
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Kentigernus, (13. Jan. al. 1. Juli), der erste Bischof von Glasgow
(Glascua) in Schottland, auch Kentegernus, Kintigernus, Kentegrinus, im
Altbritischen Kyndeyrn und vom Volke Mungho oder Monghu genannt, ist einer der
berühmtesten Heiligen der alten Kirche von Nord-Britannien. Er stammte vom
königlichen Geschlechte der Picten, der ältesten Bewohner von Schottland. Seine
Mutter soll nämlich Thames oder Thamis, eine Tochter des Pictenkönigs Loth,
gewesen seyn. Nach Menzel (Symb. I. 249) sollen Engel ihr die Geburt ihres heil.
Sohnes, welche um das Jahr 516 erfolgte, verkündet haben. Auch nach der von den
Bollandisten nach Capgravius gegebenen Lebensbeschreibung hat seine Geburt unter
wunderbaren und geheimnißvollen Umständen stattgefunden, von denen aber weder in
der englischen, noch in der deutschen Ausgabe von Butler etwas erwähnt ist.
Schon in seinem zartesten Alter wurde er der Leitung des hl. Bischofs Servanus
von Culroß übergeben. Dieser soll ihn auch sammt seiner Mutter getauft, und
dabei der Mutter den Namen Tanea, dem Knaben aber den Namen Kientier *,
d.i. Haupt-Herr
gegeben haben. Unter der Leitung des hl. Servanus machte er
solche Fortschritte in allen Tugenden, daß er sich dir volle Liebe seines
Lehrers und Aller, die ihn kannten, erwarb, weßwegen er den Beinamen Mungho, d.i.
in der Landessprache der innig Geliebte
, erhielt, welchen Namen er bei den
Schottländern noch heute hat. Durch diese Bevorzugung aber erregte er den Neid
seiner Mitschüler, welche ihm manche lose Streiche spielten, die er jedoch durch
Wunder vereitelte. So hatte z.B. der hl. Servanus ein sehr zahmes Rothkehlchen
(rubisca), welches er besonders liebte. Diesem schnitten seine Mitschüler den
Kopf ab und schoben diese Unthat auf den abwesenden Kentigern, der aber dann den
Vogel durch sein Gebet wieder lebendig machte, wie auch Papst Benedict XIV. in
seinem Werke De Canoniz. (l. 4. p. 1. c. 21. nr. 6) erwähnt. Da aber seine
Heiligkeit fortwährend Anfeindungen neidischer Brüder erregte, beschloß er, dem
Winke des Herrn folgend, seine Schritte anderswohin zu lenken, wobei ein Fluß
sich wunderbarer Weise theilte. Vergebens suchte ihn der hl. Servanus von seinem
Vorhaben abzuhalten. Sich auf den Willen Gottes berufend, gab er dem hl.
Servanus den Segen, welchen dann dieser erwiederte. Bald darauf starb der hl.
Servanus in gutem Alter. Hierauf kam der hl. Kentigern an einen Platz, Namens
Glasghu, wo er in großer Enthaltsamkeit lebte, bis endlich König und Volk von
Cumberland (Cambria, Cumbria) ihn zum Bischof wählten, worauf er ausnahmsweise
von einem einzigen aus Irland berufenen Bischofe die hl. Weihe empfing und
seinen Sitz zu Glasgow nahm. Mit 25 Jahren Bischof geworden, setzte er seine
strenge Lebensweise fort; er aß nur jeden 3. oder 4. Tag und enthielt sich
gänzlich des Fleisches, Weines und jedes berauschenden Getränkes. Seine Kleidung
entsprach dieser Kost, sein Bischofsstab war ein gekrümmtes Holz etc. Mit bloßem
Leibe sich in kaltes Wasser eintauchend sang er das ganze Psalterium. Der
Stachel des Fleisches war in ihm ganz ertödtet. Sein Vermögen stand gänzlich im
Dienste der Armen. Bei Celebration der hl. Geheimnisse ereigneten sich häufige
Wunder mit ihm, indem z.B. öfter eine weiße Taube auf sein Haupt sich setzte
oder eine leuchtende Wolke sein Haupt umgab etc. In der Fastenzeit zog er sich
stets in die Einöde zurück und lebte blos von Wurzeln der Kräuter; am heil.
