
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. S. Maximus, Abb. Conf., Anastasius, Mon. Conf., Anastasius alter, item Mon.
Conf. (13. al. 12. Aug., 21. Jan.). Der hl. Abt Maximus, weit berühmt durch die
Heiligkeit seines Lebens, seine Gelehrsamkeit, seine Schriften und seine für das
treue und unerschrockene Bekenntniß des wahren Glaubens erduldeten Leiden, war
um d.J. 580 aus einem alten und angesehenen Geschlechte zu Constantinopel
geboren. Er genoß eine sorgfältige und gelehrte Erziehung. Bei aller
christlichen Demuth, der schönsten Zierde seiner Jugend, war es ihm daher nicht
möglich, verborgen zu bleiben. Er wurde erster Geheimschreiber und
Hofhistoriograph des Kaisers Heraklius und genoß als solcher viel Einfluß und
großes Ansehen. Als beiläufig ums J. 626 die Lehre von nur einem Willen in
Christus am Hofe des Kaisers Aufnahme fand,
zunächst aus politischen Gründen, da man hiedurch die Reste der Monophysiten mit
der Kirche zu vereinigen, und die wieder erworbenen Syrischen und Armenischen
Provinzen auf diese Weise enger mit seinem Reiche zu verbinden hoffte, bewährte
sich der hl. Maximus als ein kräftiger Schild der Reinheit des Glaubens. Wohl
begünstigte der Kaiser offen die Monotheleten; er erhob den Bischof Cyrus von
Phasis zum Patriarchen von Alexandria, und gewann den Patriarchen Sergius von
Constantinopel gleichfalls für die neue Lehre. Noch zu rechter Zeit bestieg
Sophronius, ein Mönch aus Palästina,
welcher schon früher zu Alexandria und Constantinopel vor dieser
Wiedereinführung des Monophysitismus unter einem andern Namen vergeblich gewarnt
hatte, den Patriarchenstuhl von Jerusalem (634). Der hl. Maximus hatte vier
Jahre vorher den Hof verlassen und sich dem Patriarchen Sophronius bereits in
Alexandria als Begleiter zugesellt. Hauptsächlich um von der Welt und ihren
Gefahren losgeschieden einzig dem Herrn zu leben, begab er sich in das Kloster
Chrysopolis (jetzt Skutari) bei Chalcedon in Bithynien, auf dem jenseitigen Ufer
von Constantinopel, wo er zum Abt erwählt wurde. Bald darauf erneuerten die
Araber ihre Einfälle ins Römische Reich, nahmen Palästina und Aegypten weg, und
bedrohten Kleinasien (im J. 637). Der hl. Maximus begab sich um d.J. 640,
zunächst aus eben dieser Ursache, nach Afrika und Rom. Ueberall bemühte er sich
gegen die Monotheleten in Wort und Schrift kräftig zu wirken. Besonderes
Aufsehen erregte (Hefele, Concil-Gesch. III. 215 ff.) die merkwürdige
Disputation, welche der hl. Maximus mit dem abgesetzten und vertriebenen
Patriarchen Pyrrhus von Constantinopel in Afrika (wir wissen nicht in welcher
Stadt) abhielt. Er bewies dabei viele dialektische Gewandtheit. Bald darauf
drohten der Kirche neue Erschütterungen durch eine falsche Auffassung der Lehre
von der zukünftigen Auferstehung. Er wohnte einer Conferenz zu Carthago (im J.
645) und hierauf einer SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
zu Rom (649) bei, in welcher unter Papst Martin
I. (s.d.) die Urheber der monotheletischen
Irrthümer von der Kirche ausgeschlossen wurden. Am herrlichsten zeigte der hl.
Maximus seine Begeisterung für die Wahrheit, als er unter dem Kaiser Constans II.
(642-668) dieselbe bis aufs Blut vertheidigte. Von Rom wurde er im J. 653 mit
den beiden Anastasius nach Constantinopel gebracht und nach zweijähriger Haft in
Untersuchung genommen. Der kaiserliche Sacellarius (Fiskal) warf ihm Haß gegen
den Kaiser vor, mit dem Beisatze, er sei Schuld, daß Aegypten, Alexandria, die
Pentapolis und Afrika von den Saracenen erobert worden sey. Im Gefängnisse wurde
er auch wegen seines Glaubens vernommen. Der hl. Maximus gab ausführliche
Antwort und schloß mit den Worten: Ich habe kein eigenes Glaubensbekenntniß,
sondern stimme mit der katholischen Kirche überein.
