Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Wenceslaus. Dux, M. (28. Sept. al. 4. März, 27. Juni). Der hl. Herzog und
Martyrer Wenceslaus steht in ganz Böhmen, besonders auch in der Hauptstadt Prag,
in hoher Verehrung. Erst kürzlich ist ihm auf dem vormaligen Roßmarkte daselbst
ein schönes Monument errichtet und der ganze Platz nach ihm benannt worden. Aber
diese Verehrung gilt mehr dem weisen und gerechten Fürsten, als dem christlichen
Martyrer, dem Begründer des katholischen Glaubens und dem ersten
Nationalheiligen des Landes. Eben dieß sind aber die schönsten Perlen seiner
Krone; ohne sie hätte er nicht gerecht und weise regieren, und das Glück seines
Volkes auf Jahrhunderte hinaus begründen können. Seine Lebensbeschreibung vom
Bischof Gumpold von Mantua (Pertz, mon. scr. IV. 211-223, der Text beginnt fol.
213: incipit prologus oder nach dem zweiten Cod. Passio S. W.) ist sehr
dürftig, * und zwischen den Jahren 968 und 973 im Auftrage
des Kaisers Otto II. geschrieben. Ihr folgte eine andere, etwas unzuverlässige,
aber durchaus selbstständige, nach eigenen Forschungen geschriebene
Lebensgeschichte von einem Mönch in Cassino, Namens Laurentius. Wichtiger ist
die von den Boll. (Sept. VII. 770-837) abgedruckte Lebensbeschreibung eines
bömischen Klostergeistlichen, Namens Christian de Scala und eine andere durch
Kaiser Carl IV., König von Böhmen (ebendaselbst 837 bis 840) veranlaßte Skizze,
welche auf der Biographie des Gumpoldus fußt; dieser ist ein Anhang beigegeben
(840-844), in welchem mehrere auf die Fürbitte des Heiligen geschehene Wunder
erzählt werden. Hiezu haben wir eingesehen und verglichen: Contzen, die
Geschichtschreiber der sächsischen Kaiserzeit, S. 139; Frind, A. K.-G. Böhmens I.
16-19, dann S. 40 f.; Palacky, Gesch. von Böhmen I. 195 bis 210; endlich das mit
allerliebsten Kupfern ausgestattete Büchlein: Sertum D. Wenceslao Bohemorum Duci
ac Martyri ortus, vitae, necis-contextum. Prag 1643 mit dem Motto: orando,
laborando, patiendo venit ad coronam et palmam, zu deutsch: Durch Gebet, Arbeit
und Leiden kam er zur Krone und zur Märtyrerpalme, und dem Bildnisse des hl.
Fürsten. Ihm dankt Böhmen in erster Reihe, was es an Größe und Glanz in den
spätern Zeiten errungen hat. Freilich soll (Frind, S. 2) schon um das J. 720 der
heil. Bonifacius am Zusammenflusse der
Elster und Pleisse ein Kloster gegründet haben, um auch dieses Land dem
Evangelium zu gewinnen. Im J. 805 mußten bereits einzelne böhmische Gemeinden
(im spätern Elbogener Kreise) der fränkischen Hoheit huldigen (Friedrich, K.-G.
Deutschl. II. 3), und seit den Jahren 806 u. 807 war schon das ganze Land
tributpflichtig **. Seit dem J. 815 hatte (Palacky, S. 201)
das Christenthum feste Wurzel gefaßt, und um d. J. 846 hatten die Bischöfe von
Würzburg 14 unter Carl d. Gr. erbaute
slavische Kirchen erhalten ( Frind, l. c.). In dem nämlichen Jahre erhielten am
13. Jan. 14 böhmische Häuptlinge in Regensburg die hl. Taufe und Bischof
Botherich (Bathuricus, Katuricus), reg. vom J. 817 bis 847, hatte die Aufgabe,
die Czechen in der christlichen Religion zu unterweisen. Spitihnew I., gest. um
das J. 912, bei Pertz, l. c. Fol. 214 Zpuytignev genannt erbaute (Palacky, S.
202) die an den Teynhof anstoßende Marienkirche und die
St. Peterskirche auf der Burg Budecz, erhielt aber
(Frind, S. 14) erst nach seinem Regierungsantritte um das J. 895 die heil. Taufe.
