Ein Beitrag von Jürgen Wasim Frembgen
Detail aus dem Poster zu Lal Schahbas Qalandar Foto: Marianne Franke
In Pakistan, dem zweitgrößten Land der muslimischen Welt und Kerngebiet
des Sufismus (islamische Mystik), spielt die volkstümliche Verehrung charismatischer
Heiliger eine außerordentliche Rolle. Zeitgenössische Poster-Porträts, die diese Freunde
Gottes
und ihre Mausoleen abbilden, sind wichtige Medien der Frömmigkeit. Im Gegensatz
zur allgemeinen islamischen Vermeidung figurativer Darstellungen orientiert sich der
lebendige Schrein-Islam Pakistans an Bildern. Persönlichkeitsposter
berühmter
Sufi-Heiliger sind konkrete bildliche Manifestationen, die heute in die Kultur des
Massenkonsums eingebunden sind, aber dennoch ein reiches Archiv des visuellen Gedächtnisses
bewahren.
Pakistan ist innerhalb der muslimischen Welt ein Kernland der islamischen Mystik,
d.h. der Sufi-Tradition, in dem Formen der Devotion einen lebendigen Teil volkstümlicher
Frömmigkeit bilden. Poster-Portraits mit den Darstellungen von Sufi-Heiligen und ihren
Schreinen enthalten machtvolle Symbole des gelebten Islams. Sie werden sowohl in
Privathäusern aufgehängt und gezeigt, als auch öffentlich in Läden, Restaurants, Friseursalons,
Amtsstuben und an Heiligenschreinen, wo sie einen sakralen islamischen Raum kreieren, in dem
der Sufismus wirksam wird. Diese Poster sind Zeugnis der volkstümlichen Verehrung und
Wahrnehmung der Freunde Gottes
(auliya) und entfalten eine Welt devotionaler Vorstellungen.
Abdul Qadir Dschilani, der berühmteste Sufi-Heilige der muslimischen Welt Foto: Marianne Franke
Diese Sufi-Bilder, die seit Anfang des 20. Jahrhunderts von Basarmalern,
Illustratoren und Collage-Künstlern geschaffen wurden, spiegeln die visuelle Ästhetik
einer Farben sprühenden und spielerischen Volkskunst. Solche islamischen religiösen Drucke
sollten aus der Sicht westlicher Ästhetik nicht vorschnell als Kitsch
verurteilt werden,
denn Heiligenportraits sind sakrale Objekte, die innerhalb der populären religiösen Praxis
in Pakistan zum Fokus authentischer gelebter Erfahrungen werden. In diesen dichten und
überquellenden Postern offenbart sich die reiche Ikonographie der Verehrung charismatischer
Heiliger: Neben imaginären Darstellungen gibt es Photographien und einige gemalte Portraits,
Wundergeschichten werden illustriert und eine Vielzahl symbolischer Elemente gezeigt, die
spezifische religiöse Werte der Frömmigkeit vermitteln.
Schrein des Schutzpatrons von Lahore, der Fruchtbarkeit verheißt Foto: Marianne Franke
Sufi-Poster sind massenproduzierte Konsumgüter
der Basarindustrie, die vor allem in Lahore gedruckt und von dort in den
Tieflandprovinzen Pandschab (Fünfstromland
) und
Sindh verbreitet werden. Pilger kaufen sie als Souvenirs bei Heiligenfesten. Zu Hause werden sie
gerahmt und dienen schließlich als Andachtsbilder. Sie sind Ikonen der Liebe und Anbetung, die
Segenskraft vermitteln, Böses abwehren und die Sufi-Heiligen sozusagen ins Haus bringen. In
diesem Zusammenhang sind sie auch Ausdruck der persönlichen religiösen Identität des Gläubigen.
Der verzückte, ekstatische Mystiker Lal Schahbas Qalandar, der populärste Heilige Pakistans Foto: Marianne Franke
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