
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. S. Theodoretus (Theodoritus) et Soc. M. M. (23. Oct. al. 23. März, 6. und
17. Mai). Dieser hl. Theodoretus (Theodoritus) war (nach dem Mart. Rom., in
welchem er Theodorus genannt wird, während er in andern Quellen Theodoricus
heißt) Priester zu Antiochia in Syrien. Er litt unter dem Kaiser Julianus dem
Abtrünnigen wegen Zerstörung der Götzenbilder und Altäre, und weil er den
Verordnungen, welche die Auslieferung des Kirchengutes an die Staatscasse
forderten, sich widersetzt habe, schwere Folterpein und zuletzt den Tod der
Enthauptung, wahrscheinlich im J. 362. Es heißt in den Acten, daß der Kaiser
dieses Verfahren allerdings mißbilliget habe, weil die Tödtung um des Glaubens
willen den Getödteten die Ehre des Martyriums verschaffe, den Christen aber zur
Aufmunterung diene, während er die christliche Lehre wissenschaftlich
(multis
argumentis) zu zerstören suche, aber dieß hinderte ihn nicht, sogleich am
nächsten Tage wieder in Begleitung des Statthalters die gottlosen Opfer zu
verrichten, und denselben auf diese Weise seiner fortdauernden Gnade zu
versichern. Beide ereilte kurz darauf das Strafgericht Gottes. Folgendes ist die
Geschichte seines Todes, wie sie in den ächten Martyrer-Acten von Ruinart
enthalten ist, die wir nahezu wörtlich hier mittheilen. Der Statthalter Julianus
von Antiochia, ein Verwandter des Kaisers, versuchte wie dieser durch
Versprechung von Belohnungen und Aemtern die Christen, vorab Bischöfe und
Priester, zu verführen. Er schloß die Kirchen, verbot den Priestern ihre
Amtshandlungen, confiscirte das Kirchenvermögen und machte jede geordnete
Seelsorge in Antiochia unmöglich. Die gläubige Heerde war zerstreut und konnte
nur manchmal an verborgenen Orten Gottesdienst halten. In dieser Noth erwies
sich der heil. Priester als treuer Hirte. Er blieb in der Stadt, sammelte die
Brüder um sich, hielt die Collecte und betete gemeinsam mit ihnen. Wegen dieser
Verbrechen ließ ihn der Statthalter, der früher auch Christ gewesen war,
ergreifen, und nahm ihn ins peinliche Verhör. Der Heilige gestand, nach seinem
Vermögen Kirchen und Basiliken der heil. Martyrer erbaut, die Götzenbilder und
ihre Altäre aber niedergerissen zu haben; er habe es gethan, um die Seelen der
Irrenden zu retten; dabei habe er kein Gesetz verletzt, nicht in neuester Zeit,
sondern unter der Regierung des Kaisers Constantins,
der niemals ein Verbot hiegegen erlassen habe, habe er so gehandelt, und setzte
hinzu: Es wundert mich von dir, Abtrünniger, daß du so über Nacht ein Eiferer
für den Götzendienst geworden bist.
Als er hierauf ins Gesicht geschlagen wurde,
sagte der heil. Theodoretus: Du sündigst schwer, Julianus, daß du den Glauben
über Bord geworfen hast, und ziehst dir den ewigen Tod zu.
Der Richter konnte
diesen Vorwurf unmöglich annehmen; die Wahrheit, welche er enthielt, verwundete
neuerdings sein schlechtes Gewissen, und als der Heilige wiederholte: Zu der
Zeit, in welcher du Gott ehrtest, sprachst du die Wahrheit, und die Lüge
verabscheutest du, jetzt hat dich der Hochmuth aufgebläht, und daher gibst du
nun den eitlen Götzen den Namen Götter, die Wahrheit aber bezeichnest du als
Lüge,
ließ er ihn auf die Folter spannen, und zwar so stark, daß es schien, der
Heilige habe eine Körperlänge von acht Fuß. Auf den Zuruf des Richters, er solle
in solchen Leiden die Lehre des Gekreuzigten
verlassen, um sich das Leben zu erhalten, gab er mit lauter Stimme und heiterm
Angesichte die für Julianus so peinliche Antwort: Hast du schon vergessen, daß
ich dir gesagt habe, du dürfest Menschengebilde nicht Götter heißen? Erkenne
doch wieder den wahren Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, und Jesum
Christum, seinen Sohn, durch dessen kostbares Blut du erlöst worden bist.
