
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
SS. Marcus et Marcellianus, MM. (18. al. 17. Juni). Diese hhl.
Zwillingsbrüder und Martyrer gehören zu dem Triumphzuge des hl. Sebastianus,
der sie zu Christus bekehrt und im Glauben
gestärkt hat. Als sie der Verachtung der Götter und der kaiserlichen Befehle
angeklagt, und wegen ihres christlichen Bekenntnisses zum Tode verurtheilt
wurden, erlangten die reichen und deßhalb einflußreichen Eltern
Tranquillinus und Marcia für sie vom Präfecten
Chromatius einen Aufschub von dreißig Tagen. Sie wurden demnach (Stabell,
Lebensb. I. 758) mit sechzehn heidnischen Gefangenen höheren Standes aus dem
öffentlichen Gefängnisse in das Haus des Gerichtsschreibers Nikostratus
gebracht und daselbst
in anständigerer Hast gehalten. Der Vater, ein silberhaariger Greis, von Alter
gebeugt, von Gicht gelähmt; die Mutter, eine edle Gestalt von würdevollem Wesen,
Gattinnen und Kinder, Freunde und Verwandte - alle kamen Tag für Tag und
bedrängten und bestürmten die beiden Bekenner mit den Waffen der Freundschaft
und der Liebe. Schmerzgebrochen jammerte der Vater: Erbarmet euch; ich bin
schwach und reif zum Tode, ihr seid in der Vollkraft des Lebens; o wartet doch,
bis mein Auge gebrochen ist; soll der Vater, selbst dem Tode nahe, das Blut
seiner Söhne unter dem Henkerbeile fließen sehen?
Mit aufgelöstem Haare, mit
zerrissenem Gewande lag die Mutter zu ihren Füßen: Schonet meiner - ich habe
euch geboren und an dieser Brust genährt, ihr seid mein Fleisch und Blut - nein,
ihr seid es nicht, eure Brust ist Eisen, euer Herz ist Stein; welch' eine Zeit
des Wahnsinns ist gekommen: das schwache Alter klammert sich gierig an das
Leben, die kräftige Jugend stößt es verächtlich von sich ab - Leben, Ehre,
Reichthum und Liebesglück. Wenn der Krieg euch mir entführte, so würde ich euch
folgen mitten ins Schlachtgewühl; wenn die Gerichte euch mir raubten, so würde
ich durch alle Wachen und Thore in den tiefsten Kerker zu euch dringen, aber das
ist grauenhaft: ihr verlangt zu sterben, ihr rufet und bittet den Henker, daß er
das Schwert schwinge, ihr strecket freiwillig den Nacken hin.
So sprachen auch
die Gattinnen, schluchzten laut und zeigten auf die weinenden Kinder: Was soll
aus uns, was aus diesen werden, unglückliche Wittwen, verlassene Waisen - und
durch eure Schuld? Gedenket der Liebe, habet Mitleid und Erbarmen.
Da erschien
der hl. Sebastian, und bewirkte durch seine Zusprache und durch die Heilung der
Gemahlin des Gefängnißwärters Nikostratus, die durch eine Krankheit die Sprache
verloren hatte, daß Vater und Mutter, die zwei Frauen, Nikostratus und seine
Gattin Zoe, die Anwesenden alle - achtundsechzig
Personen - den Namen Christi anriefen. Sie empfingen von einem Priester
Polykarpus, der sich heimlich in Rom aufhielt, den christlichen Unterricht und
die heilige Taufe, in welcher der alte Vater auch die leibliche Genesung fand.
Hiedurch wurde auch Chromatius bekehrt; er empfing die hl. Taufe und setzte die
beiden Gefangenen heimlich in Freiheit, legte sein Amt nieder und zog sich mit
vielen Christen auf seine entlegenen Güter zurück. Die hhl. Marcus und
Marcellinus blieben in der Stadt und wurden von dem Papste Cajus
zu Diaconen ordinirt und hielten sich mit andern Gläubigen im Hause eines
gewissen Hofbeamten, Namens Castulus, auf,
bis sie von Torquatus, einem abgefallenen Christen, verrathen und dem Präses
Fabianus übergeben wurden. Dieser ließ sie festnehmen und beide mit eisernen
Nägeln an einen Pfahl heften. Sie sangen ungeachtet ihrer Schmerzen einmüthig
das Lob des Herrn. Schließlich ließ sie der Präfect durch Lanzenstiche tödten.
Ihre Leichname wurden an einem Ort, der zwischen der appischen und
adreatinischen Straße lag, beigesetzt. Ihr Todesjahr ist wahrscheinlich das J.
286 oder 287. In einem Lütticher Mscrpt. fanden die Boll. ihre Namen auf den 17.
Juni verzeichnet. Gegenwärtig (Piazza I. 120) werden ihre hhl. Leiber in der
Kirche der hhl. Cosmas und Damianus
aufbewahrt. (III. 568-571).
