
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Quirinus Ep. M. (4. Juni al. 30. Apr.). Das Martyrium dieses hl. Bischofes
ist durch die ältesten und glaubwürdigsten Zeugnisse bestätiget.
Geschichtschreiber, Martyrologen und kirchliche Dichter vereinigen sich, es zu
verherrlichen. Die Acten
, die wir im Wesentlichen wortgetreu wiedergeben, sind
uralt und tragen das Gepräge der Aechtheit in sich selbst. Eine gänzlich
unbegründete spätere Sage aber macht ihn (W. W. K.-L. VIII. 903) zu einem
kaiserl. Prinzen, Sohn des Philippus, und verwechselt ihn sofort mit
S. Quirinus3, von welchem die
Legende das Nämliche berichtet. Auch sein Episcopat zu Lorch (vgl. S. Quirinus9)
ist fabelhaft. In der Christenverfolgung des Diocletian, welche unter Galerius
noch fortdauerte, wurden die treuen Bekenner Christi
auf die schrecklichste Weise gemartert. Man verlangte von ihnen, daß sie in den
Tempeln der Teufel opfern sollten. Ihre Kirchen wurden geschlossen. Die Priester
und Diener Christi, hieß es, sollen den öffentlichen Gesetzen gehorsam sein und
den Göttern
Weihrauch anzünden. Wenn sie sich weigerten, sollten sie auf
verschiedene Weise gepeiniget und getödtet werden. Ueber Pannonien, das heutige
Ungarn, war damals der Statthalter Maximus (Maximinus) gesetzt. Dieser hatte
befohlen, auch den hl. Quirinus, Bischof von Siscia, welche Stadt unter der
Metropole von Sirmium stand, und jetzt nur mehr ein Dorf Namens Sissek ist,
während der bischöfliche Sitz nach Zagrab verlegt ist, gefänglich einzuziehen.
Er wurde auf der Flucht ergriffen und vor den Statthalter geführt. Dieser fragte
ihn, warum er habe fliehen wollen. Quirinus antwortete: Ich wollte den Befehl
meines Herrn erfüllen: Wenn sie euch in einer Stadt verfolgen, so fliehet in
eine andere.
Der Statthalter fragte ihn: Wer hat dies befohlen: Christus,
welcher wahrer Gott ist.
Maximus erwiderte: Weißt du nicht, daß die Befehle der
Kaiser dich überall finden konnten? Jener, den du den wahren Gott nennst, wird
dir, dem Gefangenen, nicht zu helfen vermögen. Beweis dessen ist, daß du soeben
auf der Flucht ergriffen und hieher geführt worden bist. Hierauf sprach der hl.
Bischof: Ueberall, wo wir nur sein mögen, ist Er mit uns. Der Herr, den wir
verehren, kann uns überall helfen. Auch bei meiner Gefangennehmung war Er mit
mir, und auch hier ist Er mit mir und stärkt mich. Er selbst wird durch meinen
Mund dir antworten.
Du prahlest sehr, entgegnete darauf der Statthalter, und
verachtest durch deine Prahlereien die Verordnungen der großen Kaiser. Lies also
ihre göttlichen Befehle und vollziehe sie. Quirinus antwortete: Dem Befehl
deiner Kaiser gehorche ich nicht, denn er ist lästerlich. Er befiehlt den
Dienern Christi, wider Gottes Gebote euren Götzen zu opfern. Diesen diene ich
nicht; denn sie sind Nichts. Mein Gott aber, dem ich diene, ist im Himmel und
auf Erden und im Meere. Er ist an jedem Orte, Er ist erhaben über Alles, weil er
in sich Alles enthält, denn durch Ihn ist Alles gemacht worden, und in Ihm hat
Alles sein Bestehen.
