
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Thomas, Ap. M. (21. Dec. al. 9. Febr., 9. Juni, 3. Juli). Der hl. Apostel
Thomas, dessen Name griechisch Didymus, zu deutsch Zwilling lautet, hieß nach
Eusebius auch Judas. Da er sich nach
der Auferstehung Christi mit der Mehrzahl der
Apostel nach Galiläa begab, so wird er wohl hier zu Hause, und vielleicht
gleichfalls ein Fischer gewesen sein. Aus seiner Stellung im Canon der hl. Messe
und in den Litaneien dürfte ferner hervorgehen, daß er der fünftberufene Apostel
gewesen ist. Seine Liebe zu Jesus und sein Opfergeist zeigte sich, als die
Apostel den Heiland von der Reise nach Jerusalem nicht abzuhalten vermochten. Er
sprach bei dieser Gelegenheit: Auch wir wollen mitgehen und mit Ihm sterben.
Als ein anderes Mal der Heiland von seinem Tode und seiner Himmelfahrt redete,
und unter Anderm sagte: Ihr wisset, wohin ich gehe, und wisset auch den Weg,
machte er das offene und demüthige Geständniß: Herr, wir wissen nicht, wohin du
gehst, wie können wir den Weg wissen?
und gab hiedurch Veranlassung zu dem
Worte Jesu: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Nach der Auferstehung
Jesu blieb er längere Zeit ungläubig. Zwar meint der hl.
Ambrosius, sein Unglaube habe sich nicht
auf die Thatsache der Auferstehung, sondern auf die Auffassung und Erzählung der
Apostel darüber bezogen und der heil. Gaudentius
setzt hinzu: es sei aus seinen Worten mit Gewißheit nur das Verlangen, den
Herrn zu sehen und zu betasten, nicht der Unglaube zu entnehmen
, aber die Worte
Jesu: Weil du gesehen hast, Thomas, hast du geglaubt!
und: Sei nicht mehr
ungläubig, sondern gläubig!
lösen diese Einwendung mehr als zur Genüge. Doch
gab er dafür in den Worten: Mein Herr und mein Gott!
eine so gründliche
Genugthuung, daß der heil. Gregorius d. Gr.
sagt, dieser Apostel habe durch seinen Unglauben unserm Glauben mehr genützt,
als die übrigen Apostel durch ihren Glauben. Von seinem Apostolate nach der
Herabkunft des heil. Geistes erzählen die Ueberlieferungen aller Länder *;
so daß der heil. Chrysostomus sagt, nur
dieser Apostel habe die ganze Erde durchreist. Geschichtlich nachweisbar scheint
die Verkündung des Evangeliums durch den heil. Thomas bei den Aethiopern und
Abyssinern zu sein. Sehr weit verbreitet ist die Ueberlieferung von seinem
Apostolate in Indien. Dort soll ihn ein Brahmine mit einem lanzenähnlichen Rohre
während der Feier der heil. Messe getödtet haben. Sein Grab in Meliapur war
lange Zeit nicht nur von (den sog. Thomas-) Christen, sondern auch von Saracenen
als Wallfahrtsstätte geehrt. Ebendeßhalb heißt er der Apostel Indiens, obwohl er
nach Andern in Odessa gestorben ist. Seine Reliquien sind in der ganzen Welt
zerstreut; die merkwürdigste, der Finger, welchen er in die Seite Christi legte,
wird zu Rom in der Basilica des hl. Kreuzes von Jerusalem verehrt.
* Auch in Deutschland hätte er geprediget, wenn es erlaubt wäre, Germanien statt Caramanien zu lesen.