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Ökumenisches Heiligenlexikon

aus dem Lateinischen von Richard Benz Hinweise zur Legenda Aurea

Von des heiligen Kreuzes Findung


Dies Fest ist genannt des heiligen Kreuzes Findung, weil an dem Tage das heilige Kreuz soll gefunden worden sein. Vor dieser Zeit ward es gefunden von Seth, dem Sohne Adams, im irdischen Paradiese, als wir unten werden hören; darnach ward es funden von Salomo auf dem Libanon, darnach von der Königin von Saba im Tempel Salomonis, darnach fanden es die Juden in dem Fischteich, und am heutigen Tage fand es Sanct Helena auf dem Berge Calvariae.

Das heilige Kreuz ward funden zweihundert und etliche Jahre nach der Auferstehung des Herrn.

Man liest aber in dem Evangelium Nicodemi: Als Adam krank war, ging sein Sohn Seth an das Tor des irdischen Paradieses und begehrte Öl vom Baume des Mitleidens, daß er den Leib seines Vaters Adam damit salbe und ihn gesund mache. Da erschien ihm der Erzengel Michael und sprach "Trachte nicht das Öl vom Baume des Mitleidens zu erhalten und weine nicht darum, denn das mag dir nicht werden ehe denn vergangen sind fünftausend und fünfhundert Jahr". Doch glaubt man, daß von Adam bis zu Christi Leiden nicht mehr denn fünftausend einhundertneunundneunzig Jahre seien verflossen. Man liest auch, daß der Engel dem Seth ein Zweiglein gab, und ihm gebot, daß er es pflanze auf dem Berg Libanon. In einer griechischen Geschichte, die aber apocryph ist, findet man, daß der Engel dem Seth von dem Holze gab, daran Adam gesündigt hatte, und sprach "Wann dieser Zweig Frucht bringt, so soll dein Vater gesund werden". Da nun Seth heim kam, war sein Vater schon gestorben; da pflanzte er den Zweig auf sein Grab, und der Zweig wuchs und ward ein großer Baum, und dauerte bis zu Salomonis Zeiten. Ob dieses aber wahr sei oder nicht, lassen wir bei des Lesers Urteil, denn in keiner bewähnen Historie oder Chronik finden wir es geschrieben. Da nun Salomo ansah, wie schön der Baum war, ließ er ihn abhauen und gab ihn zum Bau des Waldhauses. Doch fügte sich das Holz an keine Statt des Hauses, wie uns Johannes Beleth schreibt, denn es war allezeit zu lang oder zu kurz; denn so man es nach richtigem Maß hatte gekürzt für eine Statt, so war es dann also kurz, daß es sich nimmer darein fügete. Darob ergrimmten die Bauleute und verwarfen das Holz; und legten es über einen See, daß es ein Steg sei denen, die hinüber wollten. Da aber die Königin von Saba von Salomonis Weisheit hatte gehört und zu ihm wollte fahren über den See, da sah sie im Geist, daß der Welt Heiland dereinst an diesem Holze sollte hangen; darum wollte sie über das Holz nicht gehen, sondern kniete nieder und betete es an. In der Historia Scholastica aber heißt es, daß die Königin von Saba das Holz in dem Waldhause sah, und da sie wieder heimkehrte in ihr Land, entbot sie dem Salomo, daß an jenem Holze einer hangen würde, durch des Tod der Juden Reich sollte verderbt werden. Darum nahm Salomo das Holz und ließ es tief in den Schoß der Erde vergraben. Über derselben Statt ward nach langer Zeit der Schafteich gemacht, darin die Nathinäer die Opfertiere wuschen; und also geschah die Bewegung des Wassers und die Heilung der Kranken nicht allein durch die Ankunft des Engels, sondern auch durch die Kraft des Holzes. Da nun nahete das Leiden Christi, da schwamm das Holz empor; als das die Juden sahen, nahmen sie es und bereiteten davon das Kreuz des Herrn. Man sagt auch, das Kreuz Christi sei von vierlei Holze gewesen: von Palmen, Cypressen, Oliven und Cedern. Davon hat man den Vers "Ligna crucis palma, cedrus, cypressus, oliva". Es waren aber vier unterschiedliche Teile an dem Kreuze: das aufrechte Holz, das Querholz, die Tafel zu Häupten, und der Stamm, darin es eingelassen war, oder, als Gregorius von Tours es schreibt: das Querholz, darauf Christi Füße ruhten; also mag jeglicher dieser vier Teile von einem der verschiedenen Hölzer gewesen sein. Diesen Unterschied der Hölzer scheint der Apostel zu meinen, da er spricht "Auf daß ihr begreifen möget mit allen Heiligen, welches da sei die Breite und die Länge, die Höhe und die Tiefe" (Eph. 3,18). Das legt Augustinus, der große Lehrer, also aus "Es ist das Kreuz Christi: die Breite ist das Querholz, daran seine Arme waren ausgebreitet; die Länge, die da reicht von der Erde bis zu dem Querholz, daran hing sein Leib; die Höhe ist ob dem Querholz, daran hing sein Haupt; die Tiefe aber ist unter der Erde, da das Kreuz war eingegraben".