Darauf sprach Maximus: Du hast zu lang gelebt und deßhalb
allerlei Fabeln gelernt. Man gibt dir Weihrauch. Erkenne jetzt diejenigen als
Götter, die du bisher nicht gekannt hast. Eine große Auszeichnung wird dein Lohn
dafür sein. Willst du dich aber nicht fügen, so wirst du mit Schimpf und Schmach
überhäuft werden und dein Leben auf schauerliche Weise enden müssen. Darauf
antwortete Quirinus: Die Beschimpfungen, mit welchen du mir drohest, halte ich
für Ruhm, und der mir verheißene Tod, wenn ich dessen würdig bin, wird mir
ewiges Leben geben. Darum will ich ein treuer Anbeter meines Gottes, nicht aber
deiner Kaiser sein. Ich halte jene nicht für Götter, die es in Wahrheit nicht
sind; auf die Altäre der bösen Geister lege ich keinen Weihrauch. Nur den Altar
meines Gottes kenne ich. Auf diesem zünde ich die Ihm ziemenden Opfer an, die
ein Wohlgeruch sind vor seinem Angesicht.
Ich sehe, dein Wahnsinn bringt dich
zum Tode. So opfere doch den Göttern! drang Maximus weiter in den greisen
Bischof. Dieser aber erwiderte: Ich opfere nicht den bösen Geistern. Es steht
ja geschrieben: Alle Götter der Heiden sind Teufel, und die den Götzen opfern,
werden ausgerottet werden.
Nun befahl der Landpfleger, den hl. Bischof mit
Knitteln zu schlagen. Hierauf sprach er zu ihm: Komm' doch zur Einsicht und
erkenne, daß es mächtige Götter sind, denen das Römerreich dient. Gibst du dieß
zu, so sollst du ein Priester des großen Jupiter sein. Wenn nicht, so sollst du
vor den Richterstuhl des Amantius, des Statthalters von Oberpannonien, geführt
werden, und von ihm das Todesurtheil empfangen. Kehre also zurück von deiner
Thorheit und füge dich. Der Bischof Quirinus antwortete darauf: Dann erst
verwalte ich das Priesterthum in Wahrheit, und bin ich ein rechter Priester
geworden, wenn ich mich selbst dem wahren Gott zum Opfer darbringe. Daß mein
Leib geschlagen wurde, darüber freue ich mich, und fühle keinen Schmerz. Gerne
opfere ich mich zu noch größern Qualen, damit auch diejenigen, über die ich
gesetzt war, mir folgen mögen zu jenem ewigen Leben, zu welchem man auf diesem
Wege am leichtesten gelangt.
Jetzt gab Maximus den Befehl, der Bischof solle in
das Gefängniß und in schwerere Fesseln gelegt werden, bis er nüchtern werde. Der
heil. Bischof sprach darauf: Ich fürchte mich nicht stark vor dem Gefängnisse,
denn ich glaube fest, daß auch im Gefängnisse mein Gott mit mir ist; denn Er ist
immerdar mit seinen Verehrern.
- Gefesselt ins Gefängniß geworfen, fing der hl.
Bischof also zu beten an: Ich danke dir, o Herr! daß mir diese Beschimpfungen
um Deinetwillen zugefügt worden sind. Ich bitte dich, laß es Alle, die in diesem
Gefängnisse eingesperrt sind, erkennen, daß ich ein Verehrer des wahren Gottes
bin, denn es ist kein anderer Gott außer Dir allein.
Um Mitternacht erleuchtete
ein außerordentlicher Glanz das Gefängniß. Als der Gesängnißwärter Marcellus
diesen Glanz wahrnahm, eröffnete er das Gefängniß, warf sich dem hl. Bischof zu
Füßen und sprach unter Thränen: Bitte den Herrn für mich, denn ich glaube, daß
es keinen andern Gott gibt, als denjenigen, den du verehrst.
