
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Sergius, Pp. Conf. (9. al. 7., 8., 11. Sept., 14. Aug.) Dieser heil. Papst,
der Sohn eines reichen syrischen Kaufmanns, Namens Tiberius (sein angeblicher
Zuname Bocca di Porco, Schweinsrüssel, ist sicherlich eine Erfindung *
des Papstfeindes Platina, würde aber auch, wenn er wahr wäre, keine Entehrung
sein) wurde zu Palermo, wo sein Vater sich häuslich niederließ, erzogen, und
vielleicht auch geboren, obwohl Einige auch Antiochia als seine Geburtsstadt
bezeichnen. Unter die römische Geistlichkeit wurde er vom Papste Adeodatus4
(gest. im J. 677) aufgenommen. Von seinem Landsmanne, dem heil. Leo16
II. (vom J. 682 bis 684) erhielt er, etwa 30 Jahre alt, die Priesterweihe,
nachdem er längere Zeit als Gesanglehrer gewirkt hatte. Später wirkte er im
Sprengel der Susannakirche. Er muß
sich hier durch Gelehrsamkeit, gute Werke und frommen Eifer (namentlich wird
seine Andacht gegen die Begräbnißplätze der hh. Martyrer gerühmt), sehr
hervorgethan haben, denn als nach dem Hinscheiden des Papstes Conon10
die Papstwahl streitig wurde und ein dreimonatliches Schisma veranlaßte, mußte
er sich in die Bresche stellen, und fand allgemeine Anerkennung. Seine Erwählung
geschah am 15., seine Ordination am 26. Dec. d. J. 687 oder 688. Er führte sein
Amt mit demüthigem Gottvertrauen, aber ebendeßhalb auch weise und kräftig. Er
verwarf die Beschlüsse des Trullanischen Concils zu Constantinopel (Synodus
quinisexta), so weit sie den Rechten der Kirche und des apostolischen Stuhles
zuwider, nach dem Willen des herrschsüchtigen Kaisers Justinian II. zu Stande
gekommen waren, indem er erklärte, lieber sterben, als irrthümilchen Neuerungen
zustimmen zu wollen.
Auch dießmal stand das Volk und die Miliz zu Rom auf
seiner Seite, denn als der Kaiser ihn gefangen nehmen und nach Constantinopel
abführen lassen wollte, verweigerten sie den Gehorsam, und zogen viele
Gleichgesinnte aus Ravenna an sich. Doch mußte er für einige Zeit sich aus Rom
entfernen, da der Exarch Johannes ihm unaufhörlich nachstellte. In den Ritus der
hl. Messe hat er (wahrscheinlich, wie die Boll. sehr scharfsinnig bemerken, um
die Sitte und den Gebrauch der Kirche, den Welterlöser
unter der Gestalt eines Lammes darzustellen, gegen das Trullanische Pseudoconcil
zu bestätigen) den Gesang des Agnus Dei mit dreimaligem Miserere nobis
eingeführt und an den Festen Mariä Verkündigung,
Entschlafung und Lichtmeß Prozessionen angeordnet. Die St. Peterskirche
wurde durch ihn erneuert und mit den kostbarsten Geräthen von reinem Gold und
Silber geschmückt. Die hier befindliche Reliquie des hl. Kreuzes übertrug er in
die Basilica des Lateran. Die St. Paulsbasilica, deren
Gebälke, Säulen und Mosaikbilder zum Theil beschädiget waren, stellte er wieder
her. Aehnliches wird von andern Kirchen berichtet. Auch seine Vaterstadt
Palermo ehrt ihn als Kirchenerbauer. Auch erhob er die Reliquien des hl. Papstes
Leo II. Auch den heil. Kilian
und seine Gefährten hat er ermuthigt und unterstützt und verdient deßhalb als
besonderer Wohlthäter der deutschen Länder unsere besondere Verehrung. Die hhl.
Willibrordus (Clemens) und Wibertus
gingen unter seinem Segen und in seinem Auftrage nach Friesland. Dem
angelsächsischen Könige Coadvallus (Codwälla) ertheille er zu Rom die hl. Taufe
und weihte für Britannien den hl. Brithwaldus
(Berectualdus) zum Bischofe von Canterbury. Letzteres wird jedoch von den
Boll. bestritten und die Weihe dieses Bischofes dem gallischen Metropoliten
Godwin von Lyon zugeschrieben. Er empfahl aber brieflich diesen Oberhirten
sowohl den Königen als den Bischöfen Englands, setzte ihn zu ihrem Primas ein
und schmückte ihn mit dem Pallium. Ein Brief, welchen er an den Abt Ceolfried
in England schrieb, ist noch vorhanden. Ebenso einige Decrete, deren Aechtheit
jedoch bestritten ist. Er starb am 14. Aug. oder 7. Sept. d. J. 701 oder 702 und
ruht nahe bei den Reliquien des hl. Apostels Petrus in der St. Peterskirche. Das
Mart. Rom. und alle andern Martyrologien nennen ihn an diesem Tage. Doch hat er
noch andere Verehrungstage (s. o.). Besondere Verehrung
genießt der hl. Papst in seiner Vaterstadt
Palermo. (III. 425-445.)
* Papst Sergius IV. soll wirklich diesen Beinamen geführt haben.