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Ökumenisches Heiligenlexikon

aus dem Lateinischen von Richard Benz Hinweise zur Legenda Aurea

Von Sanct Julianus


Julianus kommt von jubilus, Jubel, und ana, empor, und ist soviel wie Jubilianus, weil er jubilierend zum Himmel emporgestrebt ist. Oder es kommt von Julius, das heißt: der da anfängt, und anus: Greis. Denn er war in Gottes Dienste ein Greis an Langmut, aber in der Schätzung seiner selbst war er ein Anfänger.


Julianus war ein Bischof zu Mans. Und als man sagt, ist er der aussätzige Simon gewesen, den Christus vom Aussatz heilte und der darnach den Herrn zu Tische lud; nach unsres Herrn Auffahrt ward er dann von den heiligen Zwölfboten zum Bischof von Mans geordnet. Dieser Julianus hat von seiner Heiligkeit viele Zeichen gewirkt, sonderlich hat er drei Tote erweckt; und ist darnach in Frieden entschlafen. Ihn, sagt man, rufen die Reisenden an, dass er ihnen eine gute Herberge bereite, da Gott selber in seinem Hause geherberget war. Doch scheint es, dass dies einem andern Julianus gilt: dem, der Vater und Mutter unwissentlich erschlug; von dem sollen wir hienach sagen.

Nun war noch ein anderer Julianus, von Auvergne, der war von edlem Geschlecht, aber noch viel edler an dem Glauben. Er war so begierig der Marter, dass er den Verfolgern entgegenlief und mit freiem Willen sich zu der Marter bot. Zu jüngst sandte Crispinus der Richter seinen Schergen und gebot ihm, dass er Julianum töte. Als das Julianus vernahm, lief er fröhlich aus dem Haus und bot sich selbst dem Henker ohne Furcht, und empfing mit Willen den Todesstreich. Da nahmen sie sein Haupt und trugen es zu Sanct Ferreolo, dem Gesellen Juliani, und drohten, ihn auch also zu töten, wenn er nicht den Abgöttern opfere. Das wollte Ferreolus nicht tun, und also ward er erschlagen und sein Leib mit Juliani Haupt in ein Grab gelegt. Es geschah über lange Zeit darnach, dass Sanct Mamertus, der Bischof von Vienna, das Grab öffnete: da fand er Sanct Juliani Haupt in Sanct Ferreolo Händen also frisch und wohlerhalten, als ob es an dem Tage erst wäre begraben.

Unter andern Wundern dieses Heiligen wird erzählt, dass ein Diacon Schafe raubte, die der Kirche Sanct Juliani zugehörten; und als die Hirten im Namen des Heiligen ihn hindern wollten, sprach er "Julianus ißt keine Schafe". Und siehe, über kurze Zeit stieß ihn ein böses Fieber an; und da das Fieber sich mehrte, bekannte er laut, daß Sanct Julianus ihn brenne; und hieß Wasser über sich gießen, dass er sich erkühle; alsbald ging ein böser übelriechender Rauch von seinem Leibe, dass niemand bei ihm bleiben mochte, und über kurze Zeit so war er tot.

Es schreibt Gregorius von Tours, dass ein Bauer an einem Sonntag seinen Acker pflügen wollte; da krampften sich seine Finger zusammen und der Griff des Beiles, damit er das Pflugeisen reinigen wollte, blieb an seiner rechten Hand hangen. Das trug der arme Mensch zwei Jahr, aber darnach ward er in Sanct Juliani Kirche gesund durch die Fürbitte des Heiligen.

