
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
Flavianus I., (21. Febr. al. 26. Sept.), Patriarch von Antiochia, stammte aus
einer angesehenen Familie dieser Stadt, und ergriff schon in früher Jugend eine
strenge Lebensweise, welche ihn vor den Gefahren der Welt bewahrte. Schon als
Laie nahm er sich der Sache der unterdrückten Religion an, bei Gelegenheit der
ungerechten Absetzung des hl. Patriarchen Eustathius von Constantinopel, und der
unrechtmäßigen Einsetzung des Leontius. Die Arianer fanden an ihm einen
muthvollen und, seiner Tugenden wegen, achtungswürdigen Gegner. Der hl. Meletius,
welcher um das J. 361 auf den durch die Bemühungen der Katholiken abgesetzten
Arianer Eudorus als Patriarch von Antiochia gefolgt war, weihte ihn zum Priester.
Nach Meletius' Tode, vor Schluß des im J. 381 zu Constantinopel gehaltenen
Concils, wurde Flavian zu Antiochia als dessen Nachfolger erwählt. Damals gab es
eine Partei, die an dem hl. Paulinus festhielt, der von einem Theile der
Katholiken zum Nachfolger des hl. Eustathius
gewählt worden war; nach dessen Tode aber (im J. 383) hatten die Eustathianer
dem Evagrius ihre Stimme gegeben, und
als dieser im J. 395 starb, erkannten dieselben den Flavian als rechtmäßigen
Bischof an. Ihm gelang es, den über die Bewohner Antiochiens - welche, wegen der
Auflage einer Kriegssteuer gegen den Kron-Prätendenten in Gallien, sich empört,
und des Kaisers und verschiedener Glieder der kaiserlichen Familie Bildsäulen
niedergerissen hatten - schwer erzürnten Theodosius zu versöhnen und bis zu
Thränen zu rühren. Flavian selbst mußte ihnen eiligst die erlangte Gnade
hinterbringen. Unser Flavian hatte an Joh.
Chrysostomus einen treuen Freund und Mitarbeiter gefunden. Er hatte ihn zum
Priester geweiht, und konnte, als derselbe im J. 397 zum Erzbischof von
Constantinopel ernannt worden war, nicht ohne Wehmuth den von sich scheiden
sehen, welcher, nach dem Ausdrucke eines Kirchenschriftstellers, seine Hand,
sein Auge, sein Mund gewesen. Flavian bewies den Verfolgungen dieses seines
Freundes stets die größte Theilnahme, und erließ namentlich bei dessen erster
Verbannung ein Schreiben an die Geistlichkeit zu Constantinopel. Im J. 404 starb
Flavian nach 23jährigem Episkopate. Die allgemeine Kirchenversammlung zu
Chalcedon ertheilte ihm die Benennung eines Seligen, und Theodoret nennt ihn
einen Großen, einen Bewunderungswürdigen, einen Heiligen. Jedoch wurde er nie
mit öffentlicher Andacht verehrt, wenn auch Hagiographen ihn am 21. Febr. oder
am 26. Sept. aufführen. - Die Bollandisten setzen einen Bischof Flavian von
Antiochia am 27. Sept. unter die Praetermissi
, weil seine kirchliche Verehrung
bei den Griechen nicht erwiesen ist. Wahrscheinlich ist er identisch mit unserem
Patriarchen Flavian. (Mg.)

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