Sein jüngerer Bruder und Nachfolger Wratislaw I. (gest. um das J. 926) gründete
und dotirte eine Art Collegiatkirche bei St. Georg
auf dem Pragerschlosse, wo später ein Nonnenkloster gestiftet wurde (Pertz, l. c.
victorioso Dei athletae b. m. Georgii basilicam Deo dicandam). Aber
demungeachtet hatte das Christenthum noch viele Feinde und Drahomira, Wratislaws
Gemahlin, stand an deren Spitze. Sie war eine Fürstentochter der noch
heidnischen Luticen (Bewohner der heutigen Lausitz). Der heil. Wenceslaus
(altböhmisch Waceslaw, jetzt Wenzel), ihr Sohn, war um das J. 908 geboren. Weil
Drahomira, seine Mutter, eine Heidin war, besorgte die Großmutter, die heil.
Ludmilla, seine christliche Erziehung.
Sein Lehrer war ihr Hofpriester Paulus; weitere Studien machte er bei einem
ungenannten Priester (nach Frind hieß er Mingo, nach Andern Dungo) zu Budecz.
Der Heilige war der Liebling seines Vaters; er hatte noch einen Bruder Namens
Boleslaw und vier Schwestern, deren Namen nicht bekannt sind. Der hl. Wenceslaus
war nicht bloß an Jahren, sondern auch wirklich (actu) der Aeltere. Als er um d.
J. 920 den Thron bestieg, zählte er aber erst 18 Jahre. Die Mutter Drahomira
(Palacky I. 203) bemächtigte sich der Vormundschaft und der Regierung. Zuerst
suchte sie mit ihren Räthen die ihr verhaßte Schwiegermutter aus dem Wege zu
räumen, indem sie sagte: Warum soll sie mir wie eine Herrin gegenüber stehen;
ich will sie beseitigen (perdam eam), werde Erbin ihres Vermögens sein, und
freie Hand in der Regierung haben.
Vergebens entsagte die Schwiegermutter allem
Antheil an der Regierung; vergebens bezog sie auf der Burg Tetin so zu sagen die
Einsamkeit, um entfernt von allem Weltgeräusche Gott allein zu dienen,
Drahomira's Furcht und Haß folgte ihr auch dahin. Eine Schaar Bewaffneter mit
zwei Befehlshabern Tummia und Gonna stürzten in das Gemach der Fürstin und
erwürgten die Betende mit ihrem eigenen Schleier am 15. Sept. des J. 927. Darauf
war kein Christ im Lande mehr sicher. Der hl. Wenceslaus selbst mußte (Frind l.
c. S. 16) den ihm treuen geistlichen Lehrer bei dunkler Nacht bei sich empfangen,
und konnte nur mit List den neu auflebenden heidnischen Opferdiensten sich
entziehen. Die Gesandten Thankmars, eines Sohnes Heinrichs I., wurden von den
Böhmen mißhandelt, weßhalb die Deutschen im J. 928 bis vor Prag vorrückten. Der
hl. Wenceslaus ergriff in aller Eile die Zügel der Regierung, schickte seine
Mutter in die Verbannung, und verflichtete sich zu einem jährlichen Tribut von
500 Mark Silber und 120 Ochsen, mit dem Versprechen, dem deutschen Könige fortan
treu und ergeben zu sein. Das Christenthum, für dessen Verbreitung er
hochbegeistert war, konnte hiedurch nur gewinnen. Auch in politischer Beziehung
hatte er Vortheile zu hoffen, besonders Hilfe gegen die Ungarn. In der
Lebensbeschreibung des Hyzo (bei Frind) heißt es, der Heilige sei gebildet
gewesen wie ein Priester, ein Vater der Armen und Bedrängten, groß in Demuth,
Sanftmuth und Liebe, ein erhabenes Vorbild seines Volkes. Im J. 923 versäumte er
einmal wegen Kirchenbesuches auf dem Reichstage zu Regensburg die Sitzungszeit,
ein Vorkommniß, welches bei Butler nach Worms verlegt ist. Er kaufte (l. c S. 17)
Sklavenkinder, die er taufen und erziehen ließ, und auf reichlichste mit allem
Bedarf versorgte. Alle seine Biographen preisen einmüthig seine unbefleckte
Keuschheit, seine Milde in der Regierung, die so groß war, daß er die
Todesstrafe für die Zeit seines Lebens ganz aufhob ***,
seinen gottesdienstlichen Eifer, der ihn noch immer dem Priester am Altare
dienen, und die Hostien und den Wein für die hl. Messe selbst bereiten ließ (zur
Erntezeit drosch er selbst das zum heil. Dienste bestimmte Getreide, zerrieb die
gewonnenen Körner und buck das Mehl; ebenso hatte er zu dem nämlichen Zwecke in
seinem Palaste eine geheime Kelter); seine Liebe gegen die Armen, denen er im
Dunkel der Nacht Speisen und Getränke, Almosen an Geld und Arzneien eigenhändig
ins Haus trug, und seine wunderbare Sanftmuth, die auch dem bittersten Feinde
nicht zu grollen vermochte. Man sagte ihm, daß Drahomira und sein Bruder sich zu
seinem Untergange verschworen hätten; dessen ungeachtet führte er seine Mutter
nach kurzer Zeit in allen Ehren wieder zurück. Zu Prag gründete er den St.