Dieses kostbare Kreuzesholz lag nun nach Christi Tod in der Erde verborgen mehr denn zweihundert Jahr. Darnach ward es funden von Helena, des Kaisers Constantini Mutter, auf diese Weise: Es geschah in der Zeit, daß jenhalb des Flusses, der da heißt Donau, eine unermeßliche Zahl der Barbaren sich sammelte, die wollten über den Fluß gehen und mit Gewalt alle Lande bis Sonnenaufgang sich untertan machen. Als das der Kaiser Constantinus vernahm, zog er aus und lagerte sich mit seinem Heer diesseits der Donau. Aber die Schar der Barbaren wuchs, und sie huben an über den Fluß zu setzen. Davon erschrak Constantinus gar sehr, denn er sah, daß er des anderen Tages mit ihnen müßte kämpfen. In der Nacht aber erschien ihm ein Engel, weckte ihn und sprach "Schau über dich". Da sah er auf, und sah ein lichtes Kreuz am Himmel, darauf stund in goldenen Lettern geschrieben "In diesem Zeichen wirst du siegen". Von diesem himmlischen Gesicht ward der Kaiser gar gestärkt; er ließ ein Kreuz machen, dem gleich, das ihm erschienen war, und ließ es vor seinem Heere führen, und ritt mit guter Hoffnung wider die Feinde: da kehrten die Feinde alle den Rücken und flohen, und wurden ihrer viele erschlagen. Darnach berief Constantinus alle Priester der Abgötter zu sich und fragte sie mit Fleiß, welches Gottes Zeichen das wäre. Da sprachen sie, sie kennten das Zeichen nicht. Es kamen aber etliche Christenleute zu ihm, die sagten ihm von dem Mysterium des Kreuzes und legten ihm den Glauben von der heiligen Dreifaltigkeit aus. Davon ward Constantinus gläubig und empfing die Taufe von dem Papste Eusebius, oder, wie wir in etlichen Büchern finden, von dem Bischof von Caesarea. In dieser Geschichte sind viel Dinge geschrieben, wider die stehet, was wir in der Historia Tripartita und in der Historia Ecclesiastica lesen und im Leben Sanct Silvesters und in den Gestis pontificum Romanorum. Nach etlichen war dieser nicht der Constantinus, der von Sanct Silvester dem Papst getauft und zum Glauben bekehrt ward, wie etliche Geschichten sagen, sondern es war sein Vater, der auch Constantinus hieß, als in etlichen ändern Historien ist geschrieben. Denn jener Constantinus kam auf eine andere Art zum Glauben und ward nicht von Eusebius getauft, sondern von Sanct Silvester; das lesen wir in der Geschichte dieses Heiligen. Als der ältere Constantinus tot war, gedachte der Sohn des Sieges, den die Kraft des Kreuzes einst seinem Vater hatte verliehen und sandte seine Mutter Helena gen Jerusalem, das heilige Kreuz zu suchen, als hiernach geschrieben steht. Die Historia Ecclesiastica aber schreibt, daß der Sieg anders geschah, und spricht: Da Maxentius einfiel in das römische Reich, zog ihm Constantinus der Kaiser bis zur milvischen Brücke entgegen, wider ihn zu streiten. Er war aber in großen Sorgen, und hob oftmals die Augen auf gen Himmel, als wollte er Hilfe erspähen. Da er nun des Nachts entschlief, sah er am Himmel gen Sonnenaufgang das Kreuzeszeichen in feurigem Glänze strahlen; und waren Engel da, die sprachen "Constantine, in diesem Zeichen wirst du siegen". Davon schreibt die Historia Tripartita weiter: Da Constantinus sich verwunderte, was das wäre, erschien ihm Christus in der Nacht darnach, mit dem Zeichen, das er am Himmel hatte gesehen, und gebot ihm, daß er seine Zeichen dem gleich mache, das werde seine Rettung sein in der Schlacht. Da ward der Kaiser froh und war des Sieges gewiß, und zeichnete seine Stirne mit dem Zeichen des Kreuzes, das er am Himmel hatte gesehen, und hieß die Feldzeichen verwandeln in Kreuze, und nahm selbst ein goldenes Kreuz in seine Hand. Dann bat er Gott, daß er nicht wolle zulassen, daß seine Rechte, die mit dem heiligen Zeichen des Kreuzes war bewaffnet, von römischem Blute werde befleckt, sondern daß er ihm den Sieg über seinen Feind verleihe ohne Blutvergießen. Nun hatte Maxentius geboten, den Fluß zum Schein mit Kähnen zu bedecken und falsche Brücken darüber zu legen. Da aber Constantinus dem Flusse nahete, wollte Maxentius schnell wider ihn reiten; und vergaß seiner eigenen List, und ritt mit etlichen Reitern auf die Flußbrücke, und gebot den übrigen zu folgen; da brach er in das Wasser und mußte ertrinken. Also kam er durch die List um, damit er Constantinum wollte verderbt haben. Darnach ward Constantinus einmütig als Kaiser anerkannt. Wir lesen in einer Geschichte wohl bewährt, daß des Kaisers Glaube dennoch nicht vollkommen war; er empfing auch noch nicht die heilige Taufe, sondern erst etliche Zeit darnach hatte er das Gesicht von Sanct Peter und Paul, und ward dann von dem Papst Silvester getauft und von seinem Aussatz befreit, und glaubte nun vollkommenlich an Christum. Darum sandte er auch seine Mutter Helena nach Jerusalem, das Kreuz des Herrn zu suchen. Bei Ambrosius aber, in dem Brief über Theodosii Hingang, und in der Historia Tripartita lesen wir, daß er erst auf dem Totenbett die Taufe empfing; denn er hatte die Taufe verzogen, daß er im heiligen Wasser des Jordans möchte getauft werden. Das bezeugt auch Hieronymus in seiner Chronica. Doch ist gewiß, daß er unter dem Papst Silvester Christ ward, ob er die Taufe aber hinausschob, ist ungewiß; desgleichen hat man über vieles in der Legende von Sanct Silvester Zweifel. Darum mag die Geschichte von der Kreuzfindung, die in der Historia Ecclesiastica wird erzählt und die da übereinstimmt mit den Chroniken, glaubwürdiger sein als die, welche gewöhnlich in den Kirchen wird gelesen; denn es ist gewiß, daß darin vieles sich findet, welches mit der Wahrheit nicht übereinkommt; es sei denn, man sage, als oben geschrieben ist, daß nicht Constantinus gemeint ist, sondern sein Vater, der auch Constantinus war genannt; doch ist dies nicht gar glaublich, und ist allein in etlichen überseeischen Geschichten davon geschrieben.

