
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Walburgis. V. Abbat. (25. al. 4. Febr., 27. Apr., 1. Mai, 4. Aug., 12.
Oct.). Diese hl. Abtissin und berühmte Wunderthäterin hat viele
Lebensbeschreiber gefunden. Schon der hl. Wilibald,
ihr Bruder, wurde zu denselben gezählt, aber bis jetzt ist nichts gefunden
worden, was diese Angabe bestätigen könnte. Aber in den über ihn und den hl.
Wunibald vorhandenen
Lebensbeschreibungen ist sie öfter erwähnt. Die erste Biographie ist von dem
Benedictiner Wolfhard von Hafenried, welche eine Widmung an Bischof Erchanbald
von Eichstädt (vom Jahr 884-809) an der Spitze trägt. Sie steht bei den Boll. an
vierter Stelle; doch handeln nur die ersten fünf Capitel von ihrem Leben und
Hinscheiden. Ihm folgte Bischof Adelbold von Utrecht, um das J. 1008. Ein sonst
unbekannter Medibardus (Medingaudus) schrieb ihr Leben in Versen (Prosam
Wolfhardus, rhythmum fecit Medibardus). Auch der Verf. der bei den Boll. an
zweiter Stelle abgedruckten Lebensbeschreibung ist unbekannt. Die Klosterfrauen
von St. Walburg in Eichstädt haben gleichsam Nachlese gehalten, und wie schon
Wolfhard eine Sammlung der am Grabe der hl. Abtissin geschehenen Wunder beifügen
lassen (gedruckt im J. 1594). Aeltere Denkmäler, welche bereits dem 9. Jahrh.
angehören, und ihre Verehrung bestätigen, sind die schon zu jener Zeit ihr
geweihten Kirchen und Altäre. Von spätern Bearbeitungen nennen wir: Crammer,
heil. und gottsel. Eichstädt, S. 67-72, Eichstädt u. München 1780; Reichmayer, J.
E., Lebensbeschreibung der heil. Aebtissin Walburgis, Eichstedt 1792; Hauber,
die hl. Walburga und ihre gottselige Verwandtschaft, Augsburg, 1840; A. Schmid,
S. J. Leben der hl. Walburga und ihrer heil. Brüder Willibald und Wunibald,
Eichstätt 1850 und 1867. Zu nachfolgender Darstellung wurden auch die
Bemerkungen Mabillons, der Commentar von Henschen, und andere Hilfsmittel, wie z.
B. Rettbergs K.-G. Deutschlands, beigezogen. Die hl. Abtissin von Heidenheim
welche auch Walburga, Gualburgis, Walpurga, Wallpurgis, selbst Wairurgis genannt
wird, war (nach Angabe der zweiten Biographie des hl. Willibald) eine Tochter
des hl. Fürsten Richard von
England und (wahrscheinlich Stief-) Schwester der hhl. Willibald und
Wunibald, und etwa um das J. 710 in England geboren. Als ihr Vater und ihre
Brüder eine Wallfahrt zu den Gräbern der Apostelfürsten unternahmen, nahm sie
wahrscheinlich den Schleier im Kloster Winburn (Winbrunn) in der Grafschaft
Dorset. Andere fromme Schriftsteller geben an (Mabillon, l. c. IV. 347), daß sie
diese Reise mitgemacht, und selbst die hl. Stätten in Palästina besucht habe.