Julianus erwiderte, mit deutlicher Beziehung auf das apostolische
Glaubensbekenntniß, das ihm noch im Gedächtnisse war: Er ist gekreuziget,
gestorben und begraben - und du nennst ihn Schöpfer der Welt? Wieder riß der
Heilige die alte Gewissenswunde auf: Ja, gekreuziget, gestorben und begraben!
Aber ich sage weiter: Er ist auferstanden von den Todten um unsers Heiles willen.
Alles ist durch Ihn gemacht, da Er das Wort und die Wahrheit des Vaters ist.
Auch du hast Ihn, als du noch bei rechter Gesinnung gewesen, wenn sie aufrichtig
war, angebetet.
Julianus sagte: Ehre die Götter, und thue was der Kaiser
befiehlt, denn dir befiehlt die Schrift: Das Herz des Königs ist in deiner Hand!
Der hl. Martyrer entgegnete ihm: Ja, so heißt es, aber nur wenn der König Gott
erkennt, ist sein Herz in Gottes Hand, nicht wenn er ein Tyrann ist und die
Götzen anbetet.
Jetzt war die Majestätsbeleidigung fertig: Thörichter, du
beschimpfst den Kaiser und nennest ihn einen Tyrannen! Der Heilige bekräftigte
nur seine Aussage: Wenn er ist, was du von ihm sagst, und wenn er befiehlt, was
du verlangst, so ist er nicht bloß ein Tyrann, sondern der Erbarmungswürdigste
unter allen Menschen
. Unterdessen wurde die Folterpein fortgesetzt; das Blut
quoll in reichen Strömen aus den Seiten des heil. Martyrers, sein Angesicht
blieb heiter, so daß der Richter sagte: Du empfindest die Peinen noch wenig, wie
ich sehe! Der hl. Martyrer erklärte ihm sogleich diese Erscheinung: Es ist wahr,
denn der Herr ist mit mir!
Der Statthalter ließ die Folterpein sofort vermehren,
obwohl er deren Wirkungslosigkeit klar erkannte. Diese Erkenntniß gab ihm
folgenden Kniff ein: Du möchtest sterben, sprach er, weil du fürchtest, wegen
der Kirchengelder bestraft zu werden, welche du für dich behalten hast, statt
sie an die Staatskasse abzugeben. Wohlan, du sollst straflos bleiben, und diese
Gelder behalten dürfen, wenn du den Göttern opferst. Ich selbst werde mich beim
Kaiser für dich verwenden. Der Heilige entgegnete darauf mit Muth und Würde:
Behaltet euer Gold und euer Silber zu eurem Verderben! Ich bin Niemanden etwas
schuldig; nur das Eine bin ich schuldig, daß ich Gott ein reines Gewissen
darbringe, und dafür bitte ich Ihn, daß Er mir an seinen Verheißungen einen
Antheil gewähren möge.
Dummer Mensch, antwortete Julianus, laß dich lehren und
rette dein Leben! bekam aber zur Antwort: Bekehre du vielmehr dich selbst zu
dem lebendigen Gott, welchen du verleugnet hast, um deine Seele zu retten,
welche du verloren hast.
Jetzt wurde die Folter mit neuer Grausamkeit
fortgesetzt, indem der Tyrann zu ihm sagte: Deine Thorheit ist unheilbar, weil
du dem todten Gekreuzigten lieber gehorchst, als dem Kaiser! Auf diese Lästerung
des Renegaten sprach der hl. Martyrer: Du weißt sehr gut, daß dieser
Gekreuzigte, wie du Ihn mit Verachtung nennst, dich selbst, Unglücklicher, und
deinen Kaiser am Tage des Gerichtes in die Hölle stürzen wird.
