
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
SS. Kilianus Ep. et Soc. MM. (8. Juni). Der hl. Bischof und
Martyrer Kilianus, der Apostel und Patron von Wirzburg, so wie der hl. Priester
Colomanus (auch Colonatus, Colonanus, Colomnanus,
Calanus, Dolomannus, Lonatus genannt) und der hl. Diakon Totnanus
(auch Donanus, Thotnanu, Totmanus, Tornanus, Tolmannus, Romanus etc.) werden in
Franken hoch verehrt. Wie der Name dieser seiner Gefährten, so wird auch der des
hl. Kilianus selbst verschieden geschrieben, nämlich: Killena, Kyllena, Killinus,
Killenus, Kylianus, Quillianus, Chillianus, Chilianus, Cilianus, Caelianus etc.
Nach Zedler (XV. 622) heißt er auch St. Kellemann und Kilemann; im Franz.
St-Kilien und St-Kuln. Was die Ableitung dieses seines, bei den Iren und
Schotten nicht eben seltenen Namens betrifft, so ist sie schon deßwegen etwas
schwierig, weil seine Abstammung nicht ganz gewiß ist; daß aber die von Einigen
gewagte, auch bei den Bollandisten erwähnte Ableitung vom lat. Calix (Kelch)
oder gar vom griech. xilioi (Tausend), wie sie anderswo sich findet, durchaus
verwerflich ist, unterliegt keinem Zweifel. Auch als Abkürzung von Cäcilian
kann der Name nicht gelten; eher noch als Kilemann
, was dann vielleicht einen
mächtigen Beschützer
bedeuten könnte. Allein da im Keltischen das Wort Kil
oder Kill eine Kirche oder Zelle bedeutet, * so ist es sehr
wahrscheinlich, daß Killena so viel ist als kirchlich
, Kirchenmann
etc.
(Ecclesiasticus), welche Erklärung wir freilich noch nirgends gelesen haben,
obwohl sie gewiß viel näher liegt als alle andern. - Ueber den hl. Kilianus und
seine Gefährten geben die Bollandisten zwei Berichte: einen älteren aber
kürzeren (S. 612), unter dem Titel Acta, aus einer alten Handschrift, und einen
längeren, der von Heinrich Canisius auch aus alten Handschriften gezogen ist,
zum Theil auch bei Surius und Mabillon sich findet, aber nach dem
wohlbegründeten Urtheile des Sollerius interpolirt und mit den frommen
Erfindungen des Mönches Egilward, der weit später im Kloster des hl. Burchardus
bei Wirzburg lebte, ausgeschmückt scheint. Dieser weniger lauteren Quelle folgt
die gewöhnliche Tradition, die auch das Propr. August. gibt. So ist es z.B. nach
den Bollandisten ungewiß, ob der hl. Kilian ein Schotte oder Ire gewesen, so wie
es auch nicht wahrscheinlich ist, daß er dem Mönchsstande angehört habe, obwohl
Einige glauben, er sei Abt im Kloster Hy gewesen, was aber selbst Mabillon
bezweifelt. Verschieden lauten auch die Angaben über die Zahl und Namen seiner
Gefährten. So sind z.B. neben den hhl. Colmanus und Totnanus noch angeführt ein
Gallo (Gallus) und ein Arnualis, welcher am 2. Oct. (I. 318) als Annualis,
am 15. Febr. (II. 805) als Arnwal, am 19. Jan. (II. 213) als S. Erwaldus und am
8. Juli (II. 534) als Erwaldus einfach unter den Prätermissen genannt ist. Diese
und Andere mögen wohl, wie Sollerius meint, einmal Schüler des hl. Kilian
gewesen seyn, aber nicht gerade seine Begleiter nach Franken. Dieß sei auch der
Fall mit dem zuweilen noch beigefügten Adananus (Adamanus, Adamnanus), Adelinus3
und Wilfridus. Daß der hl. Kilian erst in Rom ordinirt worden, wie Egilwardus
angibt, hat gleichfalls keinen historischen Grund; es scheint vielmehr gewiß,
daß er schon in seiner Heimat zum Bischof, jedoch ohne einen bestimmten Sitz,
geweiht worden und so als Episcopus regionarius nach Franken gekommen sei. Die
Zeit seines Lebens ist mit Bestimmtheit aus der Thatsache zu entnehmen, daß er
zu Papst Johannes V., der im I. 686 regierte, gepilgert ist, obwohl er nicht
mehr ihn, sondern schon seinen Nachfolger Konon (nicht Kanon, wie es in den
kürzeren Acten irrig heißt) traf. Nach Zedler (XV. 622) wäre er schon von Papst
Benedict II. im J. 685 nach Franken gesendet
worden. Nicht minder sicher ist, daß unsere drei Heiligen den Martertod bereits
im J. 689 gelitten. Der Name des hl. Kilian kommt schon in den alten
Martyrologien, zumal bei Rhabanus vor; Notker
rühmt ihn in einer längeren Lobrede; überhaupt ist seine Verehrung, und zwar
nicht blos zu Wirzburg und in Franken, sondern in der ganzen Kirche erwiesen.