Gewiß ist, daß die hl. Walburgis auf Berufung des heil. Bonifacius
in Gesellschaft der heil. Lioba
und anderer Ordensschwestern um das Jahr 748 nach Deutschland kam, und zwei
Jahre im Kloster Bischofsheim an der Tauber lebte. Indessen hatten ihre heiligen
Brüder zu Heidenheim, am Hahnenkamm, außer einem Kloster für Männer, welchem der
hl. Wunibald vorstand, auch ein solches für Frauen errichtet. Der hl. Willibald
setzte dort seine Schwester als Abtissin um das J. 754 ein. Tag und Nacht, sagt
ihre älteste Lebensgeschichte, verharrte sie im Gebete, immer oblag sie dem
Wachen und Fasten, ihren Leib hielt sie von frühester Jugend in keuscher Zucht,
das beständige Vorbild ihres Wandels, ihre einzige Zuflucht war und blieb ihr
göttlicher Bräutigam, den sie unablässig
anrief, daß Er, der sie im Glauben stark gemacht hatte, sie auch am Leibe rein
erhalte. Sie war aber nicht Klosterfrau mit strenger Clausur, welche der
weiblichen Missionsthätigkeit, der sie obliegen mußte, auch gar nicht
entsprochen hätte, wie zwei wunderbare Vorfälle in ihrem Leben beweisen. Einst
kehrte sie in finsterer Nacht aus der Kirche des Männerklosters, wo sie der
Vesper beigewohnt und länger verweilt hatte, zu ihrem Kloster zurück. Der Custos
dieser Kirche, Namens Goumeradus, hatte ihr keine Laterne gegeben, und sie war
genöthigt, in der dunkeln Nacht ohne Licht das Kloster aufzusuchen. Die
Ordensschwestern hatten bei ihrer Ankunft schon gespeist, und Walburgis ging
ungespeist zu Bette. Als man aber um Mitternacht das Zeichen zur Mette gab,
entstand plötzlich eine wunderbare Helle, welche alle Schlafgemächer und selbst
den Boden durchdrang. Die hl. Abtissin pries den Herrn und dankte ihm mit lauten
Worten, daß er sich würdigte, durch die milden Strahlen seiner Barmherzigkeit
die Finsternisse des Schreckens zu verscheuchen. Als ihr Bruder Wunibald im J.
761 mit Tod abgegangen, und sie über seinen Heimgang noch sehr im Herzen betrübt
war, ging sie Nachts zu dem Hause eines reichen Gutsherrn zu Hohentruhendingen,
dessen Tochter, wie sie wußte, am Sterben lag. Als dieser sie vor der Thüre
seines Hauses stehen sah, ohne sie zu erkennen, forderte er sie auf, schnell
einzutreten, damit sie nicht von seinen Hunden angefallen werde. Sie aber sprach:
Der mich unversehrt und ohne dein Wissen hieher geführt, wird mich auch
unversehrt hinwegführen, ja Er wird auch, wenn du mit allen deinen Kräften an
Ihn, als den Arzt der Aerzte glaubst, in dein Haus die Gabe der Gesundheit
bringen.
Die Heilige ließ sich ins Gemach der Sterbenden führen, um welche die
betrübten Eltern bitterlich weinten, und brachte die Nacht unter inständigem
Gebete im Krankenzimmer zu. Als aber der Morgen graute, stand das Mädchen gesund
aus dem Bette auf. Die hocherfreuten Eltern empfahlen sich ihren frommen Gebeten,
und wollten die hl. Walburgis mit Geschenken belohnen; sie aber nahm nichts an
und kehrte, Gott dankend, zu den Ihrigen zurück. Daß sie auch den Mönchen als
Abtissin vorgestanden sei, wie viele Neuere sagen, ist aus Wolfhards
Lebensbeschreibung nicht ersichtlich2. Im J. 761 wohnte sie der feierlichen
Beerdigung des hl. Wunibald in Heidenheim bei, worauf sie nach einigen Autoren
am 25. Febr. 779, nach Andern im J. 780 oder später, im Herrn entschlief. Ihr
heil. Leib wurde in dem Kloster Heidenheim beerdigt, um die Mitte des 9. Jahrh.
aber durch den Bischof Otgar (Otker, Otkar, Ottokar), reg. vom J. 858-881,
feierlich erhoben, und nach Eichstädt in die Kirche zum hl. Kreuze, die nachher
ihren Namen erhielt, übertragen. Eine zweite Untersuchung und Erhebung der
Reliquien veranstaltete im J. 893 Bischof Erchanbald, welcher einige Partikeln
nach Monheim abgab. Da dieselben in der großen Sturm- und Drangzeit der sg.
