
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Theodorus, Abb. Conf. (12. al. 11. Nov.). Dieser hl. Abt und Bekenner,
welcher im Mart. Rom. zum 12. Nov. genannt wird, steht in den griechischen
Kalendern am Tage vorher. Er war im J. 789 zu Constantinopel geboren. Das
Kloster Saccudion, in welches er als 22jähriger Jüngling eintrat, war von seiner
Mutter Theoctista, einer Schwester des hl. Plato
gestiftet worden. Ueber seinen wissenschaftlichen Bildungsgang wissen wir nichts
Näheres, ersehen aber aus seinem spätern Leben, daß er in der Philosophie wohl
bewandert, und auch in der Dichtkunst geübt war. Seine Erziehung und Bildung
stand anfänglich unter Leitung seines heil. Onkels. Schon als Jüngling hätte er
lieber sein Leben geopfert, als daß er sich eine Uebung hätte verbieten lassen,
welche der kathol. Glauben als gut und gottfällig bezeichnet. Auf diese Weise
wurde aus ihm einer der größten Glaubenshelden. Einiges hierauf Bezügliche ist
(H.-L. IV. 944 und 955) schon hervorgehoben. Als sein Onkel im J. 794 sein Amt
niederlegte, lenkte er die Wahl auf seinen jetzt 35jährigen Neffen. Bald darauf
begannen seine Leiden. Als er sich weigerte, die ehebrecherische Ehe des Kaisers
Constantinus VII. Porphyrogenitus als rechtmäßige Ehe anzuerkennen, wurde er und
seine Möncheschwer mißhandelt. Im J. 796 folgte seine erste Verweisung nach
Thessalonich. Er blieb dessenungeachtet standhaft auf seiner Weigerung und
machte dem Papste Hadrian I., welcher damals bereits gestorben war, ausführliche
Mittheilung; von seinem Nachfolger Leo III. erhielt er Geschenke und ein Trost-
und Aufmunterungsschreiben. Nach dem Tode des Kaisers im J. 797 kehrte der hl.
Abt im Triumphe über Constantinopel in sein Kloster Saccudion zurück, um seine
gewohnte, dem Dienste Gottes und der eigenen Vervollkommnung gewidmete
Lebensweise fortzusetzen. Neue Mönche sammelten sich um den großen Meister.
Außerhalb des Klosters dauerten die kirchlichen Kämpfe unter beständiger
Einmischung der Regierung fort. Dieß hatte zur Folge, daß das Reich innerlich
immer mehr zersplitterte, und die Feinde von außen ein Stück um das andere davon
abrissen. Schon konnten die Mönche in Saccudium sich nicht mehr halten, weil die
Saracenen bis vor die Thore von Constantinopel streiften, und nahmen daher auf
Einladung der Kaiserin Irene im J. 798 das Studitenkloster (von seinem Gründer
sogenannt) in Besitz. Von da erhielt er den Beinamen der Studite
. Der Ruf
seiner Thätigkeit wuchs täglich mehr an, so daß sein Kloster in kurzer Zeit 1000
Mönche zählte. Die schweren Leiden und Bedrängnisse, welche für das Kloster nach
dem J. 806 eintraten, wolle man unter S. Plato nachlesen. Der hl. Theodor
ertrug dieselben mit heldenmüthiger Geduld und tröstete durch zahlreiche Briefe,
die er aus dem Gefängnisse schrieb, seine Leidensgenossen. Im J. 809 mußte eine
SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
auf den Befehl des Kaisers beschließen: 1) daß die Bischöfe von allen
Kirchengesetzen ohne Einschränkung disspensiren können; 2) daß der Kaiser über
denselben stehe. Dagegen machte der hl. Theodor geltend, daß die Kirchengesetze
auf den Grund des göttlichen Gesetzes erlassen, und daher unabänderlich seien.