Veitsdom, für welchen er einen Arm des hl. Vitus
erhielt, übertrug eben dahin den Leib der heil. Ludmilla, ließ in allen andern
Städten des Landes Kirchen bauen, die er schmückte und reichlich dotirte, und
berief aus allen Ländern Priester, welche an seinen Unterthanen die Seelsorge
ausüben sollten. Die noch heidnischen Großen ermahnte er (Gumpold-Pertz l. c.
fol. 216) zur Annahme des Christenthums. In der Fasten stand er oft zur
Nachtzeit auf, und besuchte baarfuß die Kirchen, so daß er oft die Wege mit
Blutspuren bezeichnete. Unter dem fürstlichen Gewande trug er aus Liebe zu Jesus
ein Cilicium. Keusch an Leib und Seele, wünschte er nichts sehnlicher, als seine
Reinigkeit unbefleckt bis ans Ende zu bewahren. So konnte er wie für sein
Seelenheil, auch für den Staat sorgenfrei wirken. Er that auch dieses mit allem
Eifer. Darum beförderte er die Thätigkeit der Kirche; durch sie, oder vielmehr
durch die in ihr wirkende göttliche Gnade hoffte er Land und Leute für Zeit und
Ewigkeit glücklich zu machen. Deßhalb ließ er den öffentlichen Nutzen niemals
aus den Augen, aber das göttliche Gesetz war ihm hiebei immer unabänderliche
Richtschnur. Alles dieß erregte die größte Unzufriedenheit unter den heidnisch
gesinnten Böhmen; sie hetzten das Volk wegen angeblichen Ueberhandnehmens
deutschen Einflusses und der wie sie sagten mönchischen Gesinnung ihres Fürsten,
und sannen auf eine Gelegenheit, einem solchen Zustande der Dinge ein Ende zu
machen. Einen mächtigen Helfer fanden sie in der Mutter und in dem Bruder des
Heiligen selbst. Boleslaus brannte vor Begierde, das Heft des Staates in seine
Hände zu bekommen, und dachte mit allem Ernste an des hl. Wenceslaus Ermordung.
Obwohl dieser seine feindseligen Absichten gut kannte, hörte er nicht auf, ihm
mit aller brüderlichen Liebe zu begegnen. Oefter gab er, um dem hereinbrechenden
Sturme seine Kraft zu nehmen, ihm scheinbar nach, rief die Staatsräthe zu sich,
und besuchte seltener die Kirchen, betete aber dann desto eifriger für sich. In
dem kleinen Gebetbuche, das er insgeheim immer bei sich trug, pflegte er zwölf
Mal des Tages, manchmal auch öfter, zu lesen. Große Freude gewährte ihm die nahe
Vollendung der St. Veitskirche, deren Einweihung durch den Bischof Michael (seit
dem J. 941 oder 942) er nicht mehr erlebte ****. Wie wenig
sein Herz an den irdischen Dingen hing, gab er dadurch zu erkennen, daß er
abdanken und zu Rom in ein Kloster treten wollte. Der ruchlose Plan, den
christlichen Herrscher zu ermorden, gewann unterdessen immer größere Festigkeit.
Derselbe pflegte (Palacky, S. 208) bei Gelegenheit des Kirchweihfestes die
Städte des Landes alljährlich zu besuchen. So kam er am Cosmas-
und Damianstage nach Altbunzlau (Stara Bolszlaw), die
Residenz seines Bruders, um dort dem Gottesdienste beizuwohnen, oder (nach Frind,
S. 18) den Geburtstag seines Sohnes mitzufeiern. Boleslaus lud ihn zum Mahle ein,
und ließ Waffenspiele zu Pferde abhalten, um ihn zu ergötzen, verabredete aber
zugleich heimlich dessen Ermordung. Schon beim Gastmahle (Gumpold-Pertz. fol.
