
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Margarita, V. M. (2. Sept.) Was von dieser hl. Margarita bekannt ist,
danken wir zunächst dem berühmten Cäsarius von
Heisterbach. Dieser erzählt, ein
Bürger zu Löwen in Brabant, Namens Amandus, habe mit seiner eben so frommen
Gattin den Entschluß gefaßt, nach beiderseitiger Einwilligung die Welt zu
verlassen. Er war gesonnen, sich in das Cistercienser-Kloster Villers als
Converse zu begeben. Sie hatten eine Verwandte bei sich, Namens Margareta, die
mit Einfalt und Gottesfurcht ihren Bedürfnissen diente. Eines Abends kamen
unbekannte Gäste ins Haus, welche von den gutmüthigen Hausleuten um Christi
willen aufgenommen und bewirthet wurden. Margareta mußte fortgehen, um Wein zu
holen. Unterdessen ermordeten die Fremden den Amandus und sein Weib, nahmen ihr
Geld, und führten die Margareta, als sie mit dem Wein nach Hause kam, als
Gefangene in ein abgelegenes Haus vor der Stadt mit sich fort. Hier tödteten sie
auch die Margareta, weil sie ihnen nicht zu Willen war, und warfen ihre Leiche
in die Dyle, wo sie bald darauf von einigen Fischern aufgefunden und heimlich
(damit sie nicht etwa für die Mörder gehalten würden) begraben wurde. Die Unthat
geschah im J. 1225. So lautet die ungeschmückte Geschichte, welche später durch
die Sage mit wundervollen Zuthaten reich ausgestattet wurde. Die ersten Erzähler
setzten noch hinzu wie man sagt
(ut fertur), die spätern traten ohne solche
Bemerkung das hinterlassene Erbtheil an. Der Krug, in welchem die Heilige den
Wein holte, wird zu Löwen als Reliquie aufbewahrt. Der Leichnam, fügte man
hinzu, sei im Flusse nicht untergesunken, sondern stromaufwärts bis in die Stadt
zurückgeschwommen. Hier wurde sie sogleich als Heilige verehrt, und noch vor
hundert Jahren (1764) auf den Grund unvordenklicher Verehrung in der St.
Peterskirche ein eigener Altar aus Marmor unter ihrer
Anrufung errichtet. Eine wirkliche Canonisation von Seite des heiligen Stuhles
ist nie erfolgt. (I. 582).
