
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Wunibaldus, Abb. Conf. (18. Dec., al. 1. Mai). Dieser hl. Abt, der ältere
Bruder des hl. Bischofes Willibaldus von
Eichstädt, wurde nach der Berechnung der Boll. (Febr. II. 70) wahrscheinlich
im J. 701 geboren. Sein Name wird auch Wunnebald, Wunnibald und Winibaldus
geschrieben. Sein Leben ist schon frühe von einer ihm blutsverwandten Nonne in
Heidenheim, deren Name auf uns nicht gekommen ist, beschrieben worden. Auch der
Abt Adelbert von Heidenheim hat uns eine Lebensbeschreibung von ihm hinterlassen.
Was die ersten Schicksale des wohlgestalteten, glaubenskräftigen Jünglings (er
war nach der ersten Lebensbeschreibung nr. 2 facie decorus, fide robustus)
betrifft, so sind dieselben in der Lebensgeschichte seines heil. Bruders
bereits erzählt. Während dieser seine langjährige Wallfahrt ins gelobte Land
machte, blieb er wegen körperlicher Schwäche zu Rom, wahrscheinlich im St.
Pauluskloster, und widmete sich den Studien und den
Uebungen der Gottseligkeit. Hier, und nicht erst durch den heil. Bonifacius,
wird er auch das Ordenskleid angenommen haben. Nachher begab er sich in sein
Heimatland, um noch mehrere Glieder seiner Familie zur Herüberkunft nach
Deutschland zu bestimmen, und besuchte dann eine Zeit lang die Schule des heil.
Gregorius von Utrecht, welchem er bald
sehr theuer (valde carus) wurde. Dann machte er eine wiederholte Reise nach Rom
und erhielt hier im J. 723 die Bestimmung, dem heil. Bonifacius7 als Gehilfe bei
seinem Missionswerke in Deutschland zu dienen, denn er war gut unterrichtet und
in allerlei Künsten wohl erfahren. Gewiß ist, daß der hl. Bonifacius um diese
Zeit ihn zum Priester geweiht hat. Mit der Reise nach Deutschland, welcher
wahrscheinlich auch der heil. Sebaldus
(s. d.) sich angeschlossen hat, war
sein Beruf entschieden; er hat ihn durch sein heil. Leben und glückliche Erfolge
erleuchtet (Browerus, sid. pag. 8: regionem suam, d. i. seinen jedesmaligen
Wirkungskreis, sancte et feliciter illustravit). Als Diener Christi
sagte er Hohen und Niedern unerschrocken die Wahrheit, ein Mensch galt ihm wie
der andere. (Vita nr. 9: Potentibus nunquam adulando cedebat... non parcendo,
sed severius zelando, quia omnes homines natura aequales genuit). Seinen
Aufenthalt zu Rom vergaß er nie mehr, und bewog auch viele Vornehme in
Deutschland dahin zu wallfahrten. Er war ein Mann der strengsten Ascese, der es
nicht ertragen konnte, wenn Mönche und Priester ohne Noth geistige Getränke zu
sich nahmen (ne vini opulentia monachalis vitae frangeret disciplinam), weßhalb
er sich auch niemals lange in den Rheingegenden aufhielt, und lieber an einem
noch unbebauten, abgelegenen Orte wohnen wollte. Anfänglich wies ihm Herzog
Odilo von Bayern die Gegend Nordseluse (Nortisilise), später an Kremsmünster
geschenkt, zum Aufenthalte an. Dann kam er nach Mainz und Thüringen. In diesem
Lande standen sieben Kirchen (Pfarreien) unter seiner Aufsicht. In diesem Amte
war der heilige Mann unermüdet thätig in der Betrachtung der ewigen Wahrheiten,
in der Lesung der hl. Schriften und der besten Schrifterklärer, besonders aber
in der Geschichte unsers Erlösers und der Heiligen, weßhalb er das Predigtamt
mit großem Nutzen verwaltete, und zahlreiche Seelen dem himmlischen Vaterlande
zuführte. Das Kloster zu Heidenheim, das anfänglich aus wenigen Zellen bestand,
wurde im J. 740 oder bald nachher eingerichtet und bezogen. Die Gegend hier
wurde damals Sualefeld, Schwalefeld genannt, und war noch ganz wüste, von Dornen
und Disteln überwachsen, und von giftigen Schlangen bewohnt, die er vertrieb,
worauf er das Land bebaute und fruchtbar machte. Noch ärger sah es bei seiner
Ankunft in geistiger Beziehung aus: er traf sehr viele Spuren heidnischer
Verdorbenheit, viele vom Truge des Teufels Verblendete, die nach Götzenbilder