219) waren die Mörder bereit, getrauten sich aber nicht, die Hand gegen den
liebenswürdigen und, wie sie meinten, arglosen Herzog zu erheben, welcher nicht
im geringsten merken ließ, daß er ihre Absicht kenne, sondern zu Ehren des hl.
Erzengels Michael auf die wahre Liebe
den letzten
Becher trank. Als der Heilige am 28. Sept. Morgens in die Kirche wollte,
begegnete ihm Boleslaus, der seinen Gruß mit den Worten erwiederte: Heute will
ich dir ein besseres Mahl bereiten
, und wiederholt mit dem Schwerte nach ihm
schlug. Der stärkere Wenceslaus entwand ihm das Schwert, und warf ihn zu Boden,
ohne ihm aber ein Leid zu thun. Sogar sein Schwert gab er ihm wieder zurück,
sprechend: Nimm dein Schwert, und vollende den Mord, welchen du nicht länger
mehr aufschieben kannst.
Da rief Boleslaus, als wäre er der Angegriffene, um
Hilfe. Schleunig liefen nun seine Diener Cesta, Tyra und Gnewsa herbei, und
fielen wüthend über den Herzog her. Dieser, obwohl von Lanzenstichen verwundet,
erreichte noch die Kirchenthüre, sank aber dort, von Gnewsa durchbohrt, zu Boden
(im J. 935 oder 936). Auch die Getreuesten im Gefolge des Herzogs, namentlich
(Frind, S. 18) sein liebster Diener Podiwinn, wurden niedergemacht. Sogar am
Leichname des Heiligen ließen sie noch ihre Wuth aus; er wurde förmlich
zerrissen (Gumpold-Pertz, fol. 220: quasi a canibus laceratur). Der Leichnam des
Heiligen blieb vor der Thüre liegen, bis ein Priester, Namens Chrastey, es wagte,
ihn zu heben, und in ein Gewand zu hüllen. Dann kam, vielleicht um sich von dem
Verdachte der Miturheberschaft zu reinigen, weinend die Mutter herbei, warf sich
an das Herz des Entseelten, und ließ ihn in das Priesterhaus tragen. Ein Beweis,
daß sie den Mord gebilligt oder von ihm gewußt habe, ist freilich nicht zu
liefern, aber die Mörder konnten nach ihrem bisherigen Verhalten sicher hoffen,
daß sie nachträglich demselben ihre Zustimmung geben würde. Da verbreitete sich
das Gerücht, daß auch sie ermordet werden solle. Wahrscheinlich hatte sie selbst
dasselbe veranlaßt. Eilig verließ sie Stadt und Land, und entwich nach
Chrowallen. Eine Folge dieses plötzlichen Verschwindens war die Sage, es habe
sich die Erde aufgethan, und die unnatürliche Mutter sammt ihrem Gefährte
verschlungen. Die Wand, bei welcher die Unthat geschehen war, behielt die
Blutflecken, obwohl man sie dreimal sorgfältig abwusch. Sein erstes Begräbniß
geschah ohne alles Gepränge in der Nähe der Kirche. Herzog Boleslaus, in der
Geschichte der Grausame
genannt, ergriff sogleich die Zügel der Regierung, und
benützte sie (Gumpold-Pertz, fol. 221 ff.) zunächst dazu, die fremden Priester
auszuplündern und aus dem Lande zu jagen. Als aber auf die Fürbitte seines
ermordeten Bruders Wunder geschahen, und zahlreiche Bekehrungen erfolgten,
bereute auch er seine That. Er ließ die Leiche ehrenvoll begraben und nach drei
Jahren von Bunzlau in die St. Veitskirche zu Prag überführen, wo sie noch ruht.
