Am 8. März eines jeden Jahres gehen Frauen auf die Straße, um für ihre
Rechte zu kämpfen. Zum ersten Frauentag 1911 kamen in Dänemark, Österreich,
Schweden, der Schweiz, Deutschland und in den USA Frauen zu Demonstrationen und
Versammlungen zusammen. Im Mittelpunkt damals stand die Forderung nach dem
Wahlrecht für Frauen. Seitdem orientieren sich die Forderungen in jedem Jahr an
der aktuellen politischen Lage des einzelnen Landes. Es geht um gleichen Lohn
für gleiche Arbeit, Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt, verstärkten Kampf
gegen Diskriminierung. Der Internationale Frauentag war in seinen Anfängen eng
verknüpft mit der Sozialistischen ArbeiterInnenbewegung, löste sich jedoch über
die Jahre von ideologischen und parteipolitischen Einflüssen und wurde zu einem
Tag der Rechte der Frau.
Am 8. März 1857 waren die Textilarbeiterinnen in New York in einen Streik getreten. Anderen Quellen zufolge wurde der Tag im Gedenken an 129 gestorbene Arbeiterinnen gewählt, die im Kampf um bessere Arbeits- und Lebensbedingungen am 8. März 1908 zusammen mit anderen Arbeiterinnen der Textilfabrik Cotton in New York in den Streik getreten waren. Um eine Solidarisierung der Gewerkschaften und anderer Belegschaften zu verhindern, wurden diese Frauen vom Fabrikbesitzer und den Aufsehern in der Fabrik eingeschlossen. Aus ungeklärten Gründen brach in der Textilfabrik ein Brand aus und zerstörte sie gänzlich. Nur wenigen der eingesperrten Arbeiterinnen gelang die Flucht; 129 Arbeiterinnen starben in den Flammen. Die Wurzeln des 8. Märzes liegen also in der Tradition proletarischer Frauenkämpfe.
1909 streikten 20.000 Näherinnen im Stadtteil Manhatten in New
York. Tausende wurden verhaftet, doch die Unternehmer mussten ihren Forderungen nach einem zwei Monate dauernden
entschlossenen Streik nachgeben. So waren es dann nordamerikanische Sozialistinnen, die 1909
das erste Mal auf nationaler Ebene einen speziellen Frauenkampftag durchführten:
Am letzten Februarsonntag sollen große Veranstaltungen zur Propagierung des
Frauenwahlrechts und der sozialistischen Ideen organisiert werden
. In Europa
beschloss 1910 die II. Internationale Sozialistische Frauenkonferenz in
Kopenhagen
mit 100 Delegierten aus 17 Ländern auf Initiative von Clara Zetkin
einstimmig die Einführung eines jährlichen Internationalen Frauentages für die
Interessen der Frauen und gegen Ausbeutung und Unterdrückung. Themen waren die
Gleichberechtigung der Frauen, ihr Wahl- und Stimmrecht sowie der Kampf gegen
den imperialistischen Krieg. Der erste internationale Frauentag fand am 19. März
1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA statt.
Millionen von Frauen beteiligten sich. Die Wahl dieses Datums sollte den
revolutionären Charakter des Frauentags unterstreichen: der 18. März war
Gedenktag für die Gefallenen in Berlin
während der Revolution von 1848, auch die Pariser
Commune war im Monat März. 1921 wurde auf Beschluss der 2.
kommunistischen Frauenkonferenz der 8. März festgelegt; damit sollte an den
Textilarbeiterinnen-Streik am 8. März 1917 in St.
Petersburg erinnert werden, der große Arbeiterinnendemonstrationen auslöste.
In den folgenden Jahren wurde die Idee des Internationalen Frauentages auch in Holland, Frankreich, Schweden, Russland und in der Tschechoslowakei aufgegriffen. In den 20-er Jahren gewann der Internationale Frauentag als Kampftag immer mehr in vielen Ländern an Bedeutung: In China, Japan, England, Finnland, Estland, Litauen, Polen, Bulgarien, Rumänien, Türkei und Iran. Zu Beginn der 30-er Jahre wurden die Internationalen Frauentage angesichts der drohenden faschistischen Gefahr Sammelbecken gegen den Faschismus. Unter den faschistischen Diktaturen in Europa wurde der Internationale Frauentag verboten.
Plakat zum Internationalen Frauentag in der DDR, 1954. Reprint im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn
Nach dem 2. Weltkrieg fanden in der sowjetischen Besatzungszone bereits 1946 wieder Feiern zum Frauentag statt; in allen sozialistischen Ländern wurde die als errrungen betrachtete Befreiung der Frau gefeiert: mit offiziellen Feiern für die Frauen, um die sozialen Errungenschaften des Staates für die Frauen herauszustellen. In Westeuropa gab es nach dem 2. Weltkrieg für lange Zeit keine größeren Veranstaltungen mehr. Erst in den 80-er Jahren gewann der Tag wieder größere Bedeutung. Frauen nutzen ihn, um auf Ungleichbehandlungen hinzuweisen. Themen wie die Rechte von Ausländerinnen, die Diskriminierung von nicht-heterosexuellen Lebensweisen und die bessere Sicherung der Frauenrechte im Rahmen der europäischen Annäherung wurden aufgegriffen.
Die UNO hat den Tag ab 1975 zum Tag der Vereinten Nationen für die Rechte
der Frau und den Weltfrieden
erklärt.
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