
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Malachias, Ep. Conf. (5. al. 1. und 3. Nov., 18. Mai). Dieser hl.
Malachias, englisch Malachy, der Reformator des irischen Kirchthums
(Hefele,
Conc.-Gesch. V. 467), war Erzbischof von Armagh und Bischof von Connor und Down.
Er wurde wahrscheinlich im J. 1094 in Armagh geboren und erhielt eine dem
angesehenen Range seines Hauses entsprechende Bildung und Erziehung. In der hl.
Taufe erhielt er (Butler, engl. Ausg. XI. 52) den Namen Maol-Maodhog, d.h.
Verehrer, Tonsurirter Maodhogs,
des am 31. Jan. verehrten Bischofs von Ferns. Sein Geschlechtsname war O'Morgair.
Wie seine Erziehung beschaffen war, erzählt uns seine vom hl.
Bernhard verfaßte Lebensbeschreibung
in den kurzen Worten:
in der Schule lernte er die Schrift, zu Hause die Gottesfurcht.
Letztern
Unterricht besorgte seine Mutter. Das Knaben- und Jünglingsalter durchlebte er
in Einfalt und Reinigkeit, und wie sein Alter, so wuchs auch seine Weisheit und
Liebenswürdigkeit.
Obwohl er den Uebungen der Frömmigkeit, dem Beten und der
Abtödtung eifrig ergeben war, bemühte er sich dennoch, dieselben vor der Welt zu
verbergen. Deßhalb verweilte er nicht länger in der Kirche, als es ohne Aufsehen
geschehen konnte. Oefter aber fand man ihn an einsamen Orten der Betrachtung und
der Beschaulichkeit obliegend. Als er mit den Jahren hierin immer weiter ging,
mußte er öfter den Vorwurf der Trübsinnigkeit, der Menschenscheu, der
Kopfhängerei anhören. Derlei Urtheile glaubte er als eine Schule der Demuth
betrachten zu müssen, setzte sich aber im Uebrigen muthig darüber hinweg. Unter
der Leitung des frommen Reclusen Imarius (Imarus), welcher in der Zelle nahe an
der Cathedrale ein abgetödtetes und einsames Leben führte, lernte er immer mehr
die Welt, ihre Ehren und Freuden gering schätzen. Viele junge Leute folgten
seinem Beispiele. Sein Jugendleben war der Art, daß der hl. Bernhard das Wort
des Propheten: Es ist dem Menschen gut, wenn er des Herrn Joch von Kindheit
trägt
auf dasselbe anwendet. Es bildete sich eine Art geistliches Seminar, in
welchem Malachias einer der frömmsten und eifrigsten Zöglinge war. Ungeachtet er
sich in großer Demuth aufrichtig weigerte, die heiligen Weihen zu empfangen,
ertheilte ihm der Erzbischof Celsus (Ceallach) die Priesterweihe, obwohl er das
hiezu damals erforderliche Alter (30 Jahre) noch nicht erreicht hatte.
Bezeichnend für seine Geistesrichtung und tiefe Frömmigkeit ist es, daß er die
Beerdigung armer Todten, als er noch Diacon war, als liebstes Geschäft übte. Der
Bischof übertrug ihm das Predigtamt auf dem Lande und autorisirte ihn zur
Abstellung verschiedener Uebelstände und Mißbräuche. Namentlich hatte er
abergläubische Meinungen, Teufelsspuck, Feindschaften, Rohheit und
Zügellosigkeit der Sitten zu bekämpfen. Bischof Malchus
von Lismore (s.d.), früher Ordensmann zu Winchester, war ihm hiebei Freund
und Rathgeber. Der Erfolg war groß, und nach den Worten des hl. Bernhard dem
Feuer in den Dornen zu vergleichen. Er führte in den Kirchen den regelmäßigen
Psalmengesang, die römische Liturgie und die canonischen Tagzeiten wieder ein;
ebenso den heilsamen Gebrauch der Beichte, das Sacrament der Firmung und die
priesterliche Einsegnung der Ehe, was sie alles entweder nicht wußten oder
verabsäumten.