Früher hatte er ein eigenes Officium, und in der Kirche zu Lambach in
Ober-Oesterreich ist für die ganze Octav ein ausführliches Officium in 24 Seiten
vorhanden, in welchem sich die ältern Bestandtheile vortheilhaft von Egilward's
Zusätzen unterscheiden. Trotz aller Mühe konnten ältere Monumente als die
bekannten nicht aufgefunden werden. Sein Leben und Wirken anlangend, folgen wir
nun nach den Bollandisten der kürzeren, aber sicherern Quelle. Nach derselben
war der hl. Kilian von vornehmer Abkunft und machte von Kindheit an solche
Fortschritte in der Wissenschaft des Heiles und in Leitung der Seelen, daß er
zum Bischof (jedoch ohne festen Sitz) ordinirt wurde. Da geschah es eines Tages,
daß ihm das Wort des Herrn: Wer Mir
nachkommen will, verläugne sich selbst, nehme sein Kreuz täglich auf sich und
folge Mir nach
(Luk. 9, 23), besonders zu Herzen ging, und er den Entschluß
faßte, sein Vaterland zu verlassen und heidnischen Völkern das Evangelium zu
verkünden, wie schon mehrere Andere seiner Landsleute vor ihm gethan hatten. Er
bewog hiezu auch einige seiner Schüler, ** welche sich ihm
freudig anschlossen, und so kam denn der hl. Kilian mit den hhl. Coloman und
Totnan nach Franken zu einem Castell, Namens Wirziburch ***,
wo zu jener Zeit Herzog Gozbertus, ein Sohn des älteren Hetanus (Hedan), eines
Sohnes des Hruodo (Radulph), welchen nach W.W. (VI. 85) König Dagobert zum
Herzog von Thüringen aufgestellt hatte, regierte, aber ebenfalls, wie sein
ganzes Volk, noch in den Finsternissen des Heidenthumes lebte und namentlich die
Göttin Diana verehrte. Da ihm Land und Leute sonst gefielen, entschloß er sich,
ihnen das Licht des Christenthums zu bringen. Um aber dieses mit desto größerem
Segen thun zu können, begab er sich nebst seinen Gefährten vorerst nach Rom, um
vom apostolischen Stuhle die Sendung und Vollmacht zur Verkündigung des
Evangeliums etc. zu erlangen, welche er auch vom Papst Konon, der ihn ehrenvoll
aufnahm, in liebreichster Weise erhielt. Sodann kehrten die frommen Männer nach
Wirzburg zurück, und begannen dort das Wort Gottes zu verkündigen. Als der
Herzog Gosbert dieses erfuhr, ließ er sie zu sich rufen und besprach sich mit
dem hl. Kilian, der nach nicht langer Zeit ihn überredete, ein Christ zu werden,
und ihn dann sammt dem ihm untergebenen Volke taufte und firmte. Als er aber nun
dem Herzog, welcher nach Volkssitte die Gattin seines verstorbenen Bruders zur
Frau hatte, solches als dem Evangelium zuwider untersagte, und dieser, wenn auch
sehr schwer, doch aus großer Liebe zu Gott sich entschlossen zeigte, seine Frau
zu verlassen, entbrannte der Haß dieses Weibes, Namens Geilana, dergestalt gegen
die frommen Prediger, daß sie, wie einst Herodias gegen den hl. Johannes
den Täufer, Tag und Nacht auf ihr Verderben sann. Während nun Gosbert im
Kriege abwesend war, benützte Geilana diese Gelegenheit und ließ die frommen
