
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
V. Carolomannus, (17. Aug.). Vom Altd. Kerl und Mann = tüchtiger Mann. Der
ehrw. Karlmann war der erstgeborne Sohn des Karl Martell und seiner Gemahlin
Rotrudis (Chrotrud), und gelangte nach dem Tode seines Vaters (741) zur
Regierung der Provinzen Austrasien, Schwaben und Thüringen, während sein Bruder
Pipin (der Kleine oder Kurze) Neustrien, Burgund und die Provence erhielt. Sechs
Jahre führte Karlmann im Vereine mit diesem seinen Bruder verschiedene
glückliche Kriege; allein mitten unter den zeitlichen Siegen gedachte er, daß
noch höhere geistliche Siege zu erfechten seien, legte daher im Jahre 747 die
Regierung seiner Ländertheile in die Hände Pipins nieder, empfahl ihm die
Erziehung seines Sohnes Drogo, wallfahrtete über St. Gallen nach Rom, wo er aus
den Händen des Papstes Zacharias das Kleid eines
Religiosen empfing, und ließ sich in der Einsamkeit des Berges Soracte (unweit
Rom) nieder, auf welchem Berge er zu Ehren des hl. Silvester
ein Kloster baute. Da er aber durch die vielen Besuche im Umgange mit Gott
gestört wurde, zog er sich mit einem seiner Gefährten in das Kloster auf Monte
Cassino zurück, welches damals unter der Leitung des Abtes Petronax stand.
Ungekannt oblag Karlmann hier dem göttlichen Dienste und wurde nach einem Jahre
durch feierliche Gelübde den Ordensgenossen beigezählt, ohne daß diese ihn
kannten. Als ihn aber einst nach der eingeführten Hausordnung die Reihe traf,
die Dienste in der Küche zu thun, und er beim Abspülen des Tischgeschirres eine
Ungeschicklichkeit beging, erhielt er von dem Klosterkoche, der eine derbe Natur
war, eine Ohrfeige, und da sein Gefährte diese Unbild rächen zu müssen glaubte,
wurde Karlmann entdeckt und sodann von allen Ordensmännern mit aller
Zuvorkommenheit behandelt. Von seinem Abte nach Frankreich geschickt, um in
einige Verhandlungen mit dem königlichen Bruder wegen der Lombardei einzugehen,
starb er auf der Rückreise zu Vienne im Jahre 755. Sein Leichnam wurde in einen
goldenen Sarg gelegt und nach Monte Cassino zurückgeschickt, wo er unter dem
Hochaltare begraben wurde. Die Ordensschriftsteller (selbst Mabillon) geben dem
Karlmann fast ebenso einstimmig den Titel, selig
oder gar heilig
, als Andere
sich dessen enthalten. Die Bollandisten halten dafür, daß ihm nur der Titel
ehrwürdig
(Venerabilis) mit Recht gebühre.

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