Julianus
entgegnete spottweise: Einstweilen will ich dich brennen lassen; was nachher
geschieht, macht mir keine Sorge. Er ließ also zwei brennende Fackeln
herbeibringen und an die Seiten des hl. Martyrers legen. Nachdem es geschehen
war, erhob derselbe die Augen zum Himmel und betete: Herr, Gott, Allmächtiger,
der Himmel und Erde und Alles was darin ist, erschaffen hat, Erlöser der Welt,
schenke deinem Diener, der für deinen Namen diese Schmerzen leidet, die oft
verheißene Hoffnung, und zeige den Gottlosen deine Stärke, damit Alle erkennen
mögen, daß du denen, die dich fürchten, deinen Beistand schenkest, und Qualen
denen, die dich verleugnen, so daß Dein Name, der hochgepriesen ist in Ewigkeit,
verherrlicht werde.
Auf dieses Gebet stürzten die Peiniger mit ihren Fackeln zu
Boden. Der Richter ließ ihnen aufhelfen, und befahl ihnen, die Brennung
fortzusetzen, aber sie baten, Andere zu beordern, da ihnen vier Engel
erschienen wären und sie mit dem Tode bedroht hätten, falls sie fortfahren
würden, den Bekenner Jesu Christi zu quälen. Das taugte dem Richter so wenig,
daß er sie sogleich ins Meer stürzen ließ. Der Heilige sprach ihnen Muth zu:
Gehet ihr voran, meine Brüder, ich folge euch nach zum Herrn; wenn ich den
Feind vollends besiegt habe, wird Er mir die Siegespalme schenken!
Wer ist der
Feind? wer gibt dir den Sieg? herrschte ihn Julianus an, der weder Feind noch
Unterlegener sein wollte. Der hl. Theodoretus antwortete: Der Feind ist der
Teufel; ihr seid seine Soldaten, die Siegespalme aber verleiht der Herr Jesus
Christus, der Erlöser der Welt.
Julianus sagte: Elendester! wie kannst du von
einem Menschen, der vor 300 Jahren, wie wir Alle wissen, aus einem Weibe geboren
wurde, sagen, Er sei der Schöpfer und Wiedervergelter? Der hl. Martyrer sagte:
Du bist freilich nicht würdig, das Wort Gottes zu hören. Aber die Diener Gottes,
welche hier gegenwärtig sind, könnten meinen, wenn ich es nicht thue, du habest
mich widerlegt. Höre, was du verloren hast! Gott, der Alles gemacht hat durch
sein Wort, hat sich des Menschengeschlechtes erbarmt, hat denjenigen, welche Er
dem Aberglauben huldigen, Götzenbildern dienen sah, sein Wort gesendet, das im
Leibe der Jungfrau die menschliche Natur an sich genommen hat, da Er als Gott
unsichtbar gewesen wäre, und so hat Christus freiwillig gelitten und uns das
Heil geschenkt. Dieses Heil hast du verloren!
Hiemit war der Kampf entschieden.
Der Richter gab sich zwar den Anschein, daß dieses Wortgefecht
keinen Eindruck
mache, aber trotzdem wurde er sich selbst untreu und sprach das Todesurtheil
über den heil. Martyrer. Dieser verkündete in prophetischem Geiste sein und des
Kaisers schmachvolles Ende, und empfing mit Danksagung gegen Gott, der ihm
Standhaftigkeit verliehen, den Todesstreich. Der Statthalter starb kurz darauf
eines erschrecklichen Todes; den Kaiser ereilte das gleiche Schicksal im Kampfe
mit den Persern. Der hl. Martyrer Theodoretus steht in Frankreich im Bisthum
Nimes, besonders aber zu Uzes, wo er Schutzheiliger der bischöflichen Kirche ist,
und daher von Einigen irrig zu den Bischöfen dieser Stadt gezählt wird, und zu
Chateauneuf (Vaucluse) in Verehrung.