Diener Gottes zur Nachtszeit, während sie gerade einmüthig ihre kirchlichen
Gebete verrichteten, heimlich durch einen gedungenen Mörder ****
enthaupten und an der nämlichen Stelle in aller Eile sammt dem bischöflichen
Kreuze, dem Evangelienbuche und anderen kirchlichen Geräthen in ihren Kleidern
beerdigen. Dieß geschah, wie oben schon bemerkt, nach der gewöhnlichen Annahme
im J. 689, während Andere das Jahr 686 oder 688 annehmen. Trotz dieser
Heimlichkeit bemerkte eine fromme Matrone, Namens Burgunda, diese Unthat und
brachte sie an's Tageslicht. Allein sie wurde auch noch auf andere Weise
offenbar. Als nämlich Herzog Gosbertus aus dem Kriege zurück kehrte und nach den
Dienern Gottes fragte, erwiederte zwar Geilana, daß sie ihren Aufenthalt nicht
wisse; aber der Mörder selbst konnte seine Strafe nichtverheimlichen, indem er,
wie wahnsinnig hin und her laufend, seine Schuld bekannte und am Ende unter dem
Ausrufe: Killena, der Heilige Gottes, brennt mich mit dem heftigsten Feuer!
sich selbst zerfleischte. Auch Geilana starb im Wahnsinne, und ihr Sohn Hetanus
(Hedan II.) wurde aus dem Lande verbannt. Was aus Gosbertus geworden, ist
historisch mit Sicherheit nicht festzustellen. Nach der größeren Passio soll er
von seinen eigenen Dienern getödtet worden seyn, weil entweder er selbst oder
diese vom rechten Wege abgewichen waren etc. Nach W.W. (VI. 85) blieb er Christ,
wie auch sein Sohn und Nachfolger Hedan II., welcher im J. 704 und 716 an den hl.
Willibrord bedeutende Schenkungen
machte. - Da am Grabe der drei hhl. Martyrer später viele Wunder geschahen,
erfolgte die Erhebung der heil. Leiber unter dem Papste Zacharias,
unter Vermittelung des hl. Erzbischofs Bonifacius
von Mainz, durch den hl. Burchard,
den ersten ***** Bischof von Wirzburg, unter Pipins
Regierung. - Bis hieher gehen die älteren Acten. In der größeren Passio (S. 618)
folgt dann noch die Geschichte, wie die hl. Gertrudis2,
die Tochter des Frankenkönigs Pipin und
Schwester Karls des Großen (sic!), nach
Karlburg ****** kam und dort ein Kloster gründete. Sie hatte
den Priester Atalongus mit sich genommen, der die Knaben in Karlburg
unterrichtete, aber als Fremdling vom hl. Kilianus nichts wußte. Da nun einmal
die Knaben schrieen, der hl. Kilianus thue Wunder und müsse von der Stelle, wo
er unwürdig liege, entfernt werden, wurden sie von Atalongus zur Ruhe verwiesen.
Da fügte es Gott, daß dieser erblindete, und da er sich die Stätte hatte sagen
lassen, wo der Heilige ruhte, habe er, ihn dort anrufend, das Gesicht wieder
bekommen und hierauf das Wunder dem hl. Erzbischof Bonifacius5 berichtet. Dieser
nun und der hl. Bischof Burcardus1, so wie die übrigen Bischöfe der Provinz
beschlossen sofort, die Reliquien des hl. Kilianus und seiner Genossen, welche
in der Erde unter einem darüber gebauten Pferdestalle lagen, zu erheben. Diese
Erhebung wird von dem Bollandisten Jakob Bueus im Leben des hl. Burchardus am 14.