Da nun Helena nach Jerusalem kam, entbot sie die weisesten Juden zu sich, die man in dem Lande mochte finden. Helena aber war zuvor eine Stallmagd gewesen, und hatte sie Constantinus um ihrer großen Schönheit willen zum Weibe genommen. Davon spricht Ambrosius "Man sagt, sie sei eine Wirtsmagd gewesen, doch nahm Constantinus der Ältere sie zum Weibe, der darnach Kaiser ward; fürwahr sie war eine gute Magd, die also mit Fleiß die Krippe des Herrn suchte; eine treffliche Magd, die jenen Herbergsvater kannte, der die Wunden heilte des, der unter die Räuber war gefallen; die da alles für Kot achtete, so sie nur Christum möchte gewinnen: also hat auch Christus sie erhöhet aus dem Kot in das Reich". Solches spricht Ambrosius. Andere meinen, als auch in einer bewährten Chronik ist geschrieben, daß Helena die Tochter Clohelis war, des Königs der Briten; und da Constantinus nach Britannien kam, nahm er sie, die die einzige Tochter ihres Vaters war, zum Weibe, auf daß nach Clohelis Tode die Insel ihm zuteil würde; das bezeugen auch die Briten selbst. Doch findet man auch geschrieben, daß sie in Trier sei gewesen.