Den Vorwurf, er beleidige
den Kaiser, weil er gegen den Typus spreche, wies der Heilige unter großer
Demuthsbezeugung damit zurück, daß er vor Allem Gott nicht beleidigen dürfe. Man
trieb aber den ungerechten und blinden Haß gegen ihn so weit, daß sogar ein
Bordellbesitzer als Ankläger gegen ihn zugelassen wurde. Für einen Mann wie der
hl. Maximus mußte jedes Wort aus solchem Munde schmerzlichere Wundenschlagen als
die grausamste Geißelung. Schließlich ertheilten seine monotheletischen Feinde
dem Kaiser den Rath, ihn und seine Schüler mit harter Verbannung zu strafen,
jeden an einem andern Orte. Der hl. Maximus wurde nach Byzia, heutzutage Viza an
dem gleichnamigen Küstenflüsse des schwarzen Meeres in Thracien, von seinen
Schülern einer nach Perberis, der andere nach Esembria verwiesen, fast ohne
Kleidung und Nahrung. Am 24. Aug. d.J. 656 kam Bischof Theodosius von Cäsarea in
Bithynien als Abgesandter des Patriarchen von Constantinopel sammt den
Patriziern Theodosius und Paulus, als Bevollmächtigter des Kaisers, um mit dem
hl. Abte neuerdings zu verhandeln. Am 8. Sept. des nämlichen Jahres wurde er
sodann auf kaiserlichen Befehl nach dem Kloster des hl. Theodor bei Rhegium
gebracht. Zugleich wurde er nochmal aufgefordert, den Typus anzuerkennen. Da er
standhaft blieb, führte man ihn nach Salembria, wo man ihn als Gegner der hl.
Gottesgebärerin, welcher er diesen Namen nicht geben
wolle, verleumdete. Aber durch seine fromme und kräftige Vertheidigung gewann er
viele Gemüther. Seine Wächter brachten daher auch ihn nach Perberis. Wie lange
er hier blieb, ist ungewiß. Da er unbeugsam blieb, machte man ihm in
Constantinopel den Proceß. Es wurde über ihn und seine Schüler das grausame
Urtheil gesprochen: Maximus und die beiden Anastasius22
- 23 sollen gegeißelt, die gotteslästerliche
Zunge ihnen bei der Wurzel abgeschnitten, ihre rechte Hand, die Dienerin ihrer
Gottlosigkeit, abgehauen werden; hernach solle man sie zum abschreckenden
Beispiele durch alle zwölf Stadttheile herumführen und aufs Neue verbannen,
jedoch in beständiger strenger Gefangenschaft halten. So kamen die heiligen
Bekenner im J. 662 in das Land der Laziken, wo sie am 8. Juni ankamen. Dabei
ereignete sich das Wunder, daß der Apokrisiarius Anastasius23 auch nach
abgeschnittener Zunge reden konnte, wenn er nicht etwa, wie Baronius angibt, vom
Kaiser begnadiget worden ist. Der hl. Maximus und der andere Anastasius starben
im Gefängnisse von Schemre bald nach ihrer Abführung am 13. Aug. nach vielen
Kerkerleiden. Der hl. Maximus war 82 Jahre alt geworden. Anastasius23 der
Apokrisiarier folgte ihnen im J. 666 am 11. Oct. Der grausame Kaiser wurde,
während er in Sicilien verweilte, im Bade erschlagen, im J. 668. Dieser
hinterließ dem Volke den Eindruck eines verabscheuungswürdigen Tyrannen, während
es den hl. Maximus und seine Leidensgenossen unter die Zahl seiner Vorbilder und
Fürbitter setzte und von dem Augenblicke ihres Hinscheidens an kirchlich
verehrte. Am Grabe des hl. Maximus brannten Tag und Nacht drei hellleuchtende
Lampen, die Sinnbilder seiner Rechtgläubigkeit und seines Eifers. Sein Leichnam
befand sich im Kloster des hl. Arsenius, wo auch viele Heilungen geschahen.
Später kamen seine Reliquien nach Constantinopel. Die von ihm verfaßten Werke,
enthaltend allegorische Erklärungen mehrerer Bücher der hl. Schrift,
Abhandlungen gegen die Monotheleten, Ascetisches, Liturgisches, Briefe etc. etc.
hat Combesisins im J. 1675 in zwei Folianten herausgegeben. *
Alle Geschichtschreiber und Martyrologien sind seines Lobes voll: sie nennen ihn
den gelehrtesten und scharfsinnigsten Theologen seiner Zeit, Philosoph und
Martyrer
, oder auch Homologetes
, d.J. Bekenner. Es ist keine Frage, daß der
hl. Maximus in der That ist was sein Name sagt, einer der größten Heiligen, in
welchem die Gnade und Liebe unsers Heilandes im höchsten Grade wohnte, dessen
eifervolle Thätigkeit eben so groß war wie seine Geduld und Standhaftigkeit in
Uebertragung der schwersten Verfolgungen. Sein Andenken wird an verschiedenen
Tagen gefeiert. Das Mart. Rom. nennt ihn zum 13. Aug. und gedenkt zugleich auch
der beiden Anastasius und Anderer, welche verschiedene Peinen und harte
Verbannungen erfuhren.
Die Menäen haben ihn am 12. August, Andere wieder am 21.
Januar. Baronius nennt den 13. August als seinen Todestag. Ebenso Baillet.
Andere nennen diesen Tag auch als Erinnerung an die Uebertragung seines Leibes
nach Constantinopel. (III. 97-132).
* Seine Hauptwerke sind folgende: Quaestiones in locos Script. diff.; expositio in Ps. 59; in Orationem Dom.; de duabus Christi naturis; de duabus Chr. voluntatibus; dial. 5 de Trin.; s. liturgiae expositio; sermones; de perfecta caritate; enarratio Paschatis christiani.