
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
Thomas Morus (More), (6. al. 7. Juli), Kanzler von England und Martyrer, im
J. 1480 zu London geboren, war der Sohn eines Richters der Königsbank. Er
pflegte von Jugend auf mit Erfolg die Wissenschaften, und verband mit dem
Studium der lebenden und todten Sprachen, wie es sein Zeitalter mit sich brachte,
das der humanistischen Wissenschaften. Er schwankte eine Zeit lang, ob er in's
Kloster gehen solle oder nicht. Später verheirathete er sich, und führte ein
musterhaftes Familienleben. Seine politische Thätigkeit lassen wir hier bei
Seite und erwähnen nur, daß er als der treueste, in allen Geschäften
bewandertste Diener des Königs Heinrich VIII. von demselben zum Reichskanzler
erkoren wurde. Als aber der König, um die ehebrecherische Heirat mit Anna
Boulein zu vollziehen, sich von der römischen Kirche lossagte, und die
sogenannte Reformation annahm, gab Thomas die Siegel ab, und zog sich in's
Privatleben zurück. Weit entfernt, ihn in seiner Zurückgezogenheit im Frieden zu
lassen, nahm der König seine Zuflucht zu allen Arten von Mitteln, um ihm den Eid
der geistlichen Obergewalt abzudringen, den der Fürst von seinen Unterthanen
forderte. Man warf ihn in's Gefängniß, man entzog ihm seine Bücher, man
verstärkte die Härte seiner Gefangenschaft mit unmenschlichen Mißhandlungen.
Seine Freunde, gerührt von seinem traurigen Schicksale und fürchtend für die
Zukunft, stellten ihm vor, daß er ohne Bedenken sich der Ansicht des englischen
Parlaments anschließen könne. Wenn ich allein dastünde gegen das ganze
Parlament
, erwiderte er, so würde ich mir selbst mißtrauen; nun habe ich aber
die ganze katholische Kirche für mich, dieses große Parlament der Christenheit.
Sein Weib beschwor ihn, sich seinen Kindern zu erhalten, deren einzige Stütze er
sei. Wie viel glaubt ihr,
fragte er sie, daß ich noch Jahre zu leben habe?
Mehr als 20 Jahre,
erwiederte sie. O mein Weib! willst du also, daß ich die
Ewigkeit gegen 20 Jahre dahingebe?
Als Heinrich VIII. ihn unerschütterlich sah,
ließ er ihm den Kopf abschlagen, am 6. Juli 1535, da Morus 55 Jahre zählte. Er
war jederzeit wahrhaft fromm gewesen; er widmete auch die Zeit, die zwischen
seiner Verurtheilung und seinem Tode verstrich, dem Gebete. Am Abend vor seiner
Hinrichtung schrieb er an Margareta, seine liebste Tochter, einen Brief, worin
er ihr sagt, er brenne vor Verlangen, seinen Gott zu sehen, und es sei für ihn
ein großes Glück, am nächsten Tage zu sterben, welcher die Octave des
Apostelfürsten und das Fest der Translation des hl.
Thomas von Canterbury, seines Patrons, sei.
Dieser Brief war mit Kohle auf ein Stück Papier geschrieben, das er in seinem
Gefängnisse gefunden hatte; denn man versagte ihm Alles, was seine Haft hätte
erleichtern können. Als er die Stufe der Hinrichtbühne hinaufgestiegen war
festen Schritts und ruhigen Angesichts, stimmte er das Miserere an und nahm das
Volk zum Zeugen, daß er für den apostolischen, römisch-katholischen Glauben
sterbe.

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