Die Juden aber erschraken gar sehr, als sie das hörten, und sprachen unter einander "Was meinet ihr, warum die Königin uns zu sich hat entboten?" Da sprach einer von ihnen mit Namen Judas "Ich weiß, sie will von uns erfahren, wo das Holz des Kreuzes liege, an dem Christus gekreuzigt ward. Sehet zu, daß keiner von euch es verrate; denn wisset, so das geschiehet, wird unser Gesetz verstört, und der Glaube unsrer Väter wird zu nichte. Denn mein Ahne Zachaeus hat es meinem Vater Simon gesagt, und mein Vater hat es mir auf dem Totenbett vertraut "Merk auf mein Sohn" sprach er "wenn man dereinst das Kreuz Christi wird suchen, so sollst du es ihnen weisen, ehe du darum mußt Marter leiden; wisse auch, daß alsdann der Juden Reich ein Ende nimmt, und werden die regieren, die den Gekreuzigten anbeten; denn dieser Christus war der Sohn Gottes". Da sprach ich "Vater, so unsre Väter erkannten, daß er Gottes Sohn war, warum kreuzigten sie ihn dann?" Er antwortete "Das weiß Gott, daß ich in ihrem Rate nie war, sondern ich widerriet es alle Zeit. Aber weil er die PharisäerDie Pharisäer (hebr. für „die Abgesonderten”) waren eine theologische Ausrichtung im Judentum zur Zeit des zweiten jüdischen Tempels (ca. 530 v. Chr. bis 70 n. Chr.) und wurden danach als rabbinisches Judentum die einzige bedeutende überlebende jüdische Strömung. Im Neuen Testament werden die Vertreter der Pharisäer in polemischer Weise als Heuchler kritisiert und herabgewürdigt. Die Pharisäer hielten nicht nur die niedergeschriebenen Gesetze Mose' für verbindlich, sondern befolgten auch die mündlich überlieferten Vorschriften der Vorfahren. Sie glaubten an eine Auferstehung der Toten und einen freien Willen des Menschen. gestraft hatte um ihre Bosheit, darum kreuzigten sie ihn. Doch erstund er an dem dritten Tage, und fuhr gen Himmel vor seiner Jünger Augen. An diesen glaubte auch mein Bruder Stephanus, darum ward er von der Wut der Juden gesteinigt. Siehe also zu mein Sohn, daß du weder ihn noch seiner Jünger einen lästerst". Nun scheint es uns nicht gar glaublich, daß der Vater dieses Judas zur Zeit des Leidens unsres Herrn möge gelebt haben, da doch von dieser Zeit bis zur Zeit der Helena mehr denn zweihundert und siebenzig Jahre waren hingegangen; es sei denn, man spreche, daß die Menschen damals länger lebten denn heutiges Tages. Die Juden aber sprachen zu Judas "Solche Mär haben wir noch nie vernommen. Doch so dich die Königin darum fragt, siehe zu, daß du ihr nichts davon offenbarest". Da sie nun vor der Königin stunden, fragte Helena, wo die Stätte wäre, da Christus gekreuzigt ward. Sie aber wollten ihr den Ort nicht weisen. Da gebot sie, die Juden alle mit Feuer zu verbrennen. Da überantworteten sie ihr in großer Furcht den Judas und sprachen "Dieser, o Herrin, ist eines Gerechten und Propheten Sohn, und kennt das Gesetz wohl, er mag dir alles sagen, was du von ihm begehrst". Da gab Helena den andern allen Urlaub und behielt allein Judam zurück und sprach zu ihm "Tod und Leben sind vor dich gesetzet; kiese, welches du wollest: zeige mir die Stätte, die da heißt Golgatha, da der Herr gekreuzigt ward, auf daß ich sein Kreuz finde". Judas antwortete und sprach "Wie mag ich den Ort wissen, da seit der Zeit vergangen sind mehr denn zweihundert Jahre, und ich zu der Zeit noch ungeboren war". Sprach die Königin "Ich schwöre dir bei dem Gekreuzigten, daß ich dich durch Hunger werde umbringen, du sagest mir denn die Wahrheit". Also hieß sie ihn in einen trockenen Brunnen werfen, daß er darin Hunger litte. Da lag er sechs Tage ohne Speise, am siebenten aber bat er, daß man ihn herauszöge, so wollte er die Statt des Kreuzes zeigen. Man zog ihn heraus, und er ging an die Stätte und betete daselbst: da bewegte sich alsbald die Erde, und ein Rauch breitete sich umher von köstlichem Geschmack, also daß Judas vor Verwunderung in seine Hände schlug und rief "Wahrlich, Christus, du bist der Welt Heiland". Es war aber an demselben Orte, wie wir in der Historia Ecclesiastica lesen, ein Tempel der Venus, den hatte der Kaiser Hadrianus daselbst gebaut, auf daß, so ein Christ daselbst anbetete, es alsdann schiene, daß er der Göttin Venus diene; darum so ging niemand mehr zu der Stätte, und war sie fast ganz vergessen. Den Tempel ließ die Königin bis in den Grund zerstören und ließ die Statt ackern und pflügen. Darnach gürtete sich Judas und hub an mit Kraft zu graben; und fand zwanzig Schritt unter der Erde drei Kreuze liegen, die brachte er alsbald herauf zu der Königin. Nun mochten sie aber das Kreuz Christi von den Kreuzen der Schächer nicht unterscheiden; darum legten sie die Kreuze mitten in die Stadt und warteten, ob der Herr seine Macht erzeige. Und siehe, um die neunte Stunde trug man einen toten Jüngling vorüber; da hielt Judas die Bahre an und legte das erste und zweite Kreuz über den Toten; aber er rührte sich nicht; aber da man das dritte auf ihn legte, ward der Tote alsbald lebendig.

