
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
Tagino, Ep. (9. Juni). Der heiligmäßige Erzbischof Tagino, dessen Name auch
Tagmo, öfter aber Dagino, Dagono, Tagininus geschrieben wird, ist ein Schüler
des hl. Bischofes Wolfgang von Regensburg. Als sie
miteinander im Kloster zu Weltenburg verweilten, wurde Taginus vom Blitze
getroffen und war wie getödtet, aber durch die Berührung des hl. Bischofes
plötzlich wieder zum Leben zurückgebracht. Er war und blieb dessen treuester
Freund und Helfer und verwaltete als Vicedominus die hochstiftischen Güter. Auch
auf dem Todbette stand er ihm bei im J. 994. Als daher der fromme Kaiser
Heinrich II. im J. 1002 das Collegiatstift zur
alten Kapelle neu errichtete, machte er ihn zum ersten Propste an derselben. Wie
der hl. Wolfgang, so war auch er der eifrigste Freund und Förderer des
gemeinsamen Lebens der Geistlichen. Und wie er innerlich vor sich selbst arm und
nichtswürdig war, so wollte er äußerlich von allem Prunk und allem Uebermaße
vollständig entkleidet sein. Am 4. Febr. des J. 1004 wurde er zum Erzbischof
von Magdeburg erhoben. Der Bischof Hilderich von Havelberg (vom J. 991 bis 1008)
ertheilte ihm die bischöfliche Weihe. Er war ein ausgezeichneter Bischof. Die
Zeitgenossen wissen keinen, der seine Geistlichkeit so geliebt und geehrt hätte,
wie er. Er lebte wie ein Mönch, in unablässiger Abtödtung und in fortwährendem
Gebete. Wenn es sich aber um Abstellung von Unordnungen handelte, verfuhr er mit
unnachsichtiger Strenge. Täglich las er die heil. Messe und verrichtete
gemeinsam mit den Kanonikern voll Andacht und Aufmerksamkeit die Chorgebete.
Wegen seiner schwächlichen Gesundheit konnte er Fleischspeisen nicht ganz
entbehren, aber er genoß wenig und trank meistens nur Wasser. Um so zahlreichere
Almosen gab er den Armen. Der Dom von Magdeburg wurde durch ihn neu und
prachtvoll von Grund aus wieder erbaut. *
Seine letzte Reise machte er auf das Pfingstfest nach Merseburg, wo er in
Gegenwart des Kaisers den Gottesdienst halten sollte. Er konnte es nicht mehr,
da ihn eine überaus große Körperschwäche, der Vorbote des nahen Todes, daran
hinderte, und entschlief gottselig am 9. Juni des J. 1012 zu Rothenburg an der
Saale, nachdem er seine Sünden nochmal gebeichtet und sich auf seinen Hintritt
in der auferbaulichsten Weise vorbereitet hatte. Er vergaß nicht, kurz vor
seinem Tode dem Kaiser für alle die innige Liebe zu danken, die er ihm, einem
Fremdlinge in diesem Lande, erwiesen hatte. Er wird von Vielen (Raderus, Jocham)
mit dem Titel selig
beehrt.
* Durch diesen Bischof wurde der schöne Bau im J. 1011 begonnen, aber erst im J. 1363 vollendet.