Oct. (VI. 564. nr. 19) in gleicher Weise angeführt und bemerkt, es sei dieß die
erste Erhebung gewesen, die im Jahre 742 oder 743 stattgefunden habe; doch sei
nirgends angegeben, wohin damals diese heil. Leiber gebracht worden. Um diese
Zeit hatte aber Ymmina oder Irmina, die Enkelin des Herzogs Gosbertus und
Tochter des Herzogs Hedan II., welche auf dem Schloßberge zu Wirzburg in
klösterlicher Zurückgezogenheit lebte, diese väterliche Burg gegen das stillere
Karlburg, das Karlmann dem hl. Burchard geschenkt
hatte, an diesen vertauscht, der nun dorthin seinen bischöflichen Sitz verlegte.
Es war dort eine Marienkirche, wohl die älteste in Franken, von welcher später
der Berg den Namen Marien-Berg
erhielt, und in diese Kirche transferirte er
dann feierlich die hl. Reliquien, wie der Bollandist (nr. 23) meint, nicht lange
nachher, wahrscheinlich im J. 743. Doch die Steilheit des Berges und der
Wassermangel bestimmten den hl. Burchard, seine Kathedrale nicht auf dem Berge,
sondern an der Stelle zu erbauen, wo jetzt noch das Neumünster, in den alten
Urkunden Salvatorkirche
genannt, steht. Dort wurden nun auch die Reliquien der
drei heil. Martyrer beigesetzt, und zwar, wie der Bollandist (nr. 24. 39)
ausdrücklich bemerkt, zuerst im J. 746 in einem dort erbauten hölzernen
Kirchlein und dann im J. 752 in der neu erbauten größern Neumünster-Kirche, wo
sich die heil. Leiber noch in der Gruft befinden, während die heil. Häupter im
Hochaltare der später in der Nähe erbauten Kathedralkirche aufbewahrt sind. Von
dieser letzten Translation spricht auch Papst Benedict XIV. in seinem Werke De
Canoniz. (l. 1. c. 7. nr. 8). Nach Egilward's Lebensgeschichte des hl. Burchard,
die bei den Boll. am 14. Oct. (VI. 575-593) sich findet, waren die heil. Leiber
wachsartig geworden, die Bücher und Kleider aber hatten sich vollständig gut
erhalten (S. 584. nr. 26). Die drei heil. Häupter wurden sonst an den
Hauptfesten in silbernen Statuen auf dem Choraltare der Kathedralkirche zur
Verehrung ausgesetzt, zugleich mit dem von ihrem Marterblute bespritzten
Evangelien-Buche, welches früher als Reliquie im Domschatze war, seit der
Säcularisation aber in der Universitäts-Bibliothek sich befindet. Jetzt sind
diese schön gefaßten heil. Häupter auf dem Choraltare in einem eigenen Schreine,
der an Feiertagen geöffnet wird, so daß die heil. Häupter sichtbar werden. Am St.
Kiliansfeste werden sie in Procession nach Neumünster getragen. - Abgebildet
wird der hl. Kilian in bischöflichem Gewande, mit dem Dolche oder Schwerte in
der Hand. Bei den Bollandisten ist er am 8. Juli (II. 611) abgebildet mit dem
Hirtenstab in der rechten und einem offenen Buche in der linken Hand. Der hl.
Coloman erscheint gewöhnlich in priesterlichen und der hl. Totnan in
Diakons-Gewändern. Verehrt wird der hl. Kilianus wie in der ganzen Diöcese, so
besonders in der Stadt Wirzburg, namentlich in der Gruft der Neumünsterkirche,
wo eine frische Quelle sich findet, aus der die Gläubigen besonders an seinem
Festtage trinken, dann in der Dom-Kirche, im Collegiatstifte zu St. Johann, im
Seminar des hl. Kilianus und im berühmten Julius-Hospital. Bei den Bollandisten
steht am 13. Jän. (I. 855. d) bemerkt, daß zu Wirzburg einst am Feste des
Heiligen ein fröhlicher Tanz (tripudium) stattfand, der Sant Kilians-dantz
.
