
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Quirinus (Cyrinus2) M. (25. al. 30. März, 16. Juni). Von diesem heil.
Martyrer zu Rom enthält das H.-L. (Bd. I. S. 714) unter dem Namen Cyrinus2
eine Notiz, die das Wesentliche dessen gibt, was von ihm bekannt ist. Sein
Leiden wird von den Boll. ins J. 264 gesetzt. Die Acten
, welche sie von ihm
geben, sind nur eine Bearbeitung der frühern Legende. Seine Uebertragung (in
einem umfangreichen Gedichte beschrieben, von Metellus, Quirinalia, sive gesta S.
Quirini et translatio Roma in Tegernsee in der zweiten Hälfte des 12. Jahrh.)
ins Kloster Tegernsee fällt in die Zeit seiner Stiftung, also in die zweite
Hälfte des achten Jahrhunderts. Nachdem nämlich die frommen Brüder Adelbert (der
erste Abt) und Otgar (Otger, Ottokar) i. J. 746 für dasselbe die nöthigsten
Vorbereitungen getroffen hatten, pilgerten sie nach Rom und erbaten sich dort
vom Papste Zacharias die Gebeine des hl. Martyrers
zum Geschenke, den ihr Schwestersohn Uto im Geheimen mit sich nahm. Sowohl in
den Quirinaila, als auch in der 14. bis 16. Lection des frühern
Translations-Officiums v. J. 1576 wird dabei Folgendes erzählt: Als bei der
Reise durch Tyrol Neugierige es wagten, weil sie den Römern mißtrauten und
meinten, sie seien betrogen worden, den Sarg zu öffnen, schlug Feuer aus
demselben, das sie verzehrte. Zwischen Gmund und Tegernsee, wo man die letzte
Rast hielt, entsprang über Nacht unter dem Wagen eine heilkräftige Quelle, über
welcher in der Folge eine Kapelle erbaut wurde, deren Hochaltar das Bildniß des
Heiligen ziert. An dem marmornen Becken, das den Brunnen umgibt, steht die
Inschrift: Wunderquelle des hl. Quirinus, Königs und Martyrers
. Hieher finden
von Tegernsee aus alle Jahre drei Bitt- und Wallfahrtsgänge statt. Im J. 754
wurde die Einweihung der Klosterkirche, zu welchem Feste die Bischöfe von
Salzburg, Regensburg und Freising herbeikamen, vollzogen. Im nämlichen Jahre
wurden die heil. Reliquien, von welchen eine sich wie von frischem Blute benetzt
zeigte, daselbst feierlich beigesetzt. Ein Theil derselben (das Haupt und
mehrere Gebeine) befinden sich in reicher Fassung auf einem Seitenaltare der
Kirche. Auch sein hl. Blut ist noch vorhanden; eine zu Rom stattgefundene
Prüfung hat dessen Aechtheit bewiesen. Die Kirche verehrt als Hauppatrone die
hhl. Apostel Petrus und Paulus
und den hl. Martyrer Quirinus. Die Uebertragungsfeier ist bereits i. J. 804
urkundlich beglaubiget. Unfern vom Finnerhofe liegt die Quelle des St.
Quirinus-Oels, welche i. J. 1430 unter dem Abte Caspar entdeckt wurde. Auch über
dieser Quelle wurde ein kleines Gebäude, St. Quirinus-Kapelle genannt, errichtet.
In einem alten gedruckten Zettel heißt es, daß die mit Anwendung dieses Oeles
bewirkten Heilungen die Kräfte eines pur natürlichen Petrolei weit übersteigen.
In der Pfarrei Kranzberg, die ehedem zum Kloster Tegernsee gehörte, ist der hl.
Quirinus Kirchenpatron und wird sein Fest jedes Jahr am 30. März mit Concurs und
Ablaß gefeiert. Auch an andern Orten der Erzdiöcese München-Freising, z. B. in
Ostermünchen (bei Tuntenhausen) und in Aubing wird der heil. Quirinus als Patron
verehrt. Zu Tegernsee wurde ehedem am 16. Juni das Hauptfest (translatio)
begangen, am 24. März aber sein Todestag gefeiert. Die letztere Feier hat
dermalen aufgehört. Die schöne Oration am Translationstage lautet: Wir bitten o
Herr, öffne dein Ohr unsern dringenden Bitten, damit wir bei Verehrung der
Uebertragung des hl. Quirinus, deines Blutzeugen, auf seine Fürbitte von unsern
Sünden zu einem tugendhaften Leben übertragen werden mögen. Noch ist zu bemerken,
daß dieser hl. Martyrer Quirinus öfter mitdem gleichnamigen Bischofe und
Martyrer von Siscia (s. d.) verwechselt
worden ist. Die Todesart beider ist freilich nicht gleich. Dieser hl. Quirinus
wurde enthauptet und in den Fluß geworfen, während der hl. Bischof d. N. in den
Fluß geworfen wurde, um ertränkt zu werden. Das Mart. Rom. enthält zum 25. März
allerdings einen hl. Martyrer d. N., aber es frägt sich, ob es jener ist, dessen
Reliquien sich in Tegernsee befinden. Zu Rom bewahrt man solche noch bei St.
Prassede und St. Lorenzo
in Lucina. Vielleicht ist aber ein anderer Quirinus gemeint. Im J. 1732 ist zu
Tegernsee eine jetzt sehr seltene Schrift: Leben und Martertod des hl. Quirini
erschienen. Der hl. Quirinus wird mit Anwendung des erwähnten Oeles in den
verschiedensten Krankheiten, besonders innerlichen, dann in Augen- und
Ohrenleiden, namentlich auch bei Viehkrankheiten angerufen. Auch das Quellwasser
des Kirchleins St. Quirin wird manchmal als heilskräftig benützt. Seit Aufhebung
des Klosters hat die Verehrung dieses Heiligen, der Gebrauch der Oelquelle u. s.
w. sehr abgenommen. * Das Proprium der Diöcese Freysing
enthält sein Officium nicht.
* Gütige Mittheilung der H. H. Obermayer, Pfarrer in Hohenpercha und Hofkaplan Kirchberger in Tegernsee durch freundliche Vermittelung des Herrn Pfarrers Aigner in Beuerberg.
