
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Zeno, Ep. Conf. (12. al. 11. April, 21. Mai, 8. Dec.) *.
Dieser hl. Bischof, welcher unter den Kaisern Julian und Valens den
bischöflichen Stuhl von Verona inne hatte, war nicht syrischer oder griechischer
Abstammung, wie Einige aus seinem Namen geschlossen haben, sondern ein
Abendländer, - er ist mit den lateinischen Dichtern in hohem Grade vertraut -
oder nach Andern aus Africa, was seine Schreibweise, insbesondere aber seine
Schrift über den hl. Martyrer Arcadius zu Cäsarea in
Mauritanien, wahrscheinlich machen soll. Wir möchten lieber denjenigen
beipflichten, welche seine Geburtsstätte in oder um Verona suchen **.
Er hatte sich von Kindheit an dem Dienste Gottes gewidmet, und war kurz vor
seiner Erhebung von einer Pilgerreise nach Palästina zurückgekommen. Zum
Bischofe von Verona, als Nachfolger des Cricinus, wurde er im J. 362 erwählt,
als eben der Arianismus in Italien sich immer weiter ausbreitete und selbst
einige berühmte Bischofsstühle, wie z. B. denjenigen von Mailand unter dem
Bischofe Auxentius und den von Aquileja unter Fortunatius gewann. Den Grund
seiner Erhebung gibt ohne Zweifel eine Antiphon seines ältesten Officiums
richtig an: Da er an Frömmigkeit und Wissenschaft beständig zunahm, verdiente
er durch sein heiliges Leben zum Hirten der Völker erwählt zu werden.
Der hl.
Zeno predigte und schrieb nicht bloß eifrig gegen die Arianer und gegen die noch
aus früherer Zeit zahlreich vorhandenen Reste des heidnischen Aberglaubens,
sondern war auch Tag und Nacht thätig, die Rechtgläubigen zu befestigen und in
der Liebe Christi zu bestärken. Die alten
liturgischen Bücher der Stadt Verona erzählen, daß er mit heißem Gebete sich auf
seine Vorträge vorbereitet, täglich das Volk mit der Nah rung des göttlichen
Wortes gespeist und was er lehrte durch das eigene Leben bestätiget habe. Er war
Allen zugänglich, voll von liebenswürdiger Sanftmuth und Milde. Auch Juden und
Ungläubige wohnten seinen gehaltvollen Vorträgen bei. Viele von ihnen wurden
Christen, so daß es in einem Lobgedichte auf ihn heißt, er habe ganz Verona
durch seine Predigten zum Glauben geführt (qui Veronam praedicando perduxit ad
baptismum.) Alljährlich konnte er nämlich zu Ostern zahlreiche Taufen
Neubekehrter eines jeden Alters, Geschlechtes, Herkommens und Standes vollziehen.
Die noch immer zahlreich vorhandenen Heidentempel standen leer und zerfielen,
nur in entlegenen Hainen auf dem Lande wurde hie und da noch eine
götzendienerische Opferfeier gehalten. Sein Streben war so sehr auf das
geistliche und leibliche Wohl seiner Pflegeempfohlenen gerichtet, daß er überall
gern gesehen und gehört und mit dem Ehrentitel Vater des Vaterlandes
geschmückt wurde. Er selbst lebte mit seinen KlerikerEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat.
Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien.
n in Armuth um Christi
willen. Was er geschenkt erhielt, gab er wieder her, theils für die Armen,
theils für seine Mitarbeiter im Unterrichte der Katechumenen und in Abhaltung
von Bußpredigten. Alles, was nicht durchaus nothwendig war, versagte er sich
gänzlich. Auch in die Ferne wirkte er durch reiche Geldsammlungen, mit welchen
er die auswärtigen Missionen und die Loskaufung der Gefangenen unterstützte. In
Verona wußte man fast nichts mehr von Armen und Bettlern, und so sehr
begeisterte der heilige Mann die Bewohner der Stadt für Arbeitsamkeit und
Sparsamkeit, daß jeder derselben, wenn er starb, etwas zu testiren hatte. Unter
Beihilfe der Gläubigen erbaute er in Verona eine große Kirche, welche so stark
besucht wurde, daß die Andächtigen nur mit Mühe Platz fanden. Bei Gelegenheit
der feierlichen Einweihung dieser Kirche hielt er eine herrliche Rede über den
Triumph des Christenthums. Besonders gereicht es ihm auch zum Ruhme, daß viele
Jungfrauen sich von ihm bewegen ließen, sei es in einem Kloster, sei es in
ihren Häusern, immerwährende Keuschheit zu geloben. Er scheint auch einer jener
Bischöfe gewesen zu sein, welche der hl. Augustin
(Ep. 22, 4) lobt, daß sie die Agapen, welche um diese Zeit in Unmäßigkeit und
Verschwendung ausgeartet waren, abgeschafft haben. Ebenso trat er dem zu
heftigen, die heiligen Geheimnisse störenden Klagegeschrei für die Verstorbenen
entgegen. Unter den Wundern, welche ihm zugeschrieben werden, ragen besonders
mehrere Teufelaustreibungen hervor. In seinem Officium wird erzählt, er habe
eines Tages, als er an der Etsch, den Aposteln nachfolgend (artis apostolicae
documenta sequens), dem Fischfange oblag, einen Mann mit seinem Ochsengespann
vom Ertrinkungstode gerettet, indem er mit erhobener Rechten öfter das
Kreuzzeichen machte und sprach: Weiche Satan, weiche, tödte den Menschen nicht,
welchen Gott erschaffen hat!