Vor der Reformation
war die Verehrung des hl. Kilianus auch in vielen
Reichsstädten der Diöcese, besonders in Windsheim, Schweinfurt und Hall
verbreitet. Außerhalb des Bisthums ist noch seine Verehrung zu Lambach in
Ober-Oesterreich hervorzuheben, welche von Adalbero,
einem Grafen von Laymbach und Wirzburg, herrührt, der vor des schismatischen
Kaisers Heinrich Verfolgungen sich dorthin flüchtete, nachdem er 40 Jahre
hindurch die Diöcese Wirzburg rühmlich verwaltet hatte. Am 9. Juli (II. 669)
wird der hl. Kilianus mit Germanus, Ribianus, Totnanus und Brocardus unter den
Prätermissen erwähnt; aber der Bollandist weiß nicht anzugeben, welche Heilige
hier gemeint sind und wie sie auf diesen Tag gesetzt werden, während er sich
bezüglich der hhl. Kilianus und Totnanus auf das am 8. Juli Gesagte bezieht. -
Im Mart. Tamlact. von Kelly sind zwar 86 Heilige mit dem Namen Colman, und auch
einer am 8. Juli mit dem Namen Colman Imramha; dann finden sich mehrere mit dem
Namen Cellan, Cillene, Cillini, Cilliani ******, auch am 8.
Juli ein Martyrer Celian Scottus mit seinen heil. Brüdern Aedh und Tadg, und
Amarama, der Gemahlin eines gothischen Königs; aber von unsern heil. Martyrern
Kilian, Koloman und Totnan habe ich dort nirgends etwas finden können, so daß
also dieselben in Irland nicht verehrt zu werden scheinen. Nur in seinem
Calendar (S. 74) hat Dr. Kelly aus des Hagiogrophen Colganus Acta Sanctorum
Hiberniae
(p. 329) am 14. Febr. die im J. 752 geschehene Translation der
Reliquien des hl. Killian (irisch Cillene)
, der als erster Bischof und Patron
von Wurzburg
bezeichnet ist, und seiner Gefährten, des hl. Priesters Colonatns
und des Diakons Totnan, und es wäre möglich, daß einer der oben bezeichneten
vielen Cillene und Colman, die an verschiedenen Tagen im Mart. Tam Tact.
vorkommen, auf unsere Heiligen sich bezögen. Vgl. Killianus6.
(II. 599-619).
Kilianus steht am 9. Juli mit Germanus41, Ribianus, Totnanus und Brocardus in einem Kalender; auch noch ein Multonus wird mit ihnen genannt. Die Bollandisten wissen aber von keiner Verehrung und sind über die Genannten ohne genauere Nachricht, weßwegen sie dieselben unterdie Prätermissen setzten. Wahrscheinlich ist unter Kilianus hier der hl. Bischof Kilianus1, unter Totnanus sein hl. Gefährte Totnanus und unter Brocardus der hl. Bischof Burcardus1 von Wirzburg zuverstehen. Vgl. S. Kilianus1. (II. 668).
* Vgl. S. Kieranus2.
Bei den Bollandisten (S. 600) sagt auch der Jesuit Heinrich Fitzsimon, daß Kil,
der Vorname mehrerer Orte in Irland, so viel als Zelle
bedeute und immer, so
oft er vorkomme, den Namen eines Heiligen nach sich habe, was aber der
Bollandist Sollerius dahingestellt seyn läßt. Doch auch Dr. Kelly sagt in seiner
Vorrede zu dem bei S. Kieranus2 erwähnten Calendar of Irish Saints ausdrücklich,
daß Kil (Cill) eine Kirche bedeutet, und führt als Beispiele an: Kilmurry =
Kirche der hl. Maria; Kilbride = Kirche der hl.
Brigitta: Kilkenny = Kirche des
hl. Kenicus etc.
** Als solche werden in den kürzeren Acten bezeichnet die Priester Lonatus, auch Colonatus genannt, Gallo und, Arnuvalis, sowie der Diakon Totnanus mit 7 Ungenannten; in der größeren Passio werden seine Gefährten nicht genannt, doch wird darin gesagt, er habe mit dem Priester Kolomannus und dem Leviten Totmannus die Reise von Rom nach dem ihm bestimmten Orte gemacht, nachdem er den Columbanus in Italien und den Gallus in Alemannien zurückgelassen hatte. Hiezu bemerken jedoch die Bollandisten (S. 616 f.), es sei dieses eine von den vielen in dieser Passio vorkommenden Unrichtigkeiten, indem die hhl. Columbanus und Gallus schon früher gestorben seien, ehe der hl. Kilianus sein Vaterland verlassen habe.
