
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. S. Severus. Conf. Ep., Vincentia et Innocentia1
(1. Febr., al. 124. Jan., 22. Oct.) Die Geschichte dieser hl. Familie ist mit so
vielen Sagen durchwoben, daß es schwer ist, eine Sichtung vorzunehmen. Das
Wesentliche hievon ist Folgendes: Er war zu Ravenna geboren und betrieb als
Nahrungszweig die Wollenweberei. Seine Gattin Vincentia, eine gottesfürchtige
Frau, gebar ihm eine Tochter, die er Innocentia nannte. Nach dem Tode nicht des
Bischofes Marcellinus23, sondern wie
Baron. (notae) bewiesen hat, des Bischofes Agapitus
wurde er zu seinem Nachfolger erwählt. Eine Taube, die dreimal während der
Wahlverhandlungen auf den Schultern oder dem Haupte des Wollenwebers sich
niederließ *, wurde als göttliches Wahr- und Mahnzeichen
angesehen. Gattin und Tochter nahmen den Schleier. Als er im ersten Jahre nach
seiner Erhebung dem Concil von Sardica beiwohnte, machte seine Kenntniß der heil.
Schriften auf die versammelten Väter den Eindruck, daß sie eine eingegossene,
nicht durch Studien erworbene sei. Daneben glänzte er bis an sein Ende durch
alle Hirtentugenden. Wundersam ist die Sage von seinem Sterben. An dem Tage
nämlich, an welchem er das Zeitliche segnete, ließ er das Grab seiner Gattin und
Tochter öffnen, feierte das hl. Opfer, stieg dann in die Gruft, legte sich
zwischen die beiden Särge, die auf sein Wort ihm Platz gemacht hatten, und gab
betend den Geist auf. Nach andern Berichten ist er zu Classe (im vicus salutaris)
beigesetzt und zu seiner Ehre von dem Bischofe Petrus im J. 568 eine schöne
Kirche erbaut worden. Dennoch steht zu Ravenna seine Grabstätte bis auf den
heutigen Tag in Verehrung. Sein Tod wird ins J. 389 gesetzt. Im Kirchengebete
wird er als andächtiger Prediger des göttlichen Wortes
angerufen. Sein Name
steht in allen ältern Martyrologien. Auf Abbildungen ist er leicht am
Weberschiffchen, das er in der Hand hält, zu erkennen. Er wird von Jünglingen,
die ein Handwerk erlernen wollen, mit gutem Erfolge angerufen. Nach der
Ueberlieferung der Mainzer Kirche wurden die Reliquien der drei Heiligen,
nachdem sie früher durch einen Presbyter, Namens Felix, nach Pavia übertragen
worden waren, vom Bischofe Otgar von Mainz am 22. Oct. 836 in der St.
Albanskirche daselbst beigesetzt. Von hier wurden sie später durch denselben
Bischof, wahrscheinlich am 24. Oct., nach Erfurt übertragen, wo hart neben dem
Dom eine schöne und große Kirche unter der Anrufung des hl. Severus erbaut wurde.
Die Gebeine der hl. Innocentia kamen in das von der hl. Bilhildis
erbaute Kloster zu Altenmünster. (I. 79-81.)
* Dieses nämliche Ereigniß wird von zwölf
Bischöfen von Ravenna erzählt, welche deßhalb Taubenbischöfe
(Colombini)
genannt wurden. Ein eigener Tag ist daselbst der gemeinsamen Verehrung aller
Taubenbischöfe
gewidmet.
