
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Catharina Senensis, (30. Apr.), eine Jungfrau aus dem dritten Orden des
hl. Dominicus (de Poenitentia), erblickte im Jahre
1347 zu Siena, woher sie den Beinamen hat, das Licht der Welt als die Tochter
eines Färbers oder Tünchers (Tinctor), Jakob Benincasa mit Namen, und einer
gewissen Lapa, die beide fromme, reichlich mit Kindern gesegnete Eheleute waren.
Unter all ihren Kindern fühlten die Eltern für Katharina eine besondere Vorliebe,
und es war dieß auch gar nicht zu verwundern, da sie die schönsten Eigenschaften
des Körpers und Verstandes besaß. Wer sie sah, mußte wegen ihres lieblichen
Wesens für sie eingenommen werden, daher sie denn auch den Beinamen Euphrosyna
d.h. die Heitere, Frohsinnige erhielt. Kaum vermochte aber die junge Katharina
Gott zu erkennen, als sie schon die reichlichsten Gnaden von ihm empfing. Gebet
und Einsamkeit war die Lust ihres Herzens. In ihrer Kindheit schon legte sie das
Gelübde der Keuschheit ab, um ihr Herz nicht zwischen dem Schöpfer und dem
Geschöpf zu theilen, und wurde von einer Erscheinung Christi
begnadigt, in der sie lange
verzückt blieb. Als sie ihr 12. Jahr erreicht hatte, gedachten ihre Eltern sie
zu vermählen; allein sie widerstand allen Versuchen, sie von ihrem Vorsatze,
Gott allein zu dienen, abzubringen, und trat endlich mit deren Einstimmung in
den dritten Orden des hl. Dominicus, wo sie im Jahre 1365 in ihrem 18.
Lebensjahre das Ordenskleid empfing. Nachdem sie einmal in den Orden aufgenommen
war, kannte ihre Abtödtung keine Schranken mehr; sie enthielt sich zuerst alles
Fleisches und Weines, später auch des Brodes, und endlich lebte sie ohne alle
irdische Speise, blos von der heil. Communion sich nährend. Dabei hatte sie
öftere Erscheinungen von Christus, der sie belehrte, wie sie Gott und sich
selbst erkennen und die Geister unterscheiden solle. Einmal verlobte sich Jesus
mit ihr unter Hinterlassung eines Ringes, während er ein anderesmal sein Herz
mit dem ihrigen vertauschte und ihr seine Wundmale eindrückte, so daß sie
deutlich gesehen werden konnten, aber nicht bluteten, weil sie sich dieß eigens
erbeten, um zu großes Aufsehen unter den Menschen zu vermeiden. In Folge höherer
Begnadigung, die ihr von Seite des himmlischen Bräutigams zu Theil wurde, fühlte
sie auch die Todesangst Christi, wobei sie unaussprechliche Schmerzen litt. In
ihren Entzückungen fiel sie öfters in's Feuer, ohne jedoch dabei einen Schaden
zu nehmen, und die Versuchungen des Satans blieben ganz kraftlos an ihr. Sie war
eine Freundin der Armen und eine fleißige Wärterin der Kranken, mochten diese
auch noch so eckelhafte Krankheiten haben; sie bekehrte viele Sünder durch ihr
Gebet und ihre Reden, wußte zukünftige Dinge vorher und kannte sogar die
Gedanken der Menschen. Zur Zeit der Theurung machte sie aus wenigem verdorbenen
Mehle große und wohlschmeckende Brode, und zu einer andern Zeit speiste sie mit
wenig Brod eine große Anzahl Personen. Sie schrieb aus Eingebung des hl. Geistes
ein Buch, und stand bei Papst Gregorius XI. in solchem Ansehen, daß er ihr die
Schlichtung der Streitigkeiten zwischen Florenz und dem Bischofe daselbst
übertrug. Wiewohl sie nun hiebei, wie auch bei andern Gelegenheiten, viele
Verläumdungen und Verfolgungen zu erdulden hatte, so war sie doch jederzeit
geduldig und freute sich um Christi willen ihrer Leiden. Große Verdienste hatte
sie auch um die Kirche, indem sie nicht nur die Streitigkeiten der Italiener mit
den Päpsten schlichtete, sondern diese auch bewog, von Avignon, wo sie schon
seit dem Jahre 1309 residirten, wieder nach Rom zurückzukehren. Die Mühe
endlich, welche sich die hl. Katharina gab, damit Papst Urban VI. von der ganzen
Christenheit anerkannt wurde, vermehrte um Vieles ihre Leibesgebrechlichkeiten,
denen sie endlich auch erlag. Sie starb zu Rom den 29. Apr. 1380, in einem Alter
von 33 Jahren (wie Christus der Herr), und ward in der Minervakirche daselbst
beigesetzt, wo man noch ihren heil. Leib unter einem Altare verwahrt, während
ihre Hirnschale sich bei den Dominicanern zu Siena befindet. In dieser Stadt
sieht man auch noch ihr Haus, ihre Bußwerkzeuge und einige andere
Geräthschaften, deren sie sich im Leben bedient hatte. Ihre Heiligsprechung
erfolgte unter Papst Pius II. im Jahre 1461, und Papst Urban VIII. verlegte ihr
Fest auf den 30. April, an welchem Tage ihr Name im allgem. Mart. Rom. sowohl,
als in dem besondern für die Dominicaner vorkommt. - Was ihre Darstellung
betrifft, so wird sie gar häufig abgebildet mit einem Ringe in der Hand, weil
Christus sich mit ihr verlobte; zuweilen auch mit einem Crucifixe im Arme und
den Wundmalen Christi an den Händen. Auch diese Darstellung findet man häufig,
wie ihr Christus mit zwei Kronen, einer Dornen- und einer goldenen Krone,
erscheint, ihr die Wahl lassend zwischen beiden, und wie sie dann die erstere
wählt und sich auf das Haupt setzt. Im römischen Brevier steht ihr Fest am 30.
April sub ritu dupl. - Wenn Menzel (Symb. J. 468) sagt, daß unsere Heilige nur
mit dem Christkinde verlobt
wurde, dagegen die hl. Katharina
von Alexandria mit dem erwachsenen Christus
; so ist dieses nicht richtig,
indem nach den von uns genau durchgesehenen Acten der erwachsene Christus
mit
seiner hl. Mutter Maria und vielen Heiligen gerade der
hl. Katharina von Siena erschien und der Braut den Ring der Verlobung gab. Auch
kann man nicht sagen, daß diese Verlobung von jener mit der hl. Katharina von
Alexandria nur entlehnt
sei. Vgl. S. Catharina
von Alexandria.