
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. S. Speratus et Soc. M. M. (17. Juli). Die Heiligen Speratus, Nartales
(Narzales), Cittinus2, Veturius,
Felix146, Acyllinus,
Lätantius, Januaria36, Generosa1,
Vestina, Donata27 und
Secunda13 litten unter dem Kaiser Severus und dem
Proconsul Saturninus im J. 200 zu Carthago den Martyrtod. Sie werden die
scillitanischen Martyrer genannt, weil man die römische Colonie Scillitana (vgl.
H. L. III. 656) im Innern der Provinz Africa (nicht
Calabrien, vgl. H.-L. V. 235 und I. 20.),
von welcher sich beim heutigen Ksarin, westlich von Sbaita, bedeutende Ruinen,
namentlich ein großartiges Museum und ein Triumphbogen erhalten haben, als ihre
Heimath annimmt. Am 16. Juli wurden sie eingezogen und vor den Richterstuhl des
Proconsuls gestellt. Dieser gab ihnen die Versicherung, der Kaiser würde ihren
Ungehorsam verzeihen, wenn sie den römischen Göttern Opfer bringen wollten.
Speratus aber erwiederte muthig im Namen seiner Gefährten: Wir haben keine
Verbrechen begangen; wir haben Niemanden Unbilden angethan, - im Gegentheil, als
man uns mißhandelte, haben wir dem Herrn
gedankt. Wisse also, daß wir nur den Einen, wahren Gott anbeten, den Herrn und
Lenker aller Dinge, und daß wir nach seinem Gesetze für unsere ungerechten
Verfolger beten.
Da der Proconsul in sie drang, auf den Genius des Kaiser zu
schwören, setzte Speratus seine Rede also fort: Ich kenne den Genius des
Kaisers nicht; diene aber dem Gott des Himmels, den kein Mensch gesehen hat,
noch sehen kann. Ich habe mich nie eines vor den Staatsgesetzen strafwürdigen
Vergehens schuldig gemacht und allezeit die Abgaben, die dem Kaiser, den ich als
meinen Herrn auf Erden ansehe, gebühren, redlich entrichtet; ich bete aber nur
den Einen Gott an, der da ist der König der Könige, der höchste Gebieter über
alle Nationen der Welt. Aber ich bin keines Verbrechens schuldig, mithin habe
ich auch keine Strafe verdient.
Hierauf ließ sie der Proconsul in den Kerker
abführen, und bis zum folgenden Tag in den Stock spannen. - Als sie am folgenden
Tage wieder vor seinem Richterstuhle erschienen, richtete er seine Ansprache
zunächst an die Frauen, indem er verlangte, sie sollten den Fürsten ehren und
den Götzen opfern. Hierauf gab Donata zur Antwort: Wir geben dem Kaiser, was
des Kaisers ist; wir beten aber nur Gott an, und Ihm allein bringen wir Opfer
dar.
Ich bin auch eine Christin
, sagte Vestina Auch ich glaube an meinen
Gott,
unterbrach Secunda, und ich will Ihm getreu bleiben immerdar. Was eure
Götter betrifft, werden wir uns nicht dazu bewegen lassen, uns vor denselben
niederzuwerfen und sie anzubeten.
Nun ließ der Proconsul sie in das Gefängniß
zurückführen, und wendete sich wieder an Speratus: Bestehest du noch auf deinem
ersten Beschluß? bist du immer noch Christ?
Ja, ich bin es
, erwiederte er,
damit es Jedermann wisse, so wiederhole ich nochmals, ich bin ein Christ.
Da
Alle die bei ihm waren, gleichmäßig ausriefen: Wir sind Alle Christen!
sagte
der Proconsul: Ihr wollet also weder Gnade noch Zeit, um euch eines Bessern zu
besinnen?
Thue, was dir beliebt
, erwiederte Speratus, wir werden freudig
sterben, aus Liebe zu Jesus.
Jetzt fragte der Proconsul nach ihren heiligen
Büchern. Sie antworteten: Die vier Evangelien unsers Herrn Jesu Christi und die
Sendschreiben des hl. Apostels Paulus und die ganze
von Gott eingegebene heilige Schrift.
Der Proconsul sprach: Ich gebe dir drei
Tage Bedenkzeit.
Speratus erwiederte: Dieser Aufschub ist unnöthig; denn
niemals werden wir den Glauben an unsern Herrn Jesus Christus abschwören;
befehle demnach, was du für gut findest.
Da verurtheilte der Proconsul die
Zwölfe zur Enthauptung. Als das Urtheil verlesen wurde, sagten Speratus und
seine Genossen: Gelobt sei Gott, der uns in die Zahl der Martyrer um des
Bekenntnisses seines Namens willen aufgenommen hat!
- Nach Ado
sollen die Reliquien des hl. Speratus unter der Regierung Carls
des Großen aus Afrika nach Lyon gebracht worden sein. Auch das Mart. Rom.
enthält die Namen dieser hhl. Martyrer. (IV. 204.)