
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Valentinus, Ep. M. (14. Febr. al. 21. Juli). Dieser hl. Bischof von Terni
(Interamna) in Umbrien und Martyrer gilt als der dritte Bischof dieser Stadt,
und ist nicht mit seinem gleichnamigen Nachfolger, welcher am 7. Jan. verehrt
wird, zu verwechseln. Bezüglich der Gewißheit, daß zwei verschiedene Valentinus
am 14. Febr. zu Rom gelitten haben, erregt Bedenken, daß auch dieser hl.
Valentinus am Flaminischen Wege
gestorben sein soll und in einigen
Martyrologien Priester genannt wird. Allein die Art des Martyriums und die
Vollstrecker desselben sind in beiden verschieden und die beständige
Ueberlieferung der Kirche von Terni fällt nicht minder schwer in's Gewicht. Auch
unterscheiden die ältesten Martyrol. genau zwischen dem Bischofe und dem
Priester d. N. Nach Ughellus war er ein
geborner Römer, aus adeligem Geschlechte entsprossen, und wurde vom hl. Bischof
Felicianus von Foligno auf Bitten des
Volkes um das J. 203 geweiht. Als Bischof suchte er allenthalben christliche
Frömmigkeit zu verbreiten, weßhalb er zwei Congregationen errichtete, die eine
aus Geistlichen, die andere aus Jungfrauen, unter welchen sich auch die hl.
Agape befand. Er unterrichtete auch die
spätern Martyrer, Saturninus, Castulus,
Magnus und Lucius (15.
Febr.) im Glauben. Schon war er, wie die Legende erzählt, mehrere Jahre seiner
Heerde glorreich vorgestanden, als er eine Einladung nach Rom erhielt. Daselbst
hatten sich drei edle Athenienser, Proculus, Ephebus
und Apollonius bei ihrem Landsmanne Craton, einem
Rhetor, in Wohnung und Unterricht aufnehmen lassen, dessen einziger Sohn
Chäremon von dem heiligen Bischof Valentinus von Terni von einer durch
menschliche Kunst unheilbaren krüppelhaften Verkrümmung geheilt wurde. Diese
Heilung hatte die Bekehrung. des Craton und seines ganzes Hauses zur Folge. Auch
seine obengenannten Schüler und der Sohn des Stadtpräfecten Abundius empfingen
die heil. Taufe. Hierüber ließen die Senatoren den hl. Valentinus in Haft
bringen, und als sie gewahrten, daß nicht nur der Heilige, sondern auch die
durch ihn Bekehrten täglich standhafter im Bekenntnisse Christi wurden, ließen
sie ihn auf Befehl des Stadthalters Placidus zur Nachtzeit aus dem Gefängniße
führen, und enthaupten. Proculus, Ephebus und Appollonius brachten den Leib
ihres hl. Lehrers nach seiner Kirche zu Terni, wo sie ihn beerdigten. Lange
verweilten sie daselbst in Nachtwachen und Lobgesängen, bis sie von den Heiden
ergriffen, dem Consular Leontius ausgeliefert und von diesem getödtet wurden.
Dieser heil. Bischof und Martyrer wird, wie wir aus einer in unsern Händen
befindlichen freundlichen Notiz eines Unbekannten entnehmen, besonders in
Diepoldskirchen, Pfarrei Falkenberg in Niederbayern, verehrt. In der dortigen zu
seiner Ehre erbauten Wallfahrtskirche sind der 14. Febr., St. Johann
Baptist, und Peterstag, dann die größern
Frauenfeste große Concurstage, an welchen nicht nur aus den naheliegenden Orten,
sondern auch aus der Inn- und Salzachgegend viele Wallfahrer kommen. Im
Pfarrhofe zu Falkenberg ist im Saalbuche aufgezeichnet, daß schon vom J. 1422
angefangen die Wallfahrt stark besucht war, und die Votivtafeln reichen bis in's
J. 1437 zurück. Der Heilige wird besonders angerufen gegen Epilepsie (schwere
Krankheit
k. e. vom bayer. Volke genannt), gegen Feuersgefahr und anderes Elend.
Im J. 1762 machte die Stadt Saaz in Böhmen während der Belagerung ein Gelübde
nach Diepoldskirch und widmete eine Gedenktafel. Auch wegen wunderbarer Heilung
von Wahnsinnigen sind Gedenktafeln vorhanden. Eine Tafel von Osterhofen aus dem
J. 1462 stellt dar, wie ein Kind von einem Pfeile in's Auge getroffen wurde,
aber wieder genas. Ferner zeigen mehrere Votivtafeln an, wie Jungfrauen zum
Schutze ihrer Unschuld den hl. Valentinus anriefen und Hilfe erhielten. Größere
Tafeln und Fresken in der Kirche zeigen das Leben und die Wunder des Heiligen.
Die Oration, welche am 14. Febr. und sonst außer der hl. Messe und dem
kirchlichen Officium gebetet wird, lautet: O Gott, von dessen Liebe entzündet
der selige Martyrer und Bischof Valentinus die schweren Bedrohungen mit dem
Marterthume durch Geringschätzung der Verfolgung besiegt hat, verleihe, daß Alle,
welche die Verdienste seines Martyriums ehren, durch seine beschützende Hilfe
von der hinfallenden Krankheit befreit werden. (II. 744-757.)
