
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Vedastus, Ep. Conf. (6. Febr. al. s. 4. Juni, 2. u. 15. Juli, 30. Sept.,
1. u. 26. Oct.) Dieser Heilige war Bischof von Arras (Atrebatum) in Belgien. Der
Ort seiner Geburt und seine Herkunft ist unbekannt. Man glaubt aber, daß die
Pfarrei Billac (im Perigord) auf diese Ehre den nächsten Anspruch habe. Hier
trägt die Pfarrkirche und ein Brunnen seinen Namen. Nach der Schlacht bei
Zülpich treffen wir ihn um d. J. 495 zu Toul, wo er unter dem hl. Bischof
Ursus als gotterleuchteter Priester und Prediger
wirkte und bereits im Rufe der Heiligkeit stand. Gott hatte ihn aber zu noch
Größerem bestimmt. Er unterrichtete den König Chlodwig
in den heilsamen Lehren des christlichen Glaubens und begleitete ihn nach Rheims,
zum hl. Remigius. Als er bei Revigny
(Reguliacum) den Ornain (Arona) mit dem Könige übersetzte, bat ihn ein Blinder
um ein Almosen; der Heilige gab ihm den Segen und das Augenlicht. Dieses Wunder
bestärkte den König in seinem Beschlusse, und machte auch seine Hofleute bereit,
den Glauben anzunehmen. Um dem Evangelium auch in die nördlichen Länder den Weg
zu bahnen, wurde zuerst in Arras an der Scarpe, und später in Cambrai an der
Schelde, ein lange Zeit mit diesem vereinigtes Bisthum gegründet, welchem der
heil. Vedastus vierzig Jahre (500-540) vorstand. Der heilige Remigius von Rheims,
welcher durch den König auf ihn aufmerksam gemacht worden war, ertheilte ihm die
Consecration. Um das J. 500 kam unser Heiliger in Arras an; Stadt und Land dem
Erlöser zu weihen war sein fester Wille. Als
er zu Arras einzog, bereitete ihm der liebe Gott den Weg zu den Herzen der
Bewohner durch ein neues Wunder: ein Blinder und ein Lahmer, welche seinen Segen
empfingen, wurden plötzlich geheilt. Da die Verwüstungen der Hunnen die Jünger
Jesu Christi, die sich vielleicht früher daselbst befanden, theils zerstreut
theils ausgerottet hatten, konnte der heil. Bischof nirgends eine Spur des
Christenthums finden als in der Erinnerung einiger alten Leute, welche ihm
außerhalb der Stadt die Trümmer einer Kirche zeigten, die ganz mit Gesträuchen
überwachsen war, und den Thieren zum Aufenthalte diente. Bei diesem Anblicke
seufzte er auf und sprach: Dieß Alles, o Herr, ist über uns gekommen, weil wir
und unsere Väter gesündiget haben, aber sei eingedenk deiner Barmherzigkeit.
Mit unermüdlichem Fleiße arbeitete er an der Bekehrung des Volkes, errichtete
Kirchen und schmückte sie, setzte Priester und Diakonen zu ihrem Dienste ein,
streute als treuer Nachfolger Christi überall, wo er willige Hörer fand, bei
Reichen und Armen den Samen des göttlichen Wortes aus, und war bemüht, diese
durch Almosen, jene durch erheiternden und belehrenden Umgang für das
christliche Glaubensleben zu gewinnen. Als er einst bei einem Gastmale die
Trinkgeschirre segnete, begab es sich, daß mehrere derselben sofort zersprangen
und die Getränke über den Tisch rannen. Der erschreckte Wirth, ein Franke,
welcher nicht wußte, wie das kam, erhielt von dem hl. Bischof die Aufklärung,
daß die Becher wahrscheinlich dem heidnischen Culte gedient hätten und deßhalb
vor dem Kreuze Christi nicht bestehen konnten. Der Vorfall bewirkte neue
Bekehrungen. Ueberhaupt bekräftigte Gott die Worte seines Dieners durch viele
Wunder. Er heilte Kranke, trieb böse Geister aus, gab Blinden das Augenlicht,
verwandelte durch seinen Segen Wasser in Wein, und bändigte die Thiere des
Waldes. Sein zweiter Biograph Alcuin, (der Name des
ersten und ältern ist unbekannt) schildert die Früchte seines Wirkens in
folgender Weise: Ueberall strahlte die Erkenntniß des göttlichen Gesetzes, aus
jedem Mund hörte man den heiligsten Namen Christi, es blühte in den Sitten die
Ehrbarkeit keuschen Lebens, in den Herzen Aller brannte die Sehnsucht nach dem
himmlischen Vaterlande, das Volk kam zu den festgesetzten Tagen in die Kirche,
wo die Feste des Herrn in gebührender Weise mit großer Freude begangen wurden;
die Armen erhielten reichliche Almosen in ihren Wohnungen; täglich wurde das
Wort Gottes in den einzelnen Ortschaften verkündiget; der Klerus sang die
kanonischen Tagzeiten und man konnte sagen: Selig das Volk, dessen Gott der Herr
ist. Alle fanden ihre Ruhe im innerlichen Frieben, freuten sich der Erkenntniß
der Wahrheit und waren fröhlich in der Heiligkeit der christlichen Religion.