*** In der größeren Passio wird Wirzeburg
als
oppidum (kleine Stadt) bezeichnet und beigefügt, daß es so viel als virorum
castellum
(Männerburg) bedeute. Nach Förstemann war die älteste Schreibart
Wirziaburg, öfter auch Wirziburg, Virziburg, Wirciburc, Wirzeburg, Wirceburg,
Wirzburg, Wirtzburg etc.; erst später Wurzburg, Würzburg, Würtzburg etc. Auch
als Castellum Virteburch kommt es vor und soll schon im J. 650 die Residenz
ostfränkischer Herzoge gewesen seyn. Was die Ableitung betrifft, so wird diese
von Verschiedenen verschieden angegeben. Nach Einigen soll es den Namen von dem
Worte Wirth
haben weil nämlich vor Alters viele Wirthe dort gewesen seien;
nach Andern soll es von dem Worte Wirz
stammen, das einen süßen
ungegohrenen Most
bedeute, weßwegen auch der Name Mustopolis besteht. Sicherer
ist wohl die Meinung derjenigen, welche annehmen, der Name komme von dem ersten
oder vornehmsten Besitzer dieses Castells, welcher Wirzo (Wiricus, Wircus)
geheißen habe, wie denn dieser Rame auch wirklich in alten Urkunden öfter
vorkommt. Aus der späteren Schreibart Würzburg ist wohl der halb lateinische,
halb griechische Name Herbipolis (Kräuterstadt) entstanden, der im 11. Jahrh.
zuerst sich findet und dann später so gebräuchlich wurde, daß der alte Name
Wirzburg (Wirceburgum) immer mehr verschwand, während er dagegen in neuerer Zeit
wieder mehr in Gebrauch kommt, weßwegen auch wir - besonders nach dem Vorgange
des hochsel. Bischofs Peter v. Richartz - diese Schreibart angenommen haben, wie
denn auch in den Monum. Boic. (Tom. 37) die Monumenta Episcopatus
Wirciburgensis
(nicht Herbipolitani) gegeben sind. Andere Namen für Wirzburg
sind: Praxipolis, Preapolls, Marcopolis, Artaunum, Erebipolis etc. (Vergl.
Bruzen XII. 1286.)
**** Nach der größeren Passio wären es zwei Mörder gewesen, während die älteren Acten ausdrücklich nur von Einem sprechen, und diesen wird von den Bollandisten mehr Glauben geschenkt.
***** Primus Wirsihurnensium Episcopus
heißt er
in den älteren Acten. Der hl. Burcardus1,
ein Verwandter des hl.Bonifacius7, war
also der erste eigentliche Bischof von Wirzburg, während der hl. Kilianus nur
Bischof in oder zu Wirzburg war, indem diese Diöcese mit noch zwei anderen
(Büraburg und Erphesfurt) erst vom hl. Bonifacius im J. 741 errichtet und vom
Papste Zacharias durch ein Schreiben vom 1. April
742, das bei den Bollandisten im Leben des hl. Burchardus am 14. Oct. (VI. 561)
sich findet, bestätiget wurde, nachdem der hl. Bonifacius vorher um die
Bestätigung dieser von ihm errichteten drei Bisthümer und der von ihm für
dieselben geweihten drei Bischöfe nachgesucht hatte, woraus klar hervorgeht, daß
der hl. Burcardus nicht, wie Einige angeben, in Rom die bischöfliche Weibe
erhalten habe. Der Bischof von Büraburg hieß Witta
und der von Erfurt soll der hl. Adalar (s. S.
Adelarius) gewesen seyn.
****** Karlburg, Karleburg (Carleburgum) am linken Mainufer, 5 Stunden nordwestlich von Wirzburg, gegenüber von dem am rechten Main-Ufer liegenden Städtchen Karlstadt, ist jetzt ein Dorf mit den Ruinen der gleichnamigen, von Karl dem Großen erbauten Burg.
******* Daß der Buchstabe C im Irischen immer wie K gesprochen wird, wurde schon oben (S. 608) in der Note zu S. Kieranus2 bemerkt.

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