
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Theodorus Siceotas, Abb. Ep. Conf. (22. April). Von diesem hl. Abt und
Bischof sagt das Mart. Rom., daß er durch seine Wunder berühmt geworden sei.
Wirklich ist seine ganze Lebensgeschichte voll wunderbarer Thaten, die er
vollbrachte. Sein bischöflicher Sitz war Anastasiopolis in Galatien, von welcher
Stadt heutzutage keine Spur mehr vorhanden ist. Auch seine in der Nähe gelegene
Heimath, Siceon oder Siceonium, von welcher er den Beinamen trägt, ist
verschwunden. Er war von niedriger Herkunft; aber er löschte diese Makel durch
ein wunderbar heiliges Leben. Von Kindheit an war und blieb der Heilige ein
eifriger Verehrer des hl. Georgius.
Besondern Anlaß dazu gab ihm ein unfern von seinem Geburtsorte stehendes
Georgskirchlein, in welchem er oft zu beten pflegte. Wie alle großen und
heiligen Männer zog ihn die göttliche Gnade schon frühe in die Einsamkeit, wo er
ein strenges Büßerleben führte. Alle Jahre von Weihnachten bis Ostern war eine
dunkle und enge Höhle seine Wohnung. Während dieser Zeit aß er nur einmal oder
zweimal in der Woche. Fleisch genoß er auch sonst niemals; Gemüse und sonstige
Gartenfrüchte waren seine ausschließliche Nahrung. Mehrfache Wallfahrten an die
heil. Stätten von Palästina und der Besuch der dortigen Klöster bestärkten ihn
in dem Vorsatze, als Einsiedler zu leben und zu sterben. Ebendort empfing er
auch das Ordenskleid. Als er nach Siceon zurückkam, vergrößerte er seine
Lebensstrenge. Er trug unter dem Ordenskleide einen eisernen Panzer, und um den
ganzen Leib schwere eiserne Ketten, und fastete zudem mit eiserner
Beharrlichkeit. Kranke, die zu ihm kamen, fanden plötzliche Hilfe und
begründeten seinen Ruf als Wunderthäter. Ohne es zu wollen, wurde er der Vater
vieler Mönche, die sich freiwillig unter seine Leitung stellten. Dem kaiserl.
General Mauritius, der ihn auf seinem Rückzuge aus Persien besuchte, sagte er
seine nachmalige Erhöhung zum Kaiser voraus. Die Kaiserkrone konnte dem
Schwiegersohne des Kaisers allerdings kaum entgehen; der hl. Abt hatte ihn aber
zugleich um eifrige Verehrung des heil. Georgius und um Almosen für die Armen
gebeten. Wirklich schickte der Kaiser nachmals alljährlich eine Quantität
Getreide an das Kloster zur Vertheilung an die Armen, und empfahl sich der
Fürbitte des hl. Abtes. Im J. 589 wird er den bischöflichen Stuhl von
Anastasiopolis bestiegen haben. Es war nicht sein Wille, aber Klerus und Volk
begehrten ihn. Seine Befürchtungen waren gerechtfertiget; der hl. Abt fühlte
sich der bischöflichen Würde nicht gewachsen. Sogar in der äußern Verwaltung
hatte er kein Glück; bald hätte er sein Leben durch Gift, das man ihn reichte,
eingebüßt *. Seine von Eleusius, einem seiner Schüler,
verfaßte Lebensbeschreibung legt ihm daher die Worte in den Mund: Ich bin euch
zur Last, ihr seid es mir; wohlan, ich will meiner Würde entsagen.
Er that es
und wußte den Widerstand, welchen sein Metropolit ihm deßfalls in den Weg
stellte, zu überwinden. So ging er um d. J. 599 wieder in seine geliebte
Einsamkeit zurück, wo er im J. 613 als ein Heiliger starb. Bildnisse stellen ihn
dar als Einsiedler in einem Buche lesend. (III. 33-61.)
* So lautet der wesentliche Inhalt des Cap. 9 der
Vita. Dagegen heißt es bei Butler (V. 246), daß er seinem Sprengel mit hohem
Ruhme und zur allgemeinen Erbauung
10 Jahre vorgestanden sei.
