
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
B. Hathumarus, Ep. Conf. (9. Aug.) Der sel. Hathumar, erster Bischof von
Paderborn, auch Hudumar und Harimar genannt, wird in keinem ältern Martyrologium
unter die Heiligen gezählt; dennoch genießt er im Bisthume Paderborn, wie die
Bollandisten nachgewiesen haben, eine unvordenkliche Verehrung. Er war ein
geborner Sachse und befand sich unter den zwölf Geiseln, welche Karl
der Große im j. 772 nach Zerstörung der Irmensäule von diesem Volke erhalten
hatte. Er kam nach Wirzburg und wurde den Händen des hl. Burchard1
zur Erziehung übergeben, d. h. er kam an die Domschule daselbst, welche unter
dem Bischofe Megingaud in großer Blüthe gestanden zu haben scheint. Der sel.
Hathumar umfaßte die Lehre des Evangeliums mit so großer Liebe und prägte die
Vorschriften desselben in seinem Leben so entschieden aus, daß ihn der große
Kaiser bei Errichtung der sächsischen Bisthümer zum ersten Bischof von Paderborn
erhob. Es soll dieß nach Einigen um das J. 795 oder 799, nach Andern erst um das
J. 806 geschehen seyn. Die letztere Meinung, welcher unter den Neuern auch
Ritter beipflichtet, ist die wahrscheinlichere; denn nach den ältesten Quellen
starb Kaiser Karl der Große wenige Jahre
nach seiner Erhebung. Da dieses im J.
814 geschah, so müßte bei ersterer Annahme die Summe dieser wenigen Jahre
sich
bis zur ansehnlichen Zahl 19 oder mindestens 15 sich erheben, was in der That
höchst unwahrscheinlich ist. Die Wahl war vortrefflich; denn der hl. Hathumar
erwies sich als einen in jeder Tugend vollkommenen Mann
, welcher seine
Pflegempfohlenen zu allem Guten anleitete. Er vollendete den Bau der Domkirche
und vieler andern, weihte Priester, sorgte für Errichtung von Pfarreien u. s. w.
Kurz vor seinem Tode genehmigte er noch den Bau des Klosters Corvey bei Höxter
durch den hl. Adelardus (im J. 815). Sein Tod kann
also nicht früher als in diesem Jahre eingetreten seyn. Nach den Bollandisten
starb er im J. 815 oder 816; im Schematismus von Paderborn aber, wo die Bischöfe
von Paderborn angegeben und Hathumar, Badurad und
Meinwerk als Heilige
bezeichnet sind,
wird bestimmt das J. 815 als sein Todesjahr bezeichnet. Auch heißt es dort, daß
während seiner Regierung, die von 795-815 gedauert habe, Papst Leo
II. zu Kaiser Karl nach Paderborn gekommen sei. Ihm folgte Baduradus oder
Baduardus (I. Bd. S. 372), dessen in der Chronik von Corvey beim J. 822 zum
ersten Mal gedacht wird. Nach dem Schematismus von Paderborn regierte dieser vom
J. 815-859. Unter seiner Regierung wurden die Gebeine des hl. Bischofs Liborius
von Mans nach Paderborn gebracht, sowie die Gebeine des hl. Vitus
nach dem Kloster Corvey übertragen. Auch die Klöster Herford und Böddeken wurden
zu seiner Zeit gestiftet, letzteres durch den hl. Meinolphus.
Er selbst errichtete das Domkloster und die Domschule. (II. 448-453.)
