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Ökumenisches Heiligenlexikon

Hinweise zu Stadlers »Heiligen-Lexikon« Abkürzungen

Sidonius Apollinaris (von Clermont)


S. Sidonius Appollinarius, Ep. Conf. (23. Aug. al. 11. Juli). Dieser hl. Bischof von Clermont en Auvergne (Claromontanum in Arvernia) ist der eilfte in der Reihenfolge der Bischöfe dieses Sprengels (Gall. chr.) und eine Zierde der Kirche seines Jahrhunderts. In seinem ganzen Wesen war er eine außerordentliche Erscheinung und ist im Leben wie nach dem Tode, nach dem Zeugnisse des hl. Gregorius von Tours (hist Fr. II. 22 ff.) durch Wunder verherrlichet worden. Er stammte aus einem angesehenen und reich begüterten Geschlechte. Sein voller Name hieß Cajus Sollius Apollinaris Sidonius (Modestus). Die Geschichtsforscher sind nicht einig, ob er zu Lyon oder Clermont geboren wurde. Ersteres ist nach seinem eigenen Zeugnisse das Wahrscheinlichste. In der Angabe des Geburtsjahres schwanken sie zwischen 430 und 431. Er erhielt eine sorgfältige Erziehung und eine alle damals bekannten Wissenschaften umfassende Bildung. Seine Lehrer verstanden es, ihm nicht bloß reiche Kenntnisse beizubringen, sondern auch einen so regen Fortbildungsdrang einzupflanzen, daß er bis zum Ende seines Lebens dem Studium treu blieb. Mit allen gelehrten Größen damaliger Zeit stand er in freundschaftlichem Verkehre. Seine Gemahlin Papianilla erkor er sich aus den höchsten Ständen; sie war die Tochter des Senators Flavius Eparchius Avitus, der im J. 455 von den Westgothen für kurze Zeit mit dem Purpur bekleidet wurde. Schon nach sechs Monaten mußte er aber dem Sueven Ricimer den Platz räumen, welcher den Majorianus erhob. Auch dieser, obwohl Anfangs ihm so wenig gewogen, daß er ihn seiner Güter beraubte, bediente sich bald des jungen Mannes in Staatsangelegenheiten als Rathgebers und Mittelperson, und ernannte ihn zum »Comes.« So lernte der Heilige allmählich die Gefahren irdischer Ehren und Aemter kennen (nach ihnen streben, meinte er, sei ein zweifelhaftes Gut, sie erlangen ein entschiedenes Unglück) und fühlte sich glücklich, mit den Seinigen (er hatte einen Sohn, Namens Apollinaris, und zwei Töchter, Roscia und Severiana) auf der Villa Avitacum (wahrscheinlich das heutige Aydat, einige Stunden s.-w. von Clermont) in ruhiger Einsamkeit leben zu können. Er führte hier das Leben eines vornehmen Adeligen im besten Sinne des Wortes: er war ein Wohlthäter der Armen, ein Beschützer der Schwachen, ein Friedensstifter für die Streitenden, ein gesuchter Vertheidiger des Rechts und der Wahrheit, ein Freund der schönen Künste und Wissenschaften. Doch blieb er dem öffentlichen Leben auch jetzt nicht ferne, ging im J. 459 zum Gothenkönig Theodorich in Spanien als Gesandter des Kaisers Majorianus, und stand noch um das J. 467 zu dem römischen (Schatten-) Kaiser Anthemius in nahen Beziehungen. Dieser ernannte ihn zum Präses des Senates und zum Präfecten von Rom. Aber schon im J. 469 verließ er Rom wieder und kehrte nach Gallien zurück. Seine nicht im geringsten auffallende, tief gegründete Frömmigkeit blieb Niemanden verborgen, obschon er nichts that, sie zu zeigen. So kam es, daß er nach dem Ableben des Bischofs Eparchius im J. 472 auf den bischöfl. Stuhl von Clermont erhoben wurde. »Ich Unglücklicher«, schrieb er bald nachher, »bin gezwungen, ein Lehrer zu sein, bevor ich gelernt habe, und soll das Gute predigen, ehe ich dasselbe geübt habe - ein Baum, der statt der Früchte nur Blätter hat!« Die Zeitlage war schwierig. Feindliche Heerschaaren standen an den Grenzen und was noch ärger war, weil es das Seelenheil Tausender bedrohte, die siegreich vordringenden Westgothen huldigten der arianischen Ketzerei. Der hl. Bischof begann seine Wirksamkeit mit sich selbst. Er unterwarf sein Leben einer strengen Prüfung und fand, daß es bis dahin eines Bischofes unwürdig war: »Ich bin ein junger KlerikerEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat. Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien. ,« sagte er, »aber ein alter Sünder.« Und: »Selbst mit schweren Sünden beladen, soll ich für die Sünden des Volkes beten!