In der Historia Ecclesiastica aber lesen wir, daß der edelsten Frauen eine in der Stadt auf den Tod lag; da ließ Macarius, der Bischof von Jerusalem, das erste und zweite Kreuz auf sie legen, das half ihr nichts; aber da er das dritte über sie tat, schlug sie die Augen auf und war gesund.

Ambrosius sagt, daß er das Kreuz des Herrn an der Inschrift erkannte, die Pilatus hatte gesetzt, die fand er daselbst und las sie.

Als das aber geschehen war, schrie der Teufel in den Lüften "O Judas, was hast du getan? Du hast gar ungleich getan meinem Judas: der hat durch meinen Rat Christum verraten, du hast wider meinen Willen sein Kreuz gefunden; er hat mir viele Seelen gewonnen, durch dich werde ich die verlieren, die ich hatte gewonnen; durch ihn hatte ich Gewalt über das Volk, und du willst mich vertreiben aus meinem Reich. Doch sage ich dir: ich will es dir vergelten und will einen Fürsten wider dich aufbringen, der vom Glauben an den Gekreuzigten ist abgefallen, der wird dich zwingen mit schwerer Pein, daß du Christum mußt verleugnen". Damit meinte er Julianum Apostata, welcher dem Judas, als er darnach Bischof von Jerusalem war worden, große Pein antat und ihn zum Märtyrer machte. Da aber Judas das Rufen und Schreien des Teufels vernahm, erschrak er nicht, sondern fluchte ihm ohne Furcht und sprach "Christus verdamme dich in den Abgrund des ewigen Feuers". Darnach ward Judas getauft und ward Quiriacus genannt; und ward hernach, da der Bischof von Jerusalem starb, an seine Statt gesetzt. Nun hatte Helena die Nägel vom Kreuze des Herrn noch nicht gefunden, darum bat sie den Bischof Quiriacus, daß er hinginge an die Stätte und die Nägel suche. Quiriacus machte sich auf dahin und sprach mit Andacht sein Gebet zu Gott: da sah man die Nägel wie Gold aus der Erde blinken; also nahm er sie und gab sie der Königin, die neigte ihr Haupt und beugte ihre Knie und betete sie mit großer Andacht an. Von dem heiligen Kreuze brachte Helena ein Stück ihrem Sohn, das andere ließ sie in einem silbernen Schrein an der Stätte daselbst; die Nägel, mit denen der heilige Leib war angeheftet, die brachte sie auch ihrem Sohne, der machte aus zweien, wie Eusebius von Caesarea erzählt, einen Zaum für sein Schlachtroß, die anderen ließ er in seinen Helm schmieden. Andere, als Gregorius von Tours, sprechen, es seien vier Nägel im Leib des Herrn gewesen, davon gab Helena zwei zu dem Zaum des Kaisers, einen ließ sie in das Standbild Constantini schmieden, welches die Stadt Rom überragt, den vierten Nagel warf sie ins Adriatische Meer, das bis zu der Zeit den Schiffen gar fährlich war gewesen. Und gebot, daß das Fest der Kreuzfindung jedes Jahr mit großer Feierlichkeit werde begangen. Sanct Ambrosius schreibt "Helena suchte die Nägel des Herrn, fand sie und ließ von einem einen Zaum machen, den anderen ließ sie in des Kaisers Krone schmieden; also sei es: der Nagel im Haupt, die Krone auf dem Scheitel, in der Hand der Zügel: also soll der Geist glänzen, der Glaube leuchten, die Macht regieren".