Das einst so berühmte vom hl. Comgall
im J. 550 gegründete, nun aber seit der im 9. Jahrh. erfolgten Invasion der
Dänen, welche in Irland über 900 Mönche tödteten, zerfallene Kloster Benchor
* (Bangor) stellte er her, und
verrichtete bei dieser Gelegenheit sein erstes Wunder. Als er nämlich eines
Tages mit den Zimmerleuten arbeitete, lief ein Mann unvorsichtiger Weise mitten
unter dem Ausholen an ihm vorüber, so daß er anscheinend tödtlich getroffen
(sein Kleid war von oben bis unten geschlitzt) zu Boden stürzte. Um so größer
war das Erstaunen der Umstehenden, als sie den Mann frisch und unverletzt sich
wieder erheben sahen. Aber der äußere Bau genügte ihm nicht. Es lag ihm daran,
auch im Innern die alte Zucht, Wissenschaft und Frömmigkeit wieder herzustellen.
Deßhalb stand er selbst eine Zeit lang dem Hause vor, und war - nach den Worten
des hl. Bernhard - durch seinen Wandel ein stets offenes Buch, eine lebendige
Regel, aus welcher Alle die wahren Grundsätze der Vollkommenheit lernen konnten.
Bald darauf wurde er, obwohl erst dreißig Jahre alt, zum Bischof von Connor
erhoben. Als solchen nennt ihn das Martyrologium der Benedictiner. Es bedurfte
aber, um ihn zur Annahme zu bewegen, eines förmlichen Befehls seines Erzbischofs.
Sich selbst und der Welt abgestorben, hörte er in allen Dingen nur Gott und den
göttlichen Willen. So schwer ihm die neue Würde wurde, so gerne unterwarf er
sich derselben, da er erkannte, daß sie mehr Leiden als Ehrenbezeugungen mit
sich führe. Man konnte in ihm seit jener Zeit zwei Personen unterscheiden, den
Bischof und den einfachen Christen. Wer ihn in seinen amtlichen Verrichtungen
sah, hätte glauben mögen, daß er nur für Andere, nicht für sich selbst lebte;
und wer seine Zurückgezogenheit und seine beständige Geistessammlung sah, konnte
denken, daß er einzig für Gott und sich selbst lebte. Bei aller Aufmerksamkeit,
die er auf seine äußere Thätigkeit verwendete, blieb er innerlich stets
gesammelt. In seinem neuen Wirkungskreise fand er fast lauter Namenchristen, die
an Lasterhaftigkeit die Heiden beinahe übertrafen. Innere Unruhen, Mord und
Gräuel aller Art lasteten auf dem unglücklichen Volke. Gleichwohl war er fest
entschlossen, keine Mühe zu sparen, um diese Wölfe in Schafe zu verwandeln. Er
predigte mit apostolischem Freimuthe, wobei er den wohlbedachten Ernst mit
kluger Sanftmuth milderte. Fand er keine Zuhörer in den Kirchen, so suchte er
sie auf den Straßen und in den Häusern. Er besuchte, immer zu Fuß gehend, die
entlegensten Weiler und Ortschaften des Bisthums und trug geduldig Unbilden und
Beleidigungen jeder Art. Die Eroberung und Verwüstung der Stadt Connor durch
einen nordischen König nöthigte ihn, sich in die Einsamkeit des Klosters Ibrac
zurückzuziehen, wo er längere Zeit allen seinen Mitbrüdern, 120 an der Zahl, in
heiliger Armuth und ächtem Bußgeiste voranleuchtete. Der Erzbischof Celsus,
welcher ihm auch die bischöfliche Weihe ertheilt hatte, bestimmte ihn vor seinem
Tode zum Nachfolger. Ungeachtet er canonisch gewählt wurde, konnte er gleichwohl
nicht durchdringen. Erst regierte oder vielmehr zerfleischte ein gewisser
Mauricius die Kirche von Armagh noch fünf Jahre lang. Er glaubte, nach einem
bereits eingebürgerten Mißbrauche, als nächster Verwandter des verstorbenen
Erzbischofs sich hiezu berechtigt und scheint auch großen Anhang gehabt zu
haben, da der hl. Malachias ungeachtet der vorausgegangenen canonischen Wahl