Insbesondere sei es rühmlich und verdienstvoll, für das evangelische Ehegesetz
verfolgt zu werden. Die Großen der Welt von diesen Gesetzen ausnehmen heiße die
Anarchie predigen. Wenn man dem Fürsten die Ehebrüche und die Ketzerei nicht
verwehre, wie wolle man den Untergebenen verbieten, dem Beispiele des Fürsten zu
folgen. Ist etwa der Kaiser größer als der Engel, welchem der heil. Paulus
das Anathem verkündet, wenn er dem Evangelium widerspricht? Sobald die
Kirchengesetze nichts mehr gelten, höre auch das Priesterthum, das Opfer und
überhaupt jedes Heilmittel für die kranken Seelen auf. Die Folge dieser
Erklärungen war die Erneuerung seiner Verbannung. Längere Auszüge aus seinen
Schriften sind hier nicht am Orte; sie sind alle beredte Zeugen seiner
Kenntnisse und seines Muthes. Die höchste Bedeutung hat für ihn den römische
Stuhl. Seine Lehre hierüber lautet (Ep I. 33): Christus unser Gott hat dem
großen Apostel Petrus die Würde des obersten
Hirtenamtes verliehen; daher muß Alles, was von den Neuerern von der
überlieferten Wahrheit Abweichendes eingeführt wird, an Petrus oder seinen
Nachfolger gebracht und von ihm entschieden werden.
Kaiser Nicephorus, welcher
sogar die Paulicianer und Manichäer schützte und vertheidigte, schien nur einen
Feind, die katholische Kirche, zu kennen, indem er Bischöfe und Priester
verfolgte, die Klöster unterdrückte, Aebte und Mönche in die Verbannung schickte.
Er fiel am 25. Juli d. J. 811 gegen die Bulgaren. Unter seinem Nachfolger
Michael Rhangabe wurde der hl. Theodor wieder zurückberufen. Aber auch der neue
Kaiser focht unglücklich gegen die Bulgaren und war deßhalb schon im J. 813 zur
Abdankung genöthigt. Als Leo der Armenier den Thron bestieg, wollte er den
Militärdespotismus, das Hauptprincip seiner Regierung, auch auf die Kirche
ausdehnen. Die Schismatiker und Bilderfeinde schlossen sich ihm an. Es begann
eine so wilde Zerstörung der Heiligenbilder, wie sie erst die sogenannte
Reformationszeit wieder gesehen hat. Der rechtmäßige Patriarch wurde entsetzt
und vertrieben, und eine dem Kaiser gefügige Creatur, dessen Stallmeister, an
seine Stelle gesetzt. Auf einer Versammlung von Bischöfen, Aebten und
kaiserlichen Beamten, die unter dem Vorsitze des Kaisers stattfand, sprach der
hl. Theodorus: Versuche nicht, o Kaiser, die kirchliche Verfassung zu stürzen.
Der Apostel sagt, daß Gott in seiner Kirche Apostel, Propheten, Hirten und
Lehrer aufgestellt hat; von Königen sagt er nichts. Dir ist der Staat und das
Heer übertragen; sorge für diese, und überlasse den Hirten und Lehrern für die
Kirche zu sorgen.
Darauf kam die Verordnung, daß die protestirenden Aebte und
Mönche für die Zukunft in dieser Sache vollständiges Stillschweigen zu
beobachten, und aller Schriften, Reden und Zusammenkünfte darüber sich zu
enthalten hätten. Aber der heil. Abt erwiderte dem Ueberbringer des Auftrags:
Urtheilet selbst, ob es erlaubt sei, den Menschen mehr zu gehorchen, als Gott!
Nach der Verbannung des Patriarchen und erneuerten Angriffen auf die
Bilderverehrung hielt er am Palmsonntage d. J. 815 mit seinen Mönchen eine
feierliche Procession außerhalb der Mauern des Klosters, bei welcher die Mönche
Heiligenbilder trugen und Hymnen sangen. Als dieß dem Kaiser hinterbracht wurde,
ließ er Abt und Mönche mit den schwersten Strafen bedrohen. Der hl. Theodor ließ
sich nicht einschüchtern; mit der Verfolgung wuchs auch sein Muth und seine
Glaubenstreue. Nach Ostern kam ein Concil von Hofbischöfen zusammen, zu welchem
auch er gerufen wurde; er gab, zugleich im Namen aller andern Aebte, zur Antwort
(Ep. II. 1.), er könne nicht kommen, weil ein wahres Concil nur unter dem
Vorsitze des Patriarchen möglich sei; ohne seine Zustimmung könne kein kirchlich
gültiger Beschluß gefaßt werden. Demungeachtet nahm das verbrecherische Concil
seinen Fortgang; die Bilderstürmerei erreichte den Gipfelpunkt. Die
rechtgläubigen Bischöfe, Priester, Aebte, Mönche und Laien wurden bis auf den
Tod verfolgt. (Man vgl. hieher die Artikel Nicephorus,
Michael, Theophylactus
von Nicomedia, Euthymius,
Georgius, Nicetas,
Macarius, Aemilianus
etc.) Der hl. Theodorus wurde in der Festung Metopa gefangen gehalten (vita. n.
