
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Valentinus, Presb. M. (14. Febr.). Dieses heil. Priesters und Martyrers
gedenken alle Martyrologien. Sein Leiden und Tod fällt in das J. 209, also in
die Verfolgung des Kaisers Claudius. Gegen seine Acten
hat Baron. Einwendungen
erhoben, welchen aber die Boll. jedes Gewicht absprechen. Dennoch kann aus
innern und äußern Gründen über ihre Unächtheit kein Zweifel aufkommen. Nur das
Martyrium dieses hl. Priesters überhaupt steht fest. Ebenso gewiß ist der Ort,
an welchem er für den Glauben starb. Er litt nämlich zu Rom vor dem Flaminischen
Thore (Porta di Popolo), an der gleichnamigen durch Etrurien und Umbrien nach
Rinimi (sic! gemeint ist Rimini) führenden Straße. Dieß bezeugte Jahrhunderte
lang die ihm hier geweihte Kirche mit seinen Reliquien. Als erster Erbauer
derselben wird der hl. Papst Julius bezeichnet. Nach
ihm wurde Papst Theodor ihr neuer Begründer, während seine Nachfolger sie mit
Geschenken reichlich bedachten. Im 17. Jahrh. sah man aber nur mehr ihre Ruinen.
Aus seinen Acten
entnehmen wir folgendes: Beim ersten Verhöre sprach der
Kaiser unter Anderm: Ich höre deine Weisheit rühmen, sehe dich aber in eitelm
Aberglauben befangen. Darauf antwortete der Heilige: Wüßtest du die Gabe Gottes,
so würdest du und deine Regierung dich freuen, deine Götzen zerbrechen, und den
Einen Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer des Himmels, der Erde, des
Meeres und dessen was darin ist und seinen eingebornen Sohn Jesum Christum
bekennen.
Als ein Beisitzender fragte, was er von den Göttern Jupiter und
Mercur halte, gab er zur Antwort, sie seien schlechte und weichliche Menschen
gewesen, was ihre Genealogie beweise. Da sagte jener, er sei ein Lästerer der
Götter und der Republik. Der Kaiser, welchen er zum Glauben an Jesus Christus
und zur Reue über das unschuldig vergossene Christenblut ermahnte, sprach zu den
Umstehenden: Höret doch, Bürger von Rom, welche vernünftige Lehre von diesem
Manne vorgetragen wird! Der Präfect Calpurnius aber rief aus: Fürst, du bist
durch diese falsche Lehre verwirrt. Urtheilet, ob es recht ist, daß wir
verlassen was wir von Kindheit an verehrt und angebetet haben. Der Kaiser
übergab nach dieser Rede den heil. Priester dem Calpurnius und sprach: Höre ihn
geduldig an; sollte seine Rede nicht vernünftig sein, so verfahre mit ihm, wie
es die Gesetze gegen Gotteslästerer vorschreiben; ist seine Forderung aber
vernünftig, so gebe man ihr Gehör. Calpurnius übergab nun den Valentinus dem
Obersten Asterius und dieser nahm den Heiligen mit
in seine Wohnung. Nachdem dieser in das Haus eingetreten war, betete er knieend:
Gott, du Urheber aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge, du Schöpfer des
Menschengeschlechtes, der du deinen Sohn, den Herrn Jesus Christus gesandt hast,
um uns von dieser Welt zu erlösen und uns von der Finsterniß zum wahren Lichte
zu führen, der uns den Befehl gegeben hat: Kommet Alle zu mir, die ihr mühselig
und beladen seid, ich will euch erquicken; bekehre diese Familie, und gib ihr
Licht statt der Finsterniß, damit sie dich erkenne als den Herrn und Christus in
der Einigkeit des heiligen Geistes in Ewigkeit! Amen.
