
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
Hospitator
Julianus Hospitator. (29. Jan.) Ueber diesem Heiligen schwebt ein tiefes Dunkel;
weder Ort noch Zeit seiner Geburt ist anzugeben, und ist nur gewiß, daß er in Spanien
Verehrung genossen hat, namentlich in dem Dorfe Del Fou in der Diöcese Barcellona,
wo sein Fest am 28. Aug. gefeiert werde. Nach Andern wird er auch am 12. Febr. und
am 31. Aug. verehrt. Sein Leben findet sich übrigens bei mehreren Hagiologen; Bollandus
gibt es nach dem hl. Antoninus, bei welchem
im Wesentlichen Folgendes enthalten ist: Als Julianus, ein edler Jüngling, eines
Tages der Jagd oblag und einen Hirschen verfolgte, habe sich dieser umgewendet
und zu ihm gesprochen: Du verfolgst mich, der du einst deinen Vater und deine
Mutter tödten wirst.
Erschreckt hierüber, und damit ihm so etwas Schlimmes
nicht begegne, habe Julianus Alles verlassen und in einer fernen Gegend Kriegsdienste
bei einem Fürsten genommen, der ihm dann, um ihn für seine guten Dienste zu belohnen,
eine edle Wittwe, eine Castellanin, zur Frau und das Castell zur Aussteuer gegeben.
Inzwischen hätten auch die Eltern ihren lieben Sohn überall gesucht und seien
endlich auch in das ihm gehörige Castell gekommen, während Julianus eben nicht zu
Hause gewesen. Sie seien aber von seiner Frau freundlich aufgenommen und, da sie
aus der Erzählung sie als die Eltern ihres Mannes erkannt, in sein eigenes Schlafzimmer
gelegt worden. Früh morgens sei die Frau in die Kirche gegangen und habe die ermündeten
Eltern schlafend zurückgelassen. Inzwischen sei Julianus nach Hause in das Schlafzimmer
gekommen und habe in der Meinung, daß ein Ehebrecher bei seiner Ehefrau sich befinde,
stillschweigend Beide getödtet. Aus dem Hause getreten, sei ihm seine aus der Kirche
zurückkehrende Frau begegnet, und als er sie gefragt, wer denn in seinem Schlafzimmer
gelegen sei, habe er von ihr zu seinem größten Schrecken erfahren, daß es seine Eltern
gewesen, die er getödtet. Er habe nun schrecklich geweint und von seiner Frau Abschied
nehmen wollen, um in einem fernen Lande Buße zu thun für sein durch große Unbesonnenheit
begangenes Verbrechen. Aber seine Frau habe sich nicht von ihm trennen, sondern auch
an seiner Buße Antheil nehmen wollen. So seien sie denn Beide fortgegangen und haben
an einem großen Flusse ein großes Hospital gegründet, wo sie Arme aufnahmen und zugleich
diejenigen, die über den Fluß wollten, übersetzten, weßwegen er den Beinamen Hospitator
d.i. Gastfreund etc. erhalten habe. Nach langer Zeit habe Julianus einmal bei der
Nacht eine klägliche Stimme gehört. Er sei aufgestanden und habe einen fast erfrorenen
Armen gefunden, den er dann zu sich genommen und in sein eigenes Bett gelegt habe.
Bald darauf habe sich aber dieser als ein Engel gezeigt, der ihm angekündet, daß
der Herr seine Buße angenommen, und daß er mit seiner Frau bald in Gott ruhen werde.
Wirklich seien auch Beide, reich an guten Werken, bald hernach gestorben. Zu Ehren
dieses hl. Julianus bete man nun gewöhnlich ein Vaterunser oder ein anderes Gebet,
um eine gute Herberge zu bekommen und vor Gefahren geschützt zu werden. - In Belgien
verehren mehrere Hospitale den hl. Julianus als Patron. Nach Petrus de Natalibus
wäre er am 12. Febr. gestorben, aber nach Ferrarius werde sein Fest in der Diöcese
von Aquileia am 29. Jan. gefeiert. Im Mart. Rom. ist sein Name nicht enthalten.
Dargestellt wird er in Jägerkleidung etc. So bei Bollandus am 29. Jan. (II. 974);
aber nach Henschenius, der im Leben des hl. Ursius am
3. Mai (I. 427) nähere Notizen über ihn bringt, wäre sein
Vater Graf Joffredus von Avignon, seine Mutter Anna eine Verwandte der Königin
von Frankreich, das Castell, wohin er gekommen, bei Albi (Albiga) in Ober-Languedoc
und das Hospitium, das er mit seiner Frau errichtet, am Flusse Gard (Vardus)
in der Provence gewesen. Später seien Beide von Räubern, die Geld bei ihnen
vermuthet, ermordet worden. In der Provence seien viele Kirchen diesem hl.
Julianus geweiht etc.
