
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Marcellus, Abb. (29 Dec.) Dieser hl. Marcellus war Abt der Akömeten zu
Constantinopel. Diese Mönche hießen Schlaflose
, weil bei ihnen die Einrichtung
getroffen war, daß Tag und Nacht unaufhörlich die Psalmen gesungen wurden. Zu
Constantinopel hießen sie von dem großen Kloster Studium (seit dem J. 463) auch
Studiten. Ihr erster Abt Alexander,
gleichfalls, wie der hl. Marcellus, ein geborner Syrier, ertheilte ihm die
Aufnahme. Er hatte übrigens, obschon mitten in der Welt, schon als Jüngling sich
von der Welt getrennt. Von reichen Eltern zu Apamea geboren, verließ er seine
Vaterstadt, um zuerst in Antiochia bei einem Rhetor den Wissenschaften zu
obliegen, dann aber zu Ephesus in der Abgeschiedenheit von allem Irdischen Gott
allein zu dienen. Ein frommer Knecht, welchen die Legende Promotus nennt, war
ihm hier nicht wenig Antrieb zur Frömmigkeit; er lernte von ihm die Kunst, recht
zu leben, während er durch Fortsetzung der Studien den Geist auszubilden
beflissen war. Auf das väterliche Erbtheil hatte er theils zu Gunsten seines
Bruders verzichtet, theils die Armen mit demselben bedacht. Er verdiente sich
seinen Unterhalt durch Bücherabschreiben; was er mehr einnahm, als zur
Lebensnothdurft erforderlich war, gab er den Armen. So war er bereits ein
vollkommener Mönch, ehe er ins Kloster trat. Im Kloster der Akömeten bemerkte
man bald seine Vorzüge und wollte ihn schon nach dem Tode Alexanders (im J. 430)
zum Abte haben. Er entfloh und entging für dießmal der von ihm gefürchteten
Würde. Aber nach dem Ableben des Abtes Johann *, der im J.
440 eine andere Niederlassung der
Akömeten, die er Irenäum (Friedensort) nannte, gegründet hatte, wohin ihm der
hl. Marcellus gefolgt war, neuerdings gewählt, konnte er nicht mehr ausweichen.
Mehr als vierzig Jahre verwaltete er dieß Amt mit solcher Weisheit und Liebe,
daß sein Name im ganzen Morgenland berühmt wurde. Am Schlusse seiner
Lebensbeschreibung ist gesagt, daß er die Zeit, welche ihm bei seiner
Amtsverwaltung übrig blieb, auf dreierlei Beschäftigungen verwendete. Erstlich
gab er denjenigen, die mit sündhaften Gedanken angefochten wurden, Gehör und
Rathschläge nach Anweisung der hl. Schrift und eigener Lebenserfahrung; zweitens
ließ er solche, die Unrecht litten oder zu leiden vermeinten, vor sich, und gab
ihnen Vorschriften an Richter, Pfleger, Statthalter, ja selbst manchmal, wenn es
nothwendig war, an den Kaiser selbst, der ihm gern zu Willen war; drittens
besuchte er die Kranken und verschaffte ihnen Pflege und Unterhalt. Ehe er
starb, belehrte er die Seinigen noch einmal über das künftige Leben, für welches
er in seinen irdischen Lebenstagen sich sorgfältig vorbereitet hatte. Das
Menologium der Griechen schreibt ihm nach Metaphrastes auch Wunder und
Weissagungen zu. Er befand sich unter den Vätern des Concils zu Constantinopel
vom J. 448, auf welchem Eutyches entsetzt wurde. Er steht auch im Mart. Rom. und
im El. Sein Tod fällt ins J. 485 oder 486. Auf Bildern sieht man ihn (Mg.) in
betender Stellung. (Sur.)
* In dem von Ugh. (Coletus) herausgegebenen Menologium Graecorum (Italia S. X. 316-317) heißt der zweite Abt des Klosters Jacobus. Bei Metaphrastes wird erzählt, daß dieser Johannes wegen höhern Alters die Ehre gelassen habe.