Der hl., Zeno starb am 11. April d. J. 380 und
wurde am folgenden Tage begraben. An beiden Tagen findet er sich deßhalb in den
ältern Martyrologien, doch wird seine Festfeier am 12. April begangen. Außerdem
wurde die oben erwähnte Einweihungsfeier oder, wie Andere (Mg. Patrol. XI. 118)
mit guten Gründen behaupten, sein Ordinationstag alljährlich am 8. Dec. (VI. Id.
Dec.) und seine Uebertragung, geschehen durch den Bischof Rotaldus im J. 865
nach Erneuerung (nicht Neuerbauung) seiner Grabeskirche, am 21. Mai gefeiert. In
vielen Martyrologien, welche bei Jazdzeswsky (S. 64-67) angeführt werden, ist er
als Martyrer aufgeführt. Ebenda (auch bei Migne l. c. pag. 157 bis 168) findet
sich über diese Frage eine gelehrte Untersuchung, auf welche wir hiemit
verweisen ***. Als besonderes Zeichen seiner reich
gesegneten Wirksamkeit erwähnen wir noch, daß seine ersten Nachfolger sich gerne
Vicare des hl. Zeno
nannten. Der größte Theil **** seiner
Reliquien ruht in der Krypta der vom Bischofe Rotaldus
erbauten zweiten Zenokirche. Ebendaselbst sieht man noch seinen Bischofsstuhl
und die nach ihm benannte, also wohl auch von ihm gebrauchte Coppa di S. Zenone.
Die Sculpturen des Glockenthurmes zeigen unter anderm den Empfang einer
Gesandtschaft des Kaisers Gallienus durch den hl Bischof. In der nämlichen
Kirche befindet sich ein sehr altes, ihn darstellendes Marmorbild; er hält den
Bischofsstab und eine Angelruthe mit silbernem Fisch. Ebenso sieht man ihn auf
alten Münzen der Stadt Verona dargestellt; manchmal hängt der Fisch, als
Sinnbild der von ihm bewirkten Bekehrungen, am Bischofsstabe selbst. Die Ursache,
warum er so dargestellt wird, erzählt die oben erwähnte Legende. Wir setzen
hinzu, daß auch die Erlöserskirche von Monte Amiato, die Nicolauskirche
zu Treviso, die Thomaskirche zu Pavia, die Pfarrkirche
von Cesena, der Dom von Prag, das Kloster St. Zeno bei Reichenhall (es befand
sich dort eine silberne Statue des Heiligen; die darin eingeschlossenen
Reliquien erklärte eine Inschrift als mandibula cum uno dente S. Zenonis Ep.)
