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Ökumenisches Heiligenlexikon

99 heilige Väter von Kreta

griechischer Name: 99 Αγίων Πατέρων
für Johannes: auch Johannes der Einsiedler

Gedenktag orthodox: 7. Oktober

Mönche, Einsiedler
* in Ägypten, auf Zypern und bei Antalya in der Türkei
6. Oktober 1632 am ehemaligen Kloster Katholiko auf der Halbinsel Akrotiri bei Chania auf Kreta in Griechenland bzw. in Azogirés bei Paleochora auf Kreta in Griechenland


Die Überlieferung erzählt, dass 37 Einsiedler, darunter Johannes, Anfang des Jahres 1600 Ägypten verließen und nach Zypern gingen, um dort an einem einsamen Ort sich Gott zu widmen. Aber ihr Ruhm verbreitete sich auf der Insel und viele Menschen kamen zu ihnen, um ihren Lebensstil zu bewundern; 38 Zyprioten schlossen sich dabei der Gruppe an. Auf der Suche nach einem stilleren abgelegenen Ort fuhren die nun 75 Väter nach Kleinasien, wo sie sich bei Antalya niederließen und viele Menschen zum Glauben führten; 24 davon schlossen sich ihnen an. Die nun 99 Väter beschlossen, anderswohin zu gehen, aber keine Eremiten mehr hinzuzufügen, denn als 100. hatten sie ja Christus in ihrer Mitte.

Kapelle Agios Ioannis am Strand auf der Insel Gávdos
Kapelle Agios Ioannis am Strand auf der Insel Gávdos

So machten sie sich auf in den Osten von Kreta, wo sie nach einem Sturm zunächst auf der vorgelagerten Insel Gávdos an der Stelle des heute nach Johannes benannten Strandes landeten, oberhalb dessen die ihm geweihte Kapelle erichtet wurde; weil sie sehr unter dem Wassermangel litten, beteten sie viele Stunden lang; einer machte dann das Kreuzzeichen auf einem Felsen, aus dem sofort kristallklares Trinkwasser floss. Nach 24 Tagen beruhigte sich das Meer und sie fuhren hinüber nach Sfakia - dem heutigen Chora Sfakion - auf Kreta. Als sie ankamen, bemerkten sie, dass Johannes fehlte; der war nämlich tief im Gebet versunken und hatte sich zurückgezogen, so dass er die Abfahrt von Gávdos versäumt hatte; er benutzte deshalb - wie zuvor z.B. schon Franz von Paola - seinen Mantel als Boot, seinen Stock als Mast und seine Kutte als Segel und erreichte Sfakia deshalb etwas später. 1

die angeblich 1000 Jahre alte, immergrüne und mit kreuzförmigen Ästen ausgestattete Platane beim Kloster der heiligen Väter
die angeblich 1000 Jahre alte, immergrüne und mit kreuzförmigen Ästen ausgestattete Platane beim Kloster der heiligen Väter

Auf der Suche nach einem einsamen Ort fanden die 99 Väter dann ihre neue Unterkunft nahe Azogirés bei Paleochora: die einen in der Höhle Charakas, über der dann das Kloster der heiligen Väter errichtet wurde, das den Höhleneingang überbaute; die anderen bezogen die tief in einer Bergspalte verborgenen Höhle Soure - die heutige Höhle der 99 Heiligen Väter.

Johannes aber suchte nach absoluter Einsamkeit und beschloss, ganz allein weiterzuwandern. Beim letzten gemeinsamen Gebet flehten die Väter Gott an, ihnen den Wunsch zu erfüllen, dass sie alle am selben Tag zusammen sterben dürfen. Johannes trennte sich von den übrigen die 98 Vätern, zog sich zunächst in eine Höhle bei Marathokefala nahe Kissamos zurück, wo er drei Jahre lang lebte, und kam schließlich auf die Halbinsel Akrotiri bei Chania, wo er viele Jahre lang in der Höhle am später dort errichteten, im 18. Jahrhundert aufgegebenen und heute in Ruinen liegenden Kloster Katholiko lebte.

Eingang zu Johannes' Höhle am späteren Kloster Katholiko
Eingang zu Johannes' Höhle am späteren Kloster Katholiko Christopher Cheiladakis

Eines Tages sammelte Johannes, der sich mit einem Fell als Kleidung vor der Kälte schützte, sich seine Nahrung in den Büschen; ein Hirte hielt ihn für eine Ziege und beschoss ihn mit einem Pfeil. 2

Johannes kehrte verletzt in seine Höhle zurück, der Hirte folgte seiner Blutspur; an dem Licht, mit dem sich die Höhle erhellte, erkannte er, dass er einen heiligen Mann getroffen hatte und bat ihn um Vergebung, die Johannes ihm gewährte mit der Bitte, dass der Hirte nach Azogirés gehen solle und den dort verbliebenen 98 Vätern sagen, dass nun auch sie - gemäß ihres gemeinsamen Wunsches - sterben sollten. Als der Bauer in Azogires eintraf, waren jedoch bereits alle Brüder tot; sie hatte ein so plötzlicher Tod ereilt, dass viele von ihnen noch auf Stöcken gestützt dastanden oder in Gebetshaltung verharrten.