anbeteten (Vita, nr. 13: Plurima paganicae pravitatis vestigia, multos diabolica
fraude deceptos, idolatriam colentes ibidem invenit). Wohl fand er auch
christliche Priester, unter ihnen aber viele, die mehr der Unreinigkeit und der
Hurerei, als dem göttlichen Dienste ergeben waren (immunditiae et fornicationi
magis quam divinae servitutis solertiae se subdiderant), und mußte mit
Todesgefahr ihrem Treiben entgegentreten. Daß der Heilige auch im Kloster ein
wahres Missionsleben geführt hat, ist aus der Ueberlieferung, daß er auf seinen
Wanderungen bis in die Gegend des heutigen Amberg gekommen sei und dort
geprediget habe, deutlich zu entnehmen. Außerdem bildete er die Mönche seines
Klosters zu Missionären aus. Auch die heil. Walburga,
seine Schwester, theilte mit ihm die Mühen und Verdienste des Kloster- und
Missionslebens. Mit der Predigt des Evangeliums, wobei er keine Gefahren scheute,
und der wo möglich täglichen Feier der hl. Messe ging die Unterstützung der
Armen und die Erbauung von Kirchen Hand in Hand. Leider sind deren Namen nicht
auf uns gekommen. Zugleich nährte und stärkte er in sich und seinen
Ordensgenossen den Geist der Frömigkeit. Um das J. 758 besuchte er ein letztes
Mal seine Freunde in Würzburg und Fulda. Wie lange er dort blieb, wissen wir
nicht. Er hätte gewünscht, seine letzten Tage in dem Kloster Monte Cassino zu
verbringen, aber er konnte diesem Wunsche nicht mehr willfahren, da die
fortgesetzten Anstrengungen und Bußübungen seine Kräfte fast ganz aufgerieben
hatten, und stand daher auf dem Rathe seiner Mitbrüder und des hl. Willibaldus
von diesem Vorhaben ab. Sein seliges Hinscheiden erfolgte nach herzlichen
Ermahnungen an seine Mönche am 18. Dec. des J. 761 oder 763 in einem Alter von
60 Jahren unter den Worten: In deine Hände, Herr, empfehle ich meinen Geist.
Die Legende erzählt, daß nach seinem Tode die Glocken von selbst zu läuten
anfingen, und ebenso die Kerzen sich selbst anzündeten, während ein himmlischer
Wohlgeruch das ganze Haus erfüllte. Er fand in der Klosterkirche seine
Ruhestätte in einem Sarkophage, den er sich lange vor seinem Tode hatte aushauen
lassen. Obwohl in den ältern Martyrologien sich sein Name nicht vorfindet,
wurden seine Reliquien schon 16 Jahre nach seinem Tode erhoben und waren durch
Wunder berühmt. Man fand den hl. Leib noch ganz unversehrt, kein Glied fehlte.
Schon der heil. Liudgerus schreibt (Brow. l.
c.): Was er im Leben gethan, hat er nach seinem Hinscheiden noch mehr durch
Wunder bewiesen.
Näheres findet man bei Crammer: heiliges und gottsel.
Eichstädt,
S. 61 ff. Im J. 1358 geschah wieder eine feierliche Erhebung, bei
welcher Gelegenheit einige Partikel seines Leibes nach St. Walburg in Eichstädt
verbracht wurden. Auch nach Scher in Franken wurden im 16. Jahrh. einige Reste
des Heiligen gebracht, um sie vor Entweihung durch die Protestanten zu schützen.
Beträchtlich müssen die Reliquien sein, welche von ihm und seinen Geschwisterten
Willibaldus und Walburga nach Furnes in Belgien (Westflandern) gebracht worden
sind, da hievon in der 8. Lection des Benedictinerbreviers am 7. Juli (Fest des
hl. Willibald) ausdrücklich Erwähnung geschieht. (Hujus [Willibaldi] reliquiae
una cum corporibus S. Wunebaldi et S. Walburgis ex Germania ablatae sunt a.
870 * per Balwinum Perreum comitem Furnisque repositae.) Sein
Verehrungstag ist der 18. Dec. Früher wurde, wie die Boll. bemerken (Maji I. 5),
sein Andenken auch am 1. Mai gefeiert. Unter den Wundern, welche nach seinem
Tode geschahen, findet sich die Befreiung eines zum Galgen verurtheilten Diebes,
welches öfter bildlich dargestellt ist. Bei Ranbeck (IV. 654) ist er abgebildet,
wie er durch sein Gebet einen Seesturm stillt. Als Kloster erbauer trägt er
manchmal eine Mauerkelle, als Wallfahrer einen Pilgerstab.
* Nach Andern hätte diese Uebertragung erst im J. 1109 stattgefunden; ihre Erinnerungsfeier fällt auf den 1. Mai.