
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
V. Richardus, Abb. (14. Juni). Dieser Abt des Benedictinerklosters St. Vannes
zu Verdun war in Frankreich von christlichen Eltern geboren. Sein Vater hieß
Walter, seine Mutter Theorada. Seine Studien machte er in Rheims. Hier wurde er
Priester, Musikmeister und Archidiacon. Nach einigen Jahren verkaufte er Alles,
was er hatte, und trat zu Verdun, bei St. Vannes ins Kloster. Im J. 1004 wurde
er mit Gutheißung des Bischofs Haimon zum
Abt erwählt. Er genoß ein so allgemeines und großes Vertrauen, daß viele
Bischöfe und weltliche Herren ihm die in ihren Ländern liegenden Klöster zur
Reform überließen. Seine Bemühungen in dieser Richtung hallen zwar guten Erfolg,
kosteten ihn aber auch viele Ueberwindung, Nachtwachen und Bitterkeiten. Einmal
war selbst sein Leben in großer Gefahr. Als Klöster, die von ihm verbessert und
eine Zeit lang geleitet wurden, sind die bekanntesten Lobbes, St. Amand, wo er
in einer Hungersnoth, um für die Armen Geld zu bekommen, alle Einkünfte
verpfändete, St. Bertin, St. Josse
sur Mer und St. Vaast
in Arras. Nachdem er lange, Zeit in diesem Berufe gearbeitet hatte, machte er
eine Wallfahrt nach Palästina, auf welcher ihn sieben Mitbrüder begleiteten.
Noch einem andern sehr ruhmvollen und verdienstlichen Werke hatte er sich als
Theilnehmer angeschlossen, der Predigt des sg. Gottesfriedens
(treuga Dei), um
den fast ununterbrochenen kleinen Kriegen der damaligen zahlreichen kleinen
Herren ein Ende zu machen. Zugleich zog er sich in die Einöde Faucilles zurück,
in welcher er fünf Jahre unter frommen Uebungen verweilte und erst auf das
Drängen des Bischofs und der Mönche kehrte er wieder nach Verdun zurück. Nach
des Bischofs Rambertus Tod sollte er den bischöflichen Stuhl zu Verdun besteigen,
wozu man ihn aber nicht bewegen konnte. Er starb in den Armen des Bischofes von
Verdun den 14. Juni 1046 und wurde in der Kirche seines Klosters in einer Gruft
unter dem Hauptaltare begraben. (II. 974.)
