
Anschuldigungen der Feinde zu vertheidigen. Welchen Erfolg diese
Schutzschrift hatte, ist nirgends angegeben; aber gewiß ist, daß
etwa zwei Jahre nachher die Befürchtung des hl. Justinus in Erfüllung
ging, indem er, wahrscheinlich auf Veranlassung des genannten Cynikers
Crescens, wirklich den Martyrtod erlitt. Was nun diesen Martyrtod betrifft,
so macht der Bollandist Papebroch, welcher im Gegensatze zu Baronius
in der Abhandlung vom 13. April (II. 104 s.) zwei Justinus unterscheidet,
nach griechischen Kirchenbüchern die Angabe (116. nr. 24), daß unser hl.
Justinus nach vielen Quälereien heimlich mit Gift getödet worden,
übrigens aber verschieden sei von jenem hl. Justinus, welcher bei den
Griechen am 1. Juni verehrt wird und nach alten Martyrer-Acten mit 6
andern Christen enthauptet wurde. Doch am 1. Juni (I. 16), wo er diese
heil. Martyrer eigens behandelt, muß er (18. nr. 8) zugeben, daß dieser
hl. Justinus, dessen Bild mit dem Philosophen-Mantel S. 19 sich findet,
mit jenem identisch sei, und daß die alten Martyrer-Acten, die er dann
S. 20-21 griechisch und lateinisch gibt, ganz auf unsern hl. Justinus
passen. Nach diesen Martyrer-Acten, die zwar von Einigen, selbst von
Möhler (I. 91), als unächt bezeichnet werden, deren Aechtheit aber von
den Meisten (auch von Ruinart, Benedict XIV., Baronius etc.) angenommen
wird, wurde der hl. Justinus (auf wessen Veranlassung, ist nicht angegeben)
mit einigen Gefährten in Rom vor den Präfecten Rusticus geführt, welcher
ihm befahl, den Göttern selbst und den Edicten des Kaisers gehorsam zu
seyn. Hierauf erwiderte der hl. Justinus: Es kann Niemand je getadelt
oder verurtheilt werden, welcher den Befehlen unseres Erlösers Jesu
Christi gehorcht.
Dann gibt er dem Rusticus auf seine Fragen
Rechenschaft über seine bisherige Lebensweise und bekennt seinen Glauben
an den Einen Gott und Seinen eingebornen Sohn Jesus Christus, der, von
den Propheten vorherverkündet, wirklich gekommen ist, um uns zu erlösen
etc.; und als dann Rusticus ihn entschieden fragt, ob er also ein Christ
sei, antwortet Justinus: Ja wohl, ich bin ein Christ.
Eben so
antworteten auch seine Gefährten, nämlich Chariton2
und eine Frau, Namens Charitana oder Charito, die anderswo eine Jungfrau
genannt wird, dann Evelpistus1 (Euelpistus)
aus Kappadocien, Hierax aus Ikonium und Päon,
welche angeben, daß sie schon von ihren Eltern im Christenthume unterrichtet
worden seien, aber doch auch die Reden des hl. Justinus gerne gehört hätten,
endlich Liberianus oder Valerianus.
Hierauf wendet sich der Präfect wieder an den hl. Justinus mit der Frage,
ob er meine, daß er, wenn man ihn vom Kopfe bis zu den Füßen geißelte,
gegen Himmel steigen und Belohnung empfangen werde, worauf der hl.
Justinus erwidert: Das meine ich nicht nur, sondern ich bin davon so
überzeugt, daß ich nicht den mindesten Zweifel darüber habe.
Nun befahl
ihnen der Präfect nochmal, daß sie Alle den Göttern opfern sollten, indem
er sonst sie ohne Barmherzigkeit peinigen lassen werde, worauf Justinus
im Namen Aller antwortete: Wir verlangen nichts sehnlicher als für Jesus
zu leiden. Diese Leiden werden uns Heil und Vertrauen verschaffen vor dem
schrecklichen Richterstuhle unsers Herrn und Erlösers, vor welchem auf
Seinen göttlichen Befehl die ganze Welt erscheinen wird.
Dieses sagten
auch die übrigen Martyrer, indem sie beifügten: Thu bald, was du willst;
denn wir sind Christen und opfern nicht den Götzen.
Auf dieses fällte
Rusticus das Urtheil, daß sie, weil sie den Befehlen des Kaisers nicht
gehorchen und den Göttern nicht opfern wollten, nach den Gesetzen zuerst
gegeißelt und dann enthauptet werden sollten. So wurden dann die heil.
Martyrer unter Lobpreisungen Gottes auf den gewöhnlichen Platz geführt
und dort nach erhaltenen Schlägen mit dem Beile enthauptet, nach Eusebius
um die nämliche Zeit, wie der hl. Bischof Polycarpus, also um das J. 167,
und zwar nach einer Citation bei W.W. (V. 938) am 12. Juni. Nach den
Acten nahmen die Gläubigen heimlich ihre Leiber weg und bestatteten sie
an einem ehrenvollen Orte. Der Leib des hl. Justinus befindet sich nach
den Bollandisten jetzt in Rom in der Kirche des hl. Laurentius.