seine Rechte, ohne große Unruhen und selbst Blutvergießen fürchten zu müssen,
nicht geltend machen konnte. Eine SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
unter dem Vorsitze des Bischofs Gilbert
von Limerick bedrohte ihn mit dem Banne, wenn er die Verwaltung seiner Kirche
nicht antreten würde. Er durfte es aber nicht wagen, so lange Mauricius lebte,
nach Armagh zu kommen. Dabei setzte er die Bedingung, daß er wieder zu seiner
ersten Braut, der Kirche von Connor, zurückkehren dürfe, sobald der Friede in
Armagh hergestellt und das Nothwendigste geordnet sei. Auch nach dem Tode des
Mauricius fand er in Armagh noch Widerspruch und hatte mit dem von diesem
ernannten Verwandten desselben, Nigellus mit Namen, um den erzbischöflichen Sitz
zu kämpfen. Allein König Cormac und die Bischöfe des Landes standen fest zu ihm,
und so wurde er endlich im J. 1133 als einzig rechtmäßiger Metropolit anerkannt.
Als er von diesem Amte Besitz ergriff, stand er in der schönsten Manneskraft, in
einem Alter von 38 Jahren. Drei Jahre lang wirkte er mit größtem Eifer; aber
nachdem er den Frieden hergestellt, die Verhältnisse geordnet und sich mit
Zustimmung der übrigen Bischöfe und des Clerus in der Person eines gewissen
Gelasius einen Stellvertreter geweiht hatte, ging er wieder nach Connor zurück,
für welches er bald hernach einen eigenen Bischof weihte, während er, dem Drange
der Demuth nachgebend, nur den kleinern, bis dahin mit Connor vereinigten
Sprengel von Down für sich behielt. Die Armuth liebte er aber nicht bloß für
sich, sondern auch in Andern, als Mittel, seine Verdienste zu vermehren: arm
für sich
, sagt der hl. Bernhard, war er reich für die Armen.
Im J. 1139
machte er, um für mancherlei von ihm getroffene Einrichtungen die päpstliche
Gutheißung und für die Metropolitan-Sitze von Armagh und Tuam (letzterer sollte
neu gegründet werden) das Pallium zu erlangen, eine Reise nach Rom. Auf
derselben schloß er zu York mit dem frommen Priester Sycar und zu Clairvaux mit
dem hl. Abte Bernhard innige Freundschaft. Von dem wundervollen Geiste der
Frömmigkeit und dem strengen Bußernste, von welchem er ihn selbst und die unter
ihm stehenden Mönche durchdrungen fand, wurde er so ergriffen, daß er ernstlich
gesonnen war, seine Tage wo möglich in ihrer Gesellschaft zu beschließen.
Wirklich bat er den Papst Innocenz II. um die Erlaubniß hiezu, erhielt sie aber
nicht. Vielmehr wurde er zum päpstlichen Legaten für ganz Irland ernannt. Dafür
ließ der Heilige vier Irländer in Clairvaux zurück, welche daselbst die Gelübde
ablegten und dann den Orden des hl. Bernhard in ihr Vaterland verpflanzten. Der
hl. Malachias stiftete hier das Cistercienser-Kloster Mellifont, aus welchem
später mehrere andere hervorgingen. Der apostolische Mann hielt SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
n,
predigte, erbaute und restaurirte Kirchen und Klöster und war unablässig thätig
zum Heile der Seelen. Unter den von ihm erbauten Kirchen ist vorzüglich die von
Benchor zu nennen, da sie durch ihre ungewöhnliche Größe und Schönheit
allgemeine Bewunderung erregte. Die Cathedrale von Down erfuhr einen so
gründlichen Umbau, daß er einem Neubau gleichkam. Von den Wundern, die der
Heilige wirkte, sagt der hl. Bernhard: Es fehlte ihm nicht die Gabe der
Weissagung und der Offenbarung, nicht die Gabe der Bestrafung der Gottlosen,
nicht die Gabe der Krankenheilung, der Umwandlung des Gemüthes u. der T
odtenerweckung.
