
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
B. Bernardus, (14. Apr.), Abt und Gründer der Congregation von Tiron, wurde
gegen das Jahr 1046 zu Abbeville, in der Provinz Ponthieu, von frommen (nicht
sehr bemittelten) Eltern geboren und in der Gottesfurcht erzogen. In seinem 20.
Jahre verließ er sein Vaterland und ging mit drei Gefährten nach Poitou, mit dem
Entschlusse, daselbst in ein Kloster zu treten, wo die Regel streng beobachtet
würde. Er kam in das des hl. Cyprian
(St-Cyvran) bei Poitiers und wurde vom Abte Raynald II. freundlich aufgenommen.
Seine Tugendhaftigkeit, die er als Ordensmann an den Tag legte, zeichnete ihn so
sehr aus, daß man ihn in seinem 30. Jahre zum Prior der Abtei des hl. Savinus,
eilf Meilen von Poitiers an der Gartempe, wählte. Er ließ sich in dieser
Stellung die Herstellung der klösterlichen Zucht sehr angelegen seyn, mußte aber
deßhalb außerordentlich viel, selbst vom Abte, erdulden. Nachdem er 20 Jahre an
der geistigen Wiederherstellung des genannten Klosters gearbeitet hatte, verlies
er dasselbe und verbarg sich einige Zeit in einer Einöde der Maine-Provinz, von
wo er sich nach Chaussey, an der äußersten Gränze der Bretagne, begab. In der
Folge kam er wieder zu seinem ersten Kloster, wo er die Gelübde abgelegt hatte,
und wurde von dem Abte Raynald II. neuerdings zum Prior und zugleich zu seinem
künftigen Nachfolger erwählt. Doch wegen einiger Streitigkeiten mit den Mönchen
von Clugny, welche die Unabhängigkeit seines Klosters streitig machten, entsagte
er später seiner Stelle als Abt und zog sich wieder in seine vorige Einsamkeit
zurück, wo er sich mit Robert von Arbriselles verband und mit ihm apostolische
Reisen in der Normandie unternahm. Von den Mönchen des Klosters des hl. Cyprian
darum ersucht, reiste er zweimal in jener streitigen Angelegenheit nach Rom, und
sprach mit solcher Kraft und Beredsamkeit für ihre Rechte, daß der heil. Vater
zu ihren Gunsten entschied. Dieser wollte ihn, um ihn immer um sich zu haben und
in kirchlichen Dingen benützen zu können, zum Cardinalpriester erheben; allein
er schlug diese Würde aus und bat den hl. Vater, in die Einsamkeit sich
zurückziehen zu dürfen, welche Bitte ihm auch gewährt wurde, mit dem Auftrage,
als apostolischer Prediger seine begonnene Bekehrung der Völker und die
Verbesserung der Sitten fortzusetzen. Nach Poitiers zurückgekehrt, reiste er mit
zwei bis drei Ordensbrüdern nach der wüsten Halbinsel Chaussey. Hier wollten ihn
die Seeräuber jedoch nicht lange dulden, worauf er die Wälder von Savigny in der
Normandie zu seinem Aufenthalte wählte. Der Ort schien ihm nicht mehr öde genug,
als er sie mit Jüngern Roberts von Arbriselles bevölkerte; darum zog er mit
seinem Häuflein in die Wälder von Tiron, wo Rotrou, Graf von Perche und Mortagne,
ihm ein Grundstück zu einem Kloster gab, dessen Grund im Jahre 1109 gelegt wurde.
Hier war es, wo Bernhard die Regel des hl. Benedict
in ihrer ersten Strenge einführte und eine Congregation stiftete, die nachher
unter dem Titel der Versammlung von Tiron
bekannt ward. Der Segen des Himmels
war sichtbar über seiner Pflanzung, und standen in kurzer Zeit 100 Klöster unter
dem von Tiron. Bei Hohen und Niedern stand der hl. Bernhard in so hohem Ansehen,
daß sie von weiter Ferne kamen, ihn zu sehen und zu sprechen. Als König David
von Schottland kam, ihn zu besuchen, war er schon verschieden. Am 5. April 1117
auf das Krankenbett geworfen, starb er am 14. April, und wurde, nachdem er drei
Tage von dem zuströmenden Volke verehrt wurde, unter großem Zulaufe begraben.