Als Asterius dieses hörte,
sprach er zu Valentinus: Ich wundere mich, daß du die Rede Christus sei das
Licht, für Weisheit achtest. Valentinus erwiederte: Fürwahr, Jesus Christus,
der vom heiligen Geiste aus Maria der Jungfrau geboren
wurde, ist das wahrhafte Licht, das Jeden, der in diese Welt kommt, erleuchtet!
Asterius antwortete: Ob er jeden Menschen erleuchtet, und ob er Gott ist, will
ich jetzt erproben oder deine Betrügerei vernichten. Ich habe eine
Adoptivtochter, die ich von ihrer Kindheit an liebe; diese verlor vor zwei
Jahren das Augenlicht: ich will sie dir vorführen; wird sie geheilt werden, dann
werde ich Alles thun, was du mir vorschreibst. Valentinus sprach: Führe sie
immerhin im Namen unsers Herrn Christi zu mir.
Asterius brachte das blinde
Mädchen. Valentinus erhob seine Hände zum Himmel und sprach mit thränenden Augen:
Herr, allmächtiger Gott, Vater unsers Herrn Jesu Christi, Vater der
Barmherzigkeit, der du deinen Sohn, unsern Herrn gesandt hast, daß Er uns aus
der Finsterniß zum wahren Lichte führe dich rufe ich unwürdiger Sünder an, der
du willst, daß Alle gerettet werden und Niemand zu Grunde gehe, damit Alle
erkennen, daß du Gott bist und der Vater und Schöpfer aller Dinge; der du dem
Blindgebornen die Augen öffnetest, und den schon modernden Lazarus
aus dem Grabe erweckt hast; dich rufe ich an, der du das wahre Licht bist, und
der Herr aller Fürsten und Mächte, damit nicht mein Wille geschehe, sondern der
deine, an dieser deiner Dienerin; würdige dich sie zu erleuchten mit dem Lichte
deiner Erkenntniß.
Dann legte er seine Hände über ihre Augen und sprach: Herr
Jesus Christus! erleuchte diese deine zukünftige Dienerin, weil du Gott, das
wahre Licht bist.
Als er dieses gesagt hatte, öffnete sie die Augen und sah.
Asterius fiel sogleich dem hl. Valentinus zu Füßen und sprach mit seiner Tochter:
Bei Christus, durch den wir das Licht erkannt haben, beschwören wir dich, thue
mit uns das, wodurch unsere Seelen gerettet werden. Valentinus antwortete: Wenn
ihr von ganzem Herzen glaubet, so zerbrechet alle Götzen, fastet, verzeihet
allen Beleidigern, und jeder von euch lasse sich in seinem Bekenntnisse taufen
zur Seligkeit.
Hierauf ließ Asterius viele Christen, die er in Verwahrung hatte,
frei. Nach drei Tagen, welche dem Unterrichte in den Heilswahrheiten, verbunden
mit Gebet und Fasten gewidmet waren, taufte Valentinus den Asterius mit seinem
ganzen Hause, worauf der Bischof Calixtus (von Ostia?) sie heimlich besuchte,
und Allen es waren ihrer 44 Seelen, die Firmung ertheilte. Als der Kaiser
Claudius dieses erfuhr, ließ er Alle, die im Hause waren, gefangen nehmen. Den
Priester Valentinus ließ er mit Prügeln schlagen und am 14. Febr. d.J. 269 an
der Flaminischen Straße enthaupten. Eine fromme Matrone, Savinella
mit Namen, begrub ihn an dem Orte seiner Enthauptung. So die Legende. Ehedem
führte die Porta Flaminia (jetzt Popolo) den Namen des Heiligen. Seine Reliquien
befinden sich (Piazza I. 160) in verschiedenen Kirchen Roms, besonders in St.
Prassede. Abgebildet findet er sich, wie er durch Handauflegung die blinde
Tochter des Asterius heilt. Manchmal liegt ein Epileptischer zu seinen Füßen.
Oft trägt er, als Priester gekleidet, nur das allgemeine Kennzeichen des
Martyriums, Palme und Schwert. (II. 701-754.)