Charfreitage züchtige er sich Tag und Nacht mit Ruthen. Dabei war sein
Seeleneifer brennend; in seiner Diöcese wanderte er überall hin und zwar, wie
die Apostel, zu Fuße etc. Dabei sendete er mehrere seiner Mönche und Schüler als
christliche Missionäre nach dem Norden von Schottland, namentlich nach den
Orkney Inseln (Orcades), dann nach Norwegen (Norway) und Island. Seine Wunder
sind so zahlreich und so außerordentlich, daß sie alle hier unmöglich aufgeführt
werden können. Nur einige sollen erwähnt werden, weil in seinen Abbildungen
darauf Rücksicht genommen wird. Da er auch Ackerbau betrieb und einmal keine
Ochsen zum Ackern hatte, rief er im Namen des Herrn Hirsche aus dem Walde herbei,
welche ihm den Pflug zogen und dann wieder in den Wald zurückkehrten. Da einmal
ein Wolf einen dieser Hirsche tödtete, zwang er denselben, seine Stelle zu
vertreten und mit dem andern Hirschen den Pflug zu ziehen. Ein anderes Mal hatte
er all sein Getreide den Armen gegeben; da entschloß er sich, Sand in die Erde
zu säen, die dann zur Zeit der Aernte den schönsten Waizen hervorbrachte etc.
Einmal baute er eine Mühle, auf welcher man kein gestohlenes Getreide und an
Sonntagen gar nichts mahlen konnte etc. Um mächtigen Feinden, die sich zu seinem
Tode verschworen hatten, auszuweichen, begab er sich auf göttliche Mahnung in
das engl. Fürstenthum Wales (Cambria, Wallia, frz. Galles), und zwar zuerst nach
Menevia, dem heutigen St. Davids, so genannt vom hl. Bischof David,
mit welchem er einige Zeit lebte, bis ihm der fromme Cathwallain von
Denbighshire im Norden von Wales am Zusammenflusse der Flüsse Elwy und Cluid ein
Land schenkte, wo er ein berühmtes Kloster baute, das nach dem Flusse Elwy den
Namen Llan-Elwy oder kurzweg Elgwy erhielt, in welchem bald eine große Menge von
Schülern unter seine Leitung sich stellte. Man gibt ihre Zahl auf 965 an, welche
in strenger Disciplin und bei wohl ausgetheilten Beschäftigungen in Gebet und
Arbeit Gott Tag und Nacht dienten. Unter denselben war auch der hl. Convallus;
aber der vorzüglichste war der hl. Asaphus (s.d.),
den er im J. 560 zu seinem Nachfolger ernannte als Vorsteher des Klosters und
als Bischof der hier nach und nach entstandenen Stadt, die von demselben den
Namen St. Asaph erhielt und in der Nähe von Bangor liegt. Man nimmt an, daß der
hl. Kentigern in den Jahren 543-560 in Wales und namentlich in Eigwy sich
aufhielt. Hier verkündete er den im J. 544 oder 546 erfolgten Tod des hl.
Bischofs David von Menevia, der ihm durch höhere Eingebung bekannt geworden, und
prophezeite die großen Qualen, welche über Britannien kommen würden. Von hier
aus pilgerte er auch einige Male nach Rom, wo er dem hl. Papste Gregorius,
dem geistigen Apostel von England, seine ganze Lebensgeschichte erzählte, und wo
dann dieser seine (an und für sich nicht kanonisch geschehene) Consecration
bestätigte. In Elgwy war es auch, wo er einen Pelagianischen Priester, der sich
in seine Diöcese einschleichen wollte, nachdem er ihn durch höhere Eingebung als
Häretiker erkannt hatte, wieder vertrieb. Im J. 560 nach Glasgow in Schottland
mit 660 Brüdern zurückgekehrt oder vielmehr vom Könige Rederech (Rodericus), der
vom hl. Patritius in Irland getauft worden
war, zurück berufen, erfüllte er wieder mit allem Eifer die Pflichten eines
treuen Hirten. Da viel Volk vom Glauben abgefallen war und sogar dem Götzen
Wodan diente, führte er sie wieder zum Glauben zurück, wobei er durch Wunder
unterstützt wurde. So soll einmal, als er auf der Ebene Holdelin dem Volke
predigte, der Platz, worauf er saß, vor Aller Augen zu einem Berge sich
emporgehoben haben, der noch sichtbar seyn soll. Auch noch viele andere Wunder
wirkte er an allerlei Kranken, und bekehrte durch sich und die Seinigen viele