Es war noch ein anderer Julianus, der war Sanct Julius Bruder. Die beiden Brüder gingen zu dem allerchristlichsten Kaiser Theodosius, und begehrten von ihm, dass er ihnen erlaube, die Abgöttertempel zu zerstören, wo sie ihrer fänden, und Christenkirchen an ihre Statt zu bauen. Das erlaubte ihnen der Kaiser mit Freuden; und gab ihnen Briefe, dass ihnen alle gehorsam und zu Diensten sollten sein, deren Hilfe Sie bei dieser Arbeit bedürften, bei Strafe ihres Lebens. Da nun diese zwei, Julianus und Julius, eine Kirche baueten an der Statt, die da genannt ist Gaudianum, und alle, die vorüber kamen, ihnen helfen mussten zu dieser Arbeit um des kaiserlichen Gebotes willen, da geschah es von ungefähr, dass Leute mit einem Wagen vorüberzogen; die sprachen unter einander "Was mögen wir sagen, dass wir hie vorüber kommen und nicht bekümmert werden mit diesem Werk? Wir wollen einen von uns auf den Wagen legen und mit Tüchern decken, und wollen sprechen, wir führten einen Toten des Weges; so kommen wir frei davon". Also taten sie und legten einen ihrer Gesellen auf den Wagen, und sprachen zu ihm "Nun sprich kein Wort und tu die Augen zu, und liege still als ein Toter, bis wir vorüber sind" und deckten ihn wie einen Toten. Da sie nun kamen zu Sanct Julio und Juliano, sprachen die Heiligen zu ihnen "Ihr lieben Leute, haltet eine Weile still und helfet uns ein wenig an diesem Werk". Sie antworteten "Wir können hie nicht halten, denn wir haben einen toten Menschen auf dem Wagen". Sprach Sanct Julianus "Lieben Söhne, warum lüget ihr also?" Sie antworteten "Herr, wir lügen nicht, es ist so, wie wir sagen". Da sprach Julianus "Es geschehe euch nach der Wahrheit eurer Worte". Damit stachen sie auf ihre Ochsen und fuhren weiter. Als sie fern genug gekommen waren, riefen sie dem auf dem Wagen und sprachen "Steh auf und treibe die Ochsen an, auf dass wir schneller mögen heim kommen". Da er sich nicht rührte, schlugen sie ihn und schrieen "Bist du von Sinnen? Steh auf und treibe die Ochsen an!" Aber er stund nicht auf und sprach kein Wort. Da gingen sie hin und deckten ihn auf: da lag er tot vor ihnen. Davon fuhr ein solcher Schrecken in sie und in alle, die diese Geschichte hörten, dass niemand hinfort den Diener Gottes zu betrügen wagte.

Es war aber noch ein anderer Julianus, der tötete unwissentlich Vater und Mutter Dieser Julianus war ein edler Jüngling, und fuhr einst in den Wald jagen; da erspürte er einen Hirsch und folgte ihm nach durch den Wald; aber plötzlich wandte der Hirsch sich um und sprach zu ihm "Warum verfolgst du mich, der du deinen Vater und deine Mutter töten wirst?" Als der Jüngling das hörte, erschrak er. Und damit das nicht geschehe, was der Hirsch gesagt hatte, ließ er Vater und Mutter, und floh heimlich in ein fernes Land. Dort diente er einem Fürsten, in des Dienst hielt er sich also treulich in Krieg und Frieden, daß ihn der Fürst zum Ritter schlug und ihm eine edle Wittib, die Herrin einer Burg, zum Weibe gab, die brachte ihm die Burg zur Morgengabe. Unterdem waren die Eltern Juliani gar betrübt um ihren Sohn, und machten sich auf und suchten ihn allenthalben. Sie kamen auch zu der Burg, da Julianus wohnte; aber er war nicht daheim. Da sah seine Frau die Pilger und fragte sie, wer sie waren. Und sie sagten ihr alles, wie es ihnen mit ihrem Sohn wäre ergangen; da erkannte die Frau zustund von dem, was ihr Gemahl ihr oftmals mochte haben gesagt, dass es ihres Mannes Eltern seien; und nahm sie freundlich auf, und legte sie in ihr eigen Bett und bereitete sich selbst eine andere Stätte zu schlafen. Am andern Morgen ging sie früh zur Kirche. Um dieselbe Zeit kehrte Julianus zurück, und da er in die Schlafkammer trat und seine Frau aufwecken wollte, sah er zwei Menschen in seinem Bette liegen, und gedachte nicht anders, denn daß seine Frau bei einem Anderen läge. Er sprach kein Wort, zog sein Schwert, und schlug sie beide tot. Als er aber wieder aus dem Hause trat, sah er seine Frau aus der Kirche kommen frisch und gesund. Das nahm ihn Wunder, und er sprach zu der Fraue "Wer sind die zwei die in meinem Bett liegen?" Sie antwortete "Es sind dein Vater und Mutter, die haben dich lange Zeit gesucht; und ich hab sie in deine Kammer gelegt" Als Julianus das hörte, kam er fast von Sinnen und weinte und sprach "Ach ich Unseliger, was habe ich getan, ich habe meine liebsten Eltern getötet. Nun ist das Wort des Hirsches wahr worden: ich habe es erfüllet, da ich ihm wollte entronnen sein. Aber nun leb wohl, liebste Schwester; denn ich soll hinfort nimmer ruhen, bis ich weiß, dass ich diese Sünde gegen Gott gebüßt habe". Da sprach sie "Das soll nimmer geschehen, liebster Bruder mein, dass ich dich ziehen lasse ohne mich; denn ich bin bei dir gewesen in deinem Glück, so will ich auch mit dir leiden". Also machten sie sich beide auf mit einander und gingen fern aus dem Land, bis sie an ein großes Wasser kamen, das war gar schädlich den Menschen, die darüber wollten ziehn. Dort bauten sie eine Herberge und führten die Menschen, die über den Fluß wollten, um Gottes willen hinüber, und herbergten alle, die arm waren; und büßten also ihre Sünde. Darnach über lange Zeit geschah es, dass Julianus vor großer Müdigkeit sich niedergelegt hatte zu schlafen; und es war draußen gar kalt: da hörte er um Mitternacht jenhalb des Wassers eine Stimme, die schrie jämmerlich "Steh auf und führe mich hinüber". Da stund er eilends auf und fand einen Menschen, der war halb tot vor Kälte. Er trug ihn in sein Haus, und machte ein Feuer an, dass er wieder zu Kräften käme. Aber da er nicht warm ward und Julianus fürchtete, er möchte sterben, da trug er ihn in sein eigen Bett und deckte ihn warm. Aber nach einer kleinen Weile erhob sich der Mensch; und der zuvor einem Aussätzigen gleich gesehen hatte, stund in gar klarem Schein und hub sich gen Himmel und sprach "Juliane, du sollst wissen, dass ich von Gott bin zu dir gesendet, und soll dir künden, dass er deine Buße in Gnaden hat angenommen. Und über ein kleines so werdet ihr beide in Frieden ruhen". Damit war er verschwunden. Und nicht lange darnach entschlief Julianus und sein Weib im Herrn, gezieret mit viel guten Werken und Almosen.

