
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Scholastica V. Abbat. (10. al. 6. Febr., 11. Juli, 4. Nov., 4. Dec.) Die
heil. Jungfrau und Abtissin Scholastica ist die berühmte Schwester des hl.
Ordensstifters Benedictus, welcher ihre
abgeschiedene Seele, einer Taube ähnlich, zum Himmel empor fliegen sah. Der
heilige Gregorius gibt uns
über sie nähere Nachricht. Alle Spätern haben aus ihm geschöpft. Sie theilte mit
ihrem hl. Bruder die gleichen Eltern, Eutropius und Abundantia, und den gleichen
Geburtsort, Nurcia. Lechner sagt von ihr mit vollem Rechte: So wenig man von
ihrem Leben weiß, so zeigt doch dieses Wenige deutlich genug, daß sie eine
überaus hohe Stufe der Heiligkeit erreicht hatte.
Ihr Wohnort muß sich in der
Nähe von Monte Casino befunden haben, denn die Erzählung des hl. Gregorius
scheint dieses vorauszusetzen. Die Tradition weist nach Subiaco (Sublacus), wo
noch ein Kloster mit dem Namen der Heiligen steht, während Andere Plombariola
nennen. Die frühere Kirche war im Jahre 975 von Benedict VII. erbaut worden. Die
Heilige hatte sich von Kindheit an Gott geweiht. Nur einmal im Jahre besuchte
sie ihren Bruder, der zu diesem Zwecke sein Kloster verließ. Bei einem solchen
Besuche geschah es, daß die hl. Scholastica, wahrscheinlich im Vorgefühle ihres
nahen Hinscheidens, an den Bruder die Bitte stellte, die Nacht über bei ihr zu
bleiben, um sie mit den Freuden des Himmels zu trösten. Als er sie nicht erhören
wollte, rief sie zu Gott und dieser erhörte sie, indem er plötzlich ein solches
Ungewitter entstehen ließ, daß der hl. Benedictus nothgedrungen bei seiner
Schwester ausharren mußte. Am andern Tage kehrte sie heim, am dritten starb sie.
Die Boll. setzen ihren Tod beiläufig in das J. 542. Sie wurde nach Monte Casino
gebracht und dort begraben. Die Beisetzung der Heiligen nennt das Aachener
Martyrol. zum 6. Febr. (I. 765.) Die übrigen oben angezeigten Tage bezeichnen
Uebertragungsfeierlichkeiten. Die Heilige ist Stifterin und Patronin des
Frauenordens der Benedictinerinnen. Abbildungen zeigen sie im letzten Gespräche
mit ihrem hl. Bruder, oder sterbend, wobei ihre Seele in Gestalt einer Taube in
den Himmel emporschwebt. Nach Angabe französischer Schriftsteller wurden ihre
Reliquien mit denen des heil. Benedictus im 7. Jahrh. in die Stiftskirche von St.
Beter in Le Mans gebracht, wo sie in einem silbernen Reliquienkasten
verschlossen waren. Diese Kirche existirt nicht mehr, die Reliquien aber wurden
gerettet und ruhen dermalen in der St. Benedictpfarrkirche. Das Proprium von Le
Mans feiert den 11. Juli als Tag der Uebertragung. Im J. 1870 kam ein
beträchtlicher Theil der hl. Reliquien in die Abtei von Solesmes. Nach
Untersuchungen, die in den Jahren 1486 und 1545 angestellt wurden, solle sich
ein Theil der Reliquien der beiden heil. Geschwisterte noch auf Monte Cassino
befinden. (II. 392-412.)