« Er bat um die Fürbitte seiner Freunde, es möge ihn Gott lieber durch einen glückseligen, frommen Tod von den Aengsten und der Last des gegenwärtigen Lebens befreien. Durch die Gebete, welche Andere für ihn verrichteten, hoffte er Heilung seiner Seelenwunden. Seine Gattin Papianilla blieb bei ihm, aber er lebte mit ihr für die Zukunft wie mit einer Schwester. Seine Vatersorge dehnte er jetzt auf die ganze durch den hl. Geist ihm zur Leitung übergebene Heerde aus. Er sah alle Bedürfnisse, alle Nöthen und Gefahren, und schreckte auch vor den größten nicht zurück. Ueberall, an den bedrohtesten Punkten, fand er sich persönlich ein, um zu helfen, zu retten, zu trösten. In der Liebe zu den Armen übertraf er auch die kühnsten Hoffnungen. Einmal, zur Zeit großer Hungersnoth, ernährte er 4000 Arme zugleich. Mit allem Ernste betrieb er die biblischen Wissenschaften und studirte besonders die Commentare des Origenes und des hl. Hieronymus. Die Stadt Bourges dankt ihm die Erhebung des hl. Simplicius zum Bischofe. Er reformirte die Sitten der Geistlichen und des Volkes und verlegte sich mit dem größten Eifer auf die Wiederherstellung und Reinigung des Gottesdienstes. Die silbernen Gefäße seines Hauses verkaufte er zu Gunsten der Armen. Seine Gastfreundschaft kannte keine Grenzen. Weltliche Gedichte verfaßte er jetzt nicht mehr, aber er dichtete mit großer Vorliebe Lobgesänge zu Ehren der Heiligen. Als ein besonderes Mittel einer fruchtreichen Thätigkeit betrachtete er den ununterbrochenen geistlichen Verkehr mit den berühmtesten Bischöfen seiner Zeit. Besonders nahe standen ihm Euphronius von Autun, Verpetuus von Tours und Lupus von Troyes. Was der Letztere bei seiner Erhebung zum Bischofe an ihn geschrieben hatte: »Du mußt Aller Diener werden«, war die Wurzel der schönsten und fruchtbarsten bischöflichen Wirksamkeit geworden. So strahlte er bald als ein neues Licht der Kirche in weitem Umkreise. Alle weltliche Thätigkeit legte er auf die Seite. Als er aufgefordert wurde, die Geschichte seiner Zeit zu schreiben, gab er zur Antwort: »Ich muß auf den Dienst Gottes bedacht sein; ich sehe wohl den Gang der Welt und ihre Ereignisse, aber ich geize nicht mehr darnach, mir als Schriftsteller einen Namen zu erwerben.« Das J. 475 war für ihn eines der schwersten. Der Westgothenkönig Alarich belagerte die Stadt Clermont. Der hl. Bischof betete und ordnete, wie der heil. Mamertus (s. d.) von Vienne, Gebete an, fastete und ließ fasten. Darauf aber beschränkte sich sein Eifer nicht. Er feuerte die Bürger zur Gegenwehr an und rüstete zur Vertheidigung. Da kam die Nachricht, daß der römische Kaiser den Frieden um die Uebergabe von Clermont erkauft habe. Mit thränenden Augen sah der hl. Bischof die Westgothen am 28. August die Stadt besetzen. Er selbst wurde als Kriegsgefangener nach Livia, später Campendu genannt, abgeführt und dort eingesperrt. Nach seiner Befreiung, die durch göttliche Fügung schon nach kurzer Zeit erfolgte, und nur noch einmal durch den Verrath zweier Priester, die ihn als Verschwender der Kirchengüter ausschrieen und sogar zwangen, auf kurze Zeit sein Bisthum zu verlassen, ernstlich bedroht war, nahm er alsbald seine bischöfl. Thätigkeit wieder auf, indem er seinen Sprengel neuerdings bereiste und seine Angehörigen zur Ausdauer in allen Prüfungen und Widerwärtigkeiten ermunterte. Dabei vergaß er nicht seine eigene Heiligung. Besonders die letzten Jahre seines Lebens brachte er in beständigem Gebete zu. Noch bei Lebzeiten bestellte er sich seinen Bruder Aprunculus zu seinem Nachfolger und entschlief am 23. August des J. 489 (488), wie man gewöhnlich annimmt, in Frieden. (Einige Schriftsteller gehen bis ins J. 482 zurück.) Seine irdischen Reste wurde in der benachbarten Kirche St. Saturnin, die noch im 10. Jahrh. erhalten war, beigesetzt. Hierauf wurden sie in die St. Genesiuskirche, von welcher die Revolution nur den Platz d. N. übrig gelassen hat, übertragen. Das Gedächtniß dieser Translation wurde am 11. Juli gefeiert. Einige Theile seiner Reliquien kamen auch in andere Kirchen, namentlich in die Kathedrale und nach Aydat. Jetzt weiß man nichts mehr von denselben. Nur seine dankbare Verehrung und seine Schriften (Gedichte und Briefe) sind bis auf unsere Zeit gekommen. Er steht am 23. August im Mart. Rom. Zu Clermont wird sein Fest am 11. Juli gefeiert.17 (IV. 597-624)




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zuletzt aktualisiert am 00.00.2014
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