Der hl. Bischof
bekräftigte ihn in seinem Glauben und bezeichnete ihn Namen unsers Herrn Jesu
Christi. Drei Tage darauf befahl Maximus, der demnach nicht über Leben und Tod
zu erkennen hatte *, man solle den Bischof Quirinus nach
Oberpannonien an den Statthalter Amantius überliefern, damit er dort für die
Widerspenstigkeit, die er gegen die Gesetze der Kaiser an den Tag gelegt hätte,
sein Endurtheil empfange. So wurde denn Quirinus gefesselt ins erste Pannonien
geführt und dem Präses Amantius, welcher damals die Provinz bereiste, da er eben
von der Stadt Scarabete (Scarabantia, Oedenburg) kam, am Donauufer zum ersten
Mal vorgestellt. Er befahl, ihn nach Sabaria (Stein am Anger) zu bringen. Auf
dem ganzen Wege war der hl. Bischof mit Ketten beladen. Christliche Frauen kamen
zu ihm und brachten ihm Speise und Trank. Da er ihren Glauben sah, segnete sie
der Heilige für die Speisen, die sie ihm darboten. Während des Segens fielen ihm
die Ketten von Händen und Füßen. Nachdem er die Speisen genossen hatte und die
Frauen zurückgekehrt waren, führten ihn seine Wächter nach Sabaria. Der
Statthalter Amantius ließ den Heiligen ins Theater führen, um dort seines Amtes
zu walten. - Da er vor ihm stand, sprach Amantius: Ich frage dich, ob das, was
aus deiner Verhandlung vor dem Richter Maximus urkundlich vorliegt, wahr sei?
Darauf antwortete Quirinus: In Siscia habe ich den wahren Gott bekannt. Ihn
habe ich immer verehrt, Ihn trage ich in meinem Herzen. Kein Mensch wird mich
von Ihm, der der Eine und wahre Gott ist, jemals scheiden können.
Amantius
sprach hierauf: Es fällt uns schwer, dein Alter mit der Schmach der Schläge zu
entehren. Wir wünschen deinen Sinn durch Zureden und das Versprechen der
Erhaltung deines Lebens zurechtzubringen. Diene also während der noch übrigen
Zeit deines Greisenalters den Göttern, wie es die kaiserlichen Gesetze verordnen.
Quirinus erwiederte: Was kümmert dich mein Alter? Dieses kann der unbefleckte
Glaube weit kräftiger weinen, als die Macht aller Todespeinen ist. Mein
Bekenntniß können die Marterpeinen nicht brechen, und die Freuden des
gegenwärtigen Lebens nicht ändern. Selbst durch die Furcht vor dem Tode, wie
bitter er auch sein mag, wird die feste Ruhe meines Geistes nicht gestört.
Auf
diese Erklärung fragte ihn Amantius: Warum dringst du so sehr auf deinen Tod?
Wie magst du den Göttern und dem Römervolke dich selbst als Gottloser darstellen
und gegen alle Gewohnheit der Menschen dir selbst das Todesurtheil sprechen, da
doch sonst die Verbrecher dem Tode zu entgehen trachten, indem sie dei Läugnung
ihrer Unthaten sogar die Folter aushalten? Du aber nennst die Annehmlichkeit des
Lebens eine entbehrliche Sache, eilst dem Tode ungestümm entgegen und
widersprichst den Kaisern. Wir fordern dich darum nochmals auf: Schone deines
Lebens! Rette dein Leben und erweise dich als einen Verehrer der Gesetze Roms! -
Quirinus sprach: Solche Reden könnten vielleicht alternde Seelen bewegen, die
noch seufzen nach einer längern Lebensfrist. Ich aber habe von meinem Gott die
Lehre empfangen, daß ich nach jenem Leben trachten müsse, das auch nach dem Tode
noch fortdauert und nicht mit dem Tode endet. Darum gehe ich dem zeitlichen Ende
dieses Lebens gläubig entgegen. Ich habe keine Aehnlichkeit mit den
Schuldbeladenen, von denen deine Herrlichkeit spricht: Diese sterben wahrhaftig,
weil sie Gottesleugner sind, indem sie zu leben verlangen. Ich aber bekenne Ihn
und gelange durch dieses Bekenntniß zum ewigen Leben. Euren Gesetzen gehorche
ich nicht; an den Gesetzen Christi meines Gottes, die ich den Gläubigen
verkündet habe, halte ich fest.