Die Höhle Charakas in Azogirés ist heute vom 1864 errichteten Kloster der heiligen Väter überdeckt; sie besteht aus drei in Stein gehauenen Ebenen und war in der Antike die Grabstätte angesehener Toten; das aufgegebene Kloster beherbergt heute das Heimatmuseum. Unweit davon steht eine 1000 Jahre alte Platane; von ihr wünschten sich die 99 Heiligen Väter, dass sie zu jeder Jahreszeit grünen solle und dass sich ihre Äste zu Kreuzen formen, was geschah und bis heute zu sehen sei. Johannes' Grab ist ganz am Ende seiner etwa 150 m langen Höhle auf Akrotiri.

Eingang in die Felsspalte mit der Höhle der 99 Heiligen Väter
Eingang in die Felsspalte mit der Höhle der 99 Heiligen Väter

Die sehr große Höhle der 99 Heiligen Väter ist aus 600 m über dem Meer tief in einer Felsspalte zu finden, hat eine Quelle, viele Tropfsteine und den Altar der Väter; drei Eisentreppen ermöglichen es, nach unten in die Höhle zu steigen. Die eigentliche Höhle der Väter soll unter der heute begehbaren liegen und wurde aus Furcht vor Entweihung durch die einfallenden Türken im 17. Jahrhundert zugeschüttet, der Eingang dazu ist heute unbekannt.

Die Einheimischen besuchen die Höhle der 99 Heiligen Väter am 7. Oktober und feiern dann zugleich das Rosenkranzfest zur Erinnerung an den Sieg der spanischen Flotte und der aufständischen Griechen gegen die Muslime bei Lepanto 1571. Ebenso besuchen an diesem Tag Tausende Johannes' Höhle am ehemaligen Kloster Katholiko und feiern dort nach dem anstrengenden Fußmarsch den Gottesdienst.

In Polyrrhenia - den heutigen Ruinen nahe Polyrinia - bei Kissamos steht im Ruinenfeld der antiken Stadt als einziges Gebäude die aus Steinen des und an der Stelle des heidnischen Tempels errichtete Kirche der 99 Heiligen Väter.

Kanonisation: Johannes wurde 1632 durch Patriarch Cyrill Loukaris von Konstantinopel heiliggesprochen; der Gedenktag wurde um einen Tag verschoben, damit er nicht mit jenem von Thomas zusammenfällt.

1 Nach anderer Überlieferung landeten die 99 Väter in Chania und ließen sich zunächst unter der alten Platane nieder, die auf dem Platz vor der Kirche Agios Nikolaos steht und deren Äste angeblich 99 Kreuze bilden - also eine ähnliche Überlieferung wie die von der Platane in Azogires. Die nahe Kirche Agias Aikatherinis, erbaut um 1575, ist deshalb neben Katharina auch Johannes dem Einsiedler geweiht.

2 Ähnliches wird erzählt von Nikolaus von Kourtalíoti.

Der Weg zur Höhle der 99 Heiligen Väter oberhalb von Azogirés, die mit einem weithin sichtbaren weißen Kreuz markiert ist, ist ausgeschildert und mit einem normalen Fahrzeug befahrbar, erst am Ende wird er zum Schotterweg; die letzten 200 m Fußmarsch erfordern festes Schuhwerk. Der Einstieg erfolgt zwischen zwei hohen, sich oben berührenden Felswänden; von dort gehen drei anspruchsvoll zu besteigende Leitern in die Höhle hinab. (2019)
Das ehemalige Kloster Katholiko auf Akrotiri ist mit einem gut halbstündigen Fußmarsch, beginnend durch das Gelände des Klosters Gouverneto, auf einem ehedem gepflasterten, jetzt durch Unwetter holprigen Pfad, der festes Schuhwerk unabdingbar macht, zu erreichen. Der Durchgang durch das Gelände des Klosters Gouverneto ist täglich von 9 Uhr bis 21 Uhr geöffnet. (2019)





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 02.04.2019

Quellen:
• https://www.cretanbeaches.com/de/religion-auf-kreta/religi%C3%B6se-monumente/religi%C3%B6se-monumente-von-selino/kloster-der-98-heiligen-v%C3%A4ter,-azogyres
• https://radio-kreta.de/unbekanntes-kreta-die-hoehlen-von-azogires/
• http://www.paleochora.de/sites/rundum.htm
• https://www.cretanbeaches.com/en/sea-tourism/west-crete-beaches/gavdos-beaches/agiannis-beach-gavdos
• https://www.cretanbeaches.com/el/πόλεις-της-κρήτης/πόλη-χανιά/θρησκευτικά-μνημεία-στην-πόλη-των-χανίων/ναός-αγίας-αικατερίνης-στη-σπλάντζια
• https://www.cretanbeaches.com/en/religious-monuments-on-crete/inactive-monasteries-and-hermitages/the-monasterial-monuments-of-kissamos-chania/saint-john-the-hermit-cave-marathokefala-spilia

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.