So erreichte der heil. Vedastus die volle Reife der Verdienste und der
Lebensjahre. Die Zeit, da Gott die Mühen seines Dieners lohnen wollte, kam näher.
Er erkrankte zu Arras an einem hitzigen Fieber, welches seine ohnehin schwachen
Kräfte schnell aufzehrte. Man sah eine Lichtsäule über seinem Hause, die bis an
den Himmel reichte, und diese Erscheinung dauerte volle zwei Stunden. Als man
dem Heiligen davon erzählte, erkannte er darin ein Zeichen, daß sein Hintritt
bevorstehe. Er versammelte sogleich seine Geistlichen um sich und gab ihnen die
letzten Ermahnungen aus väterlichem Herzen. Dann empfing er die heilige
Wegzehrung und verschied in den Händen der Priester, die ihn beweinten am 6.
Febr. des J. 539. Alles Volk trauerte. Aber er blieb, wie seine
Lebensbeschreibung hinzusetzt, im Himmel sein beständiger Fürsprecher, und
hinterließ dem Bisthume das schöne Vermächtniß heiliger Ermahnungen und frommer
Beispiele. Man bestattete ihn in der Kirche, welche von ihm selbst zu Ehren der
heil. Mutter Gottes erbaut und geweiht worden war,
obwohl er bestimmt hatte, daß man seinen Leichnam an einem wenig besuchten Orte
außerhalb der Stadt zur letzten Ruhe legen solle. Der heil. Bischof
Autbertus vollzog am 1. Oct. des J. 667
seine erste Translation, welcher noch mehrere, die zweite am 2. Juli 852 nach
Beauvais, die dritte nach Arras zurück am 15. Juli 893, folgten. Auf seine
Fürbitte geschahen zahlreiche Wunder, welche seine Verehrung und Anrufung bis
auf die spätesten Zeiten fortpflanzten. Im Mart. Rom. findet er sich zum 6.
Februar. Die übrigen angegebenen Daten beziehen sich auf stattgefundene
Translationen. Die Auffindung des Hauptes und Armes wird am 2. Jan. begangen.
Nach Florus nennen ihn alle Martyrologien. Die Engländer verehrten ihn nach
Angabe der Boll. unter dem Namen Zawsler, nach Butler aber unter dem Namen
Foster. In der Volkssprache heißt er St. Vaast (Wast). Die Kirche s. N., neben
welcher das Kloster St. Waast d'Arras sich befand, ist ein herrlicher Bau und
heute noch eine Zierde der Stadt. Die Aufzählung der an seiner Grabstätte
geschehenen Wunder (bis in's 14. Jahrh.) füllt 15 Folioseiten der Boll. Auf
Bildern wird er dargestellt, wie er einen Bären nach sich zieht oder auch mit
einem Wolfe, der eine Gans in seinem Rachen hat. Noch besser sind die
Darstellungen, welche ihm die bei seinem Tode erschienene Lichtsäule beigeben.
Sehr viele Kirchen und Altäre im nördlichen Frankreich und in Belgien tragen
seinen Namen. Auch zu Toul ist er nicht vergessen; bis zur Revolution d.J. 1793
befand sich hier eine Pfarrkirche mit dem Namen St. Vaast. Der größte Theil
seiner Reliquien ruht zu Arras in einem kunstvoll gearbeiteten Schreine. (I.
782-815.)