Lange, sprach der Statthalter, wollte ich dich
zum Gehorsam gegen die Gesetze bringen, weil sich aber dein harter Sinn nicht
beugen läßt, so sollst du ein abschreckendes Beispiel für alle Christen werden.
Alle, die noch zu leben wünschen, sollen durch deine Todesart abgeschreckt
werden. - Nun wurden verschiedene Peinen wider ihn angewendet, zuletzt wurde er
mit einem Mühlsteine um den Hals in den Fluß (die Güns) über die Brücke
hinabgestürzt. Lange schwamm er mit dem Mühlsteine auf der Oberfläche des
Wassers, und redete den Zuschauern, welche ihn (Greg. Tur hist. Fr. I. 33.)
herausziehen wollten, zu, daß sie durch diese seine Todesmarter sich nicht
schrecken lassen möchten. Dann betete er zu Gott, Er möchte ihn sinken lassen.
Sein Martertod fällt in das Jahr 309 oder 310, nach Hansizius aber schon ins J.
304. Sein Todestag ist der 4. Junius. Der Leichnam des Heiligen wurde von den
Gläubigen aufgesucht und nahe bei der Stelle, wo er in den Fluß hineingestürzt
worden war, aufgefunden. In der Basilica zu Sabaria erhielt er seine
Begräbnißstätte. In den Stürmen der Völkerwanderung, nach Tillemont etwa i. J.
378 oder 488, verließen viele Christen ihre Heimath Pannonien und zogen nach
Italien. Diese nahmen auch den hl. Leib ihres Bischofs und Patrons mit sich und
brachten ihn nach Rom. Hier blieb er in der Kirche des hl. Sebastian
bei den Katakomben aufbewahrt, bis ihn P. Innocenz II. i. J. 1140 in der Kirche
der heil. Maria über der Tiber beisetzen ließ. Später
wurden einige seiner Reliquien in andere Kirchen Roms, Aquilejas und Mailands
(unter dem Bischof Angilbertus), und besonders auch nach Fulda, durch einen
Römer Namens Sabbatinus unter dem hl. Rhabanus
Maurus i. J. 838, wo sie in der St. Johanneskirche
beigesetzt wurden, gebracht. Doch verehrt man zu Rom bei St. Maria in Campo
Marzo sein Haupt und andere Reliquien bei St. Lorenzo
in Lucina. Allenthalben geschahen mittelst derselben viele Wunder und in der
ganzen Kirche wird Gott in diesem seinen treuen Zeugen gepriesen. Bei Molanus u.
A. ist er mit dem hl. S. Quirinus3
verwechselt. Seine Uebertragung ist bei den Boll. zum 30. April angemerkt.
Auffallend ist, daß im Proprium für das Königreich Ungarn und auch in dem der
Mainzerkirche sein Name nicht vorkommt. Er ist Patron gegen Gicht und Fußleiden.
Das älteste von ihm vorhandene Bildniß ist wohl jenes in der Krypta der hl.
Cäcilia zu Rom, wo er sich neben den hhl. Polycarpus
und Sebastianus befindet. Sein Attribut ist ein Mühlstein, der ihm entweder (s.
o.) auf den Leib gelegt ist, wobei er im Flusse schwimmt, oder im Wasser
schwimmt, während der Heilige auf ihm kniet. Auf der Brücke sieht man den
Statthalter u. andere Zuschauer. (I. 381-383.)
* So Ruinart (adm. in pass. S. Quirini, Ep. et M.). Hiemit ist aller Zweifel, welchen Spätere, z. B. Rettberg und sogar Stabell unberechtiger Weise erhoben haben, vorhinein angeschnitten.
