
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. S. Mauritius et 70 Soc. M. M. (21. Febr. al. 19. Juli). Dieser hl.
Mauritius (Martinus), Photinus sein Sohn, Theodor, Philippus und 67 andere
Soldaten heißen in den Martyrologien Martyrer von Apamea (in Syrien). Sie werden
schon bei Theodoret (um d.J. 427) erwähnt. Man hat die Frage aufgeworfen, ob
wohl ihre Verschiedenheit von der s. g. Thebäischen Legion, deren Führer auch
Mauritius heißt, nachgewiesen sei und ob Apamea
nicht etwa eine falsche Lesart für Agaunum, oder umgekehrt, sei. Ueber beides
kann ein vernünftiger, irgendwie zu rechtfertigender Zweifel nicht aufkommen.
Die Acten der beiden Mauritius sind eben so verschieden wie die Orte ihres
Leidens weit auseinanderliegen. Apamea war die von Seleukus erweiterte
Hauptstadt der zweiten Syrischen Provinz, während Agaunuman der Stelle des
jetzigen St. Moriz im freundlichen Schweizer-Canton Wallis liegt. Nur die Zeit
des Martyrthums stimmt überein, denn hier wie dort ist Maximian Herculeus als
Verfolger angegeben. Aber diese Martyrer heißen constant die 70 Apameensischen
Martyrer
, während die von Agaunum stets die Martyrer der Thebäischen Legion
genannt werden. Dabei sind die Einzelnheiten des Martyriums durchaus verschieden.
(Man sehe S. Mauritius et Soc. M. M., wo diese
Frage eingängiger erörtert wird.) Vor dem kaiserlichen Richterstuhl als
Verächter der Götter
und als Ungehorsame gegen die Befehle der Kaiser
angeklagt, antworteten sie durch den heil. Mauritius, daß ihnen die wahre
Gottesfurcht und die Unterwerfung unter die Befehle des Kaisers keineswegs fehle.
Nicht sie, setzten die hhl. Theodorus und Philippus (letzterer war schon sehr
bejahrt) hinzu, seien im Irrthum, sondern der Kaiser, den sie vom Irrthume frei
wünschten. Auf die Drohung, daß man sie durch peinenvolle Strafen zum Gehorsam
zwingen werde, entgegneten sie: das sind leere und nichtssagende Drohungen; ein
gutes Gewissen kennt keine Furcht vor den Peinen, und das Gemüth derer die den
Herrn lieben, ist standhaft.
Darauf wurden
ihnen die militärischen Ehrenzeichen abgenommen, und das peinliche Verhör
gemeiner Uebelthäter nahm seinen Anfang. Sie ließen es geschehen, indem sie sich
damit trösteten, daß Schande vor den Menschen wegen gerechter Sache vor Gott
Ehre sei. Es folgte dreitägiges Gefängniß mit Halseisen, um die Festigkeit ihres
Willens zu brechen. Aber das Gegentheil traf ein. Der noch junge Photinus,
dessen Name Lichtinhaber
vom wahren Lichte, das ihn erhellte, Zeugniß gab,
sagte es offen, daß sie alle um der Liebe Christi willen zu sterben verlangten.
Als man ihn dafür einen Dummkopf und Narren schalt, gab er zur Antwort: Für
mich ist es Weisheit, den Glauben meines Herrn Jesu Christi zu bekennen.
Als
sie darauf mit rohen Ochsenziemern geschlagen wurden, fleheten sie zu Christus
als ihrem Gott um Mehrung ihrer Kräfte und erklärten nach dem Vollzug der Strafe:
Weil unser Geist erleuchtet ist von dem Glauben und der Liebe Christi unsers
Gottes, fühlen wir deine Peinigungen nicht.
So vollendeten sie ihr glorreiches
Bekenntniß. Photimus wurde enthauptet, Andere litten den Flammentod, wieder
Andere wurden gekreuzigt (am einfachen Pfahle), wobei man ihre Seiten mit
Krallen aufriß. Sie hingen schrecklich leidend zehn martervolle Tage. Die Qual
wurde größer, als der Richter ihre Leiber mit Honig bestreichen und den Stichen
der Insecten preisgeben ließ. Ihre letzten Seufzer schlossen mit dem Gebete:
Wir hinterlegen unsere Seelen bei dir, o Herr!
Als sie gestorben waren, schlug
man ihnen die Köpfe ab und warf sie in die Wälder, damit die wilden Thiere sie
verzehren möchten. In diesem triumphvollen Leiden vollendend, wurden diese hhl.
Martyrer bald im ganzen Orient berühmt. Man schließt dieß mit Recht aus dem
Umstande, daß der Geschichtschreiber Theodoret (l. c.) sie mit den Aposteln
selbst (Petrus, Paulus,
Thomas) zusammenstellt. (III. 239-242)