81), hörte aber auch hier nicht auf, mündlich und schriftlich die Verfolgten zur
Festigkeit und Ausdauer zu ermahnen. Man brachte den Halsstarrigen nach Bonita
in Natolien, wo er in strengster Abgeschlossenheit gehalten werden sollte, er
aber erklärte schon bei der Wegführung (vita, n. 84.), daß es ihm gleichgültig
sei, wohin man ihn bringe, daß er aber niemals seiner Zunge in Glaubenssachen
Schweigen auferlegen werde, denn nur aus Liebe zur Wahrheit habe er sich allen
diesen Leiden freiwillig unterzogen. Auch sein neues Gefängniß war nicht so eng
verschlossen, daß er nicht hätte mit seinen Anhängern verkehren und Briefe
wechseln können. Auch dem Papste Paschalis I.
machte er seine und der morgenländischen Kirche gedrückte Lage bekannt, und bat
ihn (Ep. II. 12.), das apostolische Haupt,
den von Gott über die ganze Heerde
Jesu Christi gesetzten Hirten,
den Fels, auf welchen die katholische Kirche
erbaut ist
, in welchem er den Petrus selbst erkenne, weil er auf seinem Stuhle
sitze, dem der Herr befohlen habe, seine Brüder zu stärken,
er möge den so
schwer bedrängten Brüdern des Morgenlandes seine helfende und schützende Hand
reichen. In der That geschah von Rom aus Alles, was möglich war, um die
Rechtgläubigen des Morgenlandes zu trösten und aufzurichten. Eine SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
bannte den
eingedrungenen Patriarchen und nahm die Verehrung der Bilder in Schutz. Der heil.
Theodor dankte in einem neuen Schreiben (Ep. II. 15.) dem Papste, in welchem er
ihn als die von Anbeginn hell und lauter fließende Quelle der Wahrheit,
den
sichern Hafen gegen jeden Wogenandrang der Ketzerei,
die von Gott erwählte
Stätte des Zuflucht und des Heiles
begrüßt. Was die Kirche unter den damaligen
Kämpfen zu leiden hatte, sieht man aus einem andern Schreiben Ep. II. 14.) des
hl. Abtes: Die Altäre sind umgestürzt, die Tempel des Herrn bis in die Klöster
hinein verwüstet. Sogar der Araber, der euch jetzt auf den Nacken tritt,
verfährt nicht so grausam gegen Christus. Bischöfe, Priester, Mönche, Weltleute,
jedes Geschlecht, jedes Alter, was immer rechtgläubig ist, wird zu Boden
gedrückt. Einige haben bereits im Glauben Schiffbruch gelitten, Andere sind im
Innern rechtgläubig, pflegen aber aus Furcht Gemeinschaft mit Ketzern. Viele
haben aber doch nicht vor Baal ihre Kniee gebeugt, und unter ihnen ist unser
Patriarch, welcher Allen wie im Range, so auch im Beispiele vorangeht. Diese
werden verhöhnt und geschlagen, fristen in den Gefängnissen das traurige Leben
bei Brod und Wasser, oder weilen in der Verbannung, in den Wüsteneien, auf dem
Gebirge und in Erdhöhlen. Einige sind an den empfangenen Schlägen gestorben und
als Martyrer zum Herrn gegangen, Andere wurden in Säcke gesteckt und ins Meer
geworfen. Auch die Schulbücher sind ketzerisch und stecken die Kinder mit
verkehrten Lehren an. Das Bekenntniß der Wahrheit hat augenblickliche
Nachstellungen zur Folge. Der Mann ist nicht sicher, daß ihn seine Frau angibt;
tausend Kundschafter lauern und bringen dem Kaiser zu, wenn Einer gegen ihn
spricht, mit den Ketzern keine Gemeinschaft pflegt, ein heiliges Bild oder ein
Buch, das von den Heiligenbildern handelt, im Laden hat, einem armen Verbannten
eine Zuflucht gewährt oder einem Gefangenen um der Liebe Christi willen Dienste
leistet. Ein solcher wird sofort ergriffen, geschlagen und ausgewiesen.