Ein Kranker wurde durch den Genuß der Speise, die er ihm
zugesendet hatte, gesund. Eine Frau, die am Brustkrebs krank lag, heilte er
durch Besprengung mit geweihtem Wasser. Eine andere Frau, welche ohne die letzte
Oelung empfangen zu haben, gestorben war, kam durch sein Gebet wieder zum Leben.
Noch einmal, im J. 1147, kam der Heilige nach Frankreich. Seine Absicht war, vom
Papste Eugen III., welcher sich dort aufhielt, das
längst versprochene Pallium zu erlangen. Für diesen Zweck kam er zu spät; der
Papst war bereits nach Italien zurückgereist. Aber sein anderer Wunsch wurde
erfüllt. Noch einmal sah und sprach er seinen liebsten Freund, den hl. Bernhard.
Er verlebte (W. W. K.-L. VI. 776) und bereitete hier den Brüdern selige Tage,
als er von einer Krankheit ergriffen wurde, die im Anfange nicht bedenklich
schien, als er eben am Tage des hl. Lucas mit gewohnter
Andacht die hl. Messe gefeiert hatte. Heilig wie sein Leben war auch sein Tod;
in der Kirche, auf dem Boden liegend, den er vorher mit Asche hatte bestreuen
lassen, empfing er die letzte Oelung und Wegzehrung, bat die Umstehenden um ihre
Fürbitte für ihn selbst und die ihm anvertrauten Seelen, und versprach, wenn er
einst bei Gott wäre, auch ihrer zu gedenken. So starb er im 54. Jahre seines
Lebens an dem Orte, den er hiefür gewünscht, und zu der Zeit, die er vorausgesagt
hatte, am 1. Nov. 1148. Er entschlummerte zum wahren Leben, denn ob auch Aller
Augen auf ihn gerichtet waren, so konnte doch Keiner den Augenblick beachten, in
welchem er entschlief. Und noch schien er zu leben, nachdem er schon gestorben
war. Man bestattete seinen Leichnam mit allen Ehren in der Capelle U.
L. Frau zu Clairvaux, hinter dem Hauptaltare. Da seine Wunderkraft auch nach
dem Tode noch fortdauerte (ein Jüngling, dessen rechter
Arm gelähmt war, berührte die Leiche und ward plötzlich geheilt), ließ der hl.
Bernhard sogleich nach dem Requiem ein Amt zur Anrufung seiner Fürbitte halten,
und am 6. Juli 1189 wurde von Papst Clemens III. die Heiligsprechung förmlich
vollzogen. Daß die unter seinem Namen verbreitete Prophetia de futuris
Pontificibus Romanis von ihm herrührt, ist nicht erwiesen und kaum
wahrscheinlich **. Wenigstens sagt der hl. Bernhard, welcher
seine Prophetengabe ausdrücklich hervorhebt, davon nichts. Nach einer bei den
Boll. (Maji IV. 136) enthaltenen Notiz sind seine Reliquien nach Avignon
übertragen worden. Nach ebendenselben ist der 3. Nov., an welchem er sich auch
im Mart. Rom. findet, sein Sterbetag. Im Martyrol. der Cistercienser steht er
am 5. Nov.
* Dieser Name ist nach Butler (l. c. S. 57 Anm.) von Benedictus chorus abzuleiten.
** Sie ist von dem Benedictiner Wion im J. 1595 in seinem Lignum vitae zuerst bekannt gemacht worden. Früher wußte kein Mensch von ihr und Wion sagt nicht, woher er sie genommen hat. Es ist daher wohl möglich, daß er sie selbst verfaßt hat, und zwar im J. 1590. Ob er wirklich die Absicht hatte, hiedurch eine ihm entsprechende Papstwahl zu bewirken, bleibt dahin gestellt.