Wie Papebroch am 13. April (II. 107. nr. 21) angibt, soll er im J. 1623
in der Abtei Hersfeld entdeckt und bald darauf mit einigen Andern nach
Eichstädt (Eystadium) in die Jesuitenkirche versetzt worden seyn;
allein derselbe bemerkt gleich selbst, daß hier sicherlich ein
anderer hl. Justinus zu verstehen sei. - Nach Eusebius hat unser hl.
Justinus außer den oben angeführten drei ächten Schriften, nämlich
den zwei Apologien und dem Gespräche mit dem Juden Tryphon, noch viele
andere geschrieben, von denen jedoch wohl mehr als die Hälfte verloren
gegangen ist. Zu diesen gehört besonders sein größeres Werk gegen
alle bestehenden Häresien
(adv. omnes haereticos), auf das er sich
in seiner ersten Apologie (Cap. 26) selbst beruft, und von welchem wohl
sein Buch gegen Marcion
nur ein Theil ist; dann die Schrift über
die Einheit Gottes
(de monarchia Dei), der Psaltes etc. Dagegen
gibt es andere Schriften, die ihm fälschlich zugeschrieben werden,
wie z.B. der Brief an Diognet,
dessen unbekannter Verfasser
nach Möhler (I. 164) wohl viel früher als der hl. Justinus gelebt
haben muß, und wieder andere, von denen einige Gelehrte zweifeln,
ob sie wirklich von ihm verfaßt sind. Zu den Letzteren gehört die
Rede an die Griechen
(Oratio ad Graecos) in 5 Capiteln und
die Mahnrede an die Griechen
(Cohortatio ad Graecos) in 38
Capiteln, in welchen besonders die thörichten und unanständigen
Göttergeschichten getadelt werden, während nur im Christenthume
die Wahrheit zu finden sei etc. Näheres hierüber möge man bei W.W.
und Möhler, die wir oben citirten, nachsehen. - Die Griechen feiern
das Fest des hl. Justinus und seiner Gefährten am 1. Juni; im Mart.
Rom. wird er am 13. April allein erwähnt, während seine Gefährten
darin nirgends genannt sind. Auch der Bollandist Papebroch behandelt
ihn, wie schon bemerkt, am 13. April, und er glaubt, der alte
Hagiolog Usuardus, dem dann im Laufe der Zeit Andere folgten, habe
ihn, da sein Todestag unbekannt ist, deßwegen auf den 13. April
gesetzt, weil er bei Eusebius gleich nach dem hl. Bischof Carpus2
von Thyatira und seinen Gefährten, die an diesem Tage verehrt
werden, erwähnt wird. (II. 104-120).
* Wer dieser Greis gewesen, ist nicht gesagt; Manche denken an einen Engel, Andere an einen Eremiten oder gar an den hl. Bischof Polykarpus. In Naplus kann übrigens dieser Vorfall sich nicht wohl ereignet haben, da diese Stadt 5 Meilen vom Meere entfernt liegt, weßwegen man an Ephesus denkt, wo mehrere Philosophenschulen waren, und der hl. Justinus mit dem Juden Tryphon die Unterredung hatte, in welcher diese Erzählung vorkommt.
** Der Jesuit Halloix sagt: In collo Viminali
apud Thermas Timothinas.
(Apr. II. 113. f). Nach Papebroch wurde
dieses Bad, welches auch nach Novatus, dem Bruder des Timotheus
benannt wurde, vom hl. Papste Pius zu einer christlichen Kirche consecrirt.
(Jun. II. 22 g.)
*** Dieses Edict findet sich bei W.W. (IV. 845).
**** Dieses Edict steht bei den Bollandisten (Apr. II. 114. nr. 18); doch wird dessen Aechtheit bestritten.
***** Der Bollandist Papebroch meint, diese Apologie sei nur die Einleitung zur ersten, und die wahre zweite Apologie sei verloren gegangen. Doch ist diese Meinung, welche auch Scaliger hat, von Vielen widerlegt worden, und in der neuesten Zeit auch von dem Bollandisten Benjamin Bossue am 19. Oct. (VIII. 398. nr. 57) im Leben des hl. Martyrers Ptolomäus etc.
* Der hl. Justinus nennt ihn sehr bezeichnend
anstatt φιλόσοφος (Freund der Weisheit) einen φιλόψοφος d.i. Freund
des Lärmens
, Schwätzer
, Marktschreier
etc. Eine
treffliche Schilderung dieser damals in den tiefsten geistigen und
leiblichen Schmutz herabgesunkenen Cyniker findet sich bei W.W.
(II. 909 ff.) unter dem Artikel Cresceus.