Es war noch ein andrer Julianus, aber kein Heiliger; sondern der allerbösesten Menschen einer: Julianus Apostata. Der war zuerst ein Mönch und heuchelte große Frömmigkeit. Nun war eine Frau, als Magister Johannes Beleth erzählt in der Summa de officio ecclesiae, die hatte drei Töpfe voll Gold, und hatte obenan in die Töpfe ein wenig Asche getan, dass man nicht merken sollte, dass Gold darinnen wäre. Die Töpfe empfahl sie Juliano, da er sich also fromm und heilig hielt, und gab sie ihm im Beisein etlicher anderer Mönche, dass er sie ihr sollte bewahren; doch sagte sie von dem Golde nichts. Als Julianus nun merkte, daß so viel Golds in den Töpfen war, da nahm er das Gold alles und füllte die Töpfe mit Asche. Nach einer Zeit forderte die Frau ihre Töpfe wieder, da fand sie nichts denn Asche darin. Sie sprach Julianum darum an und hiesch Zeugnis von den anderen Mönchen, die dabei waren, als sie ihm die Töpfe empfahl; die sprachen, sie hätten in den Töpfen nichts anderes gesehen denn Asche. Also behielt Julianus das Gold mit Unrecht, und fuhr gen Rom; und erwarb mit dem Gold, dass man ihn zum Consul machte und darnach zum Kaiser.

Dieser Julianus war von Kind auf gelehrt in der schwarzen Kunst und war ein großer Zauberer; darum so hatte er allezeit viel Meister der Zauberei um sich. So lesen wir in der Historia Tripartita, dass einsmals, da er noch ein Kind war, sein Meister von ihm war gegangen; da hub er an und las eine Teufelsbeschwörung; da kam eine große Schar Teufel, die waren schwarz wie die Mohren. Als Julianus sie sah, fürchtete er sich und machte ein Kreuz vor sich; da verschwanden die Teufel alle. Da nun der Meister wiederkam, sagte er ihm, wie es ihm wäre ergangen. Sprach der Meister "Das Zeichen des Kreuzes fürchten die bösen Geister mehr denn irgend ein Ding und hassen es sehr". Da nun Julianus in die kaiserliche Gewalt war gesetzt, da gedachte er, wie die Teufel das Kreuz fürchteten; und da er mit ihrer Hilfe zaubern wollte und große Dinge tun, fiel er ab vom Christenglauben, und ließ das Kreuz allenthalben zerstören, und verfolgte die Christenmenschen so viel er konnte; denn er fürchtete, dass die Teufel ihm sonst nimmermehr würden gehorsam sein.