Völker zum wahren Glauben. Von diesen Wundern wollen wir nur Eines anführen, da
in einer seiner Abbildungen darauf hingedeutet ist. Die Königin wurde nämlich
angeklagt, daß sie einen Ehebruch mit einem Ritter begangen und demselben einen
kostbaren, vom Könige erhaltenen Ring gegeben habe. Auf der Jagd sah der König
diesen Ring am Finger des schlafenden Ritters und war schon bereit, ihn zu
durchbohren. Doch besann er sich eines Bessern, zog den Ring sanft von dem
Finger und warf ihn in den Fluß. Zu Hause machte er der Königin Vorwürfe und
warf sie ins Gefängniß. Nun wendete sich diese an den hl. Kentigern, welcher dem
Abgesandten den Auftrag gab, im Flusse Clyd zu angeln und den ersten Fisch, den
er finde, ihm zu bringen. Es war ein Salm (salmo), und als man ihn ausweidete,
fand man den Ring, den er dann der Königin schickte, die ihn sofort dem Könige
gab und so die Aussöhnung bewirkte. Von daher soll die Stadt Glasgow einen Ring
im Munde eines Salms in ihrem Wappen haben. Von solch außergewöhnlicher
Heiligkeit hörend wollte der hl. Columba,
der in seinem, auf der Insel Hy erbauten Kloster Kolumbhill lebte, ihn besuchen
und Freundschaft mit ihm schließen. Als sie in Begleitung singender Schaaren
einander begegneten, sagte Columba zu seinen Schülern: Ich sehe eine feurige
Säule, wie eine goldne Krone, über den hl. Bischof herabsteigen.
Hierauf
umarmten sich beide Heilige wechselseitig und schenkten sich einander ihre Stäbe
zum Zeichen ihrer gegenseitigen Liebe. Der Stab, welchen der hl. Columba dem hl.
Kentigern gegeben, wurde lange Zeit in Rippon verehrt. Diese Conferenz zwischen
den beiden Heiligen scheint im J. 565 stattgefunden zu haben. - Nachdem nun der
hl. Kentigern viel gewirkt und geduldet hatte, nahte das Ende seines Lebens
heran. Vor demselben berief er seine Schüler, ermahnte sie zur Beobachtung der
Ordensgelübde, zur Erhaltung der gegenseitigen Liebe, des Friedens, der
Gastfreundschaft, zur Lesung und zum Gebete, wie auch zur festen Haltung der
Decrete der hhl. Väter und der heiligen römischen Kirche. Als hierauf voll
tiefster Rührung seine Schüler mit ihm zu sterben verlangten, erschien ihm ein
Engel und offenbarte ihm, daß des andern Tages Alle sterben würden, was auch,
nachdem sie gleich ihrem hl. Vorstande ein warmes Bad genommen hatten, wirklich
geschah. Der hl. Kentigern soll sein Leben auf 185 Jahre gebracht haben, von
denen er 160 als Bischof verlebt hätte. Doch erklärt schon Bollandus (815. nr. 7)
dieses hohe Alter für paradox. Daß der hl. Kentigern am 13. Jan. starb, ist in
seiner Lebensgeschichte enthalten; aber ein Todesjahr ist dort nicht angegeben.
Nach einem engl. Martyrologium starb er im J. 608, nach Butler (I. 268) im J.
601 in einem Alter von 85 Jahren, von welchen er 60 als Bischof verlebte. Er
soll auch mehrere Schriften hinterlassen haben, welche bei Zedler (XV. 465), wo
übrigens manches Unrichtige über ihn vorkommt, verzeichnet sind. Auch Bollandus
(816. nr. 8) hat einige angegeben, namentlich 2 Briefe, dann 8 Reden über den
Tod des hl. Bischofs David, über die gegenseitige Liebe, über den christlichen
Frieden etc. Am 1. Juli wird in Schottland eine Translation gefeiert, von der
aber Bollandus nicht weiß, wann sie geschehen sei. An seinem Grabe in der Kirche
von Glasgow erfolgten zahllose Wunder. Gelenius gibt bezüglich dessen Abbildung
in der Kathedrale zu Köln an, daß der Statue des hl. Bischofs Geron
von Köln (s.d.) zur Linken der hl. Dutachus, zur Rechten aber unser hl.
Kentigernus stehe, der in der Rechten den Bischofsstab halte, in der Linken
einen Ring im Munde eines Salms, welches Letztere sicherlich auf das oben
erwähnte Wunder Bezug hat. (I. 815-821).
* Nach den Boll. (820. nr. 33) soll Ken in jener
sprache caput (Haupt) und Tiern so viel als Herr
(irisch tigerna) bedeuten.