Reformation von den Lutheranern beseitiget wurden, so ließ der Bischof Johann
Martin von Eyb im J. 1700 diesen Schaden durch eine neue Partikel ersetzen.
Sonstige Theilchen derselben wurden in sehr vielen Kirchen (ad diversas per
totum Francorum regnum provincias, heißt es bei Wolfhard) versendet. Ein Arm der
Heiligen ist im Dome zu Eichstädt beigesetzt. In spätern Zeiten fanden noch
mehrere Erhebungen statt; als Tage derselben sind genannt: 1. Mai, 25. Febr., 12.
Oct., 21. Sept. Für das Bisthum Eichstädt wurde durch den Bischof Johannes
Antonius II. von Freyberg-Hopferau (vom J. 1736-1757) eine viermalige Feier
angeordnet: 25. Febr., 1. Mai, 4. Aug. und 4. Oct.; der 4. Aug. wird als Tag
ihrer Ankunft (adventus S. Walburgis) begangen. In England, Belgien, Holland, im
Elsaß und in Lothringen, sowie in ganz Deutschland (eine größere Reliquie
befindet sich in der St. Peterskirche zu München) wurde ihre Verehrung und
Anrufung, besonders in Augenleiden, sehr volksthümlich. In einem zu London im J.
1526 gedruckten Martyrol. von Salisbury fanden die Boll. ihren Namen zum 4. Febr.
verzeichnet. Im Maimonate des J. 1871 wurde zu Eichstädt ihre Jubiläumsfeier
großartig begangen. Der Tag ihrer Heiligsprechung ist (nach der Vita der
Eichstädter Klosterfrauen) der 1. Mai; dieselbe wurde durch den Bischof
Crehanbald (vom J. 884 bis 916) erwirkt. Andere schreiben dieselbe dem schon
genannten Bischofe Otgar zu. Eben dieser Bischof ist der erste Stifter des noch
bestehenden St. Walburgisklosters, das anfänglich von Canonissinnen bewohnt war,
aber von dem Bischofe Heribert (vom J. 1022-1042) den Benedictinerinnen
übergeben wurde. Die gegenwärtige Kirche ist von dem Bischofe Johann Christoph
von Westerstetten im J. 1631 erbaut worden. In Heidenheim, welches zuletzt dem
vormaligen Fürstenthum Bayreuth angehörte, ist die Verehrung der hl. Walburgis
seit der gewaltsamen Einführung der lutherischen Religionsübung im Jahre 1528
erloschen; die schöne Klosterkirche ist noch vorhanden. Von dem sogenannten Oele,
- die wasserähnliche Feuchtigkeit führt diesen Namen seit unvordenklichen Zeiten
- welches aus ihrem Brustbeine fließt, eine Wundererscheinung, die nicht erst im
J. 1040 eintrat, sondern schon im 9. Jahrh. durch den Bericht des ersten und
ältesten Biographen bezeugt wird, erzählt Bischof Philipp von Rathsamhausen (vom
J. 1306-1322), daß er seine heilsame Kraft selbst erfahren habe (quam gratiam
curationis ipsi experti sumus), indem er durch den Gebrauch desselben von einer
tödtlichen Krankheit (ad excidium vitae devenimus) befreit wurde *.
Joh. Gretser S. J. hat zu Ingolstadt im Jahr 1610 eine eigene Abhandlung darüber
herausgegeben. Die Feuchtigkeit fließt jetzt noch durch eine viereckige Oeffnung
aus dem darüber liegenden Steine, auf welchem die heil. Reliquien ruhen, durch
silberne, dachrinnenartige Röhrchen in einen größern silbernen Behälter, und
wird von hier aus in die Nähe und Ferne versendet. Sie wird als Abtissin, ein
Oelfläschchen in der Hand, abgebildet. (III. 54-572.)
* Dieselbe Wohlthat erfuhr später der Bischof Johannes Eucharius Schenk von Castell (vom J. 1685 bis 1667).

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