Wir lesen im Leben der Väter, dass Julianus einsmals hinabzog in das Land Persia, und sandte einen Teufel in die Lande gen Abend, dass er ihm von dort eine Antwort brächte. Da nun der Teufel ausfuhr, kam er an eine Statt, da stund er zehn Tage unbeweglich, denn es war ein Mönch daselbst, der betete Tag und Nacht ohn Unterlaß. Da nun der Teufel heim kam ohne Antwort, sprach Julianus, wo er so lange wäre gewesen. Sprach der Teufel "Ich habe zehn Tage gestanden und gewartet, bis ein Mönch aufhöre mit seinem Gebet, dass ich vorüber möchte kommen; da er aber nicht abließ von seinem Gebet, so musste ich wiederkehren, ohne dass ich deinen Auftrag mochte vollbringen". Da schwur Julianus voll Zornes, das wolle er rächen an dem Mönche, wenn er dahin käme.

Nun versprachen ihm die Teufel, dass er über die Perser sollte siegen; da sagte seiner weisen Meister einer zu einem Christen "Was wähnest du, was nun des Zimmermanns Sohn tut?" Der antwortete "Er zimmert Juliano den Sarg".

Nun lesen wir in der Geschichte Sanct Basilii, wie auch Fulbertus bezeugt, der Bischof von Chartres, dass Julianus kam in das Land Cappadocia zu der Stadt Caesarea, da zog ihm entgegen Sanct Basilius und bot ihm vier Gerstenbrote zu einer Gabe. Das verschmähte Julianus in großem Zorn und wollte es nicht nehmen; und sandte Sanct Basilio Heu wieder für dies Brot, und ließ ihm sagen "Du hast uns unvernünftiger Tiere Futter geboten, das sollst du auch empfangen". Da ließ Basilius hinwider sagen "Wir haben dir gegeben, das wir selber essen, du aber hast uns gesandt, was dein Vieh isset". Darob ergrimmte Julianus und sprach "Wenn ich das Land Persien gewonnen habe, so will ich diese Stadt zerstören und will sie umpflügen, dass sie mehr Kornes soll tragen denn Menschen". In der Nacht darnach sah Sanct Basilius im Gesicht, wie in unsrer Frauen Kirche eine große Schar Engel stund, und mitten unter ihnen war eine Frau auf einem Thron, die sprach "Rufet mir eilends Mercurium, dass er Julianum den Abtrünnigen töte, der mich und mein Kind also freventlich beschimpft". Dieser Mercurius war ein Ritter gewesen, den hatte Julianus um Christenglauben getötet; der lag in derselbigen Kirche begraben. Und alsbald war Sanct Mercurius da, wohlgeröstet mit den Waffen, mit denen er dort begraben liegt, und bereitete sich nach unsrer Frauen Gebot zum Streite. Da erwachte Sanct Basilius und ging hin in die Kirche, da Mercurius liegt und seine Waffen, und öffnete das Grab: da war kein Leichnam mehr, und auch die Waffen waren furt. Da fragte er den Küster, wo die Waffen wären; der antwortete und schwur, daß er sie noch des Abends zuvor an derselben Statt gesehen habe, da sie sonst bewahrt würden. So ging Basilius von dannen und kam des andern Morgens wieder: siehe, da lag der Leichnam in seinem Grab, mit all seinen Waffen; und die Spitze der Lanze war voll Blutes. Zu derselben Stunde kam einer vom Heere und sprach "Da der Kaiser Julianus in den Streit fuhr, da kam wider ihn gesprengt ein fremder Ritter, der trieb sein Roß mit den Sporen und schwang seine Lanze, und stieß sie mitten durch Julianum; und war alsbald verschwunden". Julianus aber lebte noch, und nahm eine Hand voll seines Blutes und warf sie in die Luft und sprach "So hast du gesiegt, Galiläer". Damit starb er gar jämmerlich. Also lesen wir in der Historia Tripartita. Da ließen ihn die Seinen unbegraben liegen. Die Perser aber kamen, und zogen ihm seine Haut ab, und machten für ihren König ein Polster daraus.




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Aus: Jacobus de Voragine: Legenda Aurea, Aus dem Lateinischen übersetzt von Richard Benz, 13. Aufl. Gütersloher Verlagshaus Gütersloh 1999 - zuletzt aktualisiert am 09.09.2016
korrekt zitieren:
Jacobus de Voragine: Legenda Aurea: Artikel
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