
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Victricius Ep. Conf. (7. Aug.). Dieser Heilige war der achte Bischof von
Rouen in Frankreich. Seine Eltern sind unbekannt. Seine Heimat soll (man vgl.
seine Lebensbeschreibung bei Guerin) die Landschaft der Moriner zwischen Schelde
und Lys im vormaligen belgischen Gallien gewesen sein. Als der abtrünnige Kaiser
Julian in seinem Reiche das Heidenthum wieder herstellen wollte, befand er sich
bei dem kaiserlichen Heere. Alsbald dankte er ab und legte dem Tribun seine
Waffen zu Füssen. Dieser betrachtete die fernere Dienstverweigerung als groben
Ungehorsam und ließ ihn so heftig schlagen, daß sein ganzer Körper voll von
Wunden und Striemen war, dann aber in ein Gefängniß werfen, dessen Fußboden mit
spitzigen Scherben so bedeckt war, daß der heilige Bekenner weder stehen, noch
sich niederlegen oder setzen konnte. Am andern Tage wurde er zur Enthauptung
verurtheilt. Auf dem Wege zur Richtstätte geschah aber ein zweifaches Wunder,
welches die Ursache seiner Freilassung wurde. Ein Henkersknecht, welcher dem
Heiligen spottend die Stelle zeigte, wo sein Haupt vom Rumpfe getrennt werden
sollte, erblindete, und als man die Fesseln, welche ihn so ins Fleisch
eingeschnitten halten, daß er um Zurückziehung derselben bat, nicht zurückzog,
fielen sie auf sein Gebet aus freien Stücken auf den Boden. Nun getraute sich
der Befehlshaber nicht mehr, die Hinrichtung vollziehen zu lassen, und ordnete
sofort seine Freigebung an! * Deßhalb nennt ihn (vgl. W. W.
K.-L. XI. 678) sein Freund Paulinus einen
lebenden Blutzeugen.
Was er jetzt that, und wo er sich in den nächsten Jahren
aufhielt, ist unbekannt. Wahrscheinlich fällt in diese Zeit seine
Missionsthätigkeit bei seinen Landsleuten, den Morinern und Nerviern. Ohne
Zweifel stand er mit den damaligen Säulen der gallischen Kirche, den hhl.
Martinus und Hilarius
in innigster Verbindung. Daß er wenigstens dem Erstern persönlich bekannt und
befreundet war, ist nachgewiesen. Sie trafen sich zu wiederholten Malen, z. B.
zu Vienne, wohin damals auch der heil. Paulinus von Nola gekommen war, und
Chartres. Den Briefen des hl. Paulinus (27. al 18. u. 28) an den Heiligen ist es
zu danken, daß wir Näheres von ihm wissen. Ungefähr um das J. 385 wurde er
Bischof von Rouen, das durch ihn vollständig bekehrt, und in eine Art neues
Jerusalem
umgestaltet wurde. Das christliche Leben erblühte daselbst zu einer
bisher nie gesehenen Schönheit. Es erhoben sich allenthalben Kirchen und Klöster,
der Gottesdienst wurde mit Würde und großer Theilnahme gefeiert; der
Kirchengesang ertönte in voller Reinheit und Lieblichkeit; Zucht und Ehrbarkeit
stand allenthalben in Ehren, und der heilige Bischof war als Rathgeber, Freund
und Friedensstifter von Hoch und Nieder gesucht und geehrt. In letzter Hinsicht
wurde er auch ein Wohlthäter der Kirche in Großbritannien, wohin er ging, um den
Frieden unter den Bischöfen wieder herzustellen. Gleichwohl erzählen die
Chronisten, daß auch er seine Feinde hatte, und daß er sich bei dem heil. Papste
Innocentius10 I. wegen falscher Anklagen
verantworten mußte. Bei dieser Gelegenheit kam der KlerikerEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat.
Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien.
Paschasius aus Rouen,
ein Schüler des Heiligen, nach Nola, und erzählte dort dem heiligen Paulinus
dessen frühere Geschichte. Wie er selbst nach Heiligkeit strebte, so ehrte er
die Heiligen und ihre Reliquien so viel er konnte. Solche erbat und erhielt er
vom heil. Ambrosius von Mailand, und
übertrug dieselben in feierlichster Weise. Die Ordnung der Prozession war
ungefähr dieselbe, welche jetzt noch beobachtet wird: Da zeigt sich die Schaar
der von Fasten und Bußwerken abgezehrten Mönche, die Reihen der unschuldigen
Kinder erfüllen die Lüfte mit Freudengesängen, ein Chor andächtiger Jungfrauen
trägt die Kreuzesfahne, dann folgt die große Menge der Enthaltsamen und Wittwen.
Von sich selbst sprach er bei dieser Gelegenheit (vgl. seine Schrift: de laude S.
S.) auf der Kanzel: Hier sehet ihr vor euren Augen einen in eurem Dienste,
durch die Jahre geprüften, in den Kämpfen ergrauten, durch Mühsale und
Nachtwachen abgehärteten Krieger Christi.
Sein Hinscheiden nach achtjähriger Amtsführung fällt ins J. 405 oder 407. Die
Briefe des heil. Papstes Innocentius I. an den Heiligen sind Bd.
III. S. 45 bereits kurz erwähnt. Seine Reliquien wurden im J. 941 nach
Braine bei Soissons in die dortige Remigiuskirche
gebracht, wo sie bis zum J. 1793 in Verehrung standen. Sie entgingen glücklich
den gottesräuberischen Händen der nachfolgenden revolutionären Regierungen, so
daß im J. 1865 eine neue feierliche Erhebung stattfinden konnte. Der Heilige
wird am 7. Aug. zu Rouen, am 6. Mai aber in der Diöcese Soissons verehrt. Auf
Abbildungen sieht man ihn als Bischof ohne besonderes Attribut, manchmal auch
als Soldat auf seinem Gange zur Richtstätte. (II. 192-197.)
* Von einer Berichterstattung des Befehlshabers an den Kaiser wissen die autentischen Nachrichten nichts.
