
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Guilielmus, Abb. Conf. (1. Jan.) in Dijon (Divio), mit dem Beinamen von
der Regel
, welcher bei den Bollandisten auch Wilhelmus, Willelmus und Willermus
heißt, wurde zu Novara in Piemont um das J. 960 geboren. Sein Großvater Vibo,
ein höherer Militärsmann, war aus Schwaben dahin gezogen. Sein Vater hieß Robert
(Rotbertus), seine Mutter Perinza, aus einer adelichen lombardischen Familie.
Nach der von den Bollandisten aufgenommenen Lebensbeschreibung hatte Kaiser Otto
I., der eben in Italien sich befand, mit seiner Gemahlin ihn aus der heil.
Taufe gehoben und ihm den Namen Wilhelm gegeben. Da er schon frühzeitig Beweise
großer Frömmigkeit gab, so wurde er von seinen Eltern Gott geweiht und in einem
Alter von sieben Jahren in das Kloster Lucedio (Luciacum) gebracht, wo er bald
in den Wissenschaften große Fortschritte machte und dann nicht blos selbst die
Gelübde ablegte, sondern auch, nach dem Tode seinet Mutter, seinen Vater bewog,
in das Kloster zu gehen. Später begab er sich als Jünger des hl. Abtes Maiolus
in das beruhmte Kloster Clugny, wo er sich in allen klösterlichen Tugenden so
übte, daß er dann in mehrere Klöster gesendet wurde, um dieselden wieder
herzustellen. Ueberhaupt nahm er an den reformatorischen Bestrebungen seiner
Zeit den thätigsten Antheil und besaß, nach dem Zeugnisse des Trithemius, den
wohlverdiente Ruf eines in den biblischen Wissenschaften gelehrten, durch
Ehrbarkeit der Sitten ausgezeichneten und für klösterliche Zucht und Ordnung
begeisterten Mannes. Unter den von ihm reformirten Klöstern nennen wir besonders
St. Michael in Tours, dann in Klöster von St.
Saurin (S. Saturnini), von
Vezelay (Verziacum), wo später der hl. Bernhard
den zweiten Kreuzzug zu predigen anfing, St. Germain
des Pres in Paris, das von Beze (Besua) und das von St. Benignus
zu Dijon. An dem letzten Orte lebte er lange Zeit als Abt. Sein Einfluß reichte
sehr weit. Von ihm ließ sich sogar Papst Johann XX. in einem ernsten
Mahnschreiben den Verwurf der Simonie gefallen: Wenn der Bach schon an der
Quelle warm ist,
schreibt er ihm, so ist kein Zweifel, daß er später stinkend
werde. Er war aber auch unermüdet thätig für die Ehre Gottes: jetzt auf der
Kanzel, wo er das Volk zu Thränen rührte, jetzt auf dem Chor, wo er den heil.
Gesang leitete und verbesserte, jetzt im Kloster, jetzt in Erbauung von
Gotteshäusern, jetzt im Unterrichte der Brüder. Darum nannten die Könige ihn
Vater, die Bischöfe ehrten ihn als ihren Lehrer, die Aebte dußen ihn die
lebendige Regel, die Mönche verglichen ihn einem Engel, das Volk aber sah in ihm
einen Freund Gottes. Nach einem an großartigem Wirken reichen Leben starb er im
Kloster zu Fecamp in der Normandie im J. 1031 in seinem 70. Lebensjahre. Bei
Migne führt er den Titel selig
. (I. 57.)