Hiemit
hat der Heilige auch seine eigene Leiden beschrieben. Was er körperlich duldete,
schien ihm gering; viel ärger war ihm der Ruin so vieler gottgeweihter Stätten,
und der Untergang so vieler unsterblichen Seelen. Was er für sich litt, schrieb
er seinen Sünden zu, und meinte, daß er wohl Schwereres verdient hätte. Außer
dem Troste, welchen die Verfolgung um der Wahrheit willen durch sich schon
gewährt, hatten er und die mit ihm Verfolgten die Freude, sogar im Gefängnisse
Bekehrungen zu machen, wie die Briefe zeigen, welche er über die Wiederaufnahme
und Buße der Gefallenen schrieb. Diese Briefe trugen aber ihm und den Schreibern
jedesmal neue Schläge und härtere Behandlung ein, so daß er öfter dem Tode nahe
kam. Am meisten litt er ohne Zweifel, als er im J. 819 nach Smyrna gebracht
wurde, wo der abgefallene Erzbischof sein Kerkermeister wurde. Dieser wollte
sich des auf ihn gesetzten Zutrauens würdig beweisen und sperrte den hl. Abt in
ein dunkles Loch unter der Erde und sorgte reichlich für heftige Schläge. Alle
diese Gewaltthätigkeiten waren erfolglos. Da sagte der Erzbischof, er werde den
Kaiser bitten, daß er ihm den Kopf abschlage, oder wenigstens die Zunge
ausschneiden lasse. Aber dem Tyrannen schlug jetzt seine Stunde; er wurde in der
hl. Weihnacht des J. 820 ermordet. Es folgte ihm Michael, zugenannt der Stammler,
der seinen Sohn Theophilus zum Mitregenten annahm. Er wollte Anfangs
, sagt
Leo, Gesch. des M.-A. S. 247, in kirchlichen Sachen mit voller Gleichgültigkeit
handeln, aber die Bilderfreunde benahmen sich bald so leidenschaftlich, daß sie
ihn zur Verfolgung zwangen. Worin bestand aber diese Leidenschaftlichkeit?
Sie
verließen ihre Gefängnisse und Verbannungsorte und kehrten zu den Ihrigen wieder
zurück, in dem guten Glauben, daß ihnen ihre Kirchen, ihre Klöster und Altäre
zurückgegeben und daß sie in der freien Ausübung der Religion nicht ferner
gehindert sein würden. Der hl. Theodor insbesondere rieth dem Kaiser als
sichersten Weg zu einem dauernden Frieden eine Gesandtschaft zu dem Oberhaupte
der Kirche. Alles dies wurde den Rechtgläubigen abgeschlagen. Der Kaiser
erklärte geradezu, er werde die Wiederherstellung der zerstörten Bilder einfach
nicht dulden. Aber die Bilderfreunde
hörten nicht auf zu bitten, und ihre
Rechte geltend zu machen, und zwangen ihn zur Verfolgung.
Allerdings wollte
der Kaiser einen Versuch machen, ob nicht auf dem Wege einer Disputation, bei
welcher er sich das Urtheil vorbehielt, eine Einigung zu erzielen wäre. Die
Rechtgläubigen, an der Spitze der hl. Theodor, weigerten sich dessen. Es
handelt sich hier nicht
, sprach der große Bekenner, um weltliche Händel, um
Fleisch und Blut, worüber die Richtergewalt dem Kaiser zusteht, sondern um
überirdische Wahrheiten, welche den Aposteln und ihren Nachfolgern zur
Entscheidung übertragen sind.
Man sieht deutlich, daß die Ehrfurcht von der
kaiserlichen Autorität diese entschiedene Sprache veranlaßte, um den Kaiser zu
warnen, daß er dieselbe nicht auf ein ihm fremdes Gebiet, die Dogmen und den
Cult der Kirche verlege, wo sie nur verlieren konnte. Dennoch wurde der Heilige
auch politisch verdächtigt und wegen angeblichen Einverständnisses mit dem
Prätendenten Thomas zum vierten Male in die Verbannung geschickt. Er starb in
Chalcis, nach dem Empfang der heil. Wegzehrung und letzten Oelung am 11. Nov.
d. J. 826. Die Hauptausgabe seiner Werke ist von Sirmond. Sie enthalten außer
seinem Testamente
, einer Art Regel für seine Mönche, größtentheils polemische
Abhandlungen wider die Bilderstürmer, und zwei Bücher Briefe nebst einigen
Gedichten.