und die Kreuzkirche zu Ulm Reliquien des Heiligen besaßen oder zu besitzen
behaupten. Seine Schriften sind in der neuesten Ausgabe in zwei Bücher
eingetheilt, wovon das erste seine Abhandlungen und Reden (16 tractatus) über
verschiedene christliche Tugenden, und das zweite seine biblischen Abhandlungen
(77), d. h. dogmatische und moralische Reden, die sich an bestimmte biblische
Abschnitte in homiletischer Form anschließen, enthält. Auch folgendes Wunder,
über welches der Tribun Johannes als Augenzeuge dem hl. Gregor
dem Gr. berichtet hatte, dürfen wir nicht übergehen: Der ausgetretene
Etschfluß bespülte bereits die Mauern der Kirche des seligen Martyrers und
Bischofes Zeno, doch drang das Wasser bei offenen Thüren nicht in die Kirche
selbst. Selbst als dasselbe so hoch stieg, daß es die nahe am Dache befindlichen
Fenster erreichte, blieb es wie eine feste Mauer vor der Kirchenthüre stehen. Im
Innern befanden sich viele Leute, hatten aber wegen des rings um die Kirche
befindlichen Hochwassers keinen Ausgang. Schon fürchteten sie erhungern oder
erdürsten zu müssen, und stillten also den Durst mit dem vor der Kirchenthüre
befindlichen Wasser, das immer noch bis zur Fensterhöhe reichte, aber in die
Kirche selbst durchaus nicht eindrang. Das Wasser ließ sich also wohl schöpfen,
hatte aber die Eigenschaft des Zerfließens verloren. Es blieb vor der Thüre
stehen, um allen das Verdienst des Martyrers zu zeigen, zugleich aber diente es
zur Hilfe, indem es in die Kirche nicht eindrang, als ob es kein Wasser wäre.
(S. Greg Dial. III. 19.) Die Verehrung dieses heil. Bischofes ist uralt und weit
verbreitet. In drei Sacramentarien des 10. Jahrh. findet sich von ihm eine
eigene Messe mit einer auf ihn bezüglichen Präfation. Ebenso findet sich sein
Name in den ältesten noch vorhandenen Diptychen und Litaneien der Stadt Verona.
In andern alten Urkunden führt er den Titel eines Patrons, Vertheidigers,
Lenkers und Beschützers der Stadt. Er ist Schutzheiliger von Pistoja, und ebenso
sind zu Ravenna, Cesena, Pisa, Pavia, Mailand, in den Bisthümern Brescia, Como,
Trient, Bergamo, Vicenza, Padua Mantua, Treviso etc., viele, Kirchen, Altäre und
Klöster zu seiner Ehre errichtet worden. Insbesondere verdient erwähnt zu werden,
daß der hl. Corbinian von Freising zu
seinen besondern Verehrern gehörte und die zu Mais von ihm erbaute Kirche unter
seinem und des hl. Valentinus Namen
eingeweiht hat. Daher kommt es auch, daß der hl. Bischof Zeno als Bischof und
Martyrer in's Proprium der Freysinger Kirche aufgenommen ist, und als zweiter
Patron des Doms zu Freysing verehrt wird. Außer dem vormaligen Kloster seines
Namens bei Reichenhall ist ihm das im J. 1803 aufgehobene Kanonikatsstift Isen
geweiht.
S. Zeno, Ep. M. (12. April). Dieser hl. Bischof soll unter dem Kaiser Gallienus, dessen Tochter er vom bösen Feinde befreit hatte, um d. J. 300 als Martyrer gestorben seyn. Die Boll. und andere Forscher bestreiten die Richtigkeit dieser Angabe. Aber er hat in Verona dermalen sein eigenes Officium, es bestehen daselbst zwei Zeno-Kirchen, und die Annahme, daß daselbst um die Mitte des dritten Jahrhunderts ein bischöflicher Stuhl aufgerichtet gewesen sey, oder wenigstens der gleichnamige Bischof von Tarragona sich als Missionär daselbst aufgehalten habe, ist nicht zu verwerfen. Zudem ist in den Dialogen des hl. Papstes Gregor ein Bischof und Martyrer d. N. erwähnt, dem zu Ehren in Verona eine Kirche erbaut war. Gleichwohl findet sich in den Bischofsverzeichnissen für ihn keine Stelle, wie auch nicht die geringste Spur zu der Annahme, daß es zwei Heilige dieses Namens in Verona gegeben habe, vorhanden ist. Die Legende erzählt, daß er eine vom Kaiser geschenkte goldene Kette sofort zerbrochen und den Armen gegeben habe. Vgl. den folgenden.
* Größtentheils nach der gründlichen und gelehrten Abhandlung von Jaydzeswski: Zeno Veronensis Episcopus, Commentatio Patrologica. Ratisb. 1862; vgl. mit Acta S. S. Apr. II. 69-78, und aus Migne, Patrol. XI. (Zeno und Optatus) besonders Dissert. tertia, pag. 145 ff.
** So las man (Migne Patrol. XI. 146) im Proprium der Mailänder Kathedrale zum 8. Dec.
*** Nach seiner Ansicht findet sich für einen Martyrer und Bischof d. N. zu Verona keine Stelle.
**** Wohin mögen wohl die unter dem Bischofe Walter im J. 1052 nach Ulm in die dortige Kreuzkirche übertragenen Reste des hl. Bischofes gekommen sein?