Als der, Zug an den Bach Rokytnicza kam, und die Ueberfahrt wegen der ruinosen
Brücke unmöglich schien, befand sich der Wagen plötzlich am andern Ufer. Als man
den Sarg öffnete, fanden sich seine Wunden noch offen und blutend, und die
sämmtlichen Fleischestheile waren noch unversehrt. Auf seine Münzen ließ
Boleslaus (Fried, S. 20) fortan neben dem eigenen auch seines hl. Bruders Bild
aufprägen. Den Sohn, bei dessen Geburtsfeier die unselige That gesehen, verlobte
er dem Kloster St. Emmeram in Regensburg, und trat überhaupt in die Fußtapsen
des Ermordeten, welcher sofort als Martyrer verehrt wurde. Als Tag der Sammlung
seiner Gebeine findet sich in den Kirchenkalendern von Prag der 27. Juni
verzeichnet (Boll. Jan. V. 249); seine Uebertragung wird am 4. März gefeiert. Er
ist Landespatron von Böhmen: die Fürsten setzten sein Bild auf Fahnen, Münzen
und Siegel, und stifteten ihm zu Ehren einen Ritterorden. Seine Grabkapelle ist
reich vergoldet, die Wände sind mit großen böhmischen Edelsteinen geschmückt, im
Uebrigen hat sie durch das Alter gelitten. Auch sein Panzer von geflochtenem
Eisendrahte und das bei der Krönung der böhmischen Könige in Gebrauch
befindliche Schwert wird daselbst aufbewahrt. In der nämlichen Wenceslauscapelle
befinden sich auch die Gebeine Podiwins, des treuen Dieners des hl. Herzogs. An
der Wand sieht man Scenen aus seinem Leben abgebildet. An der Thüre befindet
sich, wie man glaubt, noch derselbe Ring, an den der Heilige, wie Abbildungen
zeigen, sich im Tode klammerte. Sein Fest wird nicht nur in ganz Böhmen, sondern
auch in Krakau u. a. O. mit Octave gefeiert. In den Lectionen des Breviers wird
das folgende in seiner Lebensgeschichte nicht aufgeführte Wunder erzählt. Der
Herzog Radislaus von Curim (Kaurzim) überzog Böhmen mit Krieg und forderte ihn
zuletzt, da er nichts ausrichtete, zum Zweikampfe auf. Der hochherzige Fürst
nahm die Forderung an, und wollte mit seinem Leben das Heil seiner Unterthanen
erkaufen. Da wurde Gott selbst der Vermittler des grausamen Kampfes. Als nämlich
der Heilige, um den Kampf zu beginnen, sein Pferd bestieg, sah sein Gegner, wie
ein Engel ihm die Lanze reichte, sich selbst aber hörte zurufen: Stoße nicht!
Hierüber erschrocken, sprang er vom Pferde, fiel dem Heiligen zu Füßen und bat
ihn um Verzeihung, welche er aufs bereitwilligste erhielt. Das Bildniß des
heiligen Herzogs und Martyrers (Sertum, l. c.) stellt ihn dar in ritterlicher
Rüstung und Haltung; in der Rechten trägt er den Speer, in der linken den mit
einköpfigem Adler geschmückten Schild. Der Blick des länglich geformten, mit
mäßigem Barte umschatteten Antlitzes ist ungemein freundlich und mild; auf dem
lang behaarten Haupte, welches von dem Heiligenscheine umstrahlt ist, trägt er
die Herzogskrone. So stellt ihn auch eine alte im Dome zu Prag befindliche
Statue von Peter Arler dar. Das Kirchengebet zu seiner Ehre lautet: O Gott, der
du die Hoheit des seligen Wenceslaus in eine noch höhere Würde umgewandelt, und
ihn durch die Palme des Martyriums in die himmlische Herrlichkeit eingeführt
hast, befreie uns, wir bitten dich, auf seine Fürbitte, von aller
Widerwärtigkeit und verleihe, daß wir dereinst die Glorie der ewigen Seligkeit
genießen mögen. Sein Name steht zum 28. Sept. auch im Mart. Rom. In der St.
Peterskirche auf dem Vatican ist ihm im nördlichen Arm des Querschiffes ein
Altar geweiht.
* Die erste gedruckte, jedoch nicht gute und vollständige Ausgabe Gumpolds besorgte Dobrowdky: Versuche die ältere böhm. Geschichte von spätern Erdichtungen zu reinigen, 3. Heft S. 25 bis 52 (auch unter dem Titel: Wenzel und Boleslaw). Die verkehrte Tendenz des Verf. gibt schon der Titel zu erkennen.
** Item volumus, verordnete Ludwig der Fromme, ut habeat Bajoriariam, et Carantanos et Behaimos et Avaros atque Sclavos, qui ab orientali plaga Bajoariae sunt. Pertz, III, 108 in der Carta Divi imperii.
*** Gumpold-Pertz, l. c. fol. 215: Omnia patibula hominum suspendiis in ejus regni locis quam pluribus erecta penitus dirui fecit, nec ulterius reparari toleravit.
**** Das oben citirte Sertum läßt diese Einweihung irrthümlich durch den hl. Wolfgang, Michaels Nachfolger, geschehen.
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