Der Bischof Sanct Quiriacus aber ward von Juliano dem Abtrünnigen getötet, weil er das heilige Kreuz gefunden hatte, welches Julianus allenthalben auszurotten gedachte. Denn da er wider die Perser zog, hieß er Quiriacum den Göttern opfern, und da er sich des weigerte, ließ er ihm die rechte Hand abhauen und sprach "Mit dieser Hand hat er viel Briefe geschrieben, mit denen er die Menschen von der Götter Opfer hat gezogen". Aber Quiriacus antwortete "Du tobender Hund, wisse, daß du mir großen Nutzen hiermit hast getan, denn bevor ich an Christum glaubte, schrieb ich mit dieser Hand viel Briefe an die Synagogen der Juden, daß niemand an Christum solle glauben; siehe, nun hast du die Schmach meines Leibes getilgt". Da ließ Julianus Blei flüssig machen und es in seinen Mund gießen; dann ließ er ein eisern Bett herbeibringen und Quiriacum darauf strecken, und glühende Kohlen darunter tun und Salz auf sie streuen. Aber als er auch hierin standhaft blieb, sprach Julianus "Willst du den Göttern nicht opfern, so sage doch, daß du kein Christ seist". Des weigerte sich Quiriacus und fluchte ihm. Da ließ Julianus eine tiefe Grube machen und giftige Schlangen darein legen, und Quiriacum mitten unter sie werfen; aber die Schlangen waren alsbald tot. Darnach ließ Julianus ein Becken mit kochendem Öl bereiten; da wollte Quiriacus freiwillig darein gehen, und bat Gott, daß er ihn zum andern Male taufe im Bad der Marter: da ward Julianus zornig und hieß ihm ein Schwert durch die Brust stechen; also starb er im Herrn.

Wie groß aber die Macht des Kreuzes sei, das lesen wir von einem frommen Schreiber; den führte ein Zauberer einsmals mit sich an eine Statt, da er Teufel hatte zusammengerufen, und versprach ihm viel Geld und Gut. Da sah er einen großen Mohren auf einem hohen Throne sitzen, und stunden viel andere Mohren im Kreise um ihn, mit Lanzen und Knütteln gewaffnet. Und der Mohr auf dem Thron sprach zu dem Zauberer "Wer ist dieser Jüngling da bei dir?" Antwortete der Zauberer "Er ist dein Knecht". Sprach zu ihm der Teufel "Willst du mein Knecht sein, mich anbeten und deinen Gott Christum verleugnen, so sollst du zu meiner Rechten sitzen". Da machte der Jüngling das Kreuzeszeichen und rief ohne Furcht, er sei ein Knecht Christi seines Heilandes. Und alsobald er das Kreuz gemacht hatte, war die Schar der bösen Geister verschwunden. Etliche Zeit darnach geschah es, daß der Schreiber mit seinem Herrn in die Kirche der heiligen Sophia ging; und da sie vor dem Bild des Erlösers stunden, sah der Herr, daß das Bild seine Augen auf den Schreiber gerichtet hielt, und ihn mit Fleiß ansah. Darob verwunderte er sich und hieß den Jüngling auf die rechte Seite treten, da sah er, wie das Bild die Augen nach derselben Seite wandte und auf dem Schreiber ließ ruhen; er hieß ihn auf die linke Seite treten, da wandte das Bild die Augen wieder um und sah den Schreiber unverwandt an. Der Herr beschwor ihn, daß er ihm sage, was er um Gott verdient habe, daß das Bild ihn also anblicke; er antwortete, er sei sich keiner guten Tat bewußt, denn daß er Christum vor dem Teufel nicht hätte verleugnet.




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Aus: Jacobus de Voragine: Legenda Aurea, Aus dem Lateinischen übersetzt von Richard Benz, 13. Aufl. Gütersloher Verlagshaus Gütersloh 1999 - zuletzt aktualisiert am 09.09.2016
korrekt zitieren:
Jacobus de Voragine: Legenda Aurea: Artikel
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