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Ökumenisches Heiligenlexikon

aus dem Lateinischen von Richard Benz Hinweise zur Legenda Aurea

Von Sanct Vitus und Modestus


Vitus kommt von vita, Leben; es unterscheidet aber Sanct Augustinus in seinem Buche De civitate Dei dreierlei Art von Leben: ein tätig Leben; ein müßig Leben, welches eine Frucht ist geistlicher Beschaulichkeit; und ein Leben, welches aus beiden gemischt ist. Dieses dreifaltige Leben war in Sanct Vitus. Oder Vitus ist soviel wie virtus, das ist virtunsus, und heißt der Tugendreiche.

Modestus ist soviel als stans in medio, das ist: der in der Mitte steht, nämlich in der Mitte der Tugend; denn an den äußersten Enden jeglicher Tugend stehen zwei Laster. So sind die äußersten Enden der Klugheit Verschlagenheit und Torheit, die äußersten Enden der Mäßigkeit Erfüllung aller fleischlichen Begierden und ihre gänzliche Kasteiung, die letzten Enden der Tapferkeit sind Kleinmut und Verwegenheit, die letzten Enden der Gerechtigkeit Grausamkeit und Gnade.


Vitus war ein edles und frommes Kind, das litt mit zwölf Jahren in Sicilien den Martertod. Es ward gar oft von seinem Vater geschlagen, denn es verschmähte die Abgötter und wollte sie nicht anbeten. Als das der Richter Valerianus vernahm, ließ er den Knaben vor sich bringen, und da er nicht opfern wollte, gebot er, ihn mit Stecken zu schlagen. Da verdorrten die Arme der Knechte, die ihn schlugen, und auch des Richters Hand ward dürr. Er schrie "Weh mir, ich habe meine Hand verloren". Sprach Sanct Vitus "Heiß nun deine Götter kommen, dass sie dich gesund machen, so sie mögen". Sprach der Richter "Magst du es tun?" Antwortete Sanct Vitus "Ich kann es wol tun im Namen meines Herrn Jesus Christus". Alsbald bat er für ihn, und er war gesund. Der Richter aber sprach zu des Knaben Vater "Kehre bei Zeiten deines Sohnes Sinn, dass er nicht eines bösen Todes sterbe". Da führte der Vater ihn heim und trachtete, wie er seinen Sinn wenden möchte durch allerlei Musik, und schöner Mägde Spiel und Tanz, und Wollust und Kurzweil mancher Art; da er ihn aber in seine Kammer schloß, ging ein wundersamer Duft daraus und erfüllte das ganze Haus, dass sich der Vater und alles Gesinde verwunderte. Da ging der Vater hin und sah durch die Tür; und sah sieben Engel um das Kind stehen; und rief "Es sind Götter in mein Haus kommen"; da ward er von Stund an blind. Von seinem Geschrei ward die ganze Stadt Lucana bewegt, also dass Valerianus der Richter kam und fragte, was geschehen sei. Antwortete der Vater "Ich habe feurige Götter gesehen und mochte den Glanz ihrer Angesichter nicht ertragen". Da brachte man ihn zum Jupitertempel, und es ward ein Stier mit goldenen Hörnern für seine Heilung gelobt; da dies aber nicht verfing, bat er seinen Sohn um Hilfe und erhielt alsbald das Licht seiner Augen wieder durch sein Gebet. Noch dann ward der Vater nicht gläubig, sondern trachtete, wie er seinen Sohn töte. Da erschien der Engel des Herrn Modesto, des Kindes Zuchtmeister, und gebot ihm, dass er mit dem Kinde auf ein Schiff steige und in ein anderes Land fahre. Das geschah, und ein Adler brachte den zweien alle Tage ihre Speise, und sie taten viele Wunder in dem Land. Zu der Zeit geschah es, dass des Kaisers Diokletianus Sohn von dem Teufel besessen ward; und der böse Geist sprach aus ihm, daß er nimmer aus ihm werde weichen, es sei denn, dass Vitus von Lucana zu ihm käme. Also forschte man nach Sanct Vitus, bis man ihn fand, und führte ihn vor den Kaiser Diokletianus. Der sprach zu ihm "Viel liebes Kind, magst du meinen Sohn gesund machen?" Antwortete Vitus "Ich nicht, aber mein Herr vermag es". Damit legte er die Hand auf den Besessenen, und alsbald fuhr der böse Geist von ihm. Und Diokletianus sprach "Liebes Kind, ich rate dir gut, sieh dich für und opfere den Göttern, dass du nicht eines bösen Todes sterbest". Das verschmähte Sanct Vitus. Darum ward er mit seinem Meister Modestus in das Gefängnis geworfen. Man hatte eine schwere Last Eisen auf sie gelegt, aber in der Nacht fiel es von ihnen, und der Kerker ward von einem hellen Lichte erleuchtet. Das ward dem Kaiser gemeldet; der ließ ihn aus dem Kerker holen und in einen glühenden Ofen werfen; doch ging er unversehrt daraus hervor. Darnach ließ man einen wilden Löwen auf ihn, dass er ihn zerreiße; der ward auch durch die Kraft des Glaubens von ihm gezähmt. Zu dem letzten ward Vitus mitsamt Modestus und seiner Amme Crescentia, welche ihm überallhin war nachgefolgt, auf die Folter gespannt: aber zustund ward die Luft verstört, die Erde bebte, Donner rollten, und die Tempel der Abgötter fielen und begruben viel Volks unter sich. Der Kaiser floh voll Schreckens und schlug sich mit der Faust und rief "Weh mir, ich bin von einem Kinde überwunden". Die Märtyrer aber wurden von einem Engel gelöst und fanden sich am Ufer eines Flusses, und ruheten daselbst und beteten, und also gaben sie ihre Seelen zu Gott. Ihre Leiber wurden von Adlern bewacht; darnach fand sie eine edle Frau, Florentina mit Namen, der es von Sanct Vito war kundgetan; nahm sie und bestattete sie mit großen Ehren. Ihr Martyrium aber geschah unter Diokletianus, welcher um das Jahr des Herrn 287 zur Herrschaft kam.




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Aus: Jacobus de Voragine: Legenda Aurea, Aus dem Lateinischen übersetzt von Richard Benz, 13. Aufl. Gütersloher Verlagshaus Gütersloh 1999 - zuletzt aktualisiert am 09.09.2016
korrekt zitieren:
Jacobus de Voragine: Legenda Aurea: Artikel
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