
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Tillo Paulus (7. Jan.), in Deutschland und Flandern Thielmann, in
Frankreich Theau, in Büchern öfter auch Hillonius genannt. Dieser hl. Abt, ein
geborener Sachse, stammte wahrscheinlich von heidnischen Eltern, wurde aber
schon in den Knabenjahren von Räubern dem väterlichen Hause entführt, in die
Niederlande gebracht, und von da als Sclave nach Gallien verhandelt. Er hatte
das Glück, vom hl. Eligius, damals noch in Paris,
angekauft zu werden, der ihm die hl. Taufe ertheilte und ihn den Mönchen von
Solignac (Solemniacum) im Limousin zur Erziehung übergab. Später soll er vom hl.
Eligius die Goldschmiedekunst erlernt, hernach aber sich in die Wüste der
Auvergne zurückgezogen und einige Zeit als Einsiedler gelebt haben. (Sedebat
Eligius fabricans indefesso et contra eum Thille vernaculus ejus, ex genere
saxonico, qui magistri sequens vestigia etc.) Nach erlangter Priesterweihe wurde
ihm die Stadt und Umgebung von Tournay zur Seelsorge angewiesen. Er muß indessen
an sehr vielen Orten gepredigt haben, da er nicht bloß in Flandern, sondern auch
in Deutschland in Verehrung steht. Wahrscheinlich hat er den heil.
Glaubensprediger Ewald, ermordet um d. J. 690, zur Erde
bestattet. Nach dem Tode des hl. Eligius um das J. 659 ging er in die Einsamkeit
bei Brajeac (unweit Maurioc, Auvergne), um durch Gebet und strenge Buße zu
sühnen, was er etwa in seinem öffentlichen Leben gefehlt hätte, und führte
deßhalb, um beständig an seinen Vorsatz erinnert zu werden, jetzt den Zunamen
Paulus des Einsiedlers. (Nach der Legende war Paulus sein Taufname). Dieses
Beispiel fand Nachahmung: als er starb, trauerten 300 Jünger an seinem Grabe.
Seine Todesstunde wußte er voraus. Eines Tages nämlich schickte er einen Knaben
zu dem Bischofe Hermenus von Limoges: Gehe hin, mein Sohn, in die Stadt Limoges
in aller Eile, und sage dem Hirten der Kirche, er möge morgen hieherkommen, um
meine Seele Gott zu empfehlen und meinen Leichnam zu bestatten.
Hierauf empfing
er den Leib und das Blut unsers Herrn und
entschlief. Er hatte ein Alter von nahezu 94 Jahren erreicht. Der Bischof, der
eben krank lag, fühlte in demselben Augenblicke seine Kräfte zurückkehren, und
kam eben zu rechter Zeit an, um den heiligen Mann zu beerdigen. Sein Tod wird
in's J. 702 (Boll. 700) gesetzt. Man ruft ihn gegen Kinderkrankheiten und Fieber
